Thommie Bayer Die kurzen und die langen Jahre

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Inhaltsangabe zu „Die kurzen und die langen Jahre“ von Thommie Bayer

Liebe kann geheimnisvoll sein, abgründig und intensiv. Vor allem dann, wenn sie unerfüllt bleibt. Aber ist das wirklich die Bestimmung von Simon und Sylvie, die ein schrecklicher Doppelmord zusammenführt? Beide versuchen es auf ihre eigene Art herauszufinden – und begegnen sich nach vielen Jahren schließlich an einem gänzlich unerwarteten Ort wieder.

Schlusssequenzen kann er wirklich gut aber auf der Zielgeraden dorthin wirds mir manchmal wirklich zu gehetzt und unrund. Schade eigentlich!

— Christian_Woehl
Christian_Woehl

Erschreckend, welch schwarze Löcher eine Liebe hinterlassen kann, die von den Liebenden nicht zugelassen wird.

— Poesiesoso
Poesiesoso

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AngelikaLauriel

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  • Fesselnd und berührend

    Die kurzen und die langen Jahre
    -sabine-

    -sabine-

    24. July 2014 um 14:38

    Thommie Bayer schafft es immer wieder, mich mit seinen Büchern in den Bann zu ziehen – diesmal ist es eine Geschichte zweier Menschen, deren gegenseitige Liebe unerfüllt bleibt, die sich jedoch näher stehen als manches Paar das von sich behaupten kann. Schon die Umstände, unter denen sich Sylvie und Simon kennenlernen, sind ungewöhnlich. Sylvie verliert ihren Mann, Simon seinen Vater – ein Doppelmord und keiner wusste um die Homosexualität der beiden Männer. Doch ist das Buch kein Krimi, in dem es einen Mörder zu finden gibt, und auch keine schnulzige Liebesgeschichte, sondern eine gefühlvolle Darstellung der Beziehung zwischen Simon und Sylvie über einen Zeitraum von 50 Jahren. Die beiden lernen sich kennen im Jahre 1964, als Telefone noch Wählscheiben hatten und Briefeschreiben nichts Ungewöhnliches war. Ich möchte diese Reise in die Vergangenheit, da sie bei mir nostalgische Gefühle geweckt hat und ich bei der einen oder anderen Beschreibung von Alltäglichkeiten schmunzeln musste. Für Simon ist es Liebe, was ihn mit Sylvie verbindet, für Sylvie eine Seelenverwandtschaft, die vor allem in ihren emotionalen und sehr offenen Briefen zum Ausdruck kommt. Doch die Liebe bleibt sexuell unerfüllt, die Seelenverwandtschaft ist dafür umso tiefer. Und auch der eine oder andere Schicksalsschlag, an dem die Beziehung zu scheitern droht, kann das Band nicht zerstören - und das über 50 Jahre hinweg bis ins Jahr 2014. Die Wege der beiden laufen mal parallel, mal kreuzen sie sich, sie gehen mal auseinander und finden wieder zusammen. Nicht immer ist der Kontakt sehr eng, doch wenn sie sich sehen oder schreiben, ist die altbekannte Verbundenheit sofort wieder da. Die beiden sind wirklich sehr gut ausgearbeitete Charaktere, auch wenn ich ihr Handeln und Tun oft nicht verstehen oder nachvollziehen konnte. Aber sie sind in sich schlüssig und authentisch, Menschen, die ich mir so wirklich auch vorstellen kann – mit Stärken und Schwächen, mit Höhen und Tiefen. Ihre Beziehung zueinander finde ich sehr tragisch, und ich habe mit den beiden gelitten. Nicht nur, dass sie nicht zueinander finden können und der Kontakt im Laufe der Jahre abzubrechen droht, flüchtet sich zwar jeder in andere Beziehungen, doch die glücklichen Jahre sind nur kurz und das Schicksal meint es nicht gut. Das Ende hat mich überrascht, damit hatte ich nicht gerechnet und lässt mich auf der einen Seite hoffnungsvoll, gleichzeitig aber auch deprimiert zurück. Das Buch lässt sich sehr angenehm und flüssig lesen, die Sprache ist zwar einfach, dennoch sind die Sätze oft wie gemalt und für mein Empfinden poetisch. Immer wieder musste ich innehalten, weil Gedanken so treffend auf den Punkt gebracht sind, dabei mit einfachen Worten so viel Wahres gesagt wird. Ich mag den Schreibstil von Thommie Bayer, in dem ich mich wohl fühle und in den ich so richtig reinfallen kann. Zwar ist „Die kurzen und die langen Jahre“ nur ein kurzes Buch, dennoch eines, das fesselt und das ich nicht beiseitelegen konnte. Gerade die zweite Hälfte war spannend und auch überraschend, bietet Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe. Es ist ein Buch, dass sich zwar schnell lesen lässt, doch auch eines, das bei mir noch lange nachhallt und über das ich immer noch nachdenke.   Mein Fazit Ein gefühlvoller Roman über zwei Menschen, deren körperliche Liebe zwar unerfüllt bleibt, deren Seelenverwandtschaft jedoch alle Schicksalsschläge übersteht – und das über einen Zeitraum von 50 Jahren. Eine ungewöhnliche Geschichte, in die ich mich aber wunderbar habe reinfallen lassen können, mit authentischen Charakteren und einem wiedermal angenehmen und sehr treffendem Schreibstil.

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  • Eine andere Art von Liebe

    Die kurzen und die langen Jahre
    Lilli33

    Lilli33

    23. July 2014 um 22:01

    Thommie Bayer hat mal wieder einen bewegenden Roman über die Liebe und die Musik geschrieben. Ganz eng am Protagonisten Simon wird man durch das Buch geführt. 1974 wird der Vater des 22-Jährigen ermordet, ebenso der Ehemann der 30-jährigen Sylvie. In diesem Zusammenhang lernen die beiden sich kennen, und Simon verliebt sich Hals über Kopf in die ältere Frau. Doch seine Liebe wird nicht in der erhofften Weise erwidert. Zwar fühlt sich auch Sylvie wohl mit Simon, doch ist ihre Liebe platonisch. In tief schürfenden Briefen halten die beiden mehr oder weniger ein Leben lang Kontakt, sodass man als Leser die Leben beider mitverfolgen kann. Es ist sehr interessant zu lesen, wie unterschiedlich Menschen auf eine Situation reagieren. Doch das Buch besteht nicht nur aus den Briefen. Daneben geht das Leben ganz normal weiter, Job in der Musikwarenhandlung, Treffen mit den Kumpels, Heirat, Kinder… Doch über allem schwebt diese ganz besondere Beziehung zwischen Simon und Sylvie. Und 2014 klärt sich sogar noch der Doppelmord von 1974. Mit seinem leichten Schreibstil fängt Thommie Bayer den Leser schnell ein. Es macht Spaß, das Buch zu lesen und mit Simon und Sylvie zu philosophieren und sich zu fragen, ob oder wann es mit den beiden vielleicht doch noch was wird.

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  • Vielen Dank Thommi Bayer für dieses schöne Buch

    Die kurzen und die langen Jahre
    robbylesegern

    robbylesegern

    07. June 2014 um 10:19

    Thommie Bayers Bücher zu lesen , ist immer wieder ein Genuss . Wie er in seiner Biografie schreibt, hat er nach langen Jahren des Stillstand, " die Courage und die Leidenschaft gefunden ",wieder mit dem Schreiben anzufangen und ich bin froh darüber, denn sprachlich so schöne Romane findet man selten. Die Liebe ist auch in diesem Roman sein Thema , doch es handelt sich nicht um eine alltägliche Liebe, sondern um eine Liebe, die "unter die Haut geht ", wie es die beiden Hauptprotagonisten beschreiben. Eine Seelenverwandtschaft, die sich in Briefen offenbart, im alltäglichen Leben aber einseitig bleibt. Simon und Sylvie lernen sich unter tragischen Umständen kennen. Simons Vater, zu dem er schon lange kein Verhältnis mehr hatte, wird ermordet vor seiner Hütte aufgefunden, neben ihm sein Liebhaber, der gleichzeitig auch Silvies Mann war. Sylvie kommt mit der Tatsache, dass ihr Mann homosexuell war, noch weniger klar, als Simon mit der seines Vaters und es entsteht eine Brieffreundschaft, die bei Simon nach einigen Treffen mit Sylvie, zu einer unerwiderten Liebe wird. Nur in Briefen kommen sie sich nahe, spüren sich zueinander hingezogen und vertrauen sich Dinge an, die sie sonst niemandem erzählen würden. Simon ist Sylvies Anker, ein Mensch , dem sie vertrauen kann, der ihr in jeder Situation hilft. Sylvie ist für Simon die Frau, mit der es keine andere Frau aufnehmen kann, die für ihn aber immer unerreichbar bleiben wird, was seine Fantasien von einer Beziehung angeht. Im wahren Leben schlafen und binden sich an andere Partner und werden doch eigentlich nie wirklich glücklich. Ihre Leben verlaufen wellenförmig, wie das Leben nun einmal ist, mit vielen Tiefen, aber auch immer wieder mit Höhen und nach langer Schreibpause, die Jahrzehnte dauert, meldet sich Sylvie wieder und überrascht Simon mit einem Geständnis. Thommie Bayer zu lesen, ist wie ein Kurzurlaub. Hier sitzt jeder Satz und die Sätze sind teilweise wie gemalt. Man lässt sie auf der Zunge zergehen und sie hinterlassen einen wohligen Geschmack, den man immer wieder erleben möchte. Die Figuren seiner Romane sind fassbar, gut gezeichnet und man folgt ihnen sehr gerne. Häufig haben ich beim Lesen dieses Buches gedacht, ob vielleicht autobiographische Züge in diesem Buch sind, denn das Einfühlungsvermögen, das der Autor in seine Geschichte einbringt, ist schon verblüffend. Thommie Bayer lässt seinen Roman über einen langen Zeitraum laufen , nämlich von 1964 - 2014. Dies hat bei mir viele nostalgische Gefühle hervorgerufen, da ich selbst in dieser Zeit jung war. Die RAF, die genannten Musikgruppen und auch die Demo gegen Mittelstreckenraketen in Hamburg ( bei der ich selbst dabei war ), fielen in meine Zeit und so konnte ich mich in viele Situationen gut hineinverdenken und hatte das Gefühl in die Vergangenheit zu blicken. Thommie Bayer schreibt in seiner Biografie, dass er hofft, dass ihm das Glück und seine Leser treu bleiben. Ich habe da gar keine Bedenken, wenn er weiterhin so schöne Bücher schreibt. Mehr als empfehlenswert !!!

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  • Die kurzen und die langen Briefe

    Die kurzen und die langen Jahre
    HeikeM

    HeikeM

    10. March 2014 um 19:08

    1964 wünschte sich der 12-jährige Simon nichts mehr als den Tod des Vaters, doch an dessen Stelle starb die Mutter. 10 Jahre später wurde der Vater Opfer eines Doppelmordes. Das Motiv der Tat konnte zunächst nicht ermittelt werden, es kam erst nach Jahrzehnten durch einen Zufall ans Licht. Als Simon einige Zeit nach der Tat die Hütte im Wald, in der der Vater ermordet wurde, aufsuchte, lernte er die 8 Jahre ältere Sylvie, Witwe des zweiten Opfers, kennen. Sylvie wird Simons Traumfrau, die Frau seines Lebens, die alles Überstrahlende. Ein Paar werden beide jedoch nicht. Sie sind Seelenverwandte. Lange Zeit schreiben sie sich Briefe, verlieren sich aber irgendwann aus den Augen, jeder lebt sein eigenes Leben. Als Simon nach Jahren des Schweigens wieder Post von Sylvie erhält, schließt sich ein Kreis. Thommie Bayer hat einen neuen Roman geschrieben. Wer bereits andere von ihm kennt, wird nicht verwundert sein, er schreibt wieder über die Liebe, ein, wie er selbst sagt, weltbewegendes Thema. Er schildert sie in vielen Facetten. Brillant erzählt Thommie Bayer vom ungestümen Begehren und der alles in den Schatten stellenden Liebe seines Protagonisten zu Sylvie, die ihn wie einen kleinen Bruder liebt, innig, voller Vertrauen – aber platonisch. So bleibt Simons große Liebe unerfüllt, andere Partnerinnen müssen diese Lücke schließen - mehr schlecht als recht. Neben der Liebe schlängelt sich wie ein alles verbindender roter Faden die Musik durch die Handlung und Simons Leben, Melodien, die man kennt und sofort im Ohr hat. Die Geschichte wird von Simon rückblickend aus der Gegenwart in der Ich-Form erzählt. Dabei spielt der Briefwechsel mit Sylvie eine bedeutende Rolle. Durch Sylvies Briefe werden sowohl der weibliche Aspekt als auch eine Art Außensicht auf Simon dargestellt. Im immer sporadischer werdenden Blick auf einzelne Jahre nimmt man am Leben der Hauptfiguren teil, lernt sie kennen, versteht ihr Handeln mal mehr oder mal weniger und bekommt ein Gespür für die Zeit, als Telefone noch Wahlscheiben hatten und das Schreiben von Briefen Normalität war und kann die Entwicklung der Personen und ihrem Umfeld bis in die Gegenwart verfolgen. Wer bei diesem Roman eine herkömmliche seichte Liebesgeschichte erhofft, wird wohl enttäuscht werden. Auch einen Krimi hat der Leser trotz des Mordfalles nicht zu erwarten. „Die kurzen und die langen Jahre“ ist ein sehr gefühlvoller Roman über eine unerwiderte Liebe und das sich selbst Fremdsein in „Ersatzpartnerschaften“. Der Schreibstil Thommie Bayers ist beeindruckend, gefällig und sehr angenehm zu lesen. Mit 202 Seiten verteilt auf 50 Jahre Handlung ist dieser Roman eher kurz, hält aber einiges Potential zum Nachdenken und sich selbst Erkennen bereit. Ich empfehle ihn sehr gern weiter.

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