Tim Berners-Lee

 3,5 Sterne bei 2 Bewertungen

Lebenslauf

Tim Berners-Lee, geboren am 8. Juni 1955 in London, erfand im Jahr 1989 am Schweizer CERN das World Wide Web. Seitdem hat er sich durch seine Arbeit für Inrupt Inc., das World Wide Web Consortium (W3C), das Open Data Institute und die World Wide Web Foundation unermüdlich für gemeinsame Standards, offenen Webzugang für alle und die Macht des Einzelnen im Web eingesetzt. Er ist Professor emeritus am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und seit 2016 Research Fellow an der Universität Oxford. Als entschiedener Fürsprecher der positiven, weltverändernden Kraft von Technologie erhielt Berners-Lee den Seoul Friedenspreis 2022 für Digitale Souveränität. Das Time Magazine nahm ihn in die Liste der bedeutendsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts auf.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Tim Berners-Lee

Cover des Buches This Is for Everyone (ISBN: 9783498003814)

This Is for Everyone

(1)
Erschienen am 16.09.2025
Cover des Buches Weaving the Web (ISBN: 006251587X)

Weaving the Web

(1)
Erschienen am 13.09.2011

Neue Rezensionen zu Tim Berners-Lee

Cover des Buches This Is for Everyone (ISBN: 9783498003814)
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Rezension zu "This Is for Everyone" von Tim Berners-Lee

VolkerM
Der Geist ist aus der Flasche

Tim Berners-Lee erzählt in „This Is for Everyone“ die Entstehungsgeschichte des World Wide Web aus persönlicher Perspektive und zieht eine kritische Bilanz seiner Erfindung. Er beginnt mit Einblicken in sein familiäres Umfeld, das von Technik und Forschungsdrang geprägt war und seine frühe Neugier auf Informationssysteme förderte. Bei seiner Zeit am CERN führte die praktische Notwendigkeit, weltweit verteilte Forschungsdaten zu verknüpfen, 1989 zur Idee eines offenen Hypertext-Systems, aus dem das Web entstand.

Nach der Veröffentlichung des Webs setzte Berners-Lee auf Offenheit statt auf proprietäre Kontrolle und half bei der Gründung des World Wide Web Consortium (W3C). Dort arbeitete er an der Entwicklung offener Standards, die Interoperabilität und Zugänglichkeit sichern sollen. Sein Leitgedanke war, ein Netz zu schaffen, das für alle funktioniert und auf gemeinsamen Regeln basiert („This is for Eyeryone“).

Ab etwa 2012 beschreibt Berners-Lee eine Kehrseite: Große Technologieunternehmen gewinnen an Macht, zentrale Plattformen verdrängen dezentrale Strukturen, und das Individuum rückt aus dem Mittelpunkt. Diese Entwicklung bedroht die ursprüngliche „Seele“ des Internets. Ergänzend diskutiert er, wie KI die Suche und Informationsverteilung verändert, personalisierte Algorithmen Filterblasen verstärken und damit den demokratischen Diskurs belasten. Er geht detailliert auf die Chancen und Risiken der KI ein und bewertet sie neutral und nachvollziehbar. Parallel dazu sieht er einen massiven Vertrauensverlust in Medien, Regierung, Wirtschaft und Wissenschaft, wodurch traditionelle Quellen an Autorität verlieren und eine aggressive Streitkultur aufkommt, die er als „feindseligen Aktivismus“ beschreibt.

Als praktische Reaktion auf die Machtkonzentration stellt Berners-Lee sein Solid-Projekt vor, dass ihm sehr am Herzen liegt und vielversprechend klingt. Solid setzt auf persönliche Datenspeicher, sogenannte „Data Wallets“, in denen Nutzer ihre Daten kontrollieren und selektiv freigeben. Ziel ist, die Hoheit über persönliche Informationen vom Plattformbetreiber zurück zum Individuum zu verlagern. In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz umfangreiche Nutzerdaten auswertet, erscheint dieses Konzept wichtig, um Privatsphäre, Transparenz und Selbstbestimmung im Netz zu stärken. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Idee von Berners-Lee durchsetzen wird und die Nutzer zukünftig wieder selbst über ihre Daten bestimmen können.

Das Buch hat mich durch seinen persönlichen Ton, lebendige Sprache und größtenteils unterhaltsame Leichtigkeit überzeugt. Pointierte Anekdoten bereichern den Text und sorgen für angenehme Abwechslung. Die deutsche Übersetzung ist hervorragend gelungen und verwendet eine durchgehend genderneutrale Sprache. Technische Erklärungen sind bemüht einfach gehalten, können für weniger technikaffine Leser aber gelegentlich herausfordernd sein. Insgesamt gelingt es dem Autor jedoch, auch komplexe Themen verständlich zu vermitteln.

Das Buch bietet eine persönliche, gut lesbare und kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte und Zukunft des Webs; leichte Verständnisschwierigkeiten bei technischen Passagen mindern den Wert nur geringfügig.

Cover des Buches Weaving the Web (ISBN: 9780752820903)
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Rezension zu "Weaving the Web" von Tim Berners-Lee

Admiral
Das Internet: Eine eine biographische und entsteherische Perspektive.

In seinem Buch "Weaving the Web" (1999) beschreibt Tim Berners-Lee die Entwicklung, Entstehung, die Anfänge und die evtl. weiteren Entwicklungen des Internets, das er massgeblich mitentwickelt (oder sogar "erfunden") hat.

Zunächst einmal eine Randnotiz von mir: Berners-Lee verwendet "internet" und "web", was nicht das gleiche ist. "internet" bezeichnet wohl lokalé Verbindungen von Computern, zB in einem Konzernsgebäude. "web" bezeichnet die übergeordnete Verbindung mehrerer "internets". Falls ich das so richtig verstand, er erklärt es nämlich nicht, sondern setzt das Wissen darum voraus. Ich verwende "Internet" im Sinne von "internet". "web" werde ich nicht gebrauchen.
Generell stammt diese Rezension von einer absoluten Internet-/Technik-/Software-/wasallesauchimmerdamitzutunhat-Laie, was eventuell im Hinterkopf behalten werden sollte.

Die etwa erste Hälfte des Buches (S. 1-96 vllt.), die die Entstehung und anfängliche Entwicklung des Internets, das Berners-Lee als Mitarbeiter bei CERN programmiert. Das Buch ist, besonders hier in der ersten Hälfte, stark gespickt von biographischen Exkursen und Berichten. Seine Berichte sind ebenfalls durchspickt von zahllosen und intensiven Erklärungen seiner Programmierungstätigkeit, um eine allgemeine Computersprache zu entwickeln und alle möglichen Computervarianten miteinander kompatibel zu machen (er geht von einem NeXT aus).
Die zweite Hälfte des Buches (S. 97-228 vllt.) setzt das Internet im Großen und Ganzen als gegeben voraus. Hier liegen die thematischen Schwerpunkte dann auch etwas anders. Zum Beispiel beschreibt er seine Bemühungen, dass das Internet allgemein ohne Abstriche zugänglich ist, keine Zwänge kennt und auf einen Konsenssystem beruht, was dadurch erreicht werden soll, dass ein "Consortium" gegründet wird (S. 97-132). Auch geht er hier (S. 133-190) auf die Auswirkungen auf und Bedeutung für Normalbürger ein (bisher war das Internet eher für Wissenschaftler oder sachkundige Laien): das Internet sei eine noch nie dagewesene Kommunikationsmöglichkeit, die alle möglichen Probleme lösen könnte. Bedürfe aber unbedingt der Souveränität (von Politik und Wirtschaft) und der Privatheit.
Zum Schluss (S. 191-215) erklärt er noch Wünsche, wie das Internet angesehen werden soll und wie es sich entwickeln soll seiner Meinung nach. So solle es unbedingt als reines Medium betrachtet werden, das keinen Selbstzweck hat (?), sondern nur ein Fenster zu dem eigentlich wichtigen sei: Kontakte und Kommunikation. In diesem Kontext erklärt er auch noch (S. 216-228) die eventuellen Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft.

Alles in allem muss ich eingestehen, dass ich wegen der Fachterminologie, seiner abstrakten Beschriebung und dem vorausgesetzten Grundverständnis der Materie (das ich nicht habe) bestimmt oftmals nicht alles wirklich verstanden habe. Dennoch ist es mal ein interessanter Aspekt, das Internet aus der Sicht des Entwicklers und aus der Sicht der chronologischen Anfänge heraus präsentiert zu bekommen. Wissenschaftlich ist das Buch nicht und an Informationen quillt es jetzt auch nicht unbedingt über. Die Sprache und die Formulierungen sind manchmal etwas eigenartig, was daran liegen könnte, dass er kein englischer Muttersprachler ist. Ich meine, dass er erwähnte, er käme aus Südfrankreich in Nähe der Schweiz.

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