Tilo Held

 4 Sterne bei 2 Bewertungen

Lebenslauf

Tilo Held, geboren 1938. Seit 1981 Ärztlicher Direktor der Rheinischen Landesklinik in Bonn. Er war damit der erste und lange Zeit einzige psychiatrische Klinikleiter in Deutschland, der zugleich Psychoanalytiker war. 1990 erhielt er den Hermann-Simon-Preis für Sozialpsychiatrie, 1999 wurde er außerplanmäßiger Professor für Psychiatrie an der Universität Bonn. Im Jahre 2001 wechselte er nach Berlin, wo er die Fliedner Klinik Berlin am Gendarmenmarkt gründete und leitete.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Tilo Held

Cover des Buches Kampf ums Unbewusste (ISBN: 9783351039967)

Kampf ums Unbewusste

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Erschienen am 14.05.2025

Neue Rezensionen zu Tilo Held

Cover des Buches Kampf ums Unbewusste (ISBN: 9783351039967)
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Rezension zu "Kampf ums Unbewusste" von Christina von Braun

Alrik
Zwischen Wahnsinn, Wahrheit und Wiener Couch

Ich hab das Buch Kampf ums Unbewusste gelesen – und mein eigenes Unbewusstes hat dabei ordentlich Samba getanzt. Christina von Braun und Tilo Held nehmen einen mit auf eine Tour de Force durch zwei Jahrhunderte Seelenlandschaft, Ideengeschichte und kollektives Knacksverhalten. Klingt trocken? Denkste! Hier wird nicht nur tief gebuddelt, sondern auch scharf geschossen: gegen Totalitarismus, Antisemitismus, toxische Rollenbilder und den ganzen postfaktischen Zirkus.


Was mir besonders gefallen hat: Das Ding ist nicht einfach ein weiteres intellektuelles Laberfeuerwerk, sondern baut klug Brücken zwischen Psychoanalyse, Geschichte und Gesellschaft. Es stellt unbequeme Fragen, ohne einem gleich die Antworten reinzudrücken wie Zäpfchen. Stattdessen kriegt man Impulse – manchmal klug, manchmal fordernd, manchmal so schräg, dass ich mich kurz gefragt hab, ob Freud nicht heimlich mit am Schreibtisch saß.


Klar, zwischendurch driftet’s mal ins akademische Delirium ab, aber hey – wer das Unbewusste sezieren will, darf auch mal ein Skalpell mehr benutzen. Ich musste zwar gelegentlich tief durchatmen (und Kaffee nachkippen), aber wurde durchweg belohnt mit klugen Gedanken und Perspektivwechseln, die man so selten bekommt. Ein bisschen wie Therapie, aber ohne Rechnung am Ende.


Was mir gefehlt hat? Manchmal hätte ich mir etwas mehr erzählerischen Flow gewünscht. Die Gedanken sprangen teilweise wie ein Hamster auf Energy-Drinks – spannend, aber nicht immer leicht zu fassen. Dennoch: Das Buch ist ein wacher, mutiger Beitrag zur Frage, wie wir kollektiv so schräg ticken konnten – und noch immer ticken.


Fazit: Keine Bettlektüre für leichtes Träumen, sondern ein wuchtiger Denkbrocken mit Tiefgang. Für alle, die glauben, ihr Unterbewusstes sei schon aufgeräumt – dieses Buch sagt: „Glaub weiter dran, Schatz.“


4 von 5 Sterne – mit Freud’schem Augenzwinkern und ziemlich viel Stoff zum Nachdenken.

Cover des Buches Kampf ums Unbewusste (ISBN: 9783351039967)
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Rezension zu "Kampf ums Unbewusste" von Christina von Braun

Eternal-Hope
Sehr umfangreiches und detailliertes, dabei aber spannend erzähltes Werk

Mehrere Jahre hat das Ehepaar Christina von Braun und Tilo Held - sie Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Filmemacherin, er Psychiater und Psychoanalytiker - an diesem umfangreichen Werk gearbeitet. Trotz der vielen Details und des Umfangs liest sich das Buch überraschend flüssig und unterhaltsam. 

Es beginnt bei den Anfängen der Entstehung eines Konzeptes für das Unbewusste, das dann bekanntlich Sigmund Freud aufgenommen und umfangreich ausgebaut hat. Sehr interessant wird auf die sowohl jüdischen als auch christlichen Einflüsse auf die Psychoanalyse eingegangen, den Streit um die Bedeutung des Sexuellen und noch so einiges mehr. Danach geht es darum, wie verschiedene verbrecherische Regime, die Nazis genauso wie die Sowjets, das Unbewusste für ihre Zwecke zu manipulieren versucht haben. 

Nach einem Abriss der Weiterentwicklung der Psychoanalyse in der Nachkriegszeit geht es um aktuelle Themen wie Gendertheorie und Transsexualität, ebenso wie um den Einfluss der Medien vom Fernsehen übers Internet bis zu künstlicher Intelligenz, die vorgibt, mit uns therapeutisch zu interagieren, sowie um Trauma und aktuelle Entwicklungen in dem Feld. 

Mich persönlich hat etwa das erste Drittel des Buches beim Lesen am meisten angesprochen. Da habe ich unglaublich viel über geschichtliche Zusammenhänge im Kontext der Psychoanalyse und des Unbewussten gelernt. Danach wurde das Buch für mich etwas weniger interessant, als es in der Mitte des Buches ausführlich um das derzeit so aktuelle und gehypte Transgender-Thema ging. Ob ich das dem Buch anlasten kann, dafür habe ich noch keine abschließende Beurteilung, mir war es zu viel - es passt aber zu den Forschungsschwerpunkten der Autorin. Auch in den darauf folgenden Kapiteln hat sich noch so einiges Interessantes gefunden, allerdings haben sie mich etwas weniger gefesselt als die sehr stringente und gut aufgebaute Erzählweise im ersten Kapitel, was möglicherweise der Themenvielfalt geschuldet ist.

Das Buch kann ich also jenen empfehlen, die sich gerne bis in die Tiefe mit der Geschichte und Instrumentalisierung des Unbewussten und der Psychoanalyse auseinandersetzen möchten, von deren historischen Anfängen bis zu aktuellen Themen des heutigen Zeitgeistes. Vorwissen in diesem Bereich kann nicht schaden und insgesamt ist es eher ein Buch, das sich an Fachleute richtet, allerdings durchaus auch für interessierte und gebildete Laien lesbar ist, da die meisten Konzepte sehr gut erklärt werden.

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