Der Leichenkönig

von Tim Curran 
4,2 Sterne bei21 Bewertungen
Der Leichenkönig
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Positiv (17):
Bookiliciouss avatar

Ein sehr bildhafter Schreibstil, der fesselt! Ein ganz toller Roman für Fans des alten Horror...

Kritisch (2):
Angelika243s avatar

Nach dem Buch weiß man wenigstens, mit wie vielen Wörtern ein Leiche beschrieben werden kann. Sonst langweilig!

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Inhaltsangabe zu "Der Leichenkönig"

Edinburgh zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Grabräuber Samuel Clow und Mickey Kierney schleichen Nacht für Nacht auf die Friedhöfe, um die faulenden Leiber der kürzlich Verstorbenen wieder aus der Erde zu zerren. Die verkaufen sie dann an Ärzte und Studenten der Medizin.
Die beiden glauben, dass sie ganz allein sind. Doch im trüben Licht des Mondes lauert der Leichenkönig auf sie …

Auf Tim Curran gibt es die Gänsehaut-Garantie!

Phantastik-Couch.de: »Ein großes Plus der Story sind aber auch die beiden Protagonisten, Clow und Kierney, die einem beinahe ans Herz wachsen. Ihre markigen Dialoge sind wirklich erwähnenswert. (…) In Currans Stimme schwingt darüber hinaus ein barocker Zynismus mit, der den ›Leichenkönig‹ als bitterböse Satire kennzeichnet.«

Als Bonus enthalten: Ein Autoreninterview und die Ur-Erzählung zum Thema: ›Die Leichenräuber‹ von Robert Louis Stevenson.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783865525260
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:Festa Verlag
Erscheinungsdatum:27.02.2017

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    PeWas avatar
    PeWavor 5 Monaten
    Kurzmeinung: spannend und alt geschrieben...
    Spannend und alt geschrieben...

    Wir befinden uns im stinkenden und dreckigen Edinburgh des 19. Jahrhunderts. Die Menschen entleeren nicht nur ihre Nachttöpfe auf die Straße, sondern auch allen anderen Müll. In all diesem Unrat schleichen sich Samuel Clow und Mickey Kierney Nacht für Nacht auf den Friedhof, um ihrem Geschäft nachzugehen: sie sind Grabräuber, die sich mit dem Plündern der Gräber ihr Geld verdienen. Doch die beiden stehlen keine Wertgegenstände, ganz im Gegenteil... sie stehlen die Leichen, die dann von Anatomiedozenten, Ärzten und sonstigen Medizinern als Lehr- oder Studienmaterial gekauft und genutzt werden. Doch diese Arbeit gestaltet sich verständlicherweise schwierig, denn die Angehörigen sind, verständlicherweise, alles andere als begeistert davon, dass ihre Toten in ihrer letzten Ruhe gestört werden. Auf dem Nordfriedhof findet sich, neben der üblichen Bedrohung der Wachen, aber noch eine andere Bedrohung: der Leichenkönig, dem es natürlich nicht gefällt, dass seine Leichen entwendet werden...

    "Der Leichenkönig" ist ein Roman, bei dem ich eigentlich gar nicht so genau wusste, was da nun auf mich zukommt, obwohl ich mich sehr darauf gefreut hatte. Als ich allerdings mit dem lesen begann, wollte ich schon gar nicht mehr aufhören, denn nicht nur, dass einen Tim Curren völlig in den Bann des Edinburgh des 19. Jahrhunderts zieht, er fesselt einen regelrecht in der Geschichte. Neben unglaublich gelungenen Formulierungen und authentischen Charakteren schafft er es, eine düstere Umgebung zu schaffen, die jegliche Sinne anspricht. Besonders der Geruchssinn wird hier gefordert, denn die modrigen Friedhöfe voller verwesender Leichen kann man sich mindestens genauso gut vorstellen, wie die stinkende und vor Unrat triefende Stadt. Spritzige Dialoge versüßen das Lesen und machen die Lektüre zu einer wahren Wohltat.

    Im Anschluss an die Geschichte findet sich noch ein sehr interessantes Interview mit dem Autor, das man auf alle Fälle gelesen haben sollte - ebenso wie die Kurzgeschichte von Robert Louis Stevenson, die sich ebenfalls im Buch befindet.

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    Bookiliciouss avatar
    Bookiliciousvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Ein sehr bildhafter Schreibstil, der fesselt! Ein ganz toller Roman für Fans des alten Horror...
    Spannender Horror mit authentischen Charakteren!


    *Inhalt*
    "Edinburgh zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Grabräuber Samuel Clow und Mickey Kierney schleichen Nacht für Nacht auf die Friedhöfe, um die faulenden Leiber der kürzlich Verstorbenen wieder aus der Erde zu zerren. Die verkaufen sie dann an Ärzte und Studenten der Medizin.
    Die beiden glauben, dass sie ganz allein sind. Doch im trüben Licht des Mondes lauert der Leichenkönig auf sie …" (Quelle: Amazon)
      
    *Erster Satz des Buches*
    "Edinburgh, Schottland, in den 1820ern."


    *Infos zum Buch*
    Seitenzahl: 224 Seiten
    Verlag: Festa Verlag
    ISBN: 978-3865525260
    Preis: 12,80 € (Taschenbuch) / 4,99 € (E-Book)


    *Infos zum Autor*
    "Tim Curran lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Escanaba/Michigan, USA. Er ist einer der begabtesten neuen Horrorautoren. Sein Werk zeichnet sich durch eine morbide Faszination am Verfall und Tod aus." (Quelle: Amazon)


    *Fazit*
    -> Wieso wollte ich dieses Buch lesen? 
    Nachdem mich der Klappentext absolut überzeugt hat, musste ich das Buch einfach lesen.. außerdem lese ich mich gerade durch die Horror&Thriller Reihe des Festa-Verlages, weswegen dieses Buch ohnehin irgendwann an die Reihe gekommen wäre.


    -> Cover: 
    Das Cover gefällt mir unglaublich gut... es ist gruselig, düster und einfach nur richtig passend zur Geschichte - es macht Lust darauf! 


    -> Story + Charaktere: 
    Wir befinden uns im stinkenden und dreckigen Edinburgh des 19. Jahrhunderts. Die Menschen entleeren nicht nur ihre Nachttöpfe auf die Straße, sondern auch allen anderen Müll. In all diesem Unrat schleichen sich Samuel Clow und Mickey Kierney Nacht für Nacht auf den Friedhof, um ihrem Geschäft nachzugehen:  sie sind Grabräuber, die sich mit dem Plündern der Gräber ihr Geld verdienen. Doch die beiden stehlen keine Wertgegenstände, ganz im Gegenteil... sie stehlen die Leichen, die dann von Anatomiedozenten, Ärzten und sonstigen Medizinern als Lehr- oder Studienmaterial gekauft und genutzt werden. Doch diese Arbeit gestaltet sich verständlicherweise schwierig, denn die Angehörigen sind, verständlicherweise, alles andere als begeistert davon, dass ihre Toten in ihrer letzten Ruhe gestört werden. Auf dem Nordfriedhof findet sich, neben der üblichen Bedrohung der Wachen, aber noch eine andere Bedrohung: der Leichenkönig, dem es natürlich nicht gefällt, dass seine Leichen entwendet werden...


    "Der Leichenkönig" ist ein Roman, bei dem ich eigentlich gar nicht so genau wusste, was da nun auf mich zukommt, obwohl ich mich sehr darauf gefreut hatte. Als ich allerdings mit dem lesen begann, wollte ich schon gar nicht mehr aufhören, denn nicht nur, dass einen Tim Curren völlig in den Bann des Edinburgh des 19. Jahrhunderts zieht, er fesselt einen regelrecht in der Geschichte. Neben unglaublich gelungenen Formulierungen und authentischen Charakteren schafft er es, eine düstere Umgebung zu schaffen, die jegliche Sinne anspricht. Besonders der Geruchssinn wird hier gefordert, denn die modrigen Friedhöfe voller verwesender Leichen kann man sich mindestens genauso gut vorstellen, wie die stinkende und vor Unrat triefende Stadt. Spritzige Dialoge versüßen das Lesen und machen die Lektüre zu einer wahren Wohltat. 


    Im Anschluss an die Geschichte findet sich noch ein sehr interessantes Interview mit dem Autor, das man auf alle Fälle gelesen haben sollte - ebenso wie die Kurzgeschichte von Robert Louis Stevenson, die sich ebenfalls im Buch befindet. 


    -> Schreibstil: 
    Der sehr bildhafte Schreibstil macht das Buch zu einem flüssig lesbaren und spannenden Werk, dass man nahezu greifen kann.


    -> Gesamt: 
    Spannend, fesselnd mit bildhaftem Schreibstil und authentischen Charakteren. Die perfekte Horror-Lektüre! 


    Wertung: 5 von 5 Sterne!

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    SweetSecret33s avatar
    SweetSecret33vor 10 Monaten
    Düster

    Auf den Feldern der Toten wird die Ernte eingeholt. Bestellt von Erweckungsfarmern mit schmutzigen Fingern, kalten Herzen und gierigen Gedanken, werden die Felder mit Schaufel und Spaten und Schweiß bearbeitet. Unter einem Leichentuch dünnen Mondlichts werden die Früchte aus der feuchten, schwarzen Erde gepflückt, aus wurmstichigen Särgen und verschimmelten Totenhemden gerissen, wie faulendes Korn aus zerfallenden Hülsen. Die Leichenernte wird auf schlammigen Karren aufgebahrt und zu Markte getragen, um an den Meistbietenden verkauft zu werden, zur Versorgung von Autopsiesälen und Anatomielaboren.


    Ein Ausflug in das finsterste Mittelalter, begleiten wir die Leichenräuber auf den Totenacker bei ihrer Arbeit. Die Story um den „Leichenkönig“ wird schonungslos erzählt. Sehr Detailreich wird das Arbeiterviertel im Edinburgh des 19. Jahrhunderts und deren Bewohner beschrieben. Ein Armutsviertel voller Elend, Dreck und Gestank. Auch die Arbeit der Leichenräuber auf dem Friedhof wird detailreich erzählt. Die düstere Friedhofsamtosphäre die hier geschaffen wurde, hat mir sehr gut gefallen. Leider ist die Geschichte relativ kurz, hat mich aber sehr gut unterhalten.


    Fazit

    Eine interessante düstere Story, die sich zu lesen lohnt!



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    Serkalows avatar
    Serkalowvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Horror und Humor in perfekter Ausführung!
    Horror und Humor in perfekter Ausführung!

    Bereits die beiden Horror-Western von Tim Curran hatten mich ziemlich begeistert. Umso mehr war ich gespannt, wie ihm die Umsetzung eines weiteren historischen Themas als Horror-Novelle gelingt, welches außerdem noch durch Tatsachen (West-Port-Morde) inspiriert ist.

    Meine Erwartungen hat Tim Curran wieder einmal erfüllt. Er ist ein Autor, der eine wunderbar poetische Sprache hat, die sich niemals in peinliche Metaphern ergießt. Gerade das historische Setting gibt ihm die Möglichkeit, diese Stärke voll auszuspielen. Und Tim Curran ist ein Meister der düsteren Atmosphäre.

    Die Slums von Edinburgh zu Beginn des 19. Jahrhunderts, der Schmutz, die Kälte. Die modrig feuchten Friedhöfe und der permanente Gestank der Leichen, all das steigt einem beim Lesen nicht nur vor dem inneren Auge auf, sondern vor allem in der Nase.
    Bereits bei der Lektüre der beiden Horror-Western fiel mir auf, dass Curran den Schauder, die Bedrohung, das Unheimliche, gerne über die Geruchssinne präsent macht.

    Ungewöhnlich für ein Buch? Nein. Denn es gelingt ihm.

    Nach der Lektüre von »Der Leichenkönig« wollte ich mich nur noch duschen, um den Gestank und das Elend, den Zynismus und den Moder wegzubekommen, der mich bei meinen Streifzügen mit den Grabräubern auf den nächtlichen Friedhöfen begleitet hatte.

    »Der Leichenkönig« ist aber nicht nur die perfekte Gothicnovel, die sich ohne weiteres in die Reihe von E. A. Poe Werken, Bram Stoker oder Marry Shelly einreiht. Es ist vor allem eine Horrorstory, die durch die Dialoge der beiden Protagonisten, soviel frischen Humor versprüht, dass sie mich sehr an die schwarzhumorige Verfilmung »Burke and Hare« mit u. A. Andy Serksis erinnerte.
    So geht der perfekte Genremix aus Grusel und Humor.

    Volle Punktzahl für den finsteren, ekelerregenden Leichenkönig unter dem Friedhof und die beiden wirklich witzigen Grabräuber!

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    AnnasbesondereWeltvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Sehr guter, makaberer Roman über zwei Grabräuber im 16. Jahrhundert
    Der Leichenkönig treibt sein Unwesen

    In diesem Roman geht es um 2 Grabräuber Samuel Clow und Mickey Kierney. Die Geschichte spielt in Edinburgh im 19. Jahrhundert. Der Autor Tim Curran hat sehr viel über die Zeit damals und auch über das Leichenräubern recherchiert wodurch der Roman oder eher die Kurzgeschichte sehr gut und realitätsnah rüberkommt.

    Aber wir schauen den beiden nicht nur dabei zu wie sie Grabräubern sondern es geht natürlich auch um den Leichenkönig, aber vorne weg. Clow und Kierney machen ihre Arbeit für Ärzte und Anatome (Sprich Leute die sich für den Aufbau und Verhalten von Menschlichen Körpern interessieren) und verdienen damit ihr Geld. Im 19. Jahrhundert war sowas nicht gerne angesehen, schon garnicht wenn die Leichen von fremden aus ihren Gräbern gestohlen wurden, aber auch das untersuchen an Toten war nicht so toll. Sodass auch ein Grabräuber wenn er erwischt wurde gehängt bzw. in Käfige gehängt wurden sodass sie auch öffentlich begafft werden konnten.

    Clow und Kierney machen also ihre Arbeit und hören immer wieder davon das sie nicht auf dem Nordfriedhof gehen sollen da dort ein Wesen sein Unwesen treibt, welches Grabräuber verschleppt oder sie verrückt zurück lässt. Clow, den solche Märchen nicht interessieren geht garnicht erst darauf ein und Kierney der zwar Angst davor hat, aber seinen Freund nicht allein lassen möchte geht eben mit. Als sie dann ein Grab öffnen und Kierney hinab steigt um den Sarg zu öffnen fällt er in eine große Höhle und so finden sie doch mehr raus als sie wollen...


    ✷ ✷ ✷    Fazit

     

    Ich fand den Roman sehr guter war für meinen Geschmack zwar etwas zu kurz und das Ende etwas abrupt aber Tim Curran schreibt nunmal nur Kurzgeschichten. Richtig Gruselig fand ich ihn leider nicht aber es kam sehr viel Spannung auf und das richtige Feeling war da. Er ist sehr realitätsnah geschrieben (abgesehen natürlich vom Leichenkönig) und man kann sich richtig in das 19. Jahrhundert hinein versetzen. Auch war er relativ brutal und manchmal auch sehr eklig geschrieben. Er lässt sich gut und leicht lesen.

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    T
    tuman7vor 5 Jahren
    Viel Friedhof, viel Verfall, wenig Handlung

    Ein guter Autor bemüht sich, die Stimmung einer Szene einzufangen, indem er subtil die Charakteristik der Gegenstände aufscheinen läßt. Tim Curran hingegen bemüht sich im Buch Der Leichenkönig, die Stimmung einer Szene einzufangen, indem er die Elemente der Szene möglichst oft direkt benennt. Konkret versucht Curran in der hier besprochenen Novelle die Atmosphäre der schottischen Elendsviertel zu Anfang des 19. Jahrhunderts einzufangen und konzentriert sich auf das düstere Treiben der dem Elend entstammenden Grabräuber, die die Körper der Toten an skrupellose Ärzte und Wissenschaftler verkaufen.

    Die Art und Weise, wie Curran diese Idee umsetzt, wurde soeben angedeutet, und zwar durch die mantragleiche Wiederholung der Wörter "Leiche", "Grab" und "Friedhof". Daß dies auf Dauer wenig abwechslungsreich ist, kann nicht verwundern. Sowieso ist mangelnde Abwechslung eine der größten Schwächen des Buches, das glücklicherweise kurz genug ist, um nicht durch Eintönigkeit unlesbar zu werden. Die Eintönigkeit ist vor allem den das Buch absolut dominierenden Passagen geschuldet, in denen Curran seiner offensichtlich wahren Passion nachgeht - und diese ist nicht das Geschichtenerzählen, sondern das Beschreiben.

    Beschrieben werden einmal, wie bereits erwähnt, Friedhöfe, Gräber und Leichen, zum anderen die tatsächlich historisch bezeugt unsäglichen hygienischen Zustände in den damaligen Slums der Arbeiterstädte Großbritanniens. Die Friedhöfe, Gräber und Leichen, denen Currans Aufmerksamkeit vor allem gilt, zeichnen sich lediglich durch unterschiedliche Verfallsstadien voreinander aus - für die Arbeiterviertel gilt das ebenfalls: auch hier interessiert sich Curran praktisch ausschließlich für die verschiedenen Erscheinungsformen des Verfalls. Unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsökonomie ist das verständlich, so kann sich der Autor die Mühe sparen, unterschiedliche sprachliche Register für die angemessene Darstellung zu finden und kann seine Lieblingswörter auf jeder Seite dutzendfach verwenden. Auf dem (verfallenden) Friedhof liegen die (verwesenden) Leichen in Gräbern und Grüften, während sie in der (ebenfalls verfallenden) Stadt (ebenfalls verwesend) auf den Straßen herumliegen, in Kanälen vor sich hin treiben oder sich im Keller des Hauptprotagonisten stapeln. Doch auch auf den wenigen Seiten, wo nicht unmittelbar Leichen beschrieben werden, sieht Curran keinen Grund, sich sprachlich auf ein anderes Wortfeld zu verlegen und so wird zumindest gefühlt jeder einzelne Gegenstand, der nicht unmittelbar im hellen Sonnenlicht dasteht, mindestens einmal durch das Adjektiv "leichenhaft" charakterisiert.

    Diese Fixierung auf Beschreibungen von Verfallszuständen ist nicht nur sprachlich eintönig, sondern auch literarisch problematisch. Atmosphären wirken dann am stärksten, wenn einer bestimmten Atmosphäre, z. B. der eines düsteren Friedhofs, eine gewissermaßen kontrastierende Atmosphäre entgegensteht. So hat die erste Atmosphäre ein Gegenstück, von dem sie sich abheben kann. Indem jedoch Curran die Protagonisten lediglich zwischen verwesenden Leichen auf verfallenden Friedhöfen und verwesenden Leichen in einem verfallenden Slum hin und her schickt, nimmt er sich die Möglichkeit, durch das Wechselspiel der Atmosphären so etwas wie Dynamik zu erzeugen.

    In Anbetracht des interessanten historischen Szenarios, das sich für den Hintergrund einer Horrorerzählung geradezu anbietet, könnte man die Hoffnung hegen, daß wenigstens die Geschichte einige der Schwächen der Darstellung wieder wettmacht. Dies ist jedoch leider nicht der Fall. Erst im letzten Viertel der Erzählung fühlt Curran sich bemüßigt, die Handlung überhaupt voranzutreiben. Auch hier passt jedoch wenig zusammen. Wer oder was der Leichenkönig eigentlich ist erfahren wir nicht. Grundsätzlich ist dies nicht weiter schlimm, denn gerade Horrorerzählungen können durchaus davon profitieren, gewisse Dinge lediglich andeutend im Dunkel zu lassen; im vorliegenden Fall jedoch gewinnt der Leser den Eindruck, der Autor selbst hätte sich die Frage nicht einmal ernsthaft vorgelegt, sondern sie bei ihrem Aufkommen schnell unter den Teppich gekehrt und zur Sicherheit noch einige dutzend mal die Wörter "Leiche", "Grab" und "Friedhof" darübergeschaufelt. Die Beziehung, in die der Leichenkönig letztendlich zum Hauptcharakter tritt ist unverständlich, an den Haaren herbeigezogen und ergibt, angesichts dessen, wie der Leichenkönig zuvor dargestellt worden war, keinen Sinn. Das Ende schließlich ist zwar bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar, aber uninspiriert und wirkt eher, als hätte der Autor das Buch möglichst schnell zum Abschluss bringen wollen.

    Angesichts der Tatsache, daß das Buch für das, was geboten wird, doch recht teuer ist, kann über diese Schwächen auch nicht wohlwollend hinweggesehen werden und ich vergebe einen Punkt. Ich gebe aber zu bedenken, daß ich Curran nicht grundsätzlich als Autor bewerte (ich habe keinen zweiten Text von ihm gelesen), sondern ausschließlich das Buch "Der Leichenkönig". Daß Curran möglicherweise bessere Erzählungen geschrieben hat, will ich keinesfalls ausschließen.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren
    Rezension zu "Der Leichenkönig" von Tim Curran

    Eine düstere Novelle im Schottland des 19. Jahrhunderts
    *
    "Vor dem Anatomy Act von 1832 waren die einzigen Leichen, die im Vereinigten Königreich für die Sektion zur Verfügung standen, die zum Tode verurteilter Krimineller. Und auch wenn das Verbrechen wucherte und Hinrichtungen gang und gäbe waren, gab es kaum genug Leichen für chirurgische Demonstrationen an den medizinischen Fakultäten. So entstand, praktisch über Nacht, ein illegaler - aber sehr lukrativer - Markt für Leichen."
    (S. 5)
    *
    Die Armut greift in den Straßen des Arbeiterviertels im Edinburgh des 19. Jahrhunderts um sich. Viele der jungen Mädchen prostituieren sich, die jungen Männer geraten oftmals in kriminelle Machenschaften um ihr täglich Brot zu verdienen. So geht es auch Clow und seinem Freund Mickey Kierney. Die beiden sind als Leichenräuber dick im Geschäft. Keine ungefährliche Arbeit - vor allen Dingen da seit einiger Zeit unheimliche Geschichten über etwas auf den nördlichen Grabfeldern im Umlauf sind...
    *
    Tim Curran erzählt in seiner Novelle "Der Leichenkönig" eine atmosphärische und schaurige Geschichte.
    Sein Schreibstil ist dicht und sehr detailliert. Mit Hilfe von Tim Currans Worten kann man sich diese unwirtliche und verkommene Gegend vor Augen führen. Dunkel, düster und bedrückend wirkt die Novelle auf mich - ebenso wie das Cover.
    *
    Unsere Hauptprotagonisten, Clow und Mickey, gehen weiter ihrer Arbeit nach. Immer auf der Hut vor den Wachen, die verstärkt auf den Friedhöfen und Grabfeldern eingesetzt werden. Einfach haben sie es wirklich nicht, müssen sie auch noch Clows ständig besoffene Mutter aushalten.
    Als sich nun immer häufiger Geschichten über dieses grauenvolle Ding erzählt werden, das auf den nördlichen Grabfeldern haust, wollen sich die beiden das einmal genauer anschauen. Guter Dinge gehen sie los um sich bestätigen zu könne, dass es sich nur um Aberglaube und Hirngespinste handelt. Aber was sie dann sehen können sie nicht glauben: tiefe Tunnel, die sich durch die Friedhofserde ziehen, umgestürzte Grabsteine und angenagte Menschenknochen....
    *
    Mehr will ich nicht verraten - am besten holt ihr euch dieses Buch und lest es in einer dunklen, düsteren Nacht. Freunde von Poe werden bestimmt auch an dieser Geschichte ihre Freude haben.

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    Ka6ukis avatar
    Ka6ukivor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ausflug in's finstere Mittelalter Großbritanniens. Mit gewohnt superb recherchierten Details und wahnwitzig bildhafter Schreibe. Aber kurz.
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    Angelika243s avatar
    Angelika243vor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Nach dem Buch weiß man wenigstens, mit wie vielen Wörtern ein Leiche beschrieben werden kann. Sonst langweilig!
    Nadja_Kosneys avatar
    Nadja_Kosneyvor 4 Monaten

    Gespräche aus der Community zum Buch

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