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Queenelyza

vor 1 Jahr

(48)

Ein Buch mit dem Titel "Die Kreuzfahrt mit der Asche meines verdammten Vaters" muss man schon alleine wegen des Titels gerne haben. Doch auch der Inhalt ist nicht ohne und macht jede Menge Spaß.

Jörn hat seinen Vater nie kennengelernt und seine Mutter hat auch nicht wirklich gut über ihn gesprochen. Doch plötzlich steht ein guter Freund seines Vaters vor der Tür, mit einem Rainmaker - ein australisches Musikintstrument. In diesem röhrenförmigen Holzinstrument versteckt befindet sich die Asche von Jörns Vater, die der völlig überraschte und überforderte Sprössling in Italien begraben soll. Und dorthin soll err sich per Kreuzfahrt begeben, auf eben dem Schiff, auf dem sein Vater Musiker war. Jörn ist überhaupt nicht begeistert, aber wann hat er schon mal die Möglichkeit, zu reisen?

Der Freund händigt Jörn noch einige Briefe seines Vaters aus, und Jörn macht sich auf den Weg. Als wäre das nicht schon genug durcheinander für einen Teenager, trifft er auf dem Schiff auch noch auf Elisabeth, in die er sich ziemlich rasch verguckt. Und so schwimmt er dem Ziel Italien entgegen, mit Sternchenaugen und einer ganz anderen Wahrheit im Gepäck, als er bisher kannte...

Das  Buch hatte mich bereits im ersten Kapitel, denn die Schreibweise ist in meinen Augen genau so, wie ein Teenager formulieren würde. Da ist nichts aufgesetzt, nichts gestelzt, sondern alles authentisch und manchmal wirklich zum Brüllen komisch. Man mag Jörn in jeder Situation beistehen, ihm entweder die Meinung sagen, ihn vorwärts schubsen oder ihn einfach nur in den Arm nehmen. Das Buch bedient die ganze Palette von megalustig bis hin zu wirklich "Kloß-im-Hals-traurig", man nimmt Jörn jede Gefühlsregung ab und leidet förmlich mit.

Sieht man das Buch als Coming-of-Age-Roman, die eine Zeitlang sehr beliebt waren, drängt sich mit zumindest automatisch der Vergleich mit dem seinerzeit so hochgelobten "Tschick" auf. Und da hat "Die Kreuzfahrt" für mich einfach deutlicher die Nase vorn, weil die Geschichte warmherziger, glaubwürdiger und authentischer erzählt wird. Hier stimmt jede Nuance, jedes Gefühl, jede Not des Teenagers, fast ist mir, als wäre diese Zeit bei mir selbst erst seit gestern vorbei, so plastisch war mir vieles wieder vor Augen. Und dann erst das Ende, dieses traurige, hoffnungsvolle, romantische... - aber lest doch einfach selbst! Es lohnt sich!

Autor: Thorsten Nesch
Buch: Die Kreuzfahrt mit der Asche meines verdammten Vaters
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