Tilman Rammstedt Wir bleiben in der Nähe

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Inhaltsangabe zu „Wir bleiben in der Nähe“ von Tilman Rammstedt

„Tilman Rammstedt ist der Erzähler einer neuen Zeit“ (Welt am Sonntag) Felix, Konrad und Katharina waren mal Freunde, aber irgendwann verloren sie sich aus den Augen. Nach Jahren bekommen Felix und Konrad Post aus Hamburg. Eine Einladung: Katharina hat vor, irgendeinen Tobias zu heiraten. Überstürzt brechen die beiden auf, um Katharina vor einem schlimmen Fehler zu bewahren und entführen sie in ein Haus an der französischen Atlantikküste. Bloß will Katharina sich gar nicht retten lassen. Und Felix bleibt nur eine Nacht, um ein Ziel zu finden, für das sich ein Neuanfang lohnt. „Ein junger Autor, den ich sehr schätze, der gerade sein zweites Buch veröffentlicht hat, und ich freue mir ein Bein ab, dass es so gut ist wie das erste.“ (Elke Heidenreich)

Ein gelungener Roman über die Last von Möglichkeiten & Entscheidungen und die Angst, das falsche Leben zu leben.

— Hamlets_Erbin
Hamlets_Erbin

Rammstedt hat immer tolle Ideen, aber ich bin am Ende fast jedes Mal enttäuscht - so auch diesmal.

— Endorfinchen
Endorfinchen

Lesenswertes und höchst amüsantes Plädoyer für die Notwendigkeit von Freundschaft.

— Wortwelten
Wortwelten

Nun ja ... ich hatte mehr erwartet!

— milasun
milasun

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    Wir bleiben in der Nähe
    Hamlets_Erbin

    Hamlets_Erbin

    20. September 2016 um 01:24

    "Warten verdirbt unausweichlich das Ereignis, auf das man wartet, macht es fad, denn es kann nie schlimmer und nie besser sein, als man es sich beim Warten ausgemalt hat, und wenn das Warten ein Ende hat, ist man erleichtert oder enttäuscht, aber immer hat die Wirklichkeit verloren, sieht im Vergleich immer etwas blass aus,..." (S.76) Inhalt: Felix, Katharina und Konrad waren einst Freunde. Dann verliebten sich Konrad und Katharina. Und auch Felix und Katharina begannen eine Affäre. Irgendwann zerbrach die Freundschaft. Nun, drei Jahre später, erhält Felix eine Einladung zu Katharinas Hochzeit. Völlig schockiert nimmt er Kontakt zu Konrad auf. Beide entscheiden, Katharina zu besuchen. Ein Besuch, der mit der Entführung Katharinas endet. Wer hat wohl nicht schon einmal den Wunsch gehegt, etwas Verrücktes zu tun und dadurch sein Leben in andere Bahnen zu lenken? In diesem Roman ist es die Figur des Felix', die, unzufrieden mit ihrem Dasein, die Initiative ergreift und sich und seine ehemaligen Freunde aus dem Leben reißt, in dem sie sich mehr schlecht als recht eingerichtet haben. Doch für mehr als einen spontanen Ausbruch reicht es nicht, weil niemand in der Lage ist, die Entscheidungen zu treffen, die für eine echte Lebensveränderung notwendig wären. Und so verharrt man, wartet man, überlegt man, was man tun könnte, ohne dabei den Willen oder auch nur die Fähigkeiten zu haben, einen wirklichen Plan zu entwickeln. Ein Leben im ewigen Kojunktiv. Obgleich das gewählte Thema eher ernsthafter Natur ist, gelingt es dem Autor, seine Geschichte mit Humor zu versehen. Seine Sprache ist trotz der ausufernden Länge seiner Sätze greifbar und die Darstellung entgegen aller Wahrscheinlichkeit glaubwürdig. "Aber keine Wahl zu haben bedeutet, lediglich zwischen zwei sehr ungleichen Dingen wählen zu können,..." (S.107)

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  • Kurzweiliges und absurd komisches Plädoyer für Freundschaft und Miteinander

    Wir bleiben in der Nähe
    Wortwelten

    Wortwelten

    03. July 2014 um 14:47

    Alles beginnt mit einem Brief, oder genauer, mit einer Hochzeitseinladung. Seit drei Jahren hat Felix Katharina und Konrad nicht mehr gesehen oder gesprochen, dabei waren sie einmal Freunde, wirklich gute sogar. Und nun will Katharina irgendeinen Tobias heiraten. So geht das nicht, denkt Felix, das kann doch nicht ihre Zukunft sein. Also ruft er Konrad an und überredet ihn, gemeinsam mit ihm Katharina zu besuchen. Die erste Begegnung verläuft unerwartet. Ob Katharina nun glücklich ist mit diesem Tobias oder nicht, kriegen die beiden auch nicht aus ihr heraus. Also beschließt der Kinderarzt Felix, Katharina zu sedieren und auf einer kilometerlangen Fahrt bis nach Frankreich zu entführen, wo sie in einer verregneten Woche in einem kleinen Ferienhaus am Meer zu dritt über ihre Zukunft nachdenken sollen. Und deshalb sind wir doch schließlich jetzt hier, an diesem Meer, in diesem Land, deshalb muss ich jetzt dringend eine Antwort finden, dringend die verselbstständigten Einwände stoppen, dringend Ruhe bewahren, was natürlich gar nicht gelingen kann, denn dringend kann Ruhe nun einmal keinesfalls bewahrt werden, bestenfalls kann man sie dringend vortäuschen, indem man zum Beispiel tief und langsam atmet, ein und aus, indem man die Schultern fallen lässt, indem man, zumindest ansatzweise, versucht, in den Gedanken aufzuräumen, erst einmal alles, was mit der Antwort zu tun hat, irgendwo zu verstauen, um so mit ruhigem Atem und entspannten Schultern wieder allein die Frage vor sich zu haben. (S. 7) Die Handlung wechselt zwischen dem letzten Abend am Meer, an dem Felix verzweifelt versucht, an der vergangenen Freundschaft festzuhalten und den anderen beiden einen Grund dafür zu geben, weshalb Katharina Tobias nicht heiraten sollte, weshalb sie noch länger am Meer bleiben, weshalb sie eine gemeinsame Zukunft angehen sollten, und Rückblenden in die Vergangenheit, angefangen bei Einblicken in das etwas komplizierte Freundschaftskonstrukt bis hin zu der Entführung und der Woche in dem Ferienhaus. Das war das erste Auftauchen dieser Fremdheit mit Konrad, dieser speziellen Ausprägung, zu der es anscheinend nur kommt, wenn man sich schon einmal alles andere als fremd gewesen ist, und gewisse Angewohnheiten, wie Blicke, wie Betonungen, wie Körperhaltungen, einen immer wieder daran erinnern, dass diese wenigen Dinge, die man noch weiß, und die man fraglos immer wissen wird, in keinem Verhältnis mehr stehen zu der Anzahl der Dinge, die man nicht weiß, von denen man keine Ahnung hat, über die man nicht unterrichtet worden ist. (S. 61) Der philosophisch angehauchte Roman über die Grundbedürfnisse des Menschen nach einem Lebenssinn und einem Miteinander lebt vor allem von der interessanten sprachlichen Gestaltung und dem grotesken Humor. In lange Schachtelsätze eingewoben, stellt Tilman Rammstedt dabei Fragen, die jedem irgendwann im Laufe seines Lebens wohl schon einmal begegnet sind. Pausen muss man machen, einen Schritt zurücktreten, das Gesamtbild betrachten und sich überlegen, wo in all dem Chaos die eigene Wahrnehmung und der eigene Weg liegen. Allen drei Figuren fehlt etwas, sie leben vor sich hin, doch warum eigentlich und wofür, ist ihnen selbst nicht klar. Diese Beschreibung einer Lebenssituation steht dabei stärker im Vordergrund als die Figuren an sich, weshalb sie dann doch etwas konturlos scheinen. Wieso Protagonist Felix von der Notwendigkeit einer gemeinsamen Zukunft so überzeugt ist, außer, um eine Leerstelle auszufüllen, blieb mir irgendwie unklar. Ja, es gibt immer Freundschaften, die wichtig sind für einen, an denen man festhalten muss, doch es gibt auch immer welche, die man irgendwann loslässt. Woraus sich die Freundschaft dieser drei genau nährt, ist eine Sache, die wohl nur die drei Figuren verstehen. Trotz kleinerer Kritikpunkte ist Wir bleiben in der Nähe aber ein kurzweiliges, wunderbar geschriebenes und absurd komisches Plädoyer für die Lebensnotwendigkeit von Freundschaft und als solches absolut lesenswert. Manchmal ist gemeinsam weglaufen eben die einzige Alternative.

