Thor Kunkel Kuhls Kosmos

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Inhaltsangabe zu „Kuhls Kosmos“ von Thor Kunkel

Silvester 1979. Als der neunzehnjährige Kuhl in einem alpinweißen Dodge Challenger R/T vorfährt und eine feudale Villa in Nassau anmietet, ahnt niemand, dass er ein in Frankfurt gesuchter, aus dem Stadtteil Kamerun stammender Raubmörder ist. Sein bisheriges Leben beschreibt er als ein mieses, billig produziertes B-Movie, doch wie lange wird die Beute reichen, wenn man Mitglied im teuersten Golfclub wird, sich unter greise Millionäre mischt und mit Pornofilmproduzenten verkehrt? Kuhl beschließt, das Ende seines Films umzuschreiben und ihm auf einer Disco-Party einen galaktischen Showdown zu verpassen. Neo-Pulp für Fortgeschrittene, made in Germany. Thor Kunkels bitterböse Coming-of-age-Story erinnert an seinen preisgekrönten Roman Das Schwarzlicht-Terrarium und daran, dass es erst vorbei ist, wenn es vorbei ist.

Endlich: eine deutsche Misanthropie. Und ein Höhepunkt des deutschen Trash-Romans. Besonders für Frankfurter eine unverzichtbare Lektüre...

— KollegeKraftwagen

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  • Rezension zu "Kuhls Kosmos" von Thor Kunkel

    Kuhls Kosmos

    KollegeKraftwagen

    Thor Kunkel ist zurück. Und wie. Seine Fortsetzung des Schwarzlicht-Terrariums treibt auf die Spitze, was dort bereits breit angelegt war. Das Ergebnis ist derbe Pulp-Fiction, eine deutsche Misanthropie, die Rehabilitaion des billigen Klischees - kurz und gut: ein Höhepunkt des deutschen Trash-Romans (ein Genre, das in Deutschland nicht gerade gepflegt wird). Die krude Hinterhofmetaphysik seiner Figuren kommt in diesem Trash-Kontext erst so richtig zur Geltung. Wäre dieser Text als hochliterarisches Experiment verpackt, so hätte man ordentlich daran herummäkeln können, aber verpackt als hard-boiled-Unterhaltungsroman strahlt er in ungeahntem literarischem Glanz. Das Personal ist aus dem Schwarzlicht-Terrarium bekannt, hier haben wir so etwas wie eine Fortsetzung (oder Zuspitzung) vor uns. Nur der Drogenkoch Karl Fußmann fehlt, die anderen sind noch dabei. Wir lesen die Abenteuer des unverbesserlichen Misanthropen Kuhlmann in Nassau auf den Bahamas, wohin er sich mit der Beute aus einem Raubmord zurückgezogen hat. In Rückblenden erfahren wir außerdem, wie es zu dieser Verzweiflungstat kam, wie Kuhl in den Schuhschachtelhäusern des Frankfurter Gallusviertels (hier dargestellt als eine Art Robert-Taylor-Homes von Frankfurt, ein Klischee, das jeder Frankfurter kennt) ohne Job und ohne Perspektive dahinvegetiert und seinen Menschenhass kultiviert. Disco als Lebensstil und Utopie ist der einzige Hoffnungsschimmer in diesem dunklen Kosmos, der einzige Bereich, in dem die Jungs ganz vorne dran sind und zur Elite gehören. Der Plot lebt von Klischees, die Figuren sind Karrikaturen ihrer selbst, alle billigen Luxus- und Livestyleträume der 70er werden ganz ernsthaft und liebevoll ausgemalt, sodaß ein Zeitalter aus der Perspektive von unten wiederersteht. Der Text ist durchsetzt von Disco-Geheimsprech und Kuhls krudem materialistisch-kosmologischen Weltbild, in dem es nur Determination und Tod gibt. Wer da nicht genießt und sich jetzt nimmt, was er haben will, ohne Rücksicht auf Verluste und Menschenleben ist schön blöd - Kuhl steht unverkennbar in einer libertinistischen Tradition, soviel high-brow muß sein in diesem low-brow Genremonster, und natürlich wird auch mal der Marquis de Sade zitiert, nein, nicht zitiert, er wird - typisch für die plakative Oberflächlichkeit und programmatische Plattheit des Romans - als konkretes Handlungsvorbild bemüht. Kuhl läßt sich von einem der Peiniger aus der "Justine" in punkto souveräner Niedertracht inspirieren. Das ist dreist dahergeschrieben, aber ziemlich cool, 'low' im Kuhlschen 'Superjock'-Idiom, oder gar 'ultra-low'. Und immer hat man den Endruck, daß Kunkel weiß was er tut, er beherrscht sein Metier. Das ist Pop in seiner derbsten Form und insofern Trash. In dieser Nische ist Kunkel gut aufgehoben und dürfte dort noch Großes bewirken, wenn man ihn lässt (und ihn jemand liest).

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  • Rezension zu "Kuhls Kosmos" von Thor Kunkel

    Kuhls Kosmos

    Bischoff

    Was für eine Laus ist denn Frau Pisszecke über die Leber gelaufen? Irgendwie klingt das nach der üblichen Miesmache unter Kollegen. Kuhls Kosmos ist eine brillante Melange wie sie sich nicht allzu häufig im Niemandsland der deutschen Literatur findet: selbstreflektiert, juvenil und actionreich. Kurz: ein wunderbares Stück Literatur zwischen Wahnsinn und Pulp Fiction-Kino.Selbst der jecke Volker Weidermann nannte es in der FAS "ein rasant brutales, freudvoll- desillusioniertes Abrechnungsbuch mit der Welt." Abgesehen davon ist es eine Satire auf die 70er Jahre, auf Disco, Blaxploitation und Macho-Männer. Meine Freundin hat sich gerade an Stellen schlappgelacht wo ich peinlich berührt war.Kuhl und die Liebe, das ist wirklich ein krasses Kapitel für sich. Anspieltipp: Sein Leben war keine Maxi aus Glitzervinyl.Mein's übrigens auch nicht.

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  • Rezension zu "Kuhls Kosmos" von Thor Kunkel

    Kuhls Kosmos

    Alice Pieszecki

    Der 19-jährige Kuhl hat ein mit mehreren Morden schwer belastetes Gewissen und beschließt, seinem jungen Leben auf der Silvesterparty des Jahres 1979 ein fulminantes Ende zu setzen: Tod durch Erschießen während des Geschlechtsakts. Soviel zum plot, der an sich schon relativ platt ist, aus dem man aber weit mehr hätte machen können. Hat man aber nicht. Das Erzählte ist teilweise undurchsichtig und vermeintlich zusammenhangslos. Der einzige rote Faden, den die Geschichte aufweisen kann, ist eine übernatürliche Erscheinung mit Glockenhelm - ein Streich, der den Drogenhirnen der Figuren entspringt. Die Figur "Kuhl" ist unglaubwürdig gezeichnet, sein Handeln als 19-jähriger Jüngling, wenn auch in den 70ern, ist für mich absolut nicht nachvollziehbar, das seinen Lebenswandel bewegende Moment nicht ersichtlich und sowohl sein Humor als auch seine Weltanschauung hat die meinigen Vorstellungen nur an vielleicht zwei Stellen berührt. Richtig auf den Geist ging mir während der Lektüre die Sprache, die sich dadurch auszuzeichnen versuchte, dass vermehrt mit englischen Redewendungen hantiert wurde. Nun bin ich bestimmt kein Fremdsprachengenie, aber die schlimmen Übersetzungen haben selbst mir in der Seele weh getan. Zu allem Überfluss wurde jedes fremdsprachige Wort kursiv gedruckt, damit auch der letzte Trottel merkt, "was los ist". Die verwendeten Fremdwörter und obskuren Theorien vermochten mich ganz und gar nicht zu überzeugen. Auch der in den Anhang gestellte Polizeibericht, der sich auf die unernsthafte Auswertung einer Plattensammlung beschränkte, nervt. Dies hängt womöglich damit zusammen, dass die Disco-Chartbreaker der "Seventies" ohnehin nicht meinen Geschmack treffen - dennoch hätte man dies straffen können, nein, sogar müssen! Meines Erachtens schwappt und schnappt der Roman einfach über: zuviele Personen, die zuviel seltsame Dinge erleben, zuviel nichtssagende Dialoge, zuviel zuviel. Ich habe mir weitaus mehr versprochen und bin ernüchtert.

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  • Rezension zu "Kuhls Kosmos" von Thor Kunkel

    Kuhls Kosmos

    Holden

    04. December 2010 um 15:06

    Die gelungene Fortsetzung von "Schwarzlichtterrarium", versteht man aber auch, wenn man den ersten Teil nicht gelesen hat. Hat auch eine schöne Pulp-Optik, das Buch.

  • Rezension zu "Kuhls Kosmos" von Thor Kunkel

    Kuhls Kosmos

    Archibald Pynchon-Light

    01. December 2010 um 20:33

    Der Roman beginnt mit einer Beerdigung und erzählt die Geschichte in Rückblenden, die hauptsächlich in den Jahren 1979 und 1980 spielt. Anton „Kuhl“ Kuhlmann ist im Frankfurter Gallusviertel aufgewachsen. Drogendealer, Waffenhändler, Einbrecher und schließlich Raubmörder. Eine beeindruckende kriminelle Karriere für einen gerade mal Neunzehnjährigen. Mit grimmigem Humor wird hier der Ausbruch aus der Kleinbürgerlichkeit geschildert. Kuhl flieht vor der Polizei nach Nassau, legt sich ein teures Auto und eine Luxusvilla zu und residiert in teuren Golfclubs. Auf den Bahamas auf dicke Hose machen, dieser Wunschtraum wirkt schon fast wieder spießig. Und natürlich ist das Geld schnell aufgebraucht. Kuhls Kosmos ist eine typische Verlierergeschichte mit absehbarem Ausgang und doch ohne die bekannten Klischees. Spannende und amüsante Episoden schildern Kuhls Werdegang. Wilde Schelmenstücke mit Rentnern, mörderische Nachtwächter, scheinbar schlaue Coups und Waffengeschäfte mit amerikanischen GI. Amüsante Diskussionen auf dem Arbeitsamt, die eines Felix Krull würdig wären, und Filmpläne mit einem alten Pornoproduzenten, der einer Vorliebe für sehr junge Mädchen mit leuchtenden Hautunreinheiten fröhnt. Die Belegschaft aus Thor Kunkels hochgelobten Erstling „Das Schwarzlicht-Terrarium“ tritt hier wieder auf. Liebgewonnene Loser aus fast vergessener Zeit, als Disco, Schlaghosen und John Travolta noch das Nonplusultra waren. Aber der Ton ist härter und bitterer geworden. Keine aufgesetzte Coolness, sondern berührend brutal. Die Sprüche wirken allerdings manchmal etwas albern, wie wenn man heute Udo Lindenberg zuhört, doch geben sie einen guten Eindruck von Hippness anno 1979. Das Buch ist bei pulp master erschienen ist und der Name des Verlages ist Programm. Aber hier wird nicht einfach ein amerikanisches Genre in deutsche Kulissen verlegt, sondern eine überzeugende Geschichte erzählt, die gleichzeitig ein deutsches Gesellschaftsbild vom Ende der Siebziger ist. Es müssen eben nicht immer die Amerikaner sein, wenn man einen echten Hardboiled-Krimi lesen will. Eine lohnende Lektüre, der man unbedingt Kunkels Schwarzlicht-Terrarium folgen lassen sollte.

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  • Rezension zu "Kuhls Kosmos" von Thor Kunkel

    Kuhls Kosmos

    kulturkuddelmuddel

    12. May 2009 um 15:25

    Es sind bislang drei Bücher von Thor Kunkel erschienen “Das Schwarzlicht-Terrarium”, “Ein Brief an Hanny Porter” und der Skandalroman “Endstufe”. Nachdem Rowohlt die ersten beiden Bücher verlegt und das dritte auch schon angekündigt hatte, hat sich der Verlag nach Vorlage des endgültigen Manuskriptes dazu entschieden “Endstufe” nicht zu veröffentlichen und zog damit schon einmal das Medienintersse auf sich. Der Eichborn-Verlag hat sich dann schnell die Rechte gesichert und das Buch auf den Markt gebracht, wo es von den Kritikern zerrissen worden ist. Ich bin noch nachträglich auf den ganzen Medienrummel reingefallen und hab mir das Buch zum Sonderpreis bestellt und werde dann in Kürze davon berichten. Mal sehen, was soviele Skandale ausgelöst hat…. Mit “Kuhl’s Kosmos” kehrt Kunkel zurück in das Milieu seines ersten Romans “Schwarzlicht-Terrarium” (den ich auch nicht kenne, aber ich tue mal so). Das Buch beginnt mit der Beerdigung einer seiner Hauptfiguren - dem 19jährigen, drogensüchtigen Rio und der Ermittlung nach dem Täter. Danach springt die Handlung in Raum und Zeit und erst allmählich wird dem Leser der eigentliche Ablauf der Geschehnisse deutlich. Rio und sein Freund Kuhl leben im Frankfurter Problemstadtteil “Kamerun” und halten sich mit mehr oder weniger erfolgreichen Gaunereien über Wasser. (Einige Ideen an Geld zu kommen, fand ich höchst interessant, aber leider klappt es nicht wirklich. So beobachtet Kuhl die Wohnungen von Rentnern und bricht in deren Wohnungen ein, wenn die Vorhänge sich länger nicht mehr bewegt haben, weil er davon ausgeht, dass die Mieter verstorben sind.) Ziel der beiden ist es ein ’super-abnorm-mellow’ Leben zu führen in dem alles ‘hula’ ist, aber der Weg dorthin ist nicht gerade einfach und das Geld fehlt auch irgendwie. Kuhl tötet bei einem Raubüberfall zwei Männer und flüchtet mit seiner Beute auf die Bahamas. Dort gibt er sein Geld mit vollen Händen aus und plant seinen endgültigen Abgang in der bevorstehenden Silvesternacht - er will sterben wie ein Yakuza - sich während des Orgasmus mit einer Todesgeisha eine Kugel in den Kopf schiessen. Rio wird in einer Disco von einer verirrten Kugel eines halluzinierenden GIs getroffen und stirbt. Viel hoffnungsloser geht es eigentlich nicht mehr. Ein Roman wie auf Drogen - chaotisch, wirr, verrückt und irgendwie unwirklich. Trotz der depressiven Grundstimmung entbehrt er nicht einer gewissen Komik - vor allem durch den eloquenten Kuhl kommt es immer wieder zu amüsanten Diskussionen und Gesprächen. Als Krimi habe ich das Werk nicht verstanden, eher als eine Sozialstudie - auf der einen Seite ist der Blick auf kriminelle Karrieren gerichtet, die Kunkel mit schwarzem Humor kommentiert und auf der anderen Seite beschreibt er den traurigen Versuch zweier Jugendlicher ihrer eigenen Zukunft zu entkommen.

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