Thorvald Berthelsen , Peter Pitsch Zeitsprünge und andere Spuren

(1)

Lovelybooks Bewertung

  • 1 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(1)
(0)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Zeitsprünge und andere Spuren“ von Thorvald Berthelsen

Schwimmende Ablagerungen der Hoffnung

Nackt auf dem Strand
zwischen Tonscherben
und den untersten Quadern
von Mithymnas verwittertem Stadtstaat –
wie Adern unter alter Haut, übergehend
ins blassere Blau des Horizonts
während sich die violetten Disteln
um die Beine schmiegen,
im umgedrehten Kegel der Abendsonne
erstrecken sich die Schwimmstöße
in die zahlreichen Spuren unseres Lebens
als Lichtschimmer übers ganze Gesichtsfeld.
Und die Hautabschürfungen am Felsengrund
sind keineswegs ein Traum.

Eines Dichters Odyssee durch menschliche Einöden und abwegige Geisteszustände.

— Peter_Pitsch

Stöbern in Gedichte & Drama

Alt?

Nicht meins...der Stil des Dichters und der Aufbau der Thematik hat mir gar nicht gefallen.

EnysBooks

Solange es draußen brennt

Wer seine Texte liebt und andere damit begeistern möchte.

Bookofsunshine

Ganz schön Ringelnatz

Die Serie ist toll. Nur Ringelnatz liegt mir nicht

Ein LovelyBooks-Nutzer

Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke

Egal was für eine "Krankheit" man auch hat, Erich Kästner kuriert einen schneller als man denkt :P

Vanii

Des Sommers letzte Rosen

Insgesamt eine schöne Sammlung von Gedichten, die einen guten Einblick in die Landschaft deutscher Dichtkunst vermittelt.

parden

Eine Wiege

ein erinnerungsbuch für einen schönen lesetag angela krauß hat eine rede in versen geschrieben, kein wort ist zuviel und kein wort fehlt

frauvormittag

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Beobachtungen

    Zeitsprünge und andere Spuren

    Peter_Pitsch

    29. December 2017 um 11:24

    Schon die bloße Beobachtung und Registrierung eines Objekts oder Zustandes führt zu einer Veränderung in Raum und Zeit. Ein einziger Flügelschlag, dessen Luftwirbelspur, und seine Auswirkung auf das Geschehen an einem anderen Ort. Im übertragenen Sinne: die Kraft eines Gedichts, seine Auswirkung auf die Vorgänge in einem anderen Geist.Des Dichters Motivation und sein jeweiliges Motiv, das diesem oder jenem Text zugrunde liegt, befinden sich nicht unbedingt im Einklang mit dem Auffassungssystem des Lesers. Der Interpretationsraum dahingegen ist dem Text immanent und folglich ein Resultat des erdichteten Sinnbilds. Thorvald Berthelsens kurze Prosatexte, Gedichte und vor allem seine Haikus sind komprimierte, facettenreiche Gedankengebilde, die unsere Realität durch abstrakte Anschauungsweisen aus den Angeln heben und einen Gegenentwurf zum herkömmlichen Sprachgebrauch (mit seinen Phrasen und Worthülsen) bilden. Dem Sinn im Unsinn auf der Spur – und umgekehrt –, während des Dichters Odyssee durch menschliche Einöden und abwegige Geisteszustände. Von unbegreiflichen Prozessen wie der Zellteilung inmitten absurd anmutender Alltagsszenarien. Über die Krümmung der Zeit oder dem Strang des genetischen Codes als Urgrund allen Bestehens. Bis hin zu Schwarzen Löchern und dem Big Bang, mit dem das Dasein seinen Anfang nahm. Den weiträumigen Ausdrucksweisen zum Trotz, sind weder die große Geste noch ein allumfassender Pathos am Werk, wenn Thorvald Berthelsen in seiner Lyrik auf das Unmögliche verweist. Manchmal das Verbotene, schier Unerträgliche mit intuitivem Gespür für die unsichtbaren Zusammenhänge unseres Erlebens auslotet. All dies geschieht in einer an und für sich unfassbaren Welt. Seine An-Deutungen zeigen immer wieder in eine andere, noch unerforschte, bislang unbenannte Richtung. Fern von dem Befinden, das ein von Pragmatismus und Gewöhnung korrumpierter „Verstand“ als Normalzustand uns weiszumachen gedenkt. Thorvald Berthelsen hat Collagen entworfen – in Text und Bild –, um die Wechselwirkung zwischen Ideengefüge und weltlichem Schein, zwischen dem Unbewussten und der Intention, dem Ursprung und dem Begreifen zu veranschaulichen. Einigen seiner Haikus hat er eine bildliche Entsprechung zur Seite gestellt. Ein Aufgebot fiebriger Visionen, Szenen aus unserer heimischen Begriffswelt im hineinprojizierten Kontrast zum Wirrwarr aus Symbolen und kulturellen Archetypen. Abbildungen von Katastrophen und unbestimmbaren Motiven in optischer und augenscheinlicher Verfremdung. Wie festgefroren in einer Parallelwelt. Sie spiegeln wider, was seine Dichterstimme auf subtilere Art zum Ausdruck bringt: eine fremdartige Imagination. Der Versuch einer Ergründung des Rätselhaften, eines Eintauchens ins bodenlose Sein. Den Blick abwendend von tröstlichen Wiederholungen, die das Alltagsleben offeriert – mit seinen gemächlichen und gesättigten Lebensweisen. Auch deshalb, weil die „Rettungsbojen“ mit nichts als Luft gefüllt sind und ihn – zwangsläufig – zurückholen an die seichte Oberflächlichkeit. Was ihn umtreibt, ist keine Sehnsucht nach Himmel oder Hölle, seine Beweggründe sind anderer Natur. Indem er seine Verwunderung so kompromisslos entblößt, hält Berthelsen sich den Zugriff der Banalität vom Leib. An deren Stelle tritt etwas Wesentliches, etwas, das in seinen Texten als unmittelbare Erfahrung überliefert ist.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks