Thorsten Becker Agrippina

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Inhaltsangabe zu „Agrippina“ von Thorsten Becker

Eine Mutter giert nach Macht – ein Sohn dürstet nach Blut – ein Weltreich gerät ins Wanken »Es gibt so viele schöne Frauen. Es gibt so viele reiche Frauen. Es gibt so viele mächtige Frauen. Es gibt sogar Frauen, die ungeheuer schön, ungeheuer reich und ungeheuer mächtig sind. Und es gab Agrippina.« Seneca sitzt auf der Terrasse seiner Villa vor den Toren von Rom. Sein ehemaliger Schüler Nero, Sohn der Agrippina, hat ihn zum Tode verurteilt. Jetzt wartet der alte Philosoph auf den Centurio, der ihm den Befehl zur Selbsttötung überbringen soll. Als Stoiker sieht Seneca diesem Ereignis mit heiterer Gelassenheit entgegen. Doch der Centurio lässt sich Zeit – Zeit, die Seneca nutzt, eine Trostschrift für Nero zu verfassen, der seine Schreckensherrschaft mit der Ermordung seiner eigenen Mutter gesichert hat. Senecas Bericht vom Leben und Sterben Agrippinas, einer der schönsten und mächtigsten Frauen der Geschichte, gerät zu einer Erzählung von Machtgier und Mordlust, die das ganze Römische Reich in einen Abgrund von Verrat und Verkommenheit gestürzt haben. Wobei sich zunehmend die Frage stellt, welche Rolle Seneca selbst dabei gespielt hat. Thorsten Becker hat in diesem historischen Stoff einen bestürzenden Spiegel unserer Zeit entdeckt – und legt mit Agrippina ein atemberaubend modernes Stück Literatur vor, das darüber Auskunft gibt, wie das menschliche Streben nach Macht von jeher alle Tabus bricht.

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  • Rezension zu "Agrippina" von Thorsten Becker

    Agrippina

    michael_lehmann-pape

    01. November 2011 um 15:25

    Stoa Seneca war, nicht nur zu seiner Zeit, einer der bekanntesten Philosophen und Redner Roms. Ziehvater und Mentor des jungen Nero, Stoiker nicht nur aus intellektueller Anschauung heraus, sondern aus ganzem Wesen heraus vollzog Seneca jene individuell Haltung der Einordnung in die Weltordnung, in das übergeordnete universale Prinzip der Welt. Dieses Prinzip gilt es, zu erkennen und seinen eigenen Platz gilt es, unverbrüchlich zu wahren. Mit Gelassenheit, einer gehörigen Portion Selbstdistanz und dem Wissen darum, ein konkreter und gewisser Teil des großen Ganzen zu sein, dessen Walten das menschliche Verständnis überschreitet, dem man sich aber hingeben darf, kann und soll. Eine Haltung, die gerade zum Ende des Lebens Seneca hin von diesem überzeugend eingenommen wird. Nero selbst hat seinen alten Lehrmeister dem Tode preisgegeben. Ein Urteil zur Selbsttötung, dem sich Seneca, stoisch eben, nicht entziehen wird. Diese Situation nimmt Thorsten Becker auf als Grundlage seiner literarischen Verarbeitung. Eine „Trostschrift Senecas“ verfasst er, in der jener Seneca seinem Schützling und nun Mörder Nero versucht, die zwingend logische Ereignisreihe aufzuzeigen, die nun in die Gegenwart des Todesurteils geführt hat, indem er die Geschichte des Lebens und Sterbens von Agrippina, Neros Mutter, erzählt. Deftig, ungeschönt und voll praller Dekadenz, aus der nichts Gutes auf Dauer erwachsen kann, wie Seneca im Buch sprachgewaltig aufzeigt. Thorsten Becker vollzieht dies mit einem klaren Bild auf die Zeitlosigkeit der Ereignisse und, vor allem, der bewegenden Motive. Der selbstverliebte, machtbewusste, einer eigenen Reflektion unfähige Nero, der rücksichtslos alles aus den Weg räumt, was ihm im Weg stehen könnte, einschließlich der eigenen Mutter (beileibe auch kein Kind von Traurigkeit zu ihrer Zeit und Nero charakterlich in nichts Negativem nachstehend, wie Becker minutiös Seite für Seite darstellt). Erinnert dies nicht an Herrscher und selbsternannte Führer aller Zeiten? Die Selbstverliebtheit, vor allem der getrübte Blick auf die Rolle der eigenen Person, die rein zirkuläre, wenn überhaupt vorhanden, Ethik individueller Prägung, die alles entschuldigt und gar für folgerichtig darstellt? Von den Eroberungskriegen der Neuzeit über den Rassenwahn des dritten Reiches bis hin zu gierigen Egozentrikern aller Zeiten, denen Macht, Ruhm, Geld und eigener Vorteil immer schon über alles andere gingen? Wie Tiberius Caligula im Buch (mit natürlich Kränkungsabsicht) entgegenhält: Du bist der Enkel des Agrippa, Deine Mutter war die Tochter eines Emporkömmlings. Der Enkel eines Straßenköters bleibt ein Straßenköter, auch wenn sich edleres Blut beimischt“. Anschaulich bietet das gesamte Buch letztlich eine Charakteristik der „Straßenköter“ aller Zeiten. Intrigen, Korruption, Mord, Krieg, Verrat, zu allen Zeiten durchaus genutzte Mittel zum eigenen Vorteil. Besonders aber, und das ist das Perfide, das Becker im Buch herausarbeitet und zu dem er Seneca als Gegenpol wirken lässt ist das Selbstbild hinter aller Egozentrik aller Zeiten. Das Abwälzen aller Schuld, dass sich selbst überzeugen davon, dass es nun eben keinen anderen Weg gibt, man fast gezwungen ist, den alten Freund, die eigene Mutter, das Volk, die anderen, egal wen, aus dem Weg zu räumen. Ein Weg, den Agrippina ihrem Sohn einprägsam vorlebte und an dem sie selber letztendlich zu Grunde ging. Becker demgegenüber lässt Seneca als seine stärkste Waffe die ironische Distanz in die Waagschale werfen. Jene Distanz, welche die eigene Person mit in den Blick zu nehmen versteht. Die ein Bewusstsein für Gut und Böse aus innerer Einsicht heraus entwickelt und diese auf das große Ganze hin zu übertragen versteht. Gelassen und mit ethischer Kraft zum Guten, die auch Schaden für die eigene Person hinnehmen kann, da eben diese nicht abolut gesetzt wird. Sprachlich setzt Becker dieses Stück erfundener Beziehungsgeschichte hervorragend um, trifft in Stil und Duktus den Tonfall Senecas und bietet in der fließenden Aufarbeitung der Lebensgeschichte Agrippinas ein solides unterhaltsames Fundament für die scharfen Gedanken und präzisen Worte Senecas, vordergründig an Nero, Hintergründig an die gesamte Welt, sprich, an jeden, der Ohren haben will, zu hören.

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