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  • Rezension zu "Wir bleiben in der Nähe" von Tilman Rammstedt

    Wir bleiben in der Nähe
    WilmaWitch

    WilmaWitch

    13. January 2013 um 11:39

    Zwei Männer, eine Frau. Erst Freunde, dann ein Paar, dann eine Dreiecksgeschichte, dann laufen die Leben auseinander. Jahre danach flattert die Hochzeitseinladung der Frau den beiden Männern in's Haus, bei denen Erinnerungen wach werden und die zu grübeln anfangen, ob das eine gute, endgültige Entscheidung ist oder ob es nicht besser wäre, die Frau vor sich selbst zu schützen und die Weichen anders zu stellen. Sie entführen sie nach Frankreich, um dort zusammen zu finden und die Zukunft zu planen. Obwohl sie dort eine verregnete Woche verbringen und einen gefühlten Zentner Muscheln verspeisen, entstehen keine Pläne, aber immerhin sprechen sie wieder miteinander und reisen ab mt dem Vorsatz, zwei, drei Dinge zu regeln. Sprachlich wunderschön, bleibt das Buch so, wie die Protagonisten: Suchend, fragend, in der Vergangenheit bohrend.

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  • Rezension zu "Wir bleiben in der Nähe" von Tilman Rammstedt

    Wir bleiben in der Nähe
    Callso

    Callso

    Respekt, der Mann kann fürwahr schreiben. Der Still, die Formulierungen, die Prosa und diese Vielfalt an Einfällen und Ausdrücken haben mir sehr stark imponiert. Ein großes Lob an Tilmann Rammstedt. Die feine Geschichte beinhaltet tolle Dialoge und einen hohen Spannungsbogen, zudem darf zwischendurch immer mal geschmunzelt werden. Das 3-Personen-Stück hat mich sehr gefesselt und wurde von mir eifrig verschlungen. Nach dem etwas offenen Ende plädiere ich zeitnah für eine Fortsetzung. „Wir bleiben in der Nähe“ ist ein tolles Buch. Ab sofort bleibe ich dem Autor auf den Fersen…

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  • Rezension zu "Wir bleiben in der Nähe" von Tilman Rammstedt

    Wir bleiben in der Nähe
    Penelope1

    Penelope1

    16. October 2011 um 22:48

    Als Felix eine Einladung zur Hochzeit seiner Ex-Freundin Katharina erhält, sieht er rot. Schließlich sollte er zuerst, so war das eigentlich ausgemacht, vor acht Jahren, das weiß Felix noch genau, und Felix weiß immer alles noch genau, ist immer der, der sich erinnert. Also ruft er kurz entschlossen den gemeinsamen Freund Konrad an, der damals dabei war, mit dem er allerdings seit drei Jahren kein Wort mehr geredet hat. Das Verhängnis, genauer gesagt, die Erinnerung nimmt seinen Lauf, und die beiden beschließen, dass sie die Hochzeit nicht zulassen dürfen, bestimmt begeht sie einen großen Fehler. Doch wie wollen sie es anfangen, dass auch Katharina sich an die gemeinsame, vergangene Zeit erinnert, und können sie sie davon überzeugen, dass nur eine gemeinsame Zukunft mit ihren beiden Ex-Freunden infrage kommen kann? Kurzerhand reisen sie zu ihr, stehen dann jedoch vor der schwierigen Frage, welchen Weg sie in ihrer Überzeugungsarbeit einschlagen sollen, entscheiden sich schließlich dazu, sie an die französische Atlantikküste zu entführen. Doch zu einer echten Entführung gehört eine Bedingung, und genau diese soll Felix nun in Worte fassen, ohne Wischiwaschi, ohne wenn und aber... Das ist leichter gesagt als getan und so grübelt Felix angestrengte vier Stunden bis zum Ablauf des Ultimatums, um die Bedingung der Bedingung zu erfüllen. Dabei läuft die Vergangenheit an ihm vorbei und nicht nur neue Erkenntnisse bereichern seine Gedanken... ** Ein Roman um Freundschaft und um das Loslassen-Können. Felix als Ich-Erzähler kann sich einfach nicht von dem Gedanken an Katharina und Felix trennen. Auch wenn sie in den letzten Jahren kaum Kontakt hatten, empfindet er ihre geplante Hochzeit nun fast schon als "Verrat" ihrer alten Freundschaft und kann sich seine Zukunft plötzlich unter diesen großen Veränderung, die ihn eigentlich doch gar nicht -mehr - direkt betreffen sollte, nicht vorstellen. Dabei teilen wir die Gedanken von Felix, erleben seine Ansichten und Einsichten über das Leben, Zukunftspläne und Unsicherheiten, die ihn einerseits aktivieren, aber gleichzeitig auch lähmen. Immer wieder gerät er in groteske Situationen und es ließ mich des öfteren schmunzeln, wenn ich seine wirren Gedanken verfolgte und dann lesen musste, welche vollkommen gegensätzlichen Sätze er dann aussprach. Nachdem ich mich an die Erzählweise von Tilman Rammstedt gewohnt hatte und mich darauf einließ, konnte ich diesen Roman, der viele Fragen stellt, um viele davon gleichzeitig aber auch direkt zu beantworten, so richtig genießen. Kaum zu glauben, dass der unsichere Felix und Konrad "ihren Mann" stehen können, erscheinen sie doch beide sehr unbeholfen und teilweise sogar regelrecht "verwirrt". Die beiden Männer geben oft eine seltsam und irrwitzig komische Figur ab, treten in viele Fettnäpfchen und ließen mich des öftern laut lachen, auch wenn der Hintergrund der Geschichte durchaus ernstnehmen ist. Während sie einerseits wissen, was sie wollen, wissen sie auf der anderen Seite gar nichts, stolpern scheinbar von einem Schritt zum nächsten, ohne eine Ahnung, wohin der Weg sie führt und führen soll. Doch nun werden sie gezwungen, einen Plan auszuarbeiten, das Ultimatum läuft, das Spiel "Fang den Hut", das sie beide ständig spielen, bringt sie dabei wohl kaum weiter... Einzig Katharina scheint sich daraus abzuheben, scheinbar ruhig isst sie eine Karotte nach der anderen und überlässt es scheinbar den Männern, wie es weitergeht. Ich wartete gespannt darauf, ob und welche Idee die beiden schließlich bekommen bzw. ob Felix bis zum Morgengrauen eine Antwort findet, an deren Fragestellung und Ausarbeitung er den Leser teilhaben lässt, sodass auch er immer wieder zum Nachdenken angeregt wird. Das Ende bot dann doch noch eine Überraschung, auch wenn es noch die eine oder andere Frage offen lässt, aber hier sind die eigene Fantasie und die Ergebnisse der eigenen Überlegungen gefragt... Empfehlenswert nicht nur für Männer, die hier eindeutig die Hauptrolle übernehmen und deren Handlungsweisen man hier oft als "typisch männlich" einstufen wird.

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  • Frage zu "Tschick" von Wolfgang Herrndorf

    Tschick
    Verena

    Verena

    Hallo, ich habe neulich einem Freund das Buch Tschick geschenkt. Davon war er total begeistert (ansonsten eher die Kategorie Lesemuffel ;-) Jetzt suche ich ein Buch, das so ähnlich wie Tschick ist und das ich ihm zu Ostern schenken könnte. Habt Ihr vielleicht Tipps für mich, was da passen könnte? Vielen Dank!

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  • Rezension zu "Wir bleiben in der Nähe" von Tilman Rammstedt

    Wir bleiben in der Nähe
    Lucy_Van_Pelt

    Lucy_Van_Pelt

    30. June 2011 um 11:21

    ... eines meiner absoluten Lieblingsbücher! Es ist einer der besten "Unterwegsromane" und nicht zuletzt für alle die das Richtige, die sich gerade fragen, wie es weitergehen soll: Mehr Möglichkeiten, sein Leben zu ändern und ganz neu anzufangen, findet man nie mehr auf einmal. Der Roman ist rasant, witzig, flüssig und voller Überraschungen. Sein Ende gehört zu den allerbesten, die ich je gelesen habe!!!

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  • Rezension zu "Wir bleiben in der Nähe" von Tilman Rammstedt

    Wir bleiben in der Nähe
    Leselotte

    Leselotte

    Der Ingeborg-Bachmannpreis-2008-Gewinner ist einfach genial, wortgewandt und extrem kreativ. Unbedingt lesen!

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  • Rezension zu "Wir bleiben in der Nähe" von Tilman Rammstedt

    Wir bleiben in der Nähe
    Die Buchprüferin

    Die Buchprüferin

    16. September 2009 um 14:51

    „Aber Auswandern ist eigentlich ohnehin keine Option, obwohl das natürlich der erste Gedanke ist, wenn man etwas grundlegend ändern will, wir könnten in der Provence Gemüse anbauen, wir könnten uns als Straßenmusiker in Griechenland durchschlagen, wir könnten in ein buddhistisches Kloster, weil große Schritte einfacher erscheinen als kleine, weil das schon vorgelebt wurde, aber genau das macht skeptisch, genau das lässt einen vermuten, dass sich dadurch lediglich die Kulissen ändern, und nach ein paar Wochen fängt man dann an, auffällig oft davon zu reden, wie gut diese Entscheidung war, davon, wie man nichts vermisst, und dass allein die Luft hier und die Freiheit und in den Tag hinein und alles intensiv.“ Ja, so schreibt Tilman Rammstedt. Es ist aufregend und unheimlich komisch, ihn zu lesen, es ist spannend und berührend, sachte und süß, es ist ein utopischer Stil, mit weiten Gedankenspielen nach vorne, und ein wehmütiger Stil, mit sehnsüchtigen Blicken zurück. An die Geschichte von Katharina, die vom Ich-Erzähler Felix und Konrad, dem ewigen Zauderer, entführt wird, schmiegt sich dieser Stil wie eine Hand an die Wange. Felix will, dass es wieder so wird wie früher, als sie noch zu dritt waren, denn nur so sind sie komplett, nur so ist es richtig. Aber jetzt will Katharina plötzlich heiraten, das erfährt Felix aus einer Einladungskarte, und er sucht den lange nicht mehr aufgesuchten Konrad auf, um mit ihm zu beratschlagen, was zu tun sei. So entsteht die Idee, Katharina zu überraschen. Aber natürlich gestaltet sich das alles nicht so leicht. In der Tat gestaltet sich gar nichts so, wie Felix oder die Leserin es erwarten: „Das Dumme an Überraschungen ist nämlich, dass man sich leider immer mit überrascht.“ Mit besorgtem Blick und lakonischer Sprache beobachtet der Erzähler, wie sich die große Unternehmung, in die sich die beiden Männer und schließlich auch die Frau verstricken, entwickelt. Dieses Buch hat bei mir nicht nur einen Nerv getroffen, sondern viele. „Nein, das hier soll keine Erinnerung werden, das hier bitte einmal nicht.“ Solche Sätze denkt man vielleicht selber nicht so sortiert. Aber man fühlt sie, voller Angst vor dem Abgrund, der sich gleich hinter dem momentanen Augenblick auftut und in dem sich alles, was wir sind, irgendwann verliert. Dass Tilman Rammstedt diese und andere Traurigkeiten so leicht und liebevoll in Sätze kleidet, finde ich einfach wunderschön.

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  • Rezension zu "Wir bleiben in der Nähe" von Tilman Rammstedt

    Wir bleiben in der Nähe
    Chrele

    Chrele

    05. April 2009 um 14:26

    Alles beginnt mit Hochzeitseinladungen. So hören Felix, Ich-Erzähler in Tilman Rammstedts neuem Roman "Wir bleiben in der Nähe", und sein ehemals bester Freund Konrad nach drei jahren erstmals wieder von ihrer Freundin Katharina. Sofort ruft Felix Konrad an. Auch die beiden haben seit drei Jahren kein Wort gewechselt. Einstmals waren die Drei unzertrennlich, hatten Luftschlösser gebaut und Zukunftspläne gemacht, wer wann wie zuerst heiraten würde, und jetzt das - Katharina würde heiraten, als erste, dabei war die Position doch für Felix vorgesehen. Für ihn klingt das alles nach Verrat, und so trifft er eine Entscheidung: Katharina muss entführt werden. Nach anfänglichem Zögern ist Konrad dabei, doch was als Spaß und Abenteuer geplant war, entwickelt sich zur Katastrophe: Katharina ist sauer, redet nur das Nötigste mit den beiden und selbst die aufs wesentliche komprimierte Konversation erscheint erwzungen und für alle Beteiligten höchst unangenehm. Dem Autor ist es meisterlich gelungen, das Gefühl einer verloren gegangenen Freundschaft einzufangen: man hat sich nichts mehr zu sagen, versucht sich an Erinnerungen zu klammern und bekommt immer wieder vor Augen gehalten, dass es niemals wieder wie früher sein wird. Dies alles verpackt Rammstedt in eine amüsante, atemlose, aber immer mit einer Grundmelancholie versehene Sprache, die soviel Wahrheit in sich trägt, dass man jeden Satz mit höchster Aufmerksamkeit liest, aus Angst, auch nur das kleinste Detail zu verpassen. "Man möchte Rammstedt ständig zitieren", schreibt die Frankfurter Rundschau im Klappentext. Dass das stimmt, zeigt beispielsweise folgendes Zitat: "Wir liefen, bis wir das Meer erreicht hatten [...], und ich setzte an, um etwas zu sagen, etwas Großes am besten, etwas Entscheidendes, etwas, das der Ausnamhesituation endlich gerecht würde; es dürfte ruhig etwas pompös ausfallen, das wäre nicht schlimm, der Wind würde es sofort verwehen und nichts stände im Raum. Doch mir fiel nichts ein, beim besten Willen nicht, aber da ich schon einmal angesetzt hatte, musste ich auch auf jeden Fall etwas sagen, ich fragte: 'Ist das eigentlich der Atlantik?', und der Wind verwehte es sofort, auch Konrads 'Ja' verwehte er, nur bei Katharina hatte er wieder einmal nichts zu tun, blies ihr nur ein paar Haarsträhnen ins Gesicht, die sie sich dann hinters Ohr strich, auch wenn sie dort nicht hielten [...]." Man ahnt, dass die Einladung nicht nur Beginn ist. Sie ist ebenso Abgesang auf etwas, das sich nicht mehr greifen lässt, als auch schleichender Neuanfang. Tilman Rammstedt, u.a. mit dem Rheinischen Kulturförderpreis und dem Kasseler Literaturförderpreis für grotesken Humor ausgezeichnet, ist mit diesem Roman ein wunderbares Stück philosophischer, poetischer, aber auch unterhaltsamer Literatur gelungen.

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  • Rezension zu "Wir bleiben in der Nähe" von Tilman Rammstedt

    Wir bleiben in der Nähe
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    12. December 2007 um 21:02

    Amüsant und erfrischend zu lesen. Es geht über die Möglichkeiten die man im Leben hat und wie man diese nutzt. Vor allem aber geht es um Freundschaft und wieso man sich aus den Augen verliert und ob es sich nicht doch lohnt in Kontakt zu bleiben- wo man sich doch mal so gut verstanden hat. Lustiges Szenario- kurzerhand wird die ehmalige Freundin von den ehemaligen beiden Kumpels entführt um zu retten was zu retten ist- vor allem sich selbst.

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