Till Bastian Die seelenlose Gesellschaft

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Inhaltsangabe zu „Die seelenlose Gesellschaft“ von Till Bastian

Die moderne Konsum- und Erlebniswelt wirkt mit vielen Faktoren auf unser Seelenleben ein: eine sich ständig beschleunigende Mobilität, die Überflutung mit Informationen und der zunehmende Druck, entscheiden zu müssen. Dies führt dazu, dass wir innerlich an Halt verlieren. Der Autor gibt Anregungen für ein seelisches „Partisanentum“ gegen die menschlichen Eigentümlichkeiten der Moderne. Die bedrohte Seele Überleben in einer zunehmend außengesteuerten Welt Anleitungen für Widerstandswillige

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  • Rezension zu "Die seelenlose Gesellschaft" von Till Bastian

    Die seelenlose Gesellschaft
    Sophia!

    Sophia!

    05. November 2012 um 13:18

    „Dieser katastrophale Alltag ist es, der, langfristig gesehen, unsere seelischen Widerstandskräfte unterminiert, unser inneres Regulationsvermögen lähmt und Raubbau an unseren psychophysischen Ressourcen betreibt.“ _ Die Beschleunigung und Optimierung gesellschaftlicher Prozesse, wie wir sie aktuell erleben, endet nicht selten in einem Desaster, man denke etwa an die Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon oder als bestes Beispiel den Untergang der Titanic, die Königin der Meere, die einst als unsinkbar galt. Die Vergangenheit lehrte bereits, dass blindes Vertrauen in technischen Fortschritt nicht selten desaströse Konsequenzen nach sich zieht. Das tagtägliche Funktionieren in einer durch massive Beschleunigung geprägten Welt, setzt unsere Seele der steten Gefahr aus, unterdrückt zu werden oder gar gänzlich auszusterben. Till Bastian vertritt die radikale These, dass der Mensch schon seit langem in einer Zwischenwelt lebt, die ihn von seinen natürlichen Lebensbedingungen immer weiter entfernt. Eine Art Matrix, eine Kunstwelt. Ein gesundes Seelenleben wird verflüchtigt durch die zunehmende Bedeutung sozialer Netzwerke und deren charakteristischen exhibitionistischen Mitteilungsdrang, kurz die Überstimulierung durch virtuelle Welten. Destruktive Tendenzen zeigen sich allerdings nicht nur in der exzessiven Nutzung des Web 2.0. Bastian benennt eine Fülle weiterer Negativtrends, zu denen Somatisierung (Fixierung auf den Körper), Entsinnlichung oder das Verschwinden einer gesunden Tag-Nacht-Struktur gehören. Neben der Abnahme der körperlichen Fitness ist eine generelle Adynamie feststellbar, sowie eine freiwillige Abhängigkeit von versorgenden Institutionen, beispielsweise den Eltern. _ Geprägt durch die verschiedensten Einflüsse fehlt es dem Menschen schlicht und einfach an der nötigen Zeit, sich eine Seele zu bilden. Doch die Auswirkungen zeigen sich nicht nur beim Einzelnen. Sie nehmen vielmehr negativen Einfluss auf die Gesamtgesellschaft, den es zu verhindern gilt. Ein erster Schritt ist dabei diese bewusstseinserweiternde Lektüre des Arztes und Psychotherapeuten Till Bastian, der als Geschäftsführer der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Seine gelungene Schilderung aktueller, brisanter Entwicklungen gliedert sich in mehrere kurze Kapitel, die sich je einem Problem widmen. Ein hervorragender sprachlicher Stil und ein unvergleichlicher Blick fürs Wesentliche ermöglichen eine ebenso hochinteressante wie gewinnbringende Lektüre. Querverweise zu Philosophen, Journalisten, Psychoanalytikern oder ergänzender Literatur erweisen sich als zur Reflexion anregende Bereicherungen, die man als Leser dankbar annimmt. So erschreckend die im Text geschilderten Tendenzen auch sein mögen, Bastian entwirft keine fiktiven Horrorszenarien, sondern realistische Zukunftstenzenden, indem er nichts weiter tut, als eine durchdachte Analyse der Gegenwart. Er deckt beängstigende Entwicklungen unserer Gesellschaft auf und sensibilisiert für die sich daraus ergebenen Gefahren. _ Fazit: Der Text ist die beste Bestandsaufnahme unserer heutigen Zeit, die ich bisher lesen durfte und wird damit fast schon selbst zu einem Kulturgut! Kaufen! Lesen! Verschenken! Verleihen! Dringende Leseempfehlung!

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  • Rezension zu "Die seelenlose Gesellschaft" von Till Bastian

    Die seelenlose Gesellschaft
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    04. June 2012 um 09:32

    In den letzten Jahrzehnten hat sich im Zuge der digitalen Revolution etwas mit der menschlichen Seele ereignet, das den Individuen noch gar nicht so bewusst ist, den Menschen aber, die wie der Autor dieses Buches, der Psychotherapeut Till Bastian, der als Leiter einer psychosomatischen Klinik täglich mit an ihrer Seele erkrankten Menschen arbeitet, drängend vor Augen steht. Eine „seelenlose Gesellschaft“ sieht Till Bastian in seinem Buch aufscheinen. Eine Gesellschaft, in der zunehmend mehr Menschen durch die Überflutung medialer Reize und die digitalen Identitäten, die sie sich erschaffen und wieder löschen, die Kontrolle über ihr inneres Leben verlieren. Sie sind „Lost in decision“ und fühlen sich innerlich leer. Immer mehr Menschen verwahrlosen sozial, wissen nicht mehr, was ein echter Kontakt ist, von authentischen Gefühlen ganz zu schweigen. Mit der Zahl der möglichen Optionen, steigt der Anteil an ungelebtem Leben. Der Philosoph Christoph Türcke hat eben in einem kleinen Buch auf die Genese solcher Entwicklungen aufmerksam gemacht in einer „Kritik der Aufmerksamkeitsdefizitkultur“ (C.H. Beck 2012), deren Peak er noch lange nicht erreicht sieht. Till Bastian beschreibt den „außengeleiteten Charakter“ und diskutiert ihn anhand psychotherapeutischer Fachliteratur, aber auch sehr verständlich an zahlreichen aktuellen Beispielen. Zwei Dichter sind ihm Vorbild für ein seelisches „Partisanentum“, wie er es als sinnvollen Widerstand gegen die menschen- und lebensfeindlichen Phänomenen der Moderne vorschlägt - Henry David Thoreau und Hermann Hesse. Vier wichtige Hinweise gibt er all den Menschen, die nach einer größeren emotionalen Autonomie streben und sich vom Einfluss des „sekundären Systems“ unabhängiger machen wollen. Ihnen, so Bastian, sollte es um eine schrittweise Veränderung auf vier Themenfeldern gehen: 1. um eine wirksame Reduktion der uns beständig anflutenden, überstimulierenden Menge von Außenreizen 2. um eine einschneidende, dauerhafte und nachhaltige wirksame Vereinfachung der alltäglichen eigenen Lebenspraxis 3. um die Wieder-Verfügbarkeit über ausreichende Zeit zur Muße, zur Besinnlichkeit und zur Selbstreflexion 4. um den nötigen Respekt für die eigene innere Ambivalenz, für die Vielschichtigkeit und Mehrdimensionalität des zu erforschenden eigenen Seelenlebens. (S. 142/143) Einfach und doch schwer zu verwirklichen. Doch um unsere bedrohten Seelen und vor allen Dingen die unserer Kinder (vgl. das Buch von Türcke) zu retten und zu schützen, müssen wir Widerstand leisten, seelische Partisanen werden in einer Gesellschaf, in der immer mehr Menschen ihre eigene Identität verlieren, ohne es zu merken. Erst wenn nichts mehr da ist von sich selbst, wenn die Menschen leer, ausgebrannt, krank geworden sind, spüren sie, dass da irgendetwas in der Vergangenheit mit ihnen geschehen ist. Ich habe es mehrfach erlebt, dass selbst ein langer Klinikaufenthalt bei diesen Menschen nicht helfen konnte, das verlorene Ich wiederzufinden. Weniger ist mehr – der Kampf um unsere seelische Autonomie ist eine tief spirituelle Aufgabe.

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