Tillmann Bendikowski Helfen

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Inhaltsangabe zu „Helfen“ von Tillmann Bendikowski

Im Herbst 2015 wurde in Deutschland die Willkommenskultur geboren. Eine Kultur des Helfens, die schnell, pragmatisch und effektiv von tausenden Menschen gelebt wurde, um jenen ein erstes Überleben zu sichern, die zu Hunderttausenden vor Krieg und Hunger flohen. Infrastrukturen des Helfens entstanden binnen kürzester Zeit aus der Mitte der Bürgergesellschaft und ließen staatliche Hilfssysteme starr und schwerfällig erscheinen. Tillmann Bendikowski hat das zum Anlass genommen, diesem erstaunlichen Phänomen in Geschichte und Gegenwart nachzuspüren. Anhand von Gesprächen mit Menschen, die unterschiedliche Erfahrungen mit dem Helfen gemacht haben, und mit Blick auf jene, die zu Ikonen der Barmherzigkeit geworden sind, zeigt er, wie Hilfsbereitschaft Menschen und Gesellschaften verändert und dass diese ein Gradmesser für die Menschlichkeit einer Gemeinschaft sein kann. Bendikowski forscht aber auch nach psychologischen Aspekten des Helfenwollens.

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  • Vom „Willkommen“ zum Grundsätzlichen

    Helfen

    michael_lehmann-pape

    01. February 2017 um 14:14

    Vom „Willkommen“ zum Grundsätzlichen Auch wenn Kritik durchaus ihre Berechtigung hat, auch wenn man sich über die Entscheidung, im Jahre 2015 die Grenzen für den Flüchtlingsstrom aus dem Nahen Osten zu öffnen streiten darf und kann und auch wenn das Wort „Gutmensch“ (bedauerlicherweise, denn über Jahrhunderte hinweg war es eine tragende, innere, gesellschaftliche Norm und „Klebekraft“, ein „guter Mensch zu werden“) inzwischen mit Attitüden belegt wurde, unbestritten ist die große Bereitschaft der deutschen Bevölkerung, vom Eintreffen der Flüchtlinge an zu helfen, sich einzubringen, zu spenden, zu unterstützen. Eine solch massive, ehrenamtliche Bewegung, ein solches Einbringen als „Pate“, als einfacher Helfer vor Ort, als „Deutschlehrer/in)“ und vieles mehr (und das nicht nur durch Spende und Geld, sondern durch ein leibhaftiges mit Anpacken an allen möglichen Orten) ist wohl bis dato einmalig als Hilfeleistung im 21. Jahrhundert. Als hätte ein Land in einer großen Zahl von Menschen nur darauf gewartet, mit eigenen Händen sich hilfreich engagieren zu können. Was aber ist dieses „solidarische“? Was bewegt Menschen, auf Kosten zumindest eigener Unbequemlichkeiten, anderen unterstützend Hilfe zu leisten? Freizeit zu opfern, teils in andere Länder zu gehen, um dort Ersthilfe zu leisten? Sich für „Fremde“ ein stückweit zumindest aus der eigenen Komfortzone heraus zu bewegen und damit ja nicht nur für Sympathie zu sorgen, sondern auch Anfeindungen für die eigene Person in Kauf zu nehmen? Ein Thema, das an der Flüchtlingskrise des Jahres 2015 offenkundig wurde, das aber letztlich zur „Grundausstattung“ des Menschen gehört. Wie der Mensch einander tiefste Grausamkeiten anzutun in der Lage ist, so gibt es auch den Gegenpol, die uneigennützige, teils auf eigene Kosten gehende Hilfestellung. Was im Buch dann allerdings teils eher assoziativ denn strukturiert geordnet und soziologisch reflektiert daherkommt. Und in den einzelnen Themen (die Familie als „Hilfs-Bund“, das Christentum als Religion mit Aufforderung zur „Barmherzigkeit“ bis hin zur Entwicklung des Sozialstaates auf der Basis dieser gesellschaftlichen und religiösen Werte) nicht unbedingt neu ist. Dennoch, gut zu lesen sind die vielen praktischen Beispiele von „helfenden Menschen“ und deren Erläuterungen, warum ihnen dies wichtig ist und gut ist auch, dass Bendikowski kritischen Fragen wie jener nach dem „Helfersyndrom“ (bei dem der Helfer für sich mehr Gewinn aus der Hilfestellung herauszuziehen scheint als der, dem geholfen wird) nicht aus dem Weg geht und auch den Zusammenhang zwischen „Hilfe und Herrschaft“ (der, der „zugeben hat“, hat auch sofort die „obere Position“ gegenüber dem „Bedürftigen“) nicht außen vor lässt. Und durchaus wichtig ist die letzte Frage, die Bendikowski im Buch aufwirft und die im Kern die politischen Gegensätze des Momentes sehr grundsätzlich widerspiegelt. „In welchem Land wir leben wollen“. Protektionistisch und auf sich bezogen oder tatsächlich auf Basis jener vielberedeten „abendländischen Werte, denn „die christliche Helfertradition hat Europa tief geprägt“, das ist wahr und wird nur zu gerne vergessen, wenn eher aus der Romantik stammende Werte des Nationalismus wieder in den Mittelpunkt gerückt werden. Eine Lektüre, die weniger als Fachbuch zu verstehen ist, sondern als “reflektierte“ Erlebnisberichte und die in Teilen zu sehr einfach aneinandergereiht wirkt. Mit dennoch wichtig zu lesenden Verweisen auf das, was eine Gesellschaft von „sozialen Wesen“ einerseits zusammenhalten kann und anderseits im Zusammenhalt gefährdet.

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