Tijan Sila Tierchen Unlimited

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Inhaltsangabe zu „Tierchen Unlimited“ von Tijan Sila

Tijan Sila erzählt in seinem turbulenten Debütroman »Tierchen unlimited« von einem Jungen im bosnischen Bürgerkrieg, seiner Flucht nach Deutschland und seinem Leben unter deutschen Neonazis. Und von den Tücken der Erinnerung. Sarajevo in den Neunzigern: Die Stadt steht unter Beschuss. Wie erlebt ein Kind den Krieg? Das Comictauschen wird durch Granatenhagel erschwert, der Strom zum Computerspielen ist ständig knapp, und die amerikanischen Soldaten lassen sich nur mit gestohlenen Sex-Heftchen zum Basketballspielen überreden. Oft gefährlich, aber vor allem aufregend und niemals langweilig. Der junge Ich-Erzähler möchte bleiben, aber seine Eltern halten es nicht mehr aus und hoffen auf einen Neuanfang in Deutschland.
Nach einer verstörenden Flucht in einem Autobus erreicht der Junge mit seiner Familie Rheinland-Pfalz. Seine neuen Freunde sind Neonazis oder wollen zur Polizei, oder beides. Auch seine Schulfreundin Sarah, mit der er zusammen Gewichte stemmt und erste erotische Erfahrungen sammelt, begegnet ihm Jahre später als Polizistin wieder. Als ein Neonazi ihn bei einem Liebesabenteuer nachts aus dem Bett prügelt, nimmt sie für ihn Rache, und weckt dadurch Gespenster seiner traumatischen Vergangenheit.
Wild, bedrückend genau und dabei hoffnungsvoll komisch erzählt »Tierchen unlimited« von einem jungen Mann, für den Grenzen nur existieren, um sie zu übertreten.

Ein mitreissender Erzählstrom, es geht um einen veränstigten jungen Mann beschreibt, der irgendwo ankommen will. Sehr humorvoll!

— JoergSundermeier

Toll gelesen, vielversprechender Anfang, am Ende für meinen Geschmack viel zu viele Drogen. Mehr für Trainspotter

— danielamariaursula

Tijan Silas Held lügt aus Überzeugung. Er lebt vom Klau, Gewissensbisse kennt er nicht. Gut erzählt.

— jamal_tuschick

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    Tierchen Unlimited

    jamal_tuschick

    26. February 2017 um 19:20

    Ein kaum Halbwüchsiger teilt das Schicksal der Bürger von Sarajevo unter dem serbischen Beschuss der Neunzigerjahre. Das Kind kennt die Spielregeln und zeigt sich ihnen gewachsen. In einer Blockgemeinschaft erfährt es Wertschätzung. Es sammelt Akzeptanzpunkte in der unmittelbaren Nachbarschaft und saugt seine Identität aus einer komplex definierten, mächtig hochgehaltenen, ständig mit Händen und Füßen verteidigten Zugehörigkeit. Das ist der Lohn einer reibungsarmen Eingliederung in Verhältnisse mit wenigen glimpflichen Ausgängen. Da beschließt das akademische Kraftwerk namens Mutter und Vater in einem anderen Land von vorn anzufangen. Die Entwurzelung erlebt der namenlose Erzähler in Tijan Silas Debüt “Tierchen unlimited” als biografische Katastrophe der Eltern. Das spätsozialistische Paar bildet ein Bibliothekswissenschaftler, der kein Deutsch kann, und eine cholerische Physikerin, die sich von einer Flüchtlingsexistenz in der Pfalz weit mehr versprochen hat als den permanenten Abstiegskampf. Für den Sohn ist die Emigration ein “Gehirnfurz”. Der Leser lernt ihn nackt und blutend auf einem Rennrad kennen. Gleich am Anfang erwähnt sein Schöpfer eine Keimzelle der Kampfkunstevolution wie etwas Nebensächliches. Sila erzeugt das Trugbild einer Ahnungslosigkeit. Sein Erzähler bleibt vage in der festen Überzeugung, dass eine ringende Freundin sämtliche Absolventen der WingTsun-Akademie auf Schloss Langenzell bei Heidelberg unangespitzt in den Boden rammen kann. Sarah zeigt dem Flüchtling ein paar Sachen, die nicht immer haarscharf am Sex vorbei schrammen. Manche Unterstützungen der geborenen Zugriffspersönlichkeit genießt der Nutznießer als “erotische Verkehrungen”. Die Scham nach einem Trainingsorgasmus sorgt dafür, dass er keine Aufmerksamkeit aufbringt für eine Verteidigungstechnik, die am 3. August 1984 zum Weltereignis wurde: Als Pasquale Passarelli im olympischen Finale gegen Masaki Eto in der Ewigkeit von vierundachtzig Sekunden einen Punktvorsprung als Brücke wahrte. Der Erzähler zieht höhere Töchter der Volksblüte vor. Seine Geliebten haben Neonazibrüder, die im jugoslawischen Bürgerkrieg sterben und von ihren Schwestern verherrlicht werden. Der Erzähler selbst ist mit einem Rechtsradikalen bestens bekannt, dessen bosnische Eltern ihn zur kuriosen Erscheinung in der rassebewussten Skinszene machen. Vermutlich streift das aber auch nur einen stiefelnden Alltag der Unterfünfundzwanzigjährigen. Sila entdeckt dem Leser keine Terra incognita in der eigenen Gesellschaft. Sein Alter ego ist ein zum Student in Heidelberg aufgestiegener Hauptschüler, ein gelungenes Beispiel für Integration, wäre da nicht die institutionalisierte Klauerei. Sila beschreibt die kaum abgebremste Amoralität eines in kulturellen Aneignungsprozessen herausgeforderten Traumatisierten: “Ich hatte diesen verrückten Zorn in mir, und der fuhr mich durch die Gegend.” Der Roman kehrt immer wieder in die gestörte Kindheit des Erzählers zurück. “Gesichter (veröden) zu Tiefbunkern” unter dem Eindruck unabwendbarer Gewalt. Die Stromzufuhr reguliert Abläufe, die von Comicstudien, Computerspielen und Beschaffungsakten bestimmt sind. “Der Krieg änderte alles, auch unser Vorgehen beim Obstklau.”

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