Thorsten Palzhoff

 4 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Nebentage und Tasmon.

Alle Bücher von Thorsten Palzhoff

Nebentage

Nebentage

 (1)
Erschienen am 22.02.2018
Tasmon

Tasmon

 (1)
Erschienen am 01.08.2006

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Rezension zu "Nebentage" von Thorsten Palzhoff

Hervorragend auf den zweiten Blick
michael_lehmann-papevor 8 Monaten

Hervorragend auf den zweiten Blick

Ganz eigen im emotionalen Ton färbt Thorsten Palzhoff seinen neuen Roman. So, dass es dem Leser zunächst fast vorkommt, als wäre der Autor nicht unbedingt emotional interessiert an seinem „Felix“ un den anderen auftretenden Personen.

Doch es dauert nicht lange, nur ein paar Seiten, da verfliegt dieser Eindruck. Genau dann, wenn man den Inhalt in sich aufnimmt und feststellt, wie akribisch und genau selbst in Kleinigkeiten wie der Beschreibung eines Bleistiftes oder eines Stapels Papier, einer Gefängniszelle oder einem menschenüberfluteten Platz in Leipzig (ja, es gab „Montagsdemonstrationen“ auch nach Erreichen der vordringlichen Ziele dieser Demonstrationen) Palzhoff die Welt des Romans darlegt.

Eher nüchtern im Ton, eher ein wenig distanziert (wie der Protagonist dieser „andersherum“ West-Ost Geschichte) aber umso treffender im Zustand der Personen, im inneren Erleben, in den Zweifeln, den ergriffenen Chancen ebenso, wie den verpassten Chancen. Mit einer Liebesgeschichte, die auf Lüge berührt aber tief wahr ist, mit genau passenden sprachlichen Mitteln, um präzise die Atmosphären der Orte dem Leser zu vermitteln. Vom eintönigen Aufwachsen und Leben „in der westlichen Provinz“, von der „hinfort gleitenden Mutter“ bis zum Vater, der sich, im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig an seinem „Standard-Unterhaltungstrick“ verschluckt hat.

Wie eine überstürzte Flucht dann der Weg nach Leipzig, der nicht nur Visite bleiben wird, sondern, auch hier eine Gelegenheit eher nebenbei ergreifend, eine zweite Identität gebären wird. Die wiederum, und auch dies zeugt von der Qualität Palzhoffs, nicht als altbekanntes „Verwirrspiel“ inszeniert wird, sondern tatsächlich eine andere, zweite, neue „Person“ in der eigenen Seele verankert (mit Grund).

„Ich selbst – das gebe ich zu – habe die Abschaffung von Felix Fehling (ein kleines, feines, effektives Wortspiel im Nachnamen selbst) als Erlösung aus einem falsch programmierten Leben emfpunden“.

Und dies auf dem Hintergrund der ebenso sorgsam wie unterhaltsam nun aus „westlicher Sicht“ als „Neu-Ostler“ gestalteten Atmosphäre der Ereignisse der Wendezeit in Leipzig, die eine „Neuschaffung“ der eigenen Person ebenso ermöglichen, wie eine „Neuschaffung“ der bisherigen Welt für all jene, die sich nun „anderen Umständen“ entgegen recken oder notgedrungen stellen müssen.

Wobei auch in den Tonfall und die Rahmung der Geschichte passt, dass dabei die Liebe eine bedeutende („Schon auf dem Betriebsfest war ich bis über beide Ohren in dich verliebt), aber eben nicht die grundlegende Rolle spielt (sie die „falsche Programmierung“).

Wobei zu Anfang, in der Gegenwart des Romans (1995) sitzt der, zu diesem Zeitpunkt, gar nicht mehr so neue „Tobias Voss“ in Osteuropa (geschäftlich unterwegs, kleiner Autounfall) vor einem Polizisten und sollte sich doch rasch eine Erklärung überlegen für die beiden Faxausdrucke auf dem Schreibtisch mit der Kopie von zwei verschiedenen Ausweisen.

In der Zelle, allein mit Stift und Papier, erzählt er seine Geschichte. In der, natürlich, immer wieder in kleinen Einschüben die Gegenwart der Verhaftung ihre Rolle spielen wird. So dass auch der Spannungsbogen des Romans, die Frage, wie das ausgehen wird, dieses „Ertappt-Sein“, den Leser durchweg bei der Lektüre verhaftet. Oder steckt gar mehr hinter all dem, was jener Tobais / Felix da alles seiner „Liebe“ aufschreibt?

Eine intensive Lektüre, die tief in Lebensgefüge, Lebenshaltungen, Umgang mit rasanten Veränderungen eindringt und mühelos eine ansprechende, innere Spannung von Anfang bis Ende durchhält.

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