Tim Curran Der Leichenkönig

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Inhaltsangabe zu „Der Leichenkönig“ von Tim Curran

Auf den Feldern der Toten wird die Ernte eingeholt. Bestellt von Erweckungsfarmern mit schmutzigen Fingern, kalten Herzen und gierigen Gedanken, werden die Felder mit Schaufel und Spaten und Schweiß bearbeitet. Unter einem Leichentuch dünnen Mondlichts werden die Früchte aus der feuchten, schwarzen Erde gepflückt, aus wurmstichigen Särgen und verschimmelten Totenhemden gerissen, wie faulendes Korn aus zerfallenden Hülsen. Die Leichenernte wird auf schlammigen Karren aufgebahrt und zu Markte getragen, um an den Meistbietenden verkauft zu werden, zur Versorgung von Autopsiesälen und Anatomielaboren. Nacht für Nacht graben die Farmer auf ihren Gebeinfeldern und denken, sie seien allein bei ihrer finsteren Ernte. Aber es gibt noch einen anderen, der in Gräbern und Leichenhallen erntet. Einen anderen Schnitter, der seit Jahrtausenden sein Feld bestellt. Das Gesicht bleich wie der Mond und Finger wie Knochen, ist er der Große Herr der Leichenernte und Meister der Friedhofsegge. In der Welt des späten 18. Jahrhunderts gehen Samuel Clow und Mickey Kierney ihrem Lebensunterhalt im Erweckungsgewerbe nach nicht ahnend, dass sie bald dem Leichenkönig begegnen werden ...

Ausflug in's finstere Mittelalter Großbritanniens. Mit gewohnt superb recherchierten Details und wahnwitzig bildhafter Schreibe. Aber kurz.

— Ka6uki

Nach dem Buch weiß man wenigstens, mit wie vielen Wörtern ein Leiche beschrieben werden kann. Sonst langweilig!

— Angelika243

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  • Viel Friedhof, viel Verfall, wenig Handlung

    Der Leichenkönig

    tuman7

    10. February 2014 um 11:58

    Ein guter Autor bemüht sich, die Stimmung einer Szene einzufangen, indem er subtil die Charakteristik der Gegenstände aufscheinen läßt. Tim Curran hingegen bemüht sich im Buch Der Leichenkönig, die Stimmung einer Szene einzufangen, indem er die Elemente der Szene möglichst oft direkt benennt. Konkret versucht Curran in der hier besprochenen Novelle die Atmosphäre der schottischen Elendsviertel zu Anfang des 19. Jahrhunderts einzufangen und konzentriert sich auf das düstere Treiben der dem Elend entstammenden Grabräuber, die die Körper der Toten an skrupellose Ärzte und Wissenschaftler verkaufen. Die Art und Weise, wie Curran diese Idee umsetzt, wurde soeben angedeutet, und zwar durch die mantragleiche Wiederholung der Wörter "Leiche", "Grab" und "Friedhof". Daß dies auf Dauer wenig abwechslungsreich ist, kann nicht verwundern. Sowieso ist mangelnde Abwechslung eine der größten Schwächen des Buches, das glücklicherweise kurz genug ist, um nicht durch Eintönigkeit unlesbar zu werden. Die Eintönigkeit ist vor allem den das Buch absolut dominierenden Passagen geschuldet, in denen Curran seiner offensichtlich wahren Passion nachgeht - und diese ist nicht das Geschichtenerzählen, sondern das Beschreiben. Beschrieben werden einmal, wie bereits erwähnt, Friedhöfe, Gräber und Leichen, zum anderen die tatsächlich historisch bezeugt unsäglichen hygienischen Zustände in den damaligen Slums der Arbeiterstädte Großbritanniens. Die Friedhöfe, Gräber und Leichen, denen Currans Aufmerksamkeit vor allