Tillie Walden

 4.1 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von Pirouetten, Spinning und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Pirouetten

 (5)
Neu erschienen am 12.09.2018 als Taschenbuch bei Reprodukt.

Alle Bücher von Tillie Walden

Pirouetten

Pirouetten

 (5)
Erschienen am 12.09.2018
Spinning

Spinning

 (1)
Erschienen am 12.09.2017
The End of Summer

The End of Summer

 (1)
Erschienen am 14.10.2016

Neue Rezensionen zu Tillie Walden

Neu
klaudia96s avatar

Rezension zu "Pirouetten" von Tillie Walden

Auf dem Eis des Lebens ...
klaudia96vor einem Monat

Schon von klein auf besteht Tillies Leben aus dem Eiskunstlauf. Wettbewerbe, tägliches Training, kaum Freunde, dafür aber Mobbing: Ihr Leben ist nicht nur eitel Sonnenschein. Als Tillie die Schule und ihr Team wechseln muss, macht ihr auch die neue Atmosphäre zu schaffen. Zwischen dem Leistungsdruck, den sie sich selbst auferlegt, und dem Aufwachsen in Texas ist es nicht leicht, zu sich selbst zu finden – vor allem als lesbische Eiskunstläuferin. Doch Tillie gibt nicht auf und kämpft dafür, ihre Ketten zu sprengen, die sie am Boden halten.

„Pirouetten“ von Tillie Walden ist ein autobiografisches Werk, das ich einfach lesen musste. Angezogen haben mich daran vor allem zwei Punkte: Die LGBT-Thematik und der Leistungssport, die ich beide ziemlich stark verfolge, vor allem, wenn sie auch noch in eine Graphic Novel verpackt werden. Früher habe ich mir unheimlich viele Eiskunstlauf-Videos angesehen, vor allem von Kim Yuna, und da der Sport auch so viele Ähnlichkeiten zum Ballett beinhaltet, habe ich auch davon geträumt, mal so professionell auf dem Eis zu stehen. Tillie Walden hat mich vor allem mit ihrer Geschichte berühren können, weil sie auf die Gefühlsebene ihres jüngeren Ichs eingeht und dabei viele Probleme ihrer Kindheit und Jugend aufarbeitet, die ich sehr gut nachvollziehen konnte.

Überrascht hat mich, dass sie tatsächlich gar nicht so sehr auf konkrete Ereignisse eingeht. In ihrem Nachwort ist zu lesen, dass „Pirouetten“ auch nicht in allen Details genau sein sollte – es ging ihr mehr darum, das Gefühl rüberzubringen, wie man sich in einer langen Phase der Selbstfindung in einem Sport verliert, der das Einzige ist, was einem Anerkennung einbringt. Ihre Sehnsucht nach Liebe und Zuneigung, die sie von ihrer Mutter nie erfuhr, haben sie im Sport durchhalten lassen, immer auf der Suche nach einem Menschen wie ihrer ersten Trainerin, die sie unterstützt und gefördert hat. Man spürt tatsächlich auch durch die Illustrationen Tillies Hunger nach Liebe und die toxischen Muster, die sie in ihren Freundschaften immer wieder aufgreift. Deshalb fand ich es beeindruckend zu sehen, dass sie am Ende auch allein zu der Erkenntnis gelangen kann, dass ihr Verhalten sie zu keiner guten Freundin gemacht hat.

Beeindruckt hat mich auch die Episode, in der sie von ihrer ersten Freundin erzählt. Während Tillie unabsichtlich geoutet wird und ohnehin schon unter dem Mobbing an ihrer Schule leidet, muss sie sich auch noch für ihre Gefühle rechtfertigen und bekommt einiges an Hass und Unverständnis ab. Gerade diese Szenen haben mich sehr nachhaltig getroffen, weil ich mich noch so klar an mein eigenes Coming Out erinnere. Ich verstehe Tillies Suche nach sich selbst, ihre Gefangenheit in den Mustern, die ihr wenigstens etwas Struktur und auch irgendwie Geborgenheit geben, wenn sie schon in anderen Bereichen so viel Angst hat. Gleichzeitig ist da auch dieser Wunsch nach Freiheit, den sie sich im Eiskunstlauf nicht erfüllen kann, weil sie vor dem Publikum immer eine Maske aufsetzen muss.

Auch der Zeichenstil war sehr einprägsam und transportiert die Gefühle in „Pirouetten“ sehr gut zum Leser. Ich möchte die Illustrationen sehr gern, fand auch die Mimiken der Charaktere sehr klar, allerdings hatte ich in Tillies Freundesgruppe manchmal das Problem, einzelne Mädchen auseinanderzuhalten. Auch die Zeitsprünge waren sehr klar und die Trennungen der Abschnitte gut gesetzt und mit verschiedenen Figuren aus dem Eiskunstlauf versehen, um sie deutlich zu machen.

Trotz der vielen guten Punkte muss ich aber zugeben, dass ich „Pirouetten“ als sehr oberflächlich empfand. Wichtige Themen wie Sexualität, Belästigung, Mobbing, Freundschaft und Gefahren des Leistungssports werden zwar angeschnitten, aber nicht wirklich behandelt, obwohl man merkt, dass sie Tillie in ihrer Entwicklung stark beschäftigen. Ich hätte mir hier eine stärkere kritische Auseinandersetzung gewünscht, um noch tiefer eintauchen zu können. So blieben die Probleme zwar greifbar und präsent, aber für mich nicht ausreichend stark behandelt.

Alles in allem war „Pirouetten“ trotzdem eine Graphic Novel, die ich sehr empfehlen kann. Sie ist auch für Einsteiger geeignet, schneidet wichtige Themen an und stellt vor allem Gefühle sehr offen und verständlich dar. Daher gibt es eine klare Leseempfehlung von mir.

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haensbaenss avatar

Rezension zu "Pirouetten" von Tillie Walden

Frostige LGBT-Graphic-Novel zum Versinken
haensbaensvor 2 Monaten

Originalrezension: queerbuch.wordpress.com

Wertung: 3,5 Sterne

Pirouetten von Tillie Walden war meine erste Graphic Novel. Hätte ich nur schon früher zu Graphic Novels gegriffen, es hat mich nämlich unheimlich fasziniert, so schnell und so visuell in eine Geschichte auf Papier abzutauchen! Aber das nur so am Rande. Mein Interesse geweckt hat dieses Buch jedenfalls zum einen, weil ich selbst viele Jahre lang Turniertanz (nicht Eiskunstlauf!) betrieben habe und zum anderen, weil Tillie Walden mit dieser autobiographischen Graphic Novel ihren Weg zum selbstbewussten Umgang mit ihrer Homosexualität beschreibt. Es ist eine Coming-Out- und Coming-off-Age-Geschichte, in der es auch um’s Eislaufen geht.

Kurzbeschreibung Inhalt

Von klein auf kennt Tillie nicht außer Eislaufen. Einzeltraining vor der Schule, Synchrontraining abends bis zum Umfallen. Wettkämpfe an den Wochenenden. Schminken, lächeln, abliefern. Tillie ist besonders talentiert und maht daher immer weiter, auch wenn ihr Schönheitswahn und scheinbare Perfektion eigentlich zuwider sind; denn sie liebt es, zu gewinnen. Sie weiß schon lange, dass sie lesbisch ist, glaubt aber, in dieser scheinbar heilen Welt kein Verständnis dafür zu finden, ganz zu schweigen von einem Mädchen, das ihre Gefühle erwidert. In der Schule hat sie unter Mobbing zu leiden. Sie wird älter, findet eine Liebe, muss sie wieder loslassen. Und sie findet letztendlich ihren ganz eigenen Weg und schafft es, das loszulassen, was sie jahrelang begleitet hat, aber nicht mehr zu ihr passt.

Meine Meinung

Pirouetten hat mir ein ausgesprochen schönes Leseerlebnis beschert. Da ich bisher keine anderen Graphic Novels gelesen habe, kann ich es nicht mit diesen, sondern nur mit Romanen oder Biografien vergleichen. In den Zeichnungen habe ich viele fast vergessene Emotionen wiedergefunden. Wir erleben zusammen mit Tillie, wie ihr Weg sie weg vom Eiskunstlauf und hin zu sich selbst geführt hat. Welche Einflüsse sie auf ihrem Weg zum »Erwachsenenalter« begleitet und was diese ausgelöst haben. Wie sie mit Mobbing umgeht, die erste Liebe findet, mit Homophobie, Sexismus und sexueller Belästigung zu kämpfen hat.

Sie führt uns außerdem hinter den Schein der schönen Welt des Eiskunstlaufs. Wie viel Blut, Schweiß, Tränen und Konkurrenzkampf sich hinter dem breiten Lächeln verbergen, das sie bei jedem Wettkampf aufsetzt. Ich kann euch nur empfehlen: Werft einen Blick in die Leseprobe, und schaut, ob euch der Stil gefällt. Denn dann ist diese Graphic Novel über Tillies Weg eine wunderbare Welt zum Abtauchen und Mut fassen. Wenn ihr mehr über Tillie Waldens Hintergründe erfahren wollt, werft gerne einen Blick in das Interview, das ich euch unten verlinkt habe. Ich fand es sehr spannend!

Fazit

In Pirouetten beschreibt Tillie Walden in einer wunderbaren Coming-Out- und Coming-off-Age-Geschichte ihren Weg zu sich selbst und wie sie es nach vielen Jahren geschafft hat, dem Eiskunstlauf, ihrer Hass-Liebe, den Rücken zu kehren. Durch ihre Zeichnungen konnte ich mich sehr gut in Tillies damalige Empfindungen hineinversetzen und für ein paar Stunden in eine zwar oft frustrierende, am Ende aber mutmachende Welt abtauchen.

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katzenminzes avatar

Rezension zu "Pirouetten" von Tillie Walden

Berührende autobiografische Erzählung
katzenminzevor 2 Monaten

Seit ich im englischsprachigen Booktube von Tillie Waldens autobiografischer Graphicnovel "Pirouetten" (bzw. "Spinning" im Original) gehört habe, wollte ich sie unbedingt lesen! Jetzt endlich ist sie auch in Deutschland erschienen und natürlich direkt in mein Bücherregal gewandert.

Mein erster Eindruck war sehr positiv, da das Buch mit 400 Seiten ziemlich dick ist. Und mit dicken Graphicnovels habe ich durchweg gute Erfahrungen gemacht. An die Farbgebung der feinen Zeichnungen, die recht grafisch ausschließlich in Dunkelblau, Hellblau, Gelb und Weiß gehalten ist, musste ich mich kurz gewöhnen. Letztlich mochte ich sie aber sehr gerne, da sie einen schönen Kontrast zu den Zeichnungen bildet und dem Ganzen das liebliche nimmt. Denn lieblich ist die Geschichte, die hier erzählt wird erzählt durchaus nicht.

Tillie Walden erzählt von ihrer Kindheit, die fast ausschließlich aus Eiskunstlauf und Schule bestand: Um vier Uhr klingelt der Wecker, noch vor Schulbeginn gibt es eine Trainingseinheit, nach der Schule wird weiter geübt. Die kleinen Mädchen werden nicht geschont, die Trainerin ist hart und die Konkurrenz bei den vielen Wettkämpfen ebenso. Als die Familie ins weit entfernte Texas umzieht, muss die schüchterne Tillie sich auch noch um neue Freunde bemühen, muss in der Schule und in der neuen Eishalle Anschluss finden. Tillie zweifelt ob sie sich für den Eiskunstlauf überhaupt noch begeistern kann, ist aber andererseits einfach gut darin und auch sehr ehrgeizig. Ihren Eltern zu sagen, dass sie lieber aufhören möchte traut sie sich nicht. Und als ob das noch nicht genug Probleme für eine zwölfjährige wären, merkt sie, dass sie lesbisch ist. Schwierig im südlichen Amerika und in einem Umfeld, dass hauptsächlich aus Frauen besteht.

Pirouetten ist ein trauriger, interessanter, ehrlicher und berührender Comicroman in dem es um Familie, Identität und natürlich Eiskunstlauf geht. Walden erzählt ihre Geschichte unaufgeregt und authentisch. Oft ist das Lesen schmerzhaft aber sie versteht es, auch die guten und positiven Momente einfließen zu lassen. Die schönen zarten Zeichnungen tun ihr übriges um diese wunderbare Geschichte abzurunden. Sehr lesenswert.

4,5 / 5 Sternen

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