Der Abfall der Herzen

von Thorsten Nagelschmidt 
3,4 Sterne bei14 Bewertungen
Der Abfall der Herzen
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Positiv (7):
friederickesblogs avatar

Ich habe mich deshalb an keiner Stelle gelangweilt und das Buch hat mich wunderbar unterhalten.

Kritisch (4):
-Leselust-s avatar

Nagelschmidts Reminiszenz an seine Jugend mag für ihn spannend gewesen sein, für mich als Leserin war es leider nur wenig unterhaltsam.

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Inhaltsangabe zu "Der Abfall der Herzen"

'Wann hast du eigentlich aufgehört, mich zu hassen?'

'Als du mir den Brief geschrieben hast.'

'Was für einen Brief?'

Und er beginnt sich zu fragen, was er sonst noch vergessen hat von diesem Sommer 1999. Nagel lebte damals in seiner ersten WG, hielt sich mit Nebenjobs über Wasser und verschwendete kaum einen Gedanken an die Zukunft. Damals, als ein Jahrhundert zu Ende ging, man im Regional-Express noch rauchen durfte und nur Angeber ein Handy hatten. Dann änderte sich alles, plötzlich und unvorhergesehen verwandelte sich seine Welt in einen Scherbenhaufen. Thorsten Nagelschmidt hat einen Roman über Liebe, Freundschaft und Verrat geschrieben. Über einen letzten großen Sommer und die Spurensuche 16 Jahre später.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783103973471
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:448 Seiten
Verlag:S. FISCHER
Erscheinungsdatum:22.02.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 22.02.2018 bei Grand Hotel Van Cleef erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    Mali133s avatar
    Mali133vor 2 Monaten
    Erlebnisse eines Jugendlichen Ende der 90er Jahre

    "Der Abfall der Herzen" ist ein Roman von Thorsten Nagelschmidt und ist 2018 im S. Fischer Verlag erschienen.

    Klappentext:
    "Wann hast du eigentlich aufgehört, mich zu hassen?"
    "Als du mir den Brief geschrieben hast."
    "Was für einen Brief?"

    Mit dieser Frage beginnt für Nagel eine Reise in die eigene Vergangenheit. Er holt seine alten Tagebücher aus dem Schrank, die er in den folgenden Wochen liest wie den Coming-of-Age-Roman eines Fremden.

    Mit Anfang Zwanzig lebte Nagel in seiner ersten WG in Rheine, hielt sich mit Nebenjobs über Wasser und verschwendete kaum einen Gedanken an die Zukunft. Damals, als ein Jahrhundert zu Ende ging, man im Regional-Express noch rauchen durfte und nur Angeber mit zu viel Geld ein Handy besaßen. Plötzlich und unvorhergesehen änderte sich alles, innerhalb weniger Monate verwandelte sich seine Welt in einen Scherbenhaufen.

    Nun, 16 Jahre später, fährt er los und trifft seine ehemaligen Freunde und Bekannten, Tommi und Richter, Laura und Nina, Schacke, die Larrys und all die anderen schrägen Vögel, um sie zu ihrer Version der Geschichte zu befragen. Je mehr er erfährt, desto chaotischer wird das Puzzle aus Legenden, Gerüchten und Halbwahrheiten.

    Fazit:
    Nachdem ich die Inhaltsangabe gelesen hatte, war ich sehr gespannt auf dieses Buch und wollte es unbedingt lesen. Leider konnte das Buch für mich nicht halten was es versprochen hat und ich habe mich bis zum Ende hin eher durchquälen müssen.

    Der Schreibstil des Autors hat mir gut gefallen. Er schreibt umgangssprachlich und flüssig und das Buch liest sich sehr angenehm. Die Charaktere werden gut beschrieben, wobei ich mir manchmal ein paar mehr Details gewünscht hätte. Ausreichend detailliert werden dafür die Handlungsorte beschrieben. Man kann sich recht gut wieder zurück in das Ende der 90'er Jahre zurückdenken, sofern man diese selbst erlebt hat. Aber auch für Jüngere wird das Leben in den 90'ern sehr anschaulich beschrieben und man bekommt einen guten Eindruck wie das Leben als Jugendlicher zu dieser Zeit war.

    Das Buch ist in drei große Abschnitte gegliedert. Einzelne Kapitel sucht man leider vergeblich, was mich persönlich ein bisschen gestört hat. Man konnte das Lesen allerdings gut an den Absätzen unterbrechen, wenn eine andere Erinnerung des Hauptcharakters begann.
    Die gesamte Geschichte ist aus der Ich-Perspektive von Thorsten "Nagel" Nagelschmidt geschrieben, welcher sich an seine Jugendzeit zurückerinnert. Dabei wird nicht nur auf die Vergangenheit eingegangen, sondern auch auf die Gegenwart in der sich Thorsten nochmal mit seinen Freunden aus Jugendzeiten trifft und mit ihnen über ihre gemeinsame Vergangenheit spricht. Insgesamt geht es um Freunde, die erste große Liebe und Parties. Leider ist dies auf Dauer nicht besonders spannend gewesen.

    Mich konnte das Buch überhaupt nicht fesseln und plätscherte eher so dahin. Es handelt sich wirklich nur um Erzählungen eines Jugendlichen aus den 90'ern und nach Spannung oder wirklich interessanten Vorkommnissen sucht man vergebens. Daher kann ich keine Empfehlung aussprechen und jeder muss am Ende für sich selbst entscheiden, ob ihn diese Thematik interessiert.

    Von mir gibt es 2 von 5 Sternen!

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    -Leselust-s avatar
    -Leselust-vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Nagelschmidts Reminiszenz an seine Jugend mag für ihn spannend gewesen sein, für mich als Leserin war es leider nur wenig unterhaltsam.
    Langeweile statt emotionaler Spurensuche

    Kurzmeinung:
    Hält nicht, was der Klappentext verspricht. Episodenhaft erzählte autobiografische Anekdoten eines normalen Studenleben der späten 90er bietet leider eher Langeweile als emotionale Spurensuche.

    Meine Meinung:
    Im Februar war ich vom Fischer Verlag zur Book Release Party von "Der Abfall der Herzen" eingeladen. In einer coolen Location hat der Autor zusammen mit zwei Gästen Szenen aus dem Buch vorgelesen. Die Stimmung war richtig gut, die Chemie zwischen Nagelschmidt und seinen Gästen war super, es gab viel Situationskomik und wir haben viel gelacht. Neben den Lesungen hat der Autor einiges zum Buch und zur Entstehung erzählt und natürlich gab es auch Livemusik (da Nagelschmidt nicht nur Autor, sondern auch Musiker ist). Nach diesem tollen Abend habe ich mich sehr auf die Lektüre des Buches gefreut. Da ich die gehörten Passagen als sehr witzig in Erinnerung hatte, habe ich mich auf viel Lachen beim Lesen eingestellt.
    Doch dann kam sehr schnell die Ernüchterung. Ich weiß nicht, ob die ausgelassene Stimmung gefehlt hat, oder das Witzeln zwischen den Vorlesern, aber beim selber Lesen waren die ganzen Szenen dann irgendwie gar nicht mehr lustig.
    Der Autor vertieft sich im Jahr 2015 in seine Tagebücher und schwelgt in Erinnerungen aus dem Jahr 1999. Er erzählt von seinem WG- Leben als Student, seinen Freunden, seiner ersten großen Liebe und der Trennung, vom Kiffen, Feiern, Musik. Alles schön und gut, aber eben auch sehr... normal.
    Für mich hatte dieser Roman keinen Mehrwert.
    Der Autor wechselt immer wieder zwischen Passagen in der Gegenwart und Anekdoten aus der Vergangenheit. Allerdings hatten beide Zeiten keinen richtigen Reiz für mich. Die Begebenheiten waren nicht besonderes lustig, nicht besonders spannend, nicht besonders tiefgreifend. Dadurch stellte sich bei mir beim Lesen schnell Langeweile ein und ich musste mich aufraffen, überhaupt weiterzulesen.
    Wirklich schade, denn der Klappentext verspricht etwas anderes und auch nach der Lesung hatte ich wie gesagt eigentlich einen anderen Eindruck von dem Buch.
    Als positiv kann ich vermerken, dass sich beim Lesen sofort das Gefühl der 90er eingestellt hat und der Autor die Stimmung sehr gut eingefangen hat.
    Auch das Thema der selektiven Erinnerung fand ich ganz spannend. Wie erinnern wir uns an Dinge? Was behalten und was vergessen wir? Wie verändern wir vielleicht auch unsere Erinnerungen? Nagelschmidt macht bei seinen Nachforschungen die Erfahrung, dass jeder der Interviewten bestimmte Situationen etwas anders in Erinnerung hat und so jeder seine eigene, subjektive Wahrheit bildet. Die Abschnitte, die um diesen Gedanken kreisen, fand ich gelungen. Da hätte man vielleicht einen größeren Schwerpunkt setzen können. Insgesamt gehen diese interessanten Aspekte nämlich in der trägen Erzählung unter.

    "Ich weiß, da lauert eine Geschichte, und ich weiß, dass ich sie erzählen will. Die Frage ist nur, ob ich sie zu packen kriege." (S.319)


    Meine Antwort darauf: leider nein.


    Fazit:
    Leider meist eher etwas langweilig. Thorsten Nagelschmidt blickt zurück auf den Sommer 1999, auf seine Studentenzeit, wilde Parties, Freundschaft und die große Liebe.
    Es ist ganz nett, um sich mal wieder den 90er Vibes hinzugeben. Auch die Passagen über die selektive Erinnerung fand ich ganz interessant. Aber alles in allem hat mich der Roman nicht vom Hocker gehauen. Es fehlte der Spannungsbogen. Diese Reminiszenz an Nagelschmidts Jugend mag für ihn gewinnbringend gewesen sein – für mich als Leserin war es aber höchstens ganz nett, meistens aber eher etwas öde. 

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    friederickesblogs avatar
    friederickesblogvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ich habe mich deshalb an keiner Stelle gelangweilt und das Buch hat mich wunderbar unterhalten.
    Erinnerungen an die Jugend

    Klappentext

    Wann hast du aufgehört mich zu hassen?« »Als du mir den Brief geschrieben hast.« »Was für einen Brief?«Und er beginnt sich zu fragen, was er noch vergessen hat von diesem Sommer 1999 in Rheine. Damals lebte Nagel in seiner ersten WG, hatte eine Band und seine Freundin und machte sich keine Gedanken über die Zukunft. Dann änderte sich alles, plötzlich, unvorhergesehen. Damals, als sie jung waren, als ein Jahrhundert zu Ende ging und man in den Regionalzügen noch rauchen konnte. Thorsten Nagelschmidt hat einen Roman über einen letzten großen Sommer geschrieben, über Freundschaft und die große Liebe und ihr Zerbrechen, weil man kein Morgen kannte.

    Der Autor

    Thorsten Nagelschmidt, geboren 1976 im Münsterland, ist Autor, Musiker und Künstler. Bis 2009 war er Sänger, Texter und Gitarrist der Band Muff Potter. Unter dem Namen Nagel veröffentlichte er die Bücher »Wo die wilden Maden graben« (2007), »Was kostet die Welt« (2010) und »Drive-By Shots« (2015) und zuletzt unter dem Namen Nagelschmidt den Roman »Der Abfall der Herzen« (2018). Thorsten Nagelschmidt lebt in Berlin.

    Das Cover

    Ein schlichtes Cover mit zurückhaltenden Farben und vier jungen Menschen, die in einen See springen. Gemeinsam mit dem Klappentext ist das eine gelungen und fein abgestimmte Präsentation.

     

    Die Geschichte (Achtung Spoiler!)

     

    Eine etwas andere Geschichte, die nicht am Anfang beginnt. Der Autor erzählt zunächst autobiografisch, wie es dazu kam, dass er sich auf die Spurensuche in den Sommer 1999 begibt und wie es letztendlich zu diesem Buch kam.

