Tierchen unlimited

von Tijan Sila 
3,5 Sterne bei8 Bewertungen
Tierchen unlimited
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Nimmer_Satts avatar

Das besondere an dem Buch ist der Versuch, ernste Thematik mit Humor zu mischen. Leider hat es für mich diesmal nicht funktioniert.

sar89s avatar

Ein unglaublich ehrliches Buch, viel Tragik aber dabei sehr komisch.

Alle 8 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Tierchen unlimited"

Irreparabel unglücklich und extrem gut gelaunt
Tijan Sila erzählt in seinem turbulenten Debütroman »Tierchen unlimited« von einem Jungen im bosnischen Bürgerkrieg, seiner Flucht nach Deutschland und seinem Leben unter deutschen Neonazis. Und von den Tücken der Erinnerung.

Sarajevo in den Neunzigern: Die Stadt steht unter Beschuss. Wie erlebt ein Kind den Krieg? Das Comictauschen wird durch Granatenhagel erschwert, der Strom zum Computerspielen ist ständig knapp, und die amerikanischen Soldaten lassen sich nur mit gestohlenen Sex-Heftchen zum Basketballspielen überreden. Oft gefährlich, aber vor allem aufregend und niemals langweilig. Der junge Ich-Erzähler möchte bleiben, aber seine Eltern halten es nicht mehr aus und hoffen auf einen Neuanfang in Deutschland.

Nach einer verstörenden Flucht in einem Autobus erreicht der Junge mit seiner Familie Rheinland-Pfalz. Seine neuen Freunde sind Neonazis oder wollen zur Polizei, oder beides. Auch seine Schulfreundin Sarah, mit der er zusammen Gewichte stemmt und erste erotische Erfahrungen sammelt, begegnet ihm Jahre später als Polizistin wieder. Als ein Neonazi ihn bei einem Liebesabenteuer nachts aus dem Bett prügelt, nimmt sie für ihn Rache, und weckt dadurch Gespenster seiner traumatischen Vergangenheit.

Wild, bedrückend genau und dabei hoffnungsvoll komisch erzählt »Tierchen unlimited« von einem jungen Mann, für den Grenzen nur existieren, um sie zu übertreten.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783462050264
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:16.02.2017

Videos zum Buch

Rezensionen und Bewertungen

Neu
3,5 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne1
  • 4 Sterne2
  • 3 Sterne5
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    Nimmer_Satts avatar
    Nimmer_Sattvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Das besondere an dem Buch ist der Versuch, ernste Thematik mit Humor zu mischen. Leider hat es für mich diesmal nicht funktioniert.
    Fluchtliteratur mal anders?

    Ab Minute 16:48 bespreche ich Tijan Silas Debüt:

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Luna101s avatar
    Luna101vor einem Jahr
    So lala..

    Ich habe den jungen und sympathischen Autoren, Tijan Sila, auf einer Lesung kurz kennen lernen dürfen. Nachdem er einige Ausschnitte mit seinem sehr charmanten Osteuropäischen Akzent gelesen und noch frei von seinen eigenen Erfahrungen in Serbien während des Krieges und seiner Einbürgerung in Deutschland erzählt hatte, war meine Lust und Vorfreude auf seinen Debütroman groß. 
    Dann wurde ich allerdings ein wenig enttäuscht, muss ich leider sagen. Der Schreibstil ist einfach und schnörkellos, aber sicher nicht schlecht. 
     Allerdings fehlte mir ein wenig der Sinn in der Geschichte. Da es autobiografisch ist, habe ich keine große Action erwartet, allerdings plätschert seine Erzählung, teilweise auch etwas willkürlich strukturiert erscheinend, nur so dahin, es entsteht keine Spannung, kein richtiger Handlungsbogen. Sila springt immer mal wieder in den Jahren und Erfahrungen hin und her, erzählt hiervon, dann wieder davon.. 
     Auch der Schluss konnte mich leider nicht überzeugen und als das Buch beendet war, ließ es mich irgendwie unbefriedigt zurück. 
    Was genau wollte der Autor mir sagen? Warum schrieb er dieses Buch? Er konnte zumindest mich, leider nicht damit erreichen.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    sar89s avatar
    sar89vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein unglaublich ehrliches Buch, viel Tragik aber dabei sehr komisch.
    Unglücklich aber gut gelaunt

