Tilman Allert Latte Macchiato

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Inhaltsangabe zu „Latte Macchiato“ von Tilman Allert

In seinem erfolgreichen Buch ›Latte Macchiato. Soziologie der kleinen Dinge‹ geht Tilman Allert der Mode des Latte-Macchiato-Trinkens nach, der Verwendung von Floskeln wie 'abgefahren' oder 'gut aufgestellt' oder der wichtigen Frage, ob der Pudel aus dem Straßenbild verschwindet. Es sind die scheinbar unbedeutenden Phänomene des Alltags – Redewendungen, Mode-Getränke, Weihnachts- und Abiturfeiern –, deren gesellschaftliche Bedeutung der Soziologe Tilman Allert erschließt und in brillanten, leichten und luftigen Feuilletons notiert. Abseits der großen Systementwürfe gibt es hier eine neue und frische Soziologie zu entdecken, die vom kleinen Detail aufs Ganze der Gesellschaft schließt. Ein großes Lesevergnügen, das ganz nebenbei die Augen für den angeblich profanen Alltag öffnet.

Langatmig, aber interessant und erhellend.

— schwarzweisse_wortwelt

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  • Interessant aber langatmig

    Latte Macchiato

    schwarzweisse_wortwelt

    21. July 2017 um 14:00

    Meine Meinung zu diesem Werk ist ebenso zweigeteilt wie die Länge der Texte variiert. Ich habe es teilweise mit viel Amüsement gelesen, besonders der Teil mit dem Pudel hat mich mehrfach zum schmunzeln gebracht.Das Buch besteht aus kurzen und langen zusammengestellten Texten des Autors und bezieht sich teilweise auf völlig unterschiedliche Themen. Von fast schon biografischen Abhandlungen einiger Personen wie zum Beispiel Angela Merkel, über kleine Aufsätze zu heutigen Redewendung, bis hin zu sehr lustigen Erklärungen. Leider hat Allert sich manchmal sehr in seinen Erläuterungen verloren und hat viel zu blumig ausgeschmückt. An einigen Stellen hat er auch häufiger mit Begriffen um sich geworfen, die ohne entsprechende Vorkenntnisse sicher nicht leicht zu verstehen sind.Allerdings sind es auch Kleinigkeiten, welche einen erhellen und interessiert weiter lesen lassen. Insgesamt nicht besonders herausragend, aber dennoch relativ okay und in Ordnung für zwischendurch.

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  • Anregende Reflexion von Alltäglichkeiten

    Latte Macchiato

    michael_lehmann-pape

    18. September 2015 um 14:14

    Anregende Reflexion von Alltäglichkeiten Dass sich das „Bonsoir“ verabschiedet und das nunmehr zu jeder Tageszeit ein „Bonjour“ als allgemeiner Gruß herhalten muss, das nur am Rande erwähnt zeigt dennoch die Richtung des ersten Kapitels und der gesamten Linie Allerts in dieser detailfreudigen Betrachtung des Alltages (und der Schlüsse, die daraus zu ziehen wären) auf. Denn vor allem fehlen inzwischen „Monsieur“ und „Madame“ als Anhängsel des typisch französischen Grußes. Ein Wandel der Beziehungen hin vom „eleganten“ (für das man Zeit und Sinn haben muss) zum pragmatischen (das Zeit spart und die Energie, genau hinschauen zu müssen). An solch kleinen Entwicklungen zurrt Allert die großen Veränderungen fest, die unmerklichen, kleinen Einflüsse der „allgemeinen Haltung“ der Gesellschaft in die kleinen, traditionellen Abläufe des alltäglichen Lebens. Auch wenn das hier und da weit hergeholt erscheint, die zunehmenden Optionen der Art, wie individuell Weihnachten inzwischen verbracht werden kann und der Rückgang der Geburten, des „Neuen“, das „in der Krippe“ in die Welt kommt, interessant ist es schon, auch an diesem traditionellen Fest und seinen Veränderungen und Auflösungen einen Blick auf den „Klebstoff“ einer Gesellschaft zu werfen, auf die abnehmende Kraft von Ritualen. Und die zunehmende „Eigendrehung“ des Menschen, der sich eben keine seiner Optionen an sich beschneiden lassen will, weder von feierlichen Ritualen und Festen noch von Kindern. Es ist eben so, dass das „Zeitbewusstsein das Handeln bestimmt“. Und das lässt sich nicht nur an den Schlagzeilen und „großen Entscheidungen“ der Zeit ablesen, dass lässt sich eigentlich noch viel besser an diesem veränderten Alltagsverhalten aufzeigen, dass die Massen betrifft und den Schwung eben jener „Gesellschaft“ nachzeichnet. Eine Gesellschaft, die allenthalben meint, „gut aufgestellt“ sein zu müssen. Ein geflügeltes Wort der Zeit in Politik, Sport, Wirtschaft, Finanzwesen, Alltagserleben, das Allert zunächst einmal in seiner ganzen semantischen Sinnlosigkeit dem Leser vor Augen führt, bevor er zum „Dahinter“ des Begriffes gelangt: „Schwüre entstehen im Strudel schwindender Gewissheiten….“Gut aufgestellt“, das Stoßgebet der Angsthasen“. Sei es die Stellung des „Elder Stastesmen“, sei es einfache (gar nicht so einfach, wenn man liest) Orangina, sei es die „Tischflicht“ der gegenwärtigen Zeit statt des „gemeinsamen Mahles“ (aus Unfähigkeit zur und Angst vor der Konversation, der Re3felxion, des „in Zweifel gestellt Werdens“ oder einfach nur des echten Kontaktes), seien es die „Clouds“ oder die (leider) nicht mehr vorhandenen Hausmeister, in vielen, vielen Kleinigkeiten, in Alltäglichkeiten, vollzieht Allert mit dem Leser, sehr verständlich und immer auf den Punkt kommend, den Wandel der Zeit und ein soziologisches Bild der Gegenwart. Das während der Lektüre den Leser immer wieder erstaunt, nachdenklich stimmt, hinsehen lässt und, trotz des Humors des Autors, den „Ernst der Lage“, d.h. die große Stärke der Verschiebungen und allmählichen Veränderungen der Alltagslebens prägnant vor Augen führt. Eine empfehlenswerte Lektüre, bei der nicht jede Herleitung unbedingt nachvollzogen werden muss, dennoch aber ein breiter und treffender Einblick auf die Aussagekraft kleiner Veränderungen verbleibt.

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