    Er wohnt in Berlin und trifft sich eines Tages mit einem Freund, mit dem er sich vor langer Zeit zerstritten hatte. Und dann redeten sie plötzlich über einen Brief, den er ihm vor vielen Jahren geschrieben und den Streit beendet haben soll. Aber er kann sich nicht erinnern, obwohl er damals bereits als Autor ein Tagebuch geführt hat.

    Nun beginnt er damit die Kladden zu lesen und hat zunehmend mehr Fragen als Antworten. Er fährt nach Rheine, wo er 1999 gewohnt hat, redet mit Freunden und Bekannten. An dem Ort ist er aufgewachsen und wurde zum Sänger und Songschreiber. Vieles, was er sich nun erzählen lässt, kann er mittlerweile so nicht einordnen und vieles nicht mehr erinnern. Und sie erzählen es auch ganz anders, wie er das wahrgenommen hatte. Und alles, was er nicht mehr zusammenbekommt, muss er in seinem Roman mit neuen Figuren und Handlungen ergänzen.

    Meine Meinung

    Die Geschichte wird über zwei Zeitebenen, nämlich aus der Gegenwart und dem Rückblick auf das Jahr 1999 erzählt. Der Autor wählte die Erzählperspektive des Icherzählers, was grundsätzlich dafür sorgt, dass man den Figuren sehr nah ist. Anfänglich habe ich mich allerdings etwas schwer damit getan, mich mit den Protagonisten, ihren Aktivitäten und ihrer Sprache anzufreunden, weil ich 1999 schon etwas älter, als diese Jungs war. Es war ein sehr schwieriges Jahr für ihn. Vieles auch Unsägliches ist passiert. Insgesamt geht es um Freundschaft, Partys, Alkohol, Eifersucht, Musik und mehr. Es geht um die Erinnerungen.

    Einiges was die so veranstaltet haben war mir natürlich auch nicht fremd, auch wenn meine Jugend schon etwas länger zurückliegt, als 1999. Und auch ich verstricke mich immer öfter in Zeiten, die mich fragen lassen: „Weißt Du noch?“

    Ich habe mich deshalb an keiner Stelle gelangweilt und das Buch hat mich wunderbar unterhalten, mich selbst auf Suche nach meiner Vergangenheit und Jugend geschickt, wenn auch die Erinnerungen etwas anders daherkommen. Es hat mich an vielen Stellen schmunzeln lassen und dadurch, dass es einfach mal ganz anders war, sehr überzeugt.

    Ich wünsche dem Buch, dass es viele Leser finden möge. Ich für meinen Teil kann also eine Leseempfehlung aussprechen.


    friedericke von "friederickes bücherblog"

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    Dajobamavor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Eine Geschichte wie sie das Leben schreibt. Lesenswert!
    Eine bewegte Jugend

     Wir alle haben Erinnerungen ein ganz persönlich wichtiges Jahr. Das Jahr nach dem Abi beispielsweise, als das Gefühl der Freiheit groß und die Zukunftssorgen gering waren. Trotzdem eine Zeit, die einen geprägt hat und in der Weichen gestellt wurden. Eine Zeit, an die man meist gerne, oder mit gemischten Gefühlen zurückdenkt. Für den Autor, genannt Nagel, ist dies der Sommer 1999.

     

    Mit einer einfachen Frage an seinen langjährigen Freund beginnt für Nagel eine Spurensuche in seine Vergangenheit:

    "Wann hast du eigentlich aufgehört, mich zu hassen?" - "Als du mir den Brief geschrieben hast." - "Was für einen Brief?"

    Er kramt seine alten Tagebücher (Kladden) aus dem Sommer 1999 hervor, denen er damals alles anvertraut hatte. 

    "Es ist, als hätte eine unsichtbare Hand mich am Kragen gepackt und in diese Bücher hineingezogen, in den Sommer vor 16 Jahren. Der Sommer, in dem unsere Welt in 1000 Teile zerbrach, die sich nie wieder zu einem Ganzen fügten." Seite 12

     

    Obwohl ich wenige Jahre jünger bin als der Autor, der vor diesem eindeutig autobiografischem Roman bereits Bücher unter dem Namen Nagel veröffentlicht hat, habe auch ich Erinnerungen an das Jahr 1999 - die Sonnenfinsternis, und vieles mehr.

    Nagel hatte schon eine besonders bewegte und richtungslose Jugend, von Alkohol, Partys, Sex, auch Drogen, WG-Leben, Geldsorgen hat er kaum etwas ausgelassen. Trotzdem hat er immer seine Tagebücher, Kladden geführt, gerade in Zeiten von Liebeskummer exzessiv.

     

    Gerade am Anfang des Romans habe ich etwas damit gehadert. Was gehen mich die Jugenderinnerungen eines Fremden an? Wo bleibt der Anspruch? An die recht umgangssprachliche Ausdrucksweise musste ich mich erst einmal gewöhnen. Insbesondere bei den anfänglichen Vorstellungen der WG-Mitbewohner wirkte der Ton extrem unbeholfen und gezwungen. Hat mich etwas an einen Schulaufsatz erinnert. Doch das wurde mit der Zeit immer besser.

     

    Denn dann hat mich das Buch doch noch erwischt. Es entwickelte einen regelrechten Sog und ich wollte wissen, wie es mit Nagel und seinen Kumpels und seinen beiden Lieben weitergeht. Was ist damals passiert? Wie einzelne Puzzleteilchen füllt Nagel seine Erinnerungslücken, die durch die Kladden nicht vollständig gefüllt werden konnten. 16 Jahre nach dem bedeutsamen Sommer ruft er Weggenossen von damals an, schreibt ihnen E-Mails und trifft sich mit ihnen. Die zusammengetragenen Informationen passen nicht immer genau zusammen. Es ist eine Geschichte, wie sie das Leben schreibt, und gerade durch die lockere, einfache Sprache, teils im Umgangston, teils im Jugendslang hat sie etwas unnachahmlich authentisches. Und vielleicht habe ich genau hier den Anspruch gefunden, den ich gesucht hatte: sich auf die Sprache und die Gedankenwelt von Anfang 20-jährigen einzulassen, die selbst noch nicht wissen, was sie vom Leben eigentlich erwarten.

     

    Nagel spielt in einer zugegebenermaßen versifften Band und so tauchen immer wieder Musikstücke und Songtexte aus der Zeit auf. Das hat mir sehr gut gefallen, es gibt dem Buch einen gewissen "Sound".

     

    Am Ende handelt es sich bei diesem Buch um eine gut gemachte Mischung aus Coming-of-Age-Roman und Spurensuche in der eigenen Vergangenheit. Nach leichten Gewöhnungsschwierigkeiten hat es mir sehr gut gefallen, ich kann mir aber vorstellen, dass nicht jeder etwas damit anfangen kann.

     

     

    Kommentare: 3
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    uli123vor 5 Monaten
    Nicht die richtige Lektüre für mich

    Dies ist der erste Roman, den der Autor (und Musiker und Künstler) unter seinem richtigen Namen veröffentlicht. Und das passt auch, weil die Geschichte Autobiografisches aus seinem Leben als 22/23jähriger im Jahr 1999 behandelt. Gefallen hat mir die Idee zu beschreiben, wegen einer Art Schreibblockade ein eigentlich in Arbeit befindliches Buch aufzugeben und statt dessen anhand alter Tagebuchaufzeichnungen und vieler Gespräche mit früheren Freunden sein Leben in den Monaten von April bis September 1999 darzustellen. Allerdings vermisse ich das, wovon es im Klappentext aufreißerisch  heißt „innerhalb weniger Monate verwandelte sich seine Welt in einen Scherbenhaufen“. Denn eigentlich werden nur ganz unspektakuläre Dinge aus dem Alltag eines jungen, nicht unbedingt der Norm entsprechenden Erwachsenen wiedergegeben. „Nagel“ lebt seinerzeit in der ihm  verhassten Provinzstadt Rheine. Seine langjährige Beziehung geht in die Brüche, was ihm erheblichen Liebeskummer und Eifersucht beschert; er lebt in einer WG, hat Gelegenheitsjobs, spielt mäßig erfolgreich in einer Band und hat eine ganze Armada an Freunden, mit denen er fast pausenlos Konzerte, Kneipen und Partys besucht, wo Alkohol strömt und gekifft wird. Alles in allem eher das Leben eines unreifen Erwachsenen, dem ich selbst überhaupt nichts abgewinnen kann. Vielleicht soll der erwähnte Scherbenhaufen der Umstand sein, dass Nagel am Ende des Sommers seinem Nebenbuhler eine Falsche über den Kopf zieht.  

    Vermutlich gehöre ich nicht zu dem angesprochenen Leserkreis. Allein die Bezugnahme auf aktuelle Ereignisse des Jahres, an die ich mich selbst gut erinnere, wie die Sonnenfinsternis im August oder der Bewurf von Joschka Fischer mit Farbbeuteln, hat das Buch für mich einigermaßen lesenswert gemacht.

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    schnaeppchenjaegerinvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Autobiographische Anekdoten aus einem banalen Leben eines 23-jährigen Musikers und Studenten Ende der 90er-Jahre. Langweilig!
    Autobiographische Anekdoten aus einem banalen Leben eines 23-Jährigen Ende der 90er-Jahre

    Thorsten "Nagel" blickt im Jahr 2015 auf den Sommer 1999 zurück und zieht sich in eine Datsche in Brandenburg zurück, um seine Memoiren zu Papier zu bringen. 1999 hatte er seinem Freund Sascha dessen Freundin Laura ausgespannt, nach dem seine eigene Freundin sich mit Timo eingelassen hatte. Allem Anschein nach hatte Thorsten aber auch nicht allzu viel Enthusiasmus in die Beziehung gesteckt, sondern mehr in den Tag hineingelebt und sich orientierungslos neben seinem Studium mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten zu haben und die restliche Zeit mit seinen WG-Kumpels Richter und Thommy und ihrer gemeinsamen Band vor ihrem Umzug nach Berlin in Rheine verbracht zu haben. 
    Thorsten vertieft sich 2015 in seine Tagebucheinträge aus den späten 90er-Jahren, anhand derer der Roman episodenartig erzählt wird und mehr oder weniger witzige Szenen aus dem Leben eines Musikers/ Studenten/ Freund/ Suchenden enthält. In Momentaufnahmen wird das Leben eines jungen Mannes und seiner Beziehungen in den 90ern geschildert. Durch die für mich zum Teil zusammenhanglose Aneinanderreihung der offenbar autobiographischen Anekdoten war mir der Roman zu langatmig und langweilig, so dass ich mich zwingen musste, den Roman nicht nur quer zu lesen, um bis zum Ende durchzuhalten. Den im Klappentext angekündigten Scherbenhaufen des 23-jährigen Ich-Erzählers konnte ich nicht als derart erzählenswert ausmachen. Die Nacherzählung seines jugendlichen Lebens wirkte auch mich wie das Geschwafel von jemandem, der sich am liebsten selbst reden hört. Auch die Spurensuche durch die Interviews mit seinen alten Weggefährten, die aus ihrer Sicht, damit zum Teil sehr unterschiedlich, aber auch nur sehr stichpunktartig Thorstens Fragen beantworten, wirkte mir zu halbherzig und unausgereift. 
    Möglicherweise zähle ich aber einfach zur falschen Zielgruppe des Romans und vielleicht ist Nagelschmidts "Abfall" eher ein Buch für Männer, die selbst ihre Jugend in den 90er-Jahren verlebt haben und sich mit dem unreif wirkenden Protagonisten und seinen Erfahrungen mit Frauen, Kiffen und seinen Banalitäten des Alltags identifizieren können.

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    M
    michael_lehmann-papevor 7 Monaten
    Wunderbar erzählter Lebens-Roman

    Wunderbar erzählter Lebens-Roman

    Da ist der Schriftsteller. In der Gegenwart. Der einen Stoff „irgendwie“ im Kopf hat und auch unter leichten Druck gerät, mal wieder was vorlegen zu müssen. Das Leben will ja finanziert sein.

    Dumm, wenn man dann merkt, dass der geplante Stoff einen wenig mitreißt und nicht recht funktioniert.
    Gut wiederum, wenn man aus einer bestimmten Periode seiner späten Jugend und jungen Erwachsenenjahre Tagebücher besitzt.

    Und diese, als Buch im Buch quasi, in einen Roman verwandeln kann. Hitzig wird, die Finger wie von selbst zunächst transkribieren, sich Erinnerungen formen.

    An eine Zeit Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, als man Student nur wegen der Vorteile der Einschreibung war und nie eine Vorlesung besucht hatte. Als „die WG“ das Zentrum des Lebens war, als „die eigene Band“ Dreh- und Angelpunkt des Alltags ist. Als Alkohol und manch andere Substanz in Strömen floss. In dieser kleinen Stadt, die wenig Perspektive zu bieten hat, wo es schon ein Höhepunkt ist, in der Nachbarschaft in Quakenbrück mal in einer Halle als Band auftreten zu können.

    Wobei Auftritt zu viel gesagt ist. Was an den strömenden Substanzen liegt, aber, und das wird zum Zentrum der Erzählung, an der Trennung von der langjährigen Freundin. And er Eifersucht, die darauffolgt. Daran, wie einem der Boden unter den Füßen weggleitet von diesem „Abfall eines Herzens“, das einem doch innerlich die Welt bedeutet.

    Wobei, und das ist klug gewählt als Titel, das ja nur ein „Herz“ betrifft. Doch der Plural des Titels macht überaus Sinn. Denn nicht nur eine (verlorene) Liebesgeschichte erzählt Nagelschmidt durch die Augen seines, in der Gegenwart mittelalten und damals jungen Protagonisten, sondern auch die Änderungen, die durch Ort und Zeit selbst allmählich in den Raum treten.

    Denn auch „die WG“ und „DIE Band“ sind, der Leser ahnt es schon zu Beginn, eine Art Zeitblase, die keinen Bestand auf Dauer haben kann. Ausbildungen, Projekte, die Zukunft gestalten wollen, das wird nicht Wenigen im Buch widerfahren und aus den Grenzen der vertrauten Umgebung herausführen müssen.

    Herzen eben, die nicht im Bösen, aber doch voneinander abfallen, deren Wege sich trennen. Eine Trennung, auf die hin es sich entwickelt und die weitere Entwicklungen auslösen wird.

    Die allesamt und allen das Buch belebenden Figuren von Nagelschmidt mit Sorgfalt und in wunderbar lesbarem Ton im Roman balanciert und verfolgt werden.

    Mit all den Peinlichkeiten des „Stalkens“ der ehemaligen Freunden, der tränenreichen Verzweiflung, aber auch den kleinen, gelungenen Einblicken in die Essgewohnheiten der stolzen WG, Einblicke in überaus vertaubte, bürgerliche Kneipen, in denen ein „Cola-Rum“ gerade noch hergestellt werden kann (neben dem „Herrengedeck“) bis zur „Abschlepp-Disco“.

    Gut, dass der Protagonist im Buch seine Meinung geändert hat. Denn zunächst sagt er entschieden:

    „Weil ich darüber nicht mehr schreiben will. Jugend und Kleinstadt, Musik, Gewalt, Liebeskummer. Dieser ewige Gonzoporn“.

    Denn heraus kommt ein lebendiges, unterhaltsames, Erinnerungen auslösendes Werk über das Jung sein, die Trennungen des Lebens und das sich zurecht finden müssen in einer dann anderen, der „erwachsenen“ Welt, ohne diese Jugend wirklich aus sich heraus verbannen zu können.

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    katzenminzes avatar
    katzenminzevor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Klasse Mischung aus tollen Charakteren, 90er Nostalgie, Freundschaft, Sommer, Liebe & einer guten Portion Scheißegal. Mich hats begeistert!
    Party like it's 1999!

    Party like it's 1999!

    Ich hätte eigentlich gar nicht gedacht, dass mir dieser Roman besonders gut gefallen würde. Aber ich bin, den Zweifeln zum Trotz, letztlich total durch dieses Buch „gesuchtet“! Die Mischung aus tollen Charakteren, 90er Jahre Nostalgie, Freundschaft, Sommer und einer guten Portion Scheißegal hat mich direkt mitgenommen.

    Obwohl er Kladde um Kladde mit Tagebucheinträgen gefüllt hat, kann sich Nagel nicht mehr richtig an den Sommer 1999 erinnern. Dabei war dieser Somme für ihn etwas besonderes. Obwohl er eigentlich über etwas anderes schreiben will, verliert er sich mehr und mehr in den alten Tagebücher, sucht alte Freunde auf und stellt fest, dass auch die sich an bestimmte Dinge „anders“ erinnern. Der Abfall der Herzen ist also Nagels Rekonstruktion dieses Sommers und deswegen auch keine Autobiografie, sondern autobiografische Fiktion. Dass viel „echts Leben“ drinsteckt, merkt man dem Roman aber in jeder Zeile an.

    Die Spurensuche in der Vergangenheit fand ich interessant. Wer will sich nicht gerne nochmal mit seinen Jugendfreunden auf ein Bier treffen und „Weißte noch damals...“ Gespräche führen?! Das „Damals“ von Thorsten Nagelschmid ist zum Teil auch mein „Damals“. Millennium, Sonnenfinsternis, Kassetten, Fokuhila, Trashige Filme und überall darf geraucht werden. Ich bin zwar ein bisschen jünger, aber abgeholt hat mich seine Beschreibung vom Sommer '99 trotzdem total. Inklusive der westfälischen Begriffe. Genial!

    Ich empfehle auf jeden Fall Spotify oder Youtube beim lesen griffbereit zu haben. Nageschmidt hat einige Lieder in die Geschichte gepackt, die das wieder-Anhören oder neu-Entdecken lohnen und für die richtige Stimmung beim lesen sorgen.

    Also, was könnt ihr erwarten vom Abfall der Herzen? Es gibt ein bisschen Liebe, ein bisschen Nostalgie, viel Freundschaft, Witz und Anarchie, tolle Typen, einen essentiellen Sandwichtoaster, WG-Partys, die Katze, viel Musik, zu viel Alkohol, Eifersucht, Freiheit und die Frage „Wie war da Damals?“. Mich hat's begeistert.

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    BennieSalazarvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ich fühle mich ins Jahr 1999 rückversetzt. Da ging was.
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    ju_theTrues avatar
    ju_theTruevor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Jeder schon mal "diesen Sommer" hatte, zwischen nicht mehr Kind aber eben auch noch nicht erwachsen sein, wird die Geschichte mögen
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    Ein Trip in eine andere Zeit, in ein anderes Deutschland. Ehrlich, anrührend, großartig.

    Eine Lektüre wie ein Treffen mit alten Freunden, einfach gut.

    […] ein charmanter Roadtrip in die Vergangenheit. Diese Spurensuche wird jeden Mittvierziger an die eigenen Sturm- und Drang-Jahre erinnern.

    Eine wild-melancholische Textcollage, die emotional durchrüttelt.

    Ein kurzweiliger Roman. Nagelschmidts nostalgische Coming-of-Age-Geschichte weckt zudem die Sehnsüchte nach der eigenen Jugend.

    Es ist ein eitles Projekt. Aber Nagelschmidt strickt daraus einen beeindruckenden Rundgang durch das Museum, das jeder in den Köpfen anderer hat.

    Einer der besten Romane dieses Jahres.

    Dichte Beschreibung, fast schon Ethnographie.

    Vorfreude! So freuen sich unsere Leser auf das Buch

    TheCoons avatar
    TheCoonvor 3 Monaten
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