Thommie Bayer Seltene Affären

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Inhaltsangabe zu „Seltene Affären“ von Thommie Bayer

Von Montag bis Donnerstag führt Peter Vorden ein Feinschmecker-Restaurant in Lothringen. Danach beginnt sein richtiges Leben. Denn dann zieht Vorden sich zurück in seine deutsche Wohnung und schreibt Kurzgeschichten. Er tut es für seinen erfolgreichen Bruder Paul, den Schriftsteller, dem er damit immer wieder aus der Klemme hilft. Paul ist sein Zwillingsbruder und hat vor vielen Jahren Anne geheiratet, die einzige Frau, die für Peter je infrage kam. Seither lebt Peter mit Affären - und ahnt doch, dass er den großen Konflikt in seinem Leben endlich lösen muss. - Thommie Bayer erzählt die Geschichte eines ungewöhnlichen Doppellebens und stellt die spannende Frage, was es heißt, aus Anstand auf die große Liebe verzichten zu wollen.

Direkt adressiert an angehende Schriftsteller, streckenweise etwas holprig und aufgesetzt, leider nur vereinzelt der typische Thommie Bayer

— Christian_Woehl
Christian_Woehl

Ruhig sanft

— EvyHeart
EvyHeart

Klasse Fortsetzung...

— nicigirl85
nicigirl85

Genialer Gegenband zu „Weißer Zug nach Süden“ aus der Sicht von Vorden. Auch als Stand alone zu lesen.

— Lilli33
Lilli33

Für Leser, die leichte Lektüre lieben, Seichtes dagegen hassen und das Buch nach dem Lesen mit einem guten Bauchgefühl schließen möchten!

— TochterAlice
TochterAlice

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    Seltene Affären
    EvyHeart

    EvyHeart

    23. October 2016 um 16:49

    Der Text passte zu mir wie eine Kugel Eis in einen Eisbecher, wie ein Puzzleteil zum Puzzel, wie ein schwerer Kuli in ein edles Notizbuch. Er erzählt ruhig mit mittelmäßig langen Sätzen, ohne zu verschwommen zu werden oder übermäßig intelligent sein zu wollen. Inmitten turbulenter Liebesgeschichten zeigte mir der Text, dass man dasitzen und genießen kann.Das täuscht leider nicht darüber hinweg, dass mich die Geschichte am Ende unbefriedigt zurück ließ. Denn während ein Erzählstrang gemächlich ausklingt, weckte ein anderer Interesse, das nicht weitergeführt wird (?).1. Peter und Chiara: Peter Vorden lebt in einem Haus nahe der französischen Grenze und führt ein Einsiedler-Leben. Am Wochenende ist er Restaurant-Chef bzw. Aushängeschild in Luxeuil (Frankreich). Während dieser Zeit wird die Wohnung gereinigt. Chiara ist "nur" die Vertretung. Sie fällt Peter auf, weil sie seine unordentlich angeordneten Figuren nach dem Putzen genauso unordentlich anordnet. Obwohl sich die beiden nie begegnen, kommunizieren sie: Peter legt ihr Schokolade, Obst, später sogar Geschichten hin, sie antwortet mit einer Zeichnung. Peter besucht eines Tages ihr Haus, geht aber nicht hinein. Auch denkt er, sie auf dem Markt zu sehen. 2. Peters Traum: In seinen Träume kommuniziert Peter mit Chiara, die sehr offensiv ist und ihn u.a. darüber aufklärt, woran er merkt, dass es sein Traum oder ihrer ist. Ich fand die Traumebene toll und die Dialoge sehr witzig. Für mich war sie leicht greifbar, weil sehr reflektiert.3. Peter und Anne: Ein Erzählstrang, der sich langsam zwischen die anderen schleicht. Peter zeichnet den Weg mit seinem Zwillingsbruder Paul von der Kindheit bis in die Neuzeit, schließt diesen aber mit einem Vergleich der Jetzt-Zeit ab. Schwerpunkt war anfangs die Beziehung beider Brüder, später kommt Anne hinzu, die sowohl Paul als auch Peter begehren. Die wichtige Frage für mich war, ob Anne die beiden Brüder unterscheiden kann und wie Paul und Anne den Konflikt spürten. Für mich war die Erinnerung so plastisch, dass ich gern mehr gelesen hätte.Die HauptfigurPeter Vorden ist 63, wirkte auf mich aber wie 37. Im Gegensatz zu seinem Bruder, der als Schriftsteller lebt, führte er ein unstetes Leben: Er hat zwei Studien abgebrochen, reiste durch die Welt, half im Betrieb des Stiefvaters und wurde später Teilhaber im Restaurant. Er ist vermögend und übt den Job aus Interesse (?) aus. Und er mag Wein. Für seinen Bruder ist er ein "Teilzeit-Ghostwriter", weil er nicht davon leben muss, aber gern schreibt. Peter ist ein strukturierter Mensch, den Paul mit seinen Emotionen ergänzt, wenn er ihm Schreibtipps gibt. Ich glaube, Peter fühlt sich verpflichtet, seinem Bruder zu helfen und neidet ihm Anne. Er ist sehr loyal. Allerdings hinterfragt er das im Buch zunehmend, ob Paul tatsächlich das "bessere" Leben führt. Außerdem scheint er sich für manche Frau zu alt zu fühlen und mit seiner Anziehnungskraft zu hadern.ThemenSchreiben: Peter betrachtet das Schreiben ruhig, systematisch. Es ist etwas, was er gut kann und er begibt sich gern in die Welten, die er erschafft. Dennoch habe ich das Gefühl, dass es für ihn ein durchdachter Prozess ist - recherchieren, Zug abwarten, schreiben. Ich fand das faszinierend. Man erfährt viel darüber, wie Figuren entstehen, wie sich ein Autor fühlt, wenn er schreibt. Eine, die mir gut gefällt, befindet sich auf S. 44: "Alles, was am Ende dieser Geschichte stehen würde, fantasierte ich, aber da wir alle das tun, auch die Leser, stünde es am Ende wie ein Bericht aus dem Inneren eines anderen Menschen da, obwohl es allenfalls ein Spiel mit meinen Möglichkeiten war."Ich sehe das ähnlich :-) Schreiben ist ein Spiel der Möglichkeiten, man erstellt Abzweigungen im realen Leben, die mit einer mehr oder weniger hohen Wahrscheinlichkeit möglich wären. Das bedeutet aber auch, dass die Fiktion nicht perfekt sein muss, nur, weil sie fiktiv ist.Sehr lustig fand ich übrigens, dass Bayer auf S. 46/47 das Thema Amazon-Rezensionen ansprechen lässt :-)Zwillingsbrüder: Waren sich Peter und Paul als Kinder relativ ähnlich, entwickelten sich ihre Lebenszwege nach dem Schulabschluss unterschiedlich. Ich glaube, Peter sah sich oft als Stellvertreter (wie beim Schreiben) für Paul, vielleicht aus Schuldgefühlen dafür, dass er Anne begehrte. Nach dem "Zwischenfall" sahl ich Paul in einer defensiven Position, weil Peter die Initiative ergriffen hat. Und vielleicht beneidet Paul Peter darum, dass er nicht vom Schreiben leben muss.Angekommen sein?: Das Alter taucht im Buch wiederholt auf - die Figuren begegnen sich zu unterschiedlichen Zeiten, es gibt Rückblicke und selbst Magali, eine Teilhaberin des Restaurants, die durch französischen Esprit besticht, beschäftigt es (S. 117): "'Bleibt jetzt alles so?', fragte sie schließlich [...] 'Fürchtest du, es könnte nichts Großartiges mehr kommen? Die Sensationen und Premieren und Höhepunkte lägen alle schon hinter dir und du müsstest ab jetzt mit Erinnerungen und Echos und kleinen Glücksmomenten leben?' 'Ja. Das ist es so ziemlich genau, was mir durch den Kopf geht.' [...] 'Du bist jetzt nicht alt und du wirst es in zwanzig Jahren nicht sein.'"Ich spürte an dieser Stelle, dass Peter, der mit Magali eine Affäre hatte, ihr Mut machen will, aber nicht daran glaubt. Er ist zufrieden mit seinen Routinen - den Fantasiewesen und der Ruhe in Deutschland, der Lebendigkeit und den Menschen in Luxeuil. Aber die "Begegnung" mit Chiara zeigte, dass er gesehen, wahrgenommen werden möchte. Vielleicht nicht als Liebhaber, nicht als weiser Mann, sondern als Mensch. Oder er möchte, dass Anne ihn noch einmal überwältigt, wie in Florenz. Allgemeines und CoverDas Buch hat 192 Seiten und erscheint bei Piper. Die gebundene Ausgabe kostet 18 EUR, das E-Book 16 EUR und das Hörbuch 14 EUR.Das Cover erinnert an eine Brücke, über die eine S-Bahn hinwegrauscht. Das Sonnenuntergangs-Farbschema finde ich toll und der Schwerpunkt des Buches auf der rechten unteren Ecke macht das Buch besonders. Dadurch wirkt das Buch, als wäre es keine "normale" Geschichte. Ich finde es gut und passend! Fazit "Seltene Affären" ist ein Buch, über dessen Kleinigkeiten man gut nachdenken kann und auch als Laie viel versteht. Wer wissen will, wie Schriftsteller arbeiten, findet hier Anregungen. Freunde der Vorgesen auch :-) Die Traum-Ebene mag nicht jeder und ich fand das Ende nicht perfekt, aber es war schön zu lesen!

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  • Herr Vorden schreibt Geschichten...

    Seltene Affären
    nicigirl85

    nicigirl85

    01. October 2016 um 14:52

    Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um die lose Fortsetzung zu "Weißer Zug nach Süden", wobei man auch ohne Vorkenntnis des Vorgängers keine Verständnisprobleme haben sollte. Nur den einen oder anderen Aha- Moment verpasst man dann allerdings.Während es im ersten Buch um die Haushaltshilfe Ciara ging, dreht sich hier nun alles um ihren Arbeitgeber Peter Vorden, dessen Zwillingsbruder Autor ist.Die Handlung wird uns über Herrn Vorden als Ich- Erzähler nahe gebracht, weshalb wir sehr intensiv seine Gedanken- und Gefühlswelt erleben dürfen. Es sind vor allem die eher leisen Momente, die das Besondere bei diesem Roman ausmachen, denn man wird beim Lesen doch sehr nachdenklich.Wir erleben das Leben von Herrn Vorden sowohl als jungen Erwachsenen als auch als älteren Herren, so dass wir dadurch auch den Wandel der Zeit spüren können.Es gelingt dem Autor Thommie Bayer mal wieder mit recht wenigen Worten so viel zu erzählen. Auch wenn der Roman nicht mal 200 Seiten aufweist, so hat er doch so viel zu bieten. Was macht uns glücklich im Leben? Und bereuen wir, was wir bisher getan haben?Fazit: Ein Kleinod unter den Romanen. Ich kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen. Klasse!

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  • Literarischer Hochgenuss

    Seltene Affären
    CanisLibrum

    CanisLibrum

    09. September 2016 um 15:34

    Der Piper Verlag war so liebenswert  und hat uns ein Rezensionsexemplar von Seltene Affären von Thommie Bayer zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür. Ich habe zwar noch kein Buch von Thommie Bayer gelesen, aber sein Ruf als  einfühlsamer, literarisch hochwertiger Autor eilte ihm voraus, sodass ich mehr als gespannt war. Ich möchte gleich vorweg nehmen, dass mich die Art und Weise wie er diesen Text verfasste, fasziniert hat. Das gesamte Buch lässt sich mit einer unbeschreiblichen Leichtigkeit lesen, obwohl es in keinster Weise billig wirkt, im Gegenteil, ich empfand es tatsächlich als literarischen Hochgenuss. Während des Lesens wird man als Konsument der Zeilen in eine angenehme Melancholie versetzt, ganz egal ob man vom Typ her zur Melancholie neigt oder nicht. Thommie Bayer lässt einem keine andere Wahl.Peter Vorden ist eigentlich ein 62-jähriger Restaurantbetreiber, doch in Wahrheit ist dies nur sein oberflächlicher Brotberuf, mit dem er sein Geld verdient, dass er aufgrund einer großzügigen Erbschaft aber eigentlich nicht mehr nötig hätte. Von Montag bis Freitag hofiert er die Gäste in seinem Restaurant und an den Wochenenden lebt er seine wirkliche Passion aus. Er verfasst für seinen Zwillingsbruder Paul, einem erfolgreichen Romanautor, Kurzgeschichten auf Bestellung. Er liebt es sich immer wieder neue Geschichten mit imaginären Menschen auszudenken, gerade die haben es Peter angetan. Er lebt zwar nicht als Eremit, aber dennoch haben ihn viele gescheitere Beziehungen zu einem Einzelgänger gemacht. Geliebt hat er aus tiefstem Herzen bisher nur eine Frau in seinem Leben. Anne, die Ehefrau seines Bruders. Da er diese Frau nicht haben kann, gibt er sich immer mehr  mit den erfunden Figuren, die seiner Vorstellungskraft entspringen, zufrieden, allen voran mit Chiara seiner Putzfrau, die ihn regelmäßig in seinen Träumen besucht. Interessant hierbei ist, dass er Chiara noch nie leibhaftig begegnet ist, keine Ahnung hat wie sie aussieht oder was für ein Mensch sie in der Realität ist. Die „traumhafte“ Beziehung der beiden zueinander, entwickelt sich einerseits erotisierend auf der anderen Seite wiederum platonisch. Eigentlich ist solch eine Mischung für mein Empfinden unmöglich, doch der Autor hat eine perfekte Harmonie zwischen diesen beiden Ebenen gefunden. Thommie Bayer lässt uns Leser an den Gedankengängen sowie den  Träumen  und versteckten Sehnsüchten von Peter Vorden teilhaben. Gerade die Intimität seiner Gefühle und die imaginäre Kommunikation mit Chiara seiner Putzfrau waren phantastisch zu lesen. Auch die Rückblenden in die gemeinsame Jugendzeit der Zwillingsbrüder lockern das Buch zwischenzeitlich auf, ohne das aber die dauerhafte melancholische Stimmung verloren geht. Das Buch hat zwar nur knapp zweihundert Seiten und war leider viel zu schnell ausgelesen, aber es hatte definitiv die richtige Länge um damit einen wunderschönen Lesenachmittag zu verbringen. Ich möchte euch zum Schluss noch darauf hinweisen,  dass Seltene Affären eigentlich die Fortsetzung zu Weißer Zug nach Süden ist. Im Vorgängerroman wird die Geschichte aus der Sicht der Putzfrau erzählt, die sich ihrerseits Peter Vorden in ihren Gedanken vorstellt.  Aber keine Angst, gegenständlicher Roman, kann ohne weiteres ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Das Lektorat von Thommie Bayer bekrittelte damals bei Weißer Zug nach Süden, dass die Sichtweise von Peter fehlen würde. Thommie Bayer konterte daraufhin, dass eine weitere Sichtweise das Buch sprengen würde und entschloss sich kurzerhand einen unabhängigen Roman zu verfassen.  Eine gute Entscheidung wie ich meine. Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen, egal ob ihr weiblich oder männlich seid, es wird euch mit Sicherheit gefallen. Wenn es euch nur annähernd so gut gefällt wie mir, wird Thommie Bayer auch bei euch schon bald auf eurer „Must-read-Autoren-Liste“ stehen. Solche Bücher sind der Grund warum ich mich mit meiner Frau entschlossen habe einen Buchblog zu führen.  Eine Freude diese zu entdecken.FazitEin unscheinbares Buch, dass mir eine wahnsinnige Lesefreude bereitet hat. Locker und leicht geschrieben, ein literarisches Kunstwerk.Liebe GrüßeCanislibrum-BuchblogvomLesedog

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  • Thommie Bayer konnte mich wieder mal überzeugen

    Seltene Affären
    Lilli33

    Lilli33

    07. August 2016 um 22:21

    Gebundene Ausgabe: 192 Seiten Verlag: Piper (1. August 2016) Sprache: Deutsch ISBN-13: 978-3492056113 Preis: 18,00€ auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich Thommie Bayer konnte mich wieder mal überzeugen Im letzten Roman von Thommie Bayer, „Weißer Zug nach Süden“, war die Putzfrau Chiara die Hauptfigur. Sie war u.a. für die Wohnung von Peter Vorden zuständig, den sie aber nie zu Gesicht bekam. Trotzdem entwickelte sich eine Art Kommunikation zwischen den beiden. „Seltene Affären“ ist nun der geniale Gegenband zum „Weißen Zug“ aus der Sicht von Peter Vorden. Zwar wird immer wieder Bezug auf die Ereignisse des Vorgängerbandes genommen, diesmal eben aus der anderen Sicht, aber Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Man kann dieses Buch auch für sich allein lesen und genießen. Allerdings machen die entsprechenden Anspielungen halt auch einen gewissen Reiz aus, und lesenswert ist der „Weiße Zug“ allemal. Wer ihn also noch nicht kennt, sollte ihn nach Möglichkeit zuerst lesen. Ich fand es toll, dass Thommie Bayer Peter Vorden, den ich bisher nur als Wohnungsbesitzer kannte, Leben eingehaucht hat. Er ist Mitbesitzer eines Restaurants in Frankreich, wo er sich von Montag bis Donnerstag aufhält, während er von Freitag bis Sonntag in besagter Wohnung im Südbadischen lebt und für seinen Zwillingsbruder Kurzgeschichten schreibt. Auch über die Vergangenheit und die große Liebe von Peter Vorden erfahren wir einiges. So spielen neben der gedanklichen Beziehung zu Chiara auch die Beziehungen zu seinem Bruder und dessen Frau Anne eine sehr große Rolle. In Träumen vermischt der Protagonist auch schon mal das Eine mit dem anderen. Sprachlich ist dieser Roman wieder sehr gut gelungen. Der Autor erzählt mit einer phänomenalen Leichtigkeit, kurz und knackig, und packt so viele Informationen in wenige Seiten, oftmals zwischen den Zeilen, dass ich immer wieder nur staunen kann. Dabei zeichnet er ein dichtes Bild seines Protagonisten, der in vieler Hinsicht immer nur der Zweite ist und im Schatten steht. Dies alles schafft Thommie Bayer mit sorgfältigen, treffsicheren Formulierungen, die das Lesen zu einem wundervollen Vergnügen machen. Wie man es von Thommie Bayer gewohnt ist, gibt es auch wieder viele Erwähnungen von Musikern und Musiktiteln. Hier hat man es als älteres Semester einfacher, sich einzufühlen. Fazit: „Seltene Affären“ ist zwar der Gegenpart zu „Weißer Zug nach Süden“, kann aber ohne Weiteres auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Wer einen feinsinnigen Roman der leisen Töne sucht, der ab und zu auch zu überraschen weiß, ist hier genau richtig. ★★★★★ Herzlichen Dank an den Piper Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar für die Leserunde auf leserunden.de zur Verfügung stellte.

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  • Ein ganz besonderer Mensch

    Seltene Affären
    TochterAlice

    TochterAlice

    07. August 2016 um 15:32

    Das ist Peter Vorden. Zurückgezogen, aber nur gelegentlich einsam lebt er das Leben eines Hagestolzes. Wie es dazu kommt, das erfahren wir beiläufig im Verlauf dieses mehr als lohnenswerten Romanes.Ein bisschen wehmütig, aber gleichzeitig satt - wie nach einer abgerundeten Mahlzeit, einer mit mehreren Gängen und den dazu passenden Weinen: ebensowie nach der Lektüre von Thommie Bayers "Ein weißer Zug nach Süden" fühlte ich mich nach seinem neuen Buch "Seltene Affären" so, zumal Speisen und Weine eine nicht unerhebliche Rolle spielten. Man könnte diesen Roman, der trotz seiner grundlegenden leicht melancholischen Stimmung einfach ein Gute-Laune-Buch ist, als zweiten Teil vom "Weißen Zug" bezeichnen, dreht es sich doch auch hier wieder um Peter Vorden und auch um seine Putzfrau Chiara, wobei diesmal die Rollen getauscht sind.  Thommie Bayer findet auch hier wieder die richtigen Worte und das in seiner ganz speziellen Art und Weise, die durchaus locker-flockig ist, ohne aber im mindesten flapsig zu wirken. Nein, er beweist hier einmal mehr, dass "leger" und "gewählt" keine Gegensätze sein müssen; beide Adjektive eigenen sich nämlich in Ergänzung zueinander bestens, um dieses Buch zu beschreiben.Ein Buch, in dem es mehr noch als im "Weißen Zug" um Beziehungen geht und zwar nicht nur um die zwischen Peter und Chiara, sondern auch - und vor allem - um die von Peter zu seinem Zwillingsbruder Paul und zu dessen Frau Anne.Aber auch zu Chiara entwickelt Peter Vorden eine besondere Beziehung, in der der Mittler wie auch im Vorgängerroman sein Haus ist - und bildeten dort Peters Kurzgeschichten ein Band zwischen den beiden, sind es diesmal seine Träume - doch lesen sie selbst, denn das kann keiner so gut erzählen wie Thommie Bayer selbst.Ein besonderes Buch, in dem es um Geheimnisse - vor allem um ein Bestimmtes, Beziehungen, Individualität, Sehnsüchte und noch vielem mehr geht - und das ich mit großem Genuss gelesen habe. Viel zu rasch hatte ich die knapp zweihundert Seiten ausgelesen. Doch mehr ist bei einem so wortgewaltigen Künstler wie Thommie Bayer auch gar nicht nötig. Passagen wie diejenige auf S. 64, in der Peter Vordens Zwillingsbruder Paul, ein Romanautor, die Unterschiede zwischen sich und seinem Bruder, dem nur Kurzgeschichten gelingen wollen, haben mich immer wieder berührt: "Wenn Du mit einer Figur fertig bist, dann lässt sie dich das wissen," sagte er (Paul), "vielleicht stehen bei dir ja viel mehr Leute Schlange und wollen erzählt werden als bei mir. Vielleicht musst du einfach deine Zeit einteilen, damit jeder drankommt."Ich empfehle dieses Buch jedem, der leichte Lektüre liebt, Seichtes dagegen hasst und das Buch nach dem Lesen mit einem guten Bauchgefühl zuklappen will.

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