Tillie Olsen

 4,1 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor*in von Ich steh hier und bügle, Was fehlt und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Tillie Olsen, 1912 als Tochter jüdischer Einwanderer aus Russland in Nebraska geboren, musste als junge vierfache Mutter ihre fortschrittlichen politischen Ansichten mit künstlerischem Ehrgeiz und Brotarbeit unter einen Hut bringen. Gleich ihre erste Story, »Ich steh hier und bügle«, erschien in den »Best American Short Stories of 1957«, kurz darauf wurde sie mit dem begehrten O.-Henry-Preis ausgezeichnet. Obwohl sie die Highschool ohne Abschluss verlassen hatte, erhielt sie für ihr Werk diverse Stipendien, Ehrentitel und Gastprofessuren der großen amerikanischen Universitäten, darunter Stanford, Harvard und Amherst College. Ihr berühmter Essay »Was fehlt« entstand aus einem Vortrag, den sie 1962 am Radcliffe Institute der Harvard University gehalten hatte. Sie starb 2007 in Oakland, Kalifornien, und gilt heute als Vorreiterin der emanzipatorischen Literatur.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Tillie Olsen

Cover des Buches Ich steh hier und bügle (ISBN: 9783351039820)

Ich steh hier und bügle

(7)
Erschienen am 11.10.2022
Cover des Buches Was fehlt (ISBN: 9783351039837)

Was fehlt

(1)
Erschienen am 11.10.2022
Cover des Buches Yonnondio (ISBN: 9780803286214)

Yonnondio

(1)
Erschienen am 01.10.2004

Neue Rezensionen zu Tillie Olsen

Cover des Buches Ich steh hier und bügle (ISBN: 9783351039820)
Hyperikums avatar

Rezension zu "Ich steh hier und bügle" von Tillie Olsen

Hyperikum
Immer noch aktuell

Während sie dasteht und bügelt, versucht sie ihre neunzehnjährige Tochter zu verstehen. Sie ist die älteste von fünf Kindern. Schon mit acht Monaten parkte sie Emily bei Nachbarn, weil sie Arbeit finden musste, nachdem ihr Mann sie verließ. Er war unfähig, die Armut weiter mit ihnen zu teilen. Die Kleine hat so viel geschrien, bis sie nachts in einer Bar anfing, dann wurde es besser. Nie hat Emily aufbegehrt, wie ihre anderen Geschwister später. Sie hatte sich an die Erziehungsratgeber gehalten. Man solle die Kinder nicht zu sehr verpäppeln, sie auch mal schreien lassen. Nach den Masern hatte sie Emily auf Anraten der Ärzte in ein Erholungsheim geschickt, sie war so dünn und schwächlich, erholte sich einfach nicht …

Whitey steht am klebrigen Tresen tastet in seinen Taschen und findet siebzehn Dollar. Gestern hatte er Einhundertfünfzig abgeholt und weiß nicht, wo der Rest geblieben ist. Er trinkt weiter, wartet auf das gute Gefühl, aber da ist keins. Eigentlich wollte er noch Lennie, Carol und die Mädchen besuchen. Er torkelt zum Ausgang …

Sie sind die einzigen weißen im Halbdunkel der Kirche der Schwarzen. Die junge Carol hat Angst, von einem Mitschüler erkannt zu werden. Sie befürchtet, in der Schule angesprochen zu werden, und dass andere das mitbekommen. Der Priester kommt in Fahrt, Halleluja, preiset den Herrn. Der Chor schwillt an. Im Mittelgang steht eine zappelnde Frau, sie schreit. Carol sieht sie an, die anderen stören sich nicht. Wieder ein Schrei. Carol zittern die Knie …

Fazit: Tillie Olsen zeigt vier verschiedene Familien im Amerika der 20er-Jahre, die in der sozialen Hierarchie ganz unten stehen. Der Blick ist dabei nah und zeigt die echte Lebenswirklichkeit dieser Menschen, die sich durchs Leben schuften, um zu überleben. Nicht um sich Bedürfnisse zu erfüllen, sondern um weitermachen zu können. Die Autorin schönt nichts, zeigt die Hässlichkeit von Armut in der zivilisierten Welt und ihre Auswirkungen. Wenn Staat, Bildungssystem und Erziehung versagen, Intoleranz und Rassismus Menschen einengt und ihnen suggeriert wertlos zu sein. Im Grunde ist die Thematik zeitlos, wir haben ja heute das gleiche Problem des gesellschaftlichen Gefälles.


Die Wirklichkeit von Kindergroßziehen, Haushaltbewältigen, Geldverdienen in der Literatur außer Acht zu lassen wäre in ihren Augen müßig und verlogen. S. 141


Das Erstaunliche an Tillie Olsens Schreibweise ist, dass sie die Leser*innen in die Geschichte zieht. Als würde man dabeisitzen und staunen. Wahrscheinlich, weil sie dieses Leben selbst so gut kennt. Sie wurde 1913 geboren, hatte fünf Geschwister und es mangelte an allem. Mit siebzehn nahm sie schlecht bezahlte Jobs an und  widmete sich der Gewerkschaftsarbeit. Während eines von ihr mitorganisierten Arbeiterstreiks wurde sie verhaftet und kam ins Gefängnis. Eine Lungenentzündung zwang sie zur Ruhe und sie begann in zugespitzter Form über die Lebens- und Arbeitswirklichkeit der vermeintlichen glänzenden Zwanzigerjahre zu schreiben. Was für eine große Persönlichkeit!

Cover des Buches Ich steh hier und bügle (ISBN: 9783351039820)
Luisabellas avatar

Rezension zu "Ich steh hier und bügle" von Tillie Olsen

Luisabella
Große Literatur einer - zu Recht - Ikone der literarischen Selbstermächtigung

Tillie Olsen (1912-2007) gilt als Ikone der literarischen Selbstermächtigung und Feministin. Sie ist bekannt für ihre Kurzgeschichten, Essays und Vorträge sowie einen Romanentwurf, welche nun erstmals ins Deutsche übersetzt und vom Aufbau Verlage veröffentlicht worden sind. 

Das Buch »Ich steh hier und bügle« enthält 4 Stories der Autorin und wird ebenfalls um ein sehr passendes Nachwort ergänzt. Olson schreibt hierin über die Herausforderungen, denen Frauen gegenüber stehen, über Mutterschaft & Berufstätigkeit, über Familie, Gesellschaftsklassen und Armut. 

Olson zeigt in ihren Essays, Vorträgen und Stories, dass sie intersektional Diskrimminierungsformen zusammendenkt und plädiert mit ihren Werken für eine Vision von einem literarischen Miteinander, in dem alle Stimmen gehört und gelesen werden. Eine große und nach wie vor sehr wichtige Vision ❤️‍🔥

Ich habe beide erschienen Bücher von Tillie Olson [»Was fehlt« & »Ich steh hier und bügle«] hintereinander gelesen und kann diese Kombination sehr empfehlen und finde, dass sich diese hervorragend ergänzen. Ich freue mich sehr über diese für mich literarische Entdeckung. Große Leseempfehlung 🫰🏼

Cover des Buches Was fehlt (ISBN: 9783351039837)
Luisabellas avatar

Rezension zu "Was fehlt" von Tillie Olsen

Luisabella
Große Literatur einer - zu Recht - Ikone der literarischen Selbstermächtigung

»Wer schreibt, weiß, wie wichtig es ist, ernst genommen, mit Respekt für die eigene Vision und Redlichkeit behandelt zu werden, mit anderen Schreibenden kameradschaftlich zu verkehren, nach dem eigenen Werk beurteilt zu. Werden und nicht nach anderen Maßstäben, aber auch, welchen Zufälligkeiten Anerkennung und Veröffentlichung unterworfen sind. […], doch die allermeisten schreibenden Frauen sind hier im Nachteil.« (S.86 in »Was fehlt«)


Tillie Olsen (1912-2007) gilt als Ikone der literarischen Selbstermächtigung und Feministin. Sie ist bekannt für ihre Kurzgeschichten, Essays und Vorträge sowie einen Romanentwurf, welche nun erstmals ins Deutsche übersetzt und vom Aufbau Verlage veröffentlicht worden sind. 


Den Titel dieser Essay- und Vortragssammlung »Was fehlt« von Tillie Olson, kann man als Frage oder auch als wehmütige Aussage verstehen. Das Buch versammelt 5 Vorträge / Essays der Autorin und das Vorwort von Julia Wolf setzt dieses sehr gelungen in den aktuellen Kontext. 

Insbesondere das Essay »Das Schweigen in der Literatur« (1961) hat mich sehr begeistert und ist nach wie vor hochaktuell. Tillie Olsen hinterfragt in diesem Essay den Literaturbetrieb und Mechanismen: Wen lesen und hören wir bzw. wen nicht? Und weshalb? Zudem untersucht sie, welche verschiedenen Arten des Schweigens in der Literatur zu finden sind und warum. 💭 Dabei zitiert sie passende Stellen von Autor:innen und 


Das Buch »Ich steh hier und bügle« enthält 4 Stories der Autorin und wird ebenfalls um ein sehr passendes Nachwort ergänzt. Olson schreibt hierin über die Herausforderungen, denen Frauen gegenüber stehen, über Mutterschaft & Berufstätigkeit, über Familie, Gesellschaftsklassen und Armut. 


Olson zeigt in ihren Essays, Vorträgen und Stories, dass sie intersektional Diskrimminierungsformen zusammendenkt und plädiert mit ihren Werken für eine Vision von einem literarischen Miteinander, in dem alle Stimmen gehört und gelesen werden. Eine große und nach wie vor sehr wichtige Vision ❤️‍🔥

Ich habe beide erschienen Bücher von Tillie Olson [»Was fehlt« & »Ich steh hier und bügle«] hintereinander gelesen und kann diese Kombination sehr empfehlen und finde, dass sich diese hervorragend ergänzen. Ich freue mich sehr über diese für mich literarische Entdeckung. Große Leseempfehlung 🫰🏼


Gespräche aus der Community

Bisher gibt es noch keine Gespräche aus der Community zum Buch. Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Welche Genres erwarten dich?

Community-Statistik

10 Bibliotheken

4 Merkzettel

Worüber schreibt Tillie Olsen?

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks