Ich hab das Buch Kampf ums Unbewusste gelesen – und mein eigenes Unbewusstes hat dabei ordentlich Samba getanzt. Christina von Braun und Tilo Held nehmen einen mit auf eine Tour de Force durch zwei Jahrhunderte Seelenlandschaft, Ideengeschichte und kollektives Knacksverhalten. Klingt trocken? Denkste! Hier wird nicht nur tief gebuddelt, sondern auch scharf geschossen: gegen Totalitarismus, Antisemitismus, toxische Rollenbilder und den ganzen postfaktischen Zirkus.
Was mir besonders gefallen hat: Das Ding ist nicht einfach ein weiteres intellektuelles Laberfeuerwerk, sondern baut klug Brücken zwischen Psychoanalyse, Geschichte und Gesellschaft. Es stellt unbequeme Fragen, ohne einem gleich die Antworten reinzudrücken wie Zäpfchen. Stattdessen kriegt man Impulse – manchmal klug, manchmal fordernd, manchmal so schräg, dass ich mich kurz gefragt hab, ob Freud nicht heimlich mit am Schreibtisch saß.
Klar, zwischendurch driftet’s mal ins akademische Delirium ab, aber hey – wer das Unbewusste sezieren will, darf auch mal ein Skalpell mehr benutzen. Ich musste zwar gelegentlich tief durchatmen (und Kaffee nachkippen), aber wurde durchweg belohnt mit klugen Gedanken und Perspektivwechseln, die man so selten bekommt. Ein bisschen wie Therapie, aber ohne Rechnung am Ende.
Was mir gefehlt hat? Manchmal hätte ich mir etwas mehr erzählerischen Flow gewünscht. Die Gedanken sprangen teilweise wie ein Hamster auf Energy-Drinks – spannend, aber nicht immer leicht zu fassen. Dennoch: Das Buch ist ein wacher, mutiger Beitrag zur Frage, wie wir kollektiv so schräg ticken konnten – und noch immer ticken.
Fazit: Keine Bettlektüre für leichtes Träumen, sondern ein wuchtiger Denkbrocken mit Tiefgang. Für alle, die glauben, ihr Unterbewusstes sei schon aufgeräumt – dieses Buch sagt: „Glaub weiter dran, Schatz.“
4 von 5 Sterne – mit Freud’schem Augenzwinkern und ziemlich viel Stoff zum Nachdenken.