    Der Roman wird nicht chronologisch erzählt und startet damit, dass der Protagonist vom Nazibruder seiner Flamme brutal zusammengeschlagen wird und dann von seiner Polizistenfreundin im Spital aufgegabelt und gerächt wird. Der Nazibruder wird dann in Bosnien im Kampf umkommen. Der Ich-Erzähler kommt als Flüchtling mit seinen Eltern aus Sarajevo nach Deutschland. Die Schilderungen der Heimat wirken echt und faszinieren. Der Erzähler beschreibt seine Freundschaften und wie man Freundschaft in Bosnien lebt. Dem Leser wird der Kriegsalltag gezeigt, der von Bombardements, Waffenstillstand, Stromausfällen und Hunger geprägt ist aber auch vom Tauschen von Comics und Games mit der Nachbarschaft. Der Krieg nimmt immer absurdere Formen an und es kämpfen auf beiden Seiten Extremisten unterschiedlichster Couleur. Jeder versucht seine Ideologie zu verteidigen, auch in einem fremden Land. Schon in Bosnien hat der Ich-Erzähler eine Vorliebe für spezielle Freundschaften mit Aussenseitern und Aussenseiterinnen in seinem Quartier, die er sich erlauben kann, da er in seiner Gruppe gut etabliert ist.
    Die Eltern halten es nicht mehr länger aus und versprechen sich von der Flucht ein besseres Leben für sich und den Sohn. In Deutschland angekommen, können Sie trotz akademischer Ausbildung nicht an einen so guten Beruf anknüpfen wie in der Heimat. Der Protagonist kommt über Umwege zu zwei Studienabschlüssen und fühlt sich ob der Auswahl völlig überfordert. Er wird in allerlei dubiose Geschichten verstrickt, rund um bosnische und deutsche Nazis, Einbrüche und wechselnde Freundinnen. Dabei wird er nur einmal fast erwischt. Eine der ersten und beständigsten Freundschaften ist jene mit Sarah, die Kampfsport betreibt und später Polizistin wird. Sie beschützt den Ich-Erzähler. Er schwankt gegenüber ihr mit einer Mischung aus Scham, Bewunderung, Liebe und Unterlegenheit. Sarah bildet aber einen Rückhalt in dem sonst unbeständigen und widersprüchlichen Leben des jungen Immigranten, der in Deutschland seinen Weg sucht. Die Sprache ist sehr direkt und teilweise derb, was sehr gut zum Inhalt passt. Trotz der eigentlich tragischen Ereignisse wird mit viel Humor erzählt. Der Roman entwickelt einen Sog und ist schnell weggelesen.

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    raven1711s avatar
    raven1711vor 2 Jahren
    Tierchen unlimited

    Klappentext:
    Sarajevo in den Neunzigern: Die Stadt steht unter Beschuss. Wie erlebt ein Kind den Krieg? Das Comictauschen wird durch Granatenhagel erschwert, der Strom zum Computerspielen ist ständig knapp, und die amerikanischen Soldaten lassen sich nur mit gestohlenen Sex-Heftchen zum Basketballspielen überreden. Oft gefährlich, aber vor allem aufregend und niemals langweilig. Der junge Ich-Erzähler möchte bleiben, aber seine Eltern halten es nicht mehr aus und hoffen auf einen Neuanfang in Deutschland.
    Nach einer verstörenden Flucht in einem Autobus erreicht der Junge mit seiner Familie Rheinland-Pfalz. Seine neuen Freunde sind Neonazis oder wollen zur Polizei, oder beides. Auch seine Schulfreundin Sarah, mit der er zusammen Gewichte stemmt und erste erotische Erfahrungen sammelt, begegnet ihm Jahre später als Polizistin wieder. Als ein Neonazi ihn bei einem Liebesabenteuer nachts aus dem Bett prügelt, nimmt sie für ihn Rache, und weckt dadurch Gespenster seiner traumatischen Vergangenheit.

    Meinung:
    Als in den 90er Jahren der Krieg in Bosnien herrschte, startete ich gerade in meine Teenagerzeit. Logischerweise habe ich mich damals für dieses Thema noch nicht so recht interessiert, hatte man doch mit seinen Hormonen zu kämpfen. Aber natürlich hat man im Laufe der Jahre vieles mitbekommen.
    In diesem Roman erzählt Tijan Silas Protagonist von seiner Zeit im besetzen Sarajevo, der Flucht nach Deutschland und seiner Identitätssuche nach der Flucht. Dabei scheint ihn gerade das Thema Neonazis sehr geprägt zu haben, denn diese tauchen immer wieder in seinem Leben auf, seien es Radikale in seiner alten Heimat, Möchtegernkämpfer an der Front oder die Nachbarn und Brüder in Deutschland. Nach einem besonders schlimmen Zusammenstoß mit einem Neonazi landet er in der Notaufnahme, wo ihn seine alte Freundin Sarah findet und für ihn Rache nimmt.
    Wie unser Held heißt, konnte ich im Laufe des Buchs leider nicht ermitteln. Zwar gibt es an einer Stelle einen Hinweis auf den Namen, diesen habe ich aber irgendwie nicht verstanden, vielleicht weil mir ein Hintergrund dazu fehlt, vielleicht aber auch einfach nur, weil ich auf dem Schlauch stand. Vielleicht war ich aber auch zu angeschlagen in dem Moment, denn zum Zeitpunkt der Lektüre fegte gerade die Grippewelle über uns hinweg. Wie dem auch sei, egal ob mit oder ohne Name, Silas Hauptfigur ist traumatisiert, stellenweise unsympathisch, manchmal aber auch jemand, den man gerne in den Arm nehmen möchte, um ihn zu trösten. Richtig warm geworden bin ich aber durch das ganze Buch hinweg nicht mit ihm und konnte die damit verbundende Distanz nicht überwinden.
    Silas Erzählweise ist recht unkoordiniert und hat mir immense Schwierigkeiten bereitet, die richtige Zeitebene zu finden. Gut, die Szenen in Sarajevo ließen sich eindeutiger einordnen, die Berichte aus dem danach weniger. Oft kam es auch vor, das Personen auftauchten und er eine Tatsache über sie erzählte, bei denen man das Gefühl hat, man müsste es schon wissen. Das hat mich immens verwirrt und immer wieder kam das Gefühl auf, als ob ich etwas überlesen hätte. Erst im weiteren Verlauf folgte dann die Aufklärung, was für sich ziemlich frustrierend anfühlte. Silas Thematik ist interessant, besonders die Momente in der Jugend unseres Helden, aber leider zündete die Umsetzung nicht immer bei mir. Die recht langen Kapitel haben den Lesefluss leider auch nicht leichter gemacht, so dass ich, trotz der relativen Kürze des Romans, das Gefühl hatte, mich durch einen Ellen langen Wälzer durchgekämpft zu haben.

    Fazit:
    Tierchen unlimited ist kein schlechtes Buch, aber leider auch nicht das Mitreißenste, das ich gelesen habe. Viel Verwirrung entstand durch die verschiedenen Zeitebenen, die sich nicht immer klar einordnen lassen, und auch mit der Hauptfigur wurde ich nicht wirklich warm. So bleibt insgesamt einfach ein durchwachsenes Gefühl zurück, wenn ich auf diese Lektüre zurückblicke.
    Von mir gibt es 3 von 5 Punkten.
    Vielen Dank an den Kiepenheuer & Witsch Verlag für das Rezensionsexemplar.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    Girdies avatar
    Girdievor 2 Jahren
    Gelungener Debütroman

    „Tierchen Unlimited“ heißt der Debütroman von Tijan Sila. Doch Tierchen Unlimited sieht der Protagonist der Geschichte nur im Traum, wenn er sich eine wohlige Umgebung mit pelzigen Mitbewohnern wünscht. Aber die Gegenwart sieht anders aus. Er lebt in Sarajevo während des bosnischen Bürgerkriegs der 1990er, in dem Sentimentalität bei heranwachsenden Jungen nicht gefragt ist. Im Traum des unbenannten Ich-Erzählers, der autobiographisch einige Gemeinsamkeit mit dem Autor aufweist, blitzt der Wunsch nach Frieden auf. Das Cover des Buchs zeigt eine Unterteilung in schwarz und weiß. Dadurch ergibt sich deutlich eine fiktive Abgrenzung, durch Regeln und Normen gezogen, die der Hauptfigur des Romans dazu dienen, sie zu übertreten.

