Thomas von Steinaecker Die Verteidigung des Paradieses

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Inhaltsangabe zu „Die Verteidigung des Paradieses“ von Thomas von Steinaecker

Thomas von Steinaecker schreibt einen atemberaubenden Roman über die Zukunft unserer Gegenwart: literarisch virtuos, philosophisch radikal und zutiefst berührend. Er möchte ein guter Mensch sein. Aber Heinz lebt in einer Welt, die Menschlichkeit nicht mehr zulässt. Deutschland ist verseucht und verwüstet, Mutanten streifen umher, am Himmel kreisen außer Kontrolle geratene Drohnen. Zusammen mit seinem besten Freund, einem elektrischen Fuchs, dem Fennek, wächst Heinz in einer kleinen Gruppe Überlebender in den Bergen auf. Er nimmt sich vor, die verlorene Zivilisation zu bewahren, sammelt vergessene Wörter und schreibt die Geschichte der letzten Menschen. Doch was nützen Heinz Wissen und Kunst jetzt noch? Da gibt es plötzlich das Gerücht, weit im Westen existiere ein Flüchtlingslager. Und die Gruppe bricht auf zu einem mörderischen Marsch ins vermeintliche Paradies.

Alles in allem ein faszinierendes Buch, dass durch die Umkehrung aller Vorzeichen aktuelle Brisanz entfaltet.

— Mixay
Mixay

Postweltuntergangsutopie aus der Sicht eines 15-Jährigen, wie sich später herausstellt, E-Klons. Jugendsprache. Überraschende Wendungen.

— CCS1749
CCS1749

Spannende Handlung, tiefgehende Themen, außergewöhnliche Sprache, gekonnt vermische Genres. Eines der besten Bücher 2016!

— letusreadsomebooks
letusreadsomebooks

Die Flüchtlingsthematik als Dystopie - lesenswert!

— blauerklaus
blauerklaus

Meiner Meinung nach hat der Autor zuviel gewollt. Partieller Weltuntergang, trügerische Idylle auf einer Alm und erfundener Sprache.

— AnjaSc
AnjaSc

Überraschend, bewegend und zurecht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.

— Contresse
Contresse

Man muss das Science-Fiction-Genre schon mögen, aber dann ist es ein spannender, philosophischer Roman über das Menschsein.

— Buecherherbst
Buecherherbst

Packend, schockierend, bewegend: lässt einen so schnell nicht mehr los

— raven1711
raven1711

Nach dieser Lektüre, fragt sich der Leser, welches Paradies nun verteidigt gehört. Eine anspruchsvolle Dystopie!

— Nespavanje
Nespavanje

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  • Die Verteidigung des Paradieses

    Die Verteidigung des Paradieses
    dirki_1974

    dirki_1974

    06. February 2017 um 22:20

    Das Buch ist ein echter Hochkaräter wie sie nicht oft vorkommen.  In einer fast völlig zerstörten Welt versucht der kleine Heinz dessen bester Freund ein Toy, ein elektronischer Fuchs namens F-87 ist, für sich und seine Mitstreiter ein Stück Menschlichkeit zu bewahren indem er die Geschichte der letzten Menschen aufschreibt. Es ist ein sehr beschwerlicher Weg von der Alm in den Alpen hinab durch die trostlose Ebene. Ungewiss ob es überhaupt irgendwo Rettung gibt, Reste von Zivilisation, einen lebenswerten Ort, Menschlichkeit.  Es ist starker Tobak der auf der Reise passiert, immer wenn man denkt schlimmer geht es nicht, geht es doch. Trostlosigkeit, Hitze, Nebel, Hunger, Durst, Angst, Gewalt muss die Gruppe um Heinz überstehen.  Ob sie irgendwo ankommen werden? Was erwartet sie? Werden es alle schaffen? Absolute Leseempfehlung!

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  • Die größte Bedrohung der Menschlichkeit

    Die Verteidigung des Paradieses
    BrittaRoeder

    BrittaRoeder

    11. November 2016 um 12:33

    Von Steinaeckers‘ Dystopie beginnt wie eine Aussteiger-Idylle. Mit einer Geduld, die den Leser schon fast in die Langeweile treibt, beginnt der Autor zu beschreiben, wie nach einer globalen Katastrophe eine kleine Gruppe der vermeintlich letzten Überlebenden auf einem Bauernhof irgendwo mitten in den deutschen Alpen lebt. Erzählt wird das Ganze von Heinz, dem einzigen Kind der Kommune, der zu Beginn der Geschichte den Auftrag erhält, alles niederzuschreiben, also der Chronist der letzten Zivilisation zu sein.  Doch auch Heinz' naiv-unschuldiger Erzählton kann nicht verschleiern, dass das Leben auf dieser letzten Insel der Geretteten,  nur eine trügerische Sicherheit bietet. Spätestens als sich die Gruppe gezwungen sieht, ihren Zufluchtsort zu verlassen, beginnt der Horror.   Dystopien gibt es wie Sand am Meer. Wer allerdings von Steinaeckers‘ spannenden Roman mit seinen ganz genretypisch immer schwerer auszuhaltenden Szenen nur wie eine Dystopie von vielen konsumiert,  hat Wesentliches übersehen. Denn was diesen Roman zu etwas Besonderem macht, ist der geschickte Kunstgriff des Autors den Schauplatz mitten in Europa anzusiedeln. Keine unbenannte ferne Welt, kein fernes Fantasy-Utopia,  das der Leser mit schaurig wohligem Gefühl aus der Ferne betrachten kann, nein, ein schockierend nahes Weltuntergangsszenario mitten in Deutschland mit ganz realen konkreten Bezügen. Auch sprachlich ist dieser Roman spannend konstruiert. Von Steinaecker mixt ohne Berührungsängste verschiedene Genres. Er spielt mit unterschiedlichen Sprachebenen, erfindet auch mal eben neues Vokabular. Manchen Leser mag das befremdlich erscheinen und die eine oder andere Episode im Laufe der bewegten Handlung erscheint dabei auch etwas zu aufgesetzt, doch im Gesamtbild fügen sich alle diese Facetten wieder in ein stimmiges großes Ganzes.   Was den Roman jedoch letztendlich so richtig bewegend macht, ist das Weltbild, das der Autor aufdeckt. Schonungslos entlarvt von Steinaecker das selbstzerstörerische Schöne-Welt-Konstrukt, in dem wir leben, zeigt wie das blinde Wegleugnen globaler Zusammenhänge unsere Scheinwelt zum sicheren Kollaps führen wird. Das erschreckendste Element dieser Dystopie sind nicht die alptraumhaften Szenen, sondern wie sehr der fiktive Alptraum des Romans unsere Realität schon lange eingeholt hat. Dass von Steinaecker dabei von der Ironie Gebrauch macht, ausgerechnet eine künstliche Lebensform, zum Bewahrer der letzten menschlichen Werte zu erklären, zum letzten Verteidiger eines zum Scheitern verurteilten Paradieses, ist mehr als das provozierende Augenzwinkern eines Autors. Dahinter steht völlig berechtigt und mahnend die pessimistische Einsicht, dass der Mensch selbst die größte Bedrohung der Menschlichkeit ist. 

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    • 6
  • Brillante Mischung aus Abenteuer, Postapokalypse, SciFi und Entwicklungsroman

    Die Verteidigung des Paradieses
    letusreadsomebooks

    letusreadsomebooks

    09. October 2016 um 13:17

    Es ist das Jahr 11 nach der großen Katastrophe. Gemeinsam mit einer Handvoll von weiteren Überlebenden wächst der Junge Heinz auf einer Alm in den Bergen auf, die noch von Schutzschilden geschützt wird. Der Rest Deutschlands ist zerstört oder verseucht und wird von Banden kontrolliert. Heinz Ziel ist es, die verlorene Zivilisation zu bewahren und eine Chronik der letzten Menschen zu schreiben. Als das Gerücht aufkommt, dass im Westen ein Flüchtlingslager existiert, macht sich die Gruppe auf den Weg in das vermeintliche Paradies… In seinem Roman Die Verteidigung des Paradieses erzählt der Autor Thomas von Steinaecker die Geschichte eines Jungen, der mit anderen Überlebenden durch ein zerstörtes Deutschland wandert und dabei mit existenziellen Fragen konfrontiert wird. Heinz ist mit seinen 15 Jahren zwar der jüngste der Gruppe von Überlebenden, erhält aber von Cornelius, den er als den „weltbesten Leader“ bezeichnet, den Auftrag, die Geschichte der Gruppe zu dokumentieren. Und so schreibt Heinz getreu dem Motto: „So lange ich schreibe, leben wir“. Insgesamt füllt er mehrere Hefte, die nach ihren jeweiligen Farben benannt sind und zunächst das Leben auf der Alm beschreiben sowie die Reise in Richtung der erhofften Rettung im Flüchtlingslager. Doch bereits das Leben auf der Alm ist nicht einfach. Zwar wird das Gebiet von Schilden vor den heftigen Witterungen geschützt, doch bei Ausfällen kann die Gruppe nur mithilfe des Schutzes von Anzügen die Sonnenstrahlung überleben. Doch nicht nur das Wetter ist eine Gefahr, sondern auch Drohnen oder andere Überlebende, die zufällig einen versteckten Eingang finden könnten. Heinz ist mit seinen jungen Jahren ein außergewöhnlicher Hauptcharakter, der sympathisch ist und mit dem ich jederzeit mitgefiebert habe. Auf der einen Seite schutzbedürftig und immer begleitet von seinem Spielzeug, einem elektronischen Wüstenfuchs, der ihm zum Einschlafen Kindergeschichten erzählt und auf der anderen Seite sind Überreste von Texten in seinem Kopf, deren Ursprung unbekannt ist und die nicht nach einem Jungen von 15 Jahren klingen. Leser, die sich in der Weltliteratur auskennen, finden Zitate von Klassikern wie Lew Tolstoi, Dante Alighieri, Edgar Allan Poe und Adalbert Stifter, aber auch von modernen Autoren wie David Foster Wallace, Haruki Murakami, Suzanne Collins oder W. G. Sebald. Sozusagen die gesamte Weltliteratur im Kopf eines Jungen, der scheinbar zufällig die Apokalypse überlebt hat. Eines der Hobbys von Heinz auf der Alm ist es, Altwörter zu sammeln und in Listen zu bewahren. In meiner aktuellen Top Ten der besten Altwörter ever steht zurzeit Salbader auf Nummer eins. Aber auch die Nummer zwei, weidlich, ist heftig. Genauso wie Amnestie. Ich kann gar nicht genug davon kriegen.Demonstration, Plenarsaal, Internet. Ich bin verrückt, es ist schrecklich. Während die Gruppe sich noch auf der Alm befindet, kommt die Bedrohlichkeit des Post-Apokalyptischen Settings nur punktuell zum Vorschein. Das ändert sich aber mit dem Verlassen der sicheren Umgebung völlig. Das Deutschland, das die Gruppe betritt, ist fast gänzlich zerstört, es gibt fast gar kein Wasser und Essen nur aus Konserven, die noch nicht gefunden oder zerstört wurden. Aber nicht nur die Natur erscheint feindlich, sondern auch die anderen Überlebenden. So besteht ständig die Gefahr, von Banden oder Mutanten angegriffen zu werden. Hier ist die Schilderung eines Mutantendorfes besonders eindrücklich. Die Reise durch die zerstörte ehemalige Heimat bringt die Gruppe sowohl an ihre physischen als auch an ihre psychischen Grenzen. Soll man einer anderen Gruppe von Überlebenden etwas von seinem Essen abgeben, um sie vor dem Tod zu retten, damit aber riskieren, selber zu verhungern? Kann man die älteste Frau zurücklassen und so dem sicheren Tod überlassen, weil sie keine Kraft mehr hat um weiterzugehen? Ist es möglich, einen anderen Menschen, der die Strapazen nicht überleben wird, nach seinem Tod zu essen um so das eigene Überleben zu sichern? Diese Fragen und noch weitere stellen sich während der Reise und führen letztlich zu der entscheidenden Frage: Was bedeutet es eigentlich, Mensch zu sein? Doch nicht nur die Geschichte des Romans ist äußerst spannend, sondern auch seine sprachliche Gestaltung. Geschrieben aus der Ich-Perspektive des 15-jährigen Heinz ist der Stil eine Mischung aus eher altertümlichen Wörtern, den von Heinz so geschätzten ‚Altwörtern‘ und Anglizismen. Am Anfang des Lesens war es gewöhnungsbedürftig, doch nach einigem Zurechtfinden hat es mir sehr gut gefallen und war erfrischend anders. Ebenso beeindruckend wie die stilistische Vielfalt ist auch die die Vermischung von verschiedenen Genres. Es ist sowohl ein Entwicklungs-, Abenteuer- als auch ein Science-Fiction-Roman, aber ebenso macht sich Heinz viele Gedanken über die Bedeutung von Gott, hier als LORD bezeichnet. Für mich hat Thomas von Steinaecker mit Die Verteidigung des Paradises eine wunderbare Mischung aus spannender Handlung mit tiefgehenden Themen und einer außergewöhnlichen Sprache geschaffen, die mich beim Lesen wirklich begeistert hat. Bis jetzt eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe und ein Roman, der mich sicherlich noch länger begleiten wird.

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  • Deutscher Buchpreis 2016: Fragerunden mit den Autoren der Longlist

    TanjaMaFi

    TanjaMaFi

    Seit dem 23. August steht die Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 fest! Die Jury hat aus allen Einsendungen 20 Bücher ausgewählt, die in ihren Augen die begehrte Auszeichnung verdient hätten. Welche 20 Titel es auf die Longlist geschafft haben, seht ihr hier in der kompletten Liste! Vielleicht erinnert ihr euch noch an unsere Aktionen zum Deutschen Buchpreis aus den letzten Jahren? 2016 möchten wir euch auch wieder etwas besonderes zu diesem Anlass bieten: Ihr habt in den ersten Septemberwochen die Möglichkeit, einigen der Autoren, die es mit ihren Büchern auf die Longlist geschafft haben, Fragen zu stellen und ihre Bücher zu gewinnen! Hier die Termine und Autoren, die euch eure Fragen beantworten: Montag, 05. September 2016Peter Stamm – "Weit über das Land"Hier geht es zur Fragerunde Mittwoch, 07. September 2016Philipp Winkler – "Hool"Hier geht es zur Fragerunde Montag, 12. September 2016Anna Weidenholzer – "Weshalb die Herren Seesterne tragen"Hier geht es zur Fragerunde Mittwoch, 14. September 2016Michelle Steinbeck – "Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch"Hier geht es zur Fragerunde Freitag, 16. September 2016Hans Platzgumer – "Am Rand"Hier geht es zur Fragerunde Sonntag, 18. September 2016Dagmar Leupold – "Die Witwen"Hier geht es zur Fragerunde Sobald die Fragerunden starten, findet ihr hier die entsprechenden Links. Ihr könnt den Autoren dann an dem Tag eure Fragen stellen. Bitte achtet darauf, dass ihr die Fragen in die Fragerunde postet und nicht hier in das Thema. Die Autoren werden dann auch dort alle Fragen beantworten. Da manche Autoren nicht den ganzen Tag für Fragen zur Verfügung stehen, solltet ihr euch die Beschreibung der Fragerunden noch einmal durchlesen. Wir werden in den Fragerunden auch eins bis drei Exemplare des jeweiligen Buchs verlosen. Wenn ihr an der Verlosung teilnehmen möchtet, postet eure Frage bitte, indem ihr den blauen “Jetzt bewerben” Button nutzt. Unter allen Teilnehmern verlosen wir außerdem ein großes Buchpaket mit allen 20 Titeln, die auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 stehen: Philipp Winkler – "Hool" Gerhard Falkner – "Apollokalypse" Bodo Kirchhoff – "Widerfahrnis" Dagmar Leupold – "Die Witwen" Eva Schmidt – "Ein langes Jahr" Michael Kumpfmüller – "Die Erziehung des Mannes" Katja Lange-Müller – "Drehtür" Joachim Meyerhoff – "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" Michelle Steinbeck – "Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch" Hans Platzgumer – "Am Rand" Akos Doma – "Der Weg der Wünsche" André Kubiczek – "Skizze eines Sommers" Thomas Melle – "Die Welt im Rücken" Arnold Stadler – "Rauschzeit" Thomas von Steinaecker – "Die Verteidigung des Paradieses" Ernst-Wilhelm Händler – "München" Reinhard Kaiser-Mühlecker – "Fremde Seele, dunkler Wald" Peter Stamm – "Weit über das Land" Sibylle Lewitscharoff – "Das Pfingstwunder" Anna Weidenholzer – "Weshalb die Herren Seesterne tragen" Zwar könnt ihr den Autoren hier im Thema keine Fragen stellen, dafür aber miteinander wunderbar diskutieren! Habt ihr schon eines oder sogar mehrere der Bücher gelesen? Kennt ihr andere Bücher der nominierten Autoren? Welches ist euer Favorit für den Buchpreis? Wie findet ihr die Fragerunden hier auf LovelyBooks? Nun ist auch die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2016 heraus! Philipp Winkler – "Hool", Bodo Kirchhoff – "Widerfahrnis", André Kubiczek – "Skizze eines Sommers", Thomas Melle – "Die Welt im Rücken", Reinhard Kaiser-Mühlecker – "Fremde Seele, dunkler Wald", Eva Schmidt – "Ein langes Jahr" Wer ist euer Favorit? Hier könnt ihr darüber abstimmen! Wenn ihr auf euren Buchblogs über den Buchpreis oder unsere Fragerunden mit den Autoren berichtet, freuen wir uns über eure Links! Ich wünsche euch viel Spaß bei den Fragerunden und bin gespannt auf eure Meinungen!

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    • 91
  • Von allem etwas weniger

    Die Verteidigung des Paradieses
    sofie

    sofie

    28. September 2016 um 21:47

    Thomas von Steinaecker hat mit „Die Verteidigung des Paradieses“ eine Dystopie geschrieben, die in nicht allzu ferner Zukunft spielt. Dabei greift er aktuelle Diskussionen und Probleme wie den Klimawandel oder die Aufnahme von Flüchtlingen auf. Der Erzähler der Geschichte ist Heinz, ein fünfzehnjähriger Junge, der nach dem „Untergang“ das Glück hatte in einem Ressort auf einer Alm in Bayern zu leben. Er sieht sich als Bewahrer der Geschichte seiner Gruppe von sechs Überlebenden und schreibt alles in ein paar Heften auf, die wir als Leser nun zu sehen bekommen. Die Geschichte teilt sich in mehrere Teile, wobei immer mehr von der Zeit vor dem Untergang und dem eigentlichen Grund für den Untergang preisgegeben wird. Der Autor versucht sich auch an einer besonderen Sprache, um deutlich zu machen, dass das Ganze in der Zukunft spielt. Ich muss leider sagen, dass mir gerade das mit der Zeit etwas auf die Nerven ging. Es klingt ein bisschen wie ein Erwachsener, der versucht Jugendsprache zu sprechen. Generell hatte ich ein bisschen das Problem, dass ich diese Zukunft nie so ganz plausibel finden konnte. Irgendwie passten die Zeitspannen für mich nicht und ich konnte nie so ganz einschätzen, wie weit in der Zukunft die Handlung spielt. Deswegen konnte ich mich nicht richtig auf die Illusion einlassen. Trotzdem hat mir der Roman sehr gut gefallen, weil er viele spannende und wichtige Fragen aufwirft. Wie viel ist ein Leben wert? Was nimmt ein Mensch auf sich, um zu überleben? Wie erhält er seine Menschlichkeit, seine Würde? Was ist das überhaupt? Spannend fand ich auch, mal ein spezifisch deutsches beziehungsweise europäisches Weltuntergangsszenario zu lesen. Es ist lange Zeit nicht klar, ob tatsächlich die ganze Welt davon betroffen ist. Dabei stellt sich dann die Frage, wenn nicht, wieso kommt keine Hilfe? Insgesamt also ein spannender Roman, der interessante Fragen aufwirft, aber manchmal vielleicht doch zu viel will.

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  • Leider nichts für mich

    Die Verteidigung des Paradieses
    AnjaSc

    AnjaSc

    26. September 2016 um 21:54

    Ich habe lange überlegt was und ob ich überhaupt etwas zu dem Buch schreibe, ich habe es nachwirken lassen, aber leider hat es mir nicht wirklich zugesagt. Bis es zu den beschriebenen Vorfällen des Klappentextes kommt, vergeht im Buch sehr viel Zeit, ähm Seiten, auf denen das Leben auf der Alm (die im Berchtesgadener Land unter einem noch funktionierenden Schutzschild liegt) und das untereinander bzw. miteinander der Gruppe wird beschrieben. Ich habe mich da schon gefragt, woher kommt denn das nicht verseuchte Wasser und später habe ich mich gefragt, wieso sind sie nicht verseucht? Aber das nur am Rande. Gott, was soll ich sagen, ich habe es 3x weggelegt und habe es irgendwann endlich fertig bekommen und bin völlig "unbefriedigt". Das Buch will alles, vielleicht zu viel? Viel zu viel Zeit wird meiner Meinung nach mit Nichtigkeiten verschwendet und die wirklich interessanten, wichtigen Dinge werden nebenher erwähnt. Hinzu kommt, dass Heinz, der 15 Jahre alt ist, solange sie auf der Alm sind, immer unter dem Tisch sitzt an dem alle anderen Gruppenmitglieder sitzen, essen, reden und Entscheidungen treffen. Warum um alles in der Welt hockt er unter dem Tisch? (Das große Geheimnis von ihm, also Heinz, wird erst ziemlich zum Schluss gelüftet, warum er so besonders ist) Heinz hat ein ambivalentes Verhältnis zu den Leuten mit denen er seit 12 Jahren zusammen lebt und schwankt zwischen den Personen hin und her. Die Gruppendynamik steht im Mittelpunkt während sie in der Idylle leben. Heinz ist der Erzähler der Geschichte und das ganze Buch ist in einer ziemlich plumpen und merkwürdigen Art geschrieben, die mich nicht packen konnte. Warum auch immer, meint Herr Steinaecker eine "neue" Sprache erfinden zu müssen. Hier ein paar Beispiele: "Nur in absoluten Ausnahmesituationen rufe ich mir solche Glücksmomente deluxe aus der Voruntergangszeit ins Gedächtnis." "Als ich endlich aufstand, genau in diesem Augenblick, spornstreichs, um es mit einem der foxysten aller Altwörter zu sagen, drehte sich unser weltbester Leader um..." "Gesegnet sei der Name des süßen LORDs" Ich habe in vielen Rezensionen etwas von der virtuosen und sprachgewaltigen Art gelesen, für mich war es leider keines von beidem. Ich fand es erschlagend, schlicht geschrieben und war durch die Wortkreationen genervt. Wer da drüber hinweglesen kann, oder das sogar gut findet, ist hier gut aufgehoben. Fazit, quer zu Ende gelesen und das auch nur weil ich dachte, da muss doch noch was kommen, das das Buch so besonders macht... Für mich kam da nichts besonderes außer einer Aneinanderreihung von Episoden, gruseligen Gestalten, grausamen Verhalten und der Erkenntnis, dass Menschen schlecht sind nach so einer Katastrophe und man niemandem trauen kann auch dann nicht, wenn man 12 Jahre zusammen gelebt hat und anscheinend befreundet war. Das Buch endet mit Heinz in einem Kloster, wie er die letzten Seite schreibt. Sicherlich wird das Buch viele Befürworter finden und einige werden sagen: aber es steht doch auf der Longlist für den Buchpreis, für mich definitiv kein Kriterium das Buch als wirklich gutes Werk zu sehen.

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  • Die Flüchtlingsthematik in Form einer Dystopie - lesenswert!

    Die Verteidigung des Paradieses
    blauerklaus

    blauerklaus

    25. September 2016 um 19:01

    „Solange ich schreibe, überleben wir.“ (Seite 155)Der Deutsche Buchpreis hat bisher bei meiner Buchauswahl eher eine untergeordnete Rolle gespielt, dieses Jahr wollte ich mir bewusst die nominierten Bücher näher anschauen und die Leseproben haben meine Neugier auf einige Titel geweckt. Eine Dystopie hörte sich als Einstieg vielversprechend an, auf jeden Fall ist es für die Longlist ein eher ungewöhnliches Genre. Dass dieses Buch jedoch so viel mehr als Genreliteratur ist habe ich mit viel Freude bei der Lektüre dieses großartigen Romans herausgefunden. Bereits das dem Roman vorangestellte Bibelzitat „Im Anfang war das Wort…“ lässt erahnen, dass den Leser ein Buch erwartet, bei dem es auch um die Bedeutung von Wörtern, Sprache und Literatur geht. Deutschland in einer nicht allzu fernen Zukunft: Die schützende Ozonschicht um den Planeten hat sich aufgrund der Klimakatastrophe aufgelöst. Dörfer, Städte und Bevölkerung werden vor der lebensgefährlichen Strahlung von riesigen Schutzschirmen geschützt. Roboter haben einen Großteil der Arbeit übernommen, die Eliten bleiben in kleinen Luxusressorts unter sich. Dann passiert die Katastrophe: Aufgrund eines zunächst nicht näher beschriebenen Unglücksfall werden fast alle Schutzschirme zerstört, nur wenige Menschen überleben diese Katastrophe. Der Erzähler der Geschichte, ein Junge namens Heinz, kann sich zu einigen Überlebenden unter einen der letzten funktionierenden Schutzschirme auf eine Berchtesgadener Alm retten. Dort schafft er es mit einer Handvoll Überlebender so etwas wie eine heile Welt aufzubauen. Mit etwas Vieh und Landwirtschaft können sie die notwendigen Lebensmittel produzieren, sind aber auf den begrenzten Lebensraum unter dem Schutzschirm beschränkt. Die eigentliche Erzählung beginnt mit dem fünfzehnten Geburtstag von Heinz, bei dem er von dem Anführer der Gruppe gebeten wird, fortan die Erlebnisse der Gruppe in einigen vor der Katastrophe geretteten Heften aufzuschreiben. Er wird der Chronist der Gruppe und hat große Freude daran Wörter aus der Zeit vor der Katastrophe vor dem Vergessen zu retten. „Ab dem heutigen Tag werde ich jede freie Minute dafür verwenden, aufzuschreiben was uns wiederfährt. Ich schwöre, ich werde dabei die foxysten Altwörter verwenden, die sich in meiner Sammlung finden lassen.“ (Seite 17) Im Laufe der Jahre haben sich in die deutsche Sprache zahlreiche Anglizismen, ausländische und erinnerte Wörter eingeschlichen, die anfangs etwas befremdlich wirken und mich vereinzelt an Clockwork Orange erinnert haben. Wörter, die die kleine Gemeinschaft nicht mehr benutzt, sogenannte Altwörter wie Salbader, weidlich, Demonstration, Plenarsaal, Internet faszinieren Heinz und dem Leser wird klar, dass sich mit dem Untergang einer Bevölkerung zwangläufig auch die Sprache verändert. Diesen sprachlichen Aspekt eines Endzeit-Szenarios habe ich bisher so noch nicht gelesen. Irgendwann passiert, was passieren muss, der Schutzschirm über der Alm bricht zusammen und die Überlebenden sind gezwungen sich auf die Suche nach Lebensmitteln und weitere Hilfe zu machen und so beginnt deren Reise durch ein völlig zerstörtes Deutschland. Hier haben die Überlebenden zunächst mit den Problemen zu kämpfen, die man aus bekannten Endzeitszenarien wie Mad Max oder The Walking Dead kennt. Wie werden vorhandene Ressourcen aufgeteilt? Wie geht man mit erkrankten Gruppenmitgliedern um? Wie verhält man sich, wenn man auf andere Überlebende trifft? Philosophische Fragen nach dem Wesen des Menschen selbst werden aufgeworfen. In diesem Abschnitt des Buches wird auch der zweite große Themenkomplex des Romans offensichtlich. Denn was wir in der aktuellen Flüchtlingsdebatte nur als Fernsehbilder zu sehen bekommen, wird für den Leser zu unmittelbar Erlebtem. Hier sind es aber nicht die Ausländer, sondern die Einwohner Deutschlands selber werden zu Flüchtlingen im eigenen Land. Sie treffen auf Überlebende und Schleuserbanden, die ihnen einen Transport in ein sicheres Auffanglager versprechen. Jeder ist sich selbst der Nächste und das Überleben der Gruppe verlangt große Opfer. „Hier und da würden Alibi-Auffanglager wie jenes in der Wüste von Orléans eingerichtet, jawohl Alibi, denn bei einer Abweisung von 95 % könne man wohl kaum ernsthaft von Hilfe sprechen, oder?“ (Seite 385) Eine Dystopie und gleichzeitig ein Coming-of-age-Roman, der die Bedeutung von Sprache und Literatur thematisiert und gleichzeitig die Flüchtlingsthematik aufgreift? Kritiker werden bemängeln, dass von Steinaecker zu viele Themen behandelt und daher keinem wirklich gerecht wird. Trotzdem oder gerade deshalb war es für mich ein großes Lesevergnügen und ein Buch, das noch länger nachhallt. Ein Buch, das ich ohne den Deutschen Buchpreis sicherlich nicht entdeckt hätte und dem ich noch viele Leser wünsche. Klare Leseempfehung für alle, die sich für die genannten Themengebiete interessieren.

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    • 4
  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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    • 2951
  • Euer Lieblingszitat aus einem Buch der S. FISCHER Verlage

    Marina_Nordbreze

    Marina_Nordbreze

    Bei all den vielen schönen Büchern aus den S. FISCHER Verlagen bleiben euch doch sicherlich auch häufig großartige Zitate im Kopf hängen, die es wert sind, markiert zu werden, oder?Damit diese Satzschätze nicht einfach verloren gehen, würden wir uns freuen, wenn ihr euer Lieblingszitat aus einem FISCHER-Buch mit uns teilen würdet!Um das "Detailverliebt"-Abzeichen zu erhalten, müsst ihr einfach nur euer Lieblingszitat aus einem FISCHER-Buch mit Angabe, aus welchem Buch es stammt, hier posten.In regelmäßigen Abständen werden wir die Zitate durchsehen und euch euer Abzeichen verleihen. Ich bin schon ganz gespannt auf eure Beiträge! :)Ihr seid noch nicht Mitglied im FISCHER Leseclub? Das muss sich schnell ändern! Mehr Infos findet ihr hier. 

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    • 196
  • Eine echt foxy Geschichte!

    Die Verteidigung des Paradieses
    Nespavanje

    Nespavanje

    Heinz ist ein 15 jähriger Junge, der seine Kindheit, bei immerwährenden Sommer, auf einer Alm in den Bergen verbracht hat. Sein ständiger Begleiter ist sein Toy Fennek, ein elektronischer Fuchs, der über einen gewissen Grad an Künstlicher Intelligenz verfügt und noch aus dem Leben vor dem Untergang stammt. Die Welt, so wie Heinz sie nur die ersten paar Lebensjahre gekannt hat, ist eben bis auf dieses kleine Paradies untergegangen. Die Menschen auf der Alm teilen es sich, mit einer Gruppe überlebender Affen. Als jedoch für ein paar Tage der Schutzschirm zusammenbricht, wird den Menschen klar, dass dieses Paradies, ohne Wartung des Schutzschirmes, nicht für ewig gepachtet ist. Die Gruppe Überlebender macht sich auf nach Salzburg, hinaus in die Welt, denn dort soll es Flüchtlingslager geben, dass die Überlebenden in eine Zone bringt, die noch nicht zerstört worden ist. Dieser Roman, rollt mit einer literarischen Wucht auf einem zu. Wie eine Monsterwelle reißt sie einem mit und lässt einem nicht mehr los. Dabei ist – Die Verteidigung des Paradieses -, gerade am Anfang ein wenig langatmig geraten, wenngleich es von Anfang an sehr ausgezeichnet geschrieben ist. Das Spiel mit den Worten, die glaubhafte und neu entwickelte Umgangssprache, die sich von Steinaecker bedient ist ganz großartig gelungen. Foxy ist so ein Wort. Und Heinz benutzt es gerne. Er ist eben ein foxy Typ. Aus seiner Sicht, wird die Geschichte erzählt und manchmal wirkt der Junge ein wenig einfältig. Allerdings hat er sich es zur Aufgabe gemacht, alles was passiert festzuhalten, außerdem möchte er ein Bewahrer alter Wörter sein. Schon wieder eine Dystopie? Schon wieder eine fast zerstörte Welt? Am Anfang war ich skeptisch, aber das hat sich schnell geändert. Die Verteidigung des Paradieses ist ein Paradebeispiel, dass dieses komplexe literarische Experiment gut gelungen ist und das, dass Sciencefiction Genre auch in der anspruchsvollen Literatur angekommen ist, und zwar sehr gut angekommen. In einer guten Dystopie, schwing auch immer ein bisschen Gesellschaftskritik mit; Allerdings ist dieser Roman schneller von der Wirklichkeit eingeholt worden, als es dem Schriftsteller liebe war. Die fiktive Welt nach dem Untergang, ähnelt der unsrigen gegenwärtigen Welt doch sehr und geschrieben hat Von Steinaecker, einige Passagen bereits vor drei oder vier Jahren. Angesichts der Fernsehbilder aus den Flüchtlingscamps und derzeitigen politischen Lage, wäre es ihm gar nicht mehr möglich so etwas aufzuschreiben – anmaßend würde er sich dabei vorkommen, wenn nicht gar obszön. (=Seine Worte bei einer seiner Lesungen) Ich finde aber, dass wir genau aus diesem Grund, dieses Buch brauchen. Genau aus diesen erschütternden und beunruhigenden Gründen, sollte es gelesen werden. Es hallt lange nach dem Lesen noch in einem nach. Es ist ein foxy Buch, zumindest würde es Heinz so sagen, es ist eine Abenteuergeschichte, und zum Schluss bliebt die Frage offen, welches Paradies wir wohl verteidigen würden, wären wir in solch einer Situation. Zumindest ich hab mir ständig diese Frage gestellt. Was wäre wenn?

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    • 5
  • Packend, schockierend, bewegend: lässt einen so schnell nicht mehr los

    Die Verteidigung des Paradieses
    raven1711

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    Inhalt aus dem Klappentext:Er möchte ein guter Mensch sein. Aber Heinz lebt in einer Welt, die Menschlichkeit nicht mehr zulässt. Deutschland ist verseucht und verwüstet, Mutanten streifen umher, am Himmel kreisen außer Kontrolle geratene Drohnen. Zusammen mit seinem besten Freund, einem elektrischen Fuchs, dem Fennek, wächst Heinz in einer kleinen Gruppe Überlebender in den Bergen auf. Er nimmt sich vor, die verlorene Zivilisation zu bewahren, sammelt vergessene Wörter und schreibt die Geschichte der letzten Menschen. Doch was nützen Heinz Wissen und Kunst jetzt noch? Da gibt es plötzlich das Gerücht, weit im Westen existiere ein Flüchtlingslager. Und die Gruppe bricht auf zu einem mörderischen Marsch ins vermeintliche Paradies ...Meinung:Endzeitromane gibt es ja mittlerweile schon einige auf dem Markt, darunter sehr gute, mittelmäßige und solche, die man sich sparen kann. Und obwohl das Thema eigentlich auserzählt zu sein scheint, ist es doch ein Thema, dass uns immer wieder interessiert, vor allem dann, wenn es in der Welt turbulent zugeht. Kann Thomas von Steinaecker sich aus der Masse also hervorheben? Ja, er kann. Und das sogar ziemlich gut.Wir lernen hier den 15-jährigen Heinz kennen. Dieser hat als 4-jähriger die Katastrophe in Deutschland überlebt und lebt nun mit fünf weiteren Menschen an einem der noch wenigen intakten Rückzugsorte. Die Welt vor dem Untergang war sehr futuristisch, technisiert und vermeintlich fortschrittlich. Restrukturierungen der Landschaft gehörten zur Tagesordnung und die Menschen selber lebten in großen und kleinen Biosphären, denn die Landschaft außerhalb dieser Sphären ist wüst und öde. Was genau dann das Unglück über Deutschland ausgelöst hat wissen die 6 nicht genau. Dafür aber wissen sie, dass das Überleben außerhalb ihrer Biosphäre hart und nahezu unmöglich ist. Dann taucht das Gerücht wieder auf, dass es ein großes Auffanglager geben soll. Doch sollen sie die Reise wagen? Als sich die Bedrohungen für die Gruppe häufen, scheint die Suche nach dem Camp die einzige Überlebenschance für sie alle zu sein.Thomas von Steinaeckers Protagonisten sind unheimlich komplex und vielschichtig. Mühelos schafft es der Autor, dass ich mich mit den Figuren auseinandersetze, mit ihnen leide, mitfiebere, mich für sie freue. Dabei stechen vor allem ihre Makel hervor, die sie so authentisch machen. Besonders sein Ich-Erzähler Heinz kann hier richtig überzeugen, denn wir erhalten als Leser direkt Einblick in seine Gedankenwelt, seine Ängste, Zweifel und Hoffnungen. Dabei ist einem Heinz nicht immer sympathisch, wirkt er manchmal doch recht naiv und einfältig. Doch angesichts des Szenarios, das Thomas von Steinaecker für ihn entworfen hat, ist das absolut nachvollziehbar.Auch der Schreibstil des Romans ist spannend und geht unter die Haut. Der Plot ist stimmig und komplex, bis zu letzten Seite beschäftigt einen das Szenario und kann doch immer wieder überraschen. Geschickt lässt der Autor in Rückblicken und Erinnerungen die Ereignisse vor und um die Katastrophe Revue passieren. Dabei veranschaulicht er auch, wie schnell für uns alltägliche Dinge, Gewohnheiten und Wörter ihre Bedeutung verlieren können. Nicht selten spricht Heinz von Altwörtern, die in seiner zerstörten Welt keine Bedeutung mehr haben. Überhaupt hat mir der Bezug zur Sprache und Literatur in diesem Roman unheimlich gut gefallen und ich fand es toll, wie viel Anspielungen auf Weltliteratur und -wissen es hier zu finden gibt.Erzählt wir der Roman, wie schon erwähnt, in der Ich-Perspektive. Dabei ist es wie eine Art Tagebuch bzw. persönlichem Bericht aufgebaut. Durch diesen Stil schafft der Autor eine sehr große Nähe zu seiner Figur Heinz und zieht den Leser direkt in das Geschehen hinein. Plastisch und detailliert entwirft Thomas von Steinaecker ein düsteres, aber stimmiges Bild über eine nicht allzu ferne Zukunft und greift viele Themen auf, die auch heute schon sehr aktuell sind, eigentlich schon immer aktuell waren.Was ich mir aus diesem Buch auf jeden Fall mitnehme ist die Frage: Wie viel Technik muss überhaupt sein und darf mein Leben bestimmen? Da kann man sich schon mal überlegen, ob weniger nicht manchmal mehr ist...Vielen Dank an die S. Fischer Verlage für das Rezensionsexemplar.Fazit:Die Verteidigung des Paradieses ist ein Roman, der mich lange festgehalten hat und auch jetzt immer noch beschäftigt. Zwar spielt dieses Buch in der Zukunft, trotzdem finden sich hier so viele Themen, die auch jetzt schon zutreffen und über die man sich Gedanken machen sollte. Das Buch hat mich gefesselt, verstört, angeekelt und betroffen gemacht. Aber auch sehr froh, dass ich mich für diese Lektüre entschieden habe.Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.

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