    Das Fahrrad, das mühelos dort balanciert wo die Farben des Titels aufeinandertreffen, ist ein wichtiges Requisit des Erzählers zu Beginn der Geschichte, denn es bringt ihn aus einer Gefahrenzone. Wer jetzt denkt, das Buch beginnt während der Zeit des Bürgerkriegs, liegt falsch.

    Zum ersten Mal begegnete ich dem Protagonisten im Buch in einer Situation, in der er wieder einmal eine ihm gesetzte Grenze überschritten hat. Nackt und verwundet wird er bei seiner Flucht mit dem Rad von mitleidigen Menschen ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht und dort verarztet. Dort begegnet er einer guten Freundin wieder, die inzwischen Polizistin ist. Er hat sie kennengelernt, nachdem er bereits einige Monate mit seinen Eltern in Deutschland lebte. Sie ringt gerne und ständig und (be-)nutzt ihn als Partner. Der Erzähler fühlt sich zu ihr hingezogen und ist von ihren Lebensumständen und ihrer Kraft fasziniert. Das ist für ihn neu, denn die Anforderungen und Erwartungen seiner bisherigen Freundschaften konnte er besser einordnen. Seine Überlegungen führen ihn und damit den Leser Jahre zurück zu seiner Jugend während der Kriegsjahre.

    Bei seinen anschaulichen Schilderungen des Alltags im Krieg habe ich manches Mal erschreckt verharrt, wenn sich das Ende einer Waffenruhe ankündigte und der Protagonist immer noch auf den Straßen unterwegs war. Für die im Kriegsgebiet Wohnenden musste das Leben weitergehen, auch wenn es an Nahrungsmitteln oft fehlte. Es ist beängstigend zu lesen und macht betroffen. Aber Tijan Sila erzählt die Erlebnisse des Jungen mit einer großen Selbstverständlichkeit, die nicht in Wehmut an bessere Zeiten endet, sondern das Beste aus den Gegebenheiten macht. Und dazu gehören für einen Heranwachsenden Raufereien und Lügen. Es ist eine gefährliche und turbulente Zeit. Auch nach seiner Ankunft in Deutschland frönt der Ich-Erzähler keinem ereignislosen Alltag, was hauptsächlich an seiner erwachenden Liebe und einigen Bekannten mit nationalsozialistische Einstellung liegt.

    Die Sprache des Autors ist schnörkellos und gerade, er scheut sich nicht die Dinge beim Namen zu nennen. Seine Erzählung ist realistisch und ich habe mich beim Lesen oft gefragt, welche Situationen der Autor selbst erlebt hat. In den Abschnitten über sein Leben in Deutschland fliegt er dann hier und da über die Realität hinaus, was dem Roman ein gehörige Portion Würze verleiht. Hatte der Protagonist in Bosnien noch mein Mitgefühl so war ich zunehmend amüsiert und es schlich sich eine Menge Häme bei seinen weiteren Schilderungen ein in denen er von unangenehmen Situationen erzählt, die sich durch sein grenzwertiges beziehungsweise normenüberschreitendes Verhalten ergeben. Hier kommt zwar zum Ausdruck, dass er nun mehr Möglichkeiten und die Freiheit hat, seine Zukunft zu gestalten, jedoch entbehrt das Ganze nicht einer gewissen Härte und Durchsetzungsfähigkeit.

    Der Roman zeigt, dass jede Zeit, jede Umgebung, jede persönliche Einstellung und jedes Alter seine Tücken und Probleme mit sich bringt. Es ist nicht nur eine Gegebenheit die unser Leben gestaltet, sondern viele Dinge tragen dazu bei. Nicht aufzugeben, sein Vertrauen nicht verlieren und auf die Zukunft hoffen, ist die Essenz davon. „Tierchen Unlimited“ ist ein gelungenes Debüt, das ich gerne weiterempfehle.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    muchobookloves avatar
    muchobooklovevor einem Jahr
    Lucretias avatar
    Lucretiavor einem Jahr
    PrinceXLs avatar
    PrinceXLvor einem Jahr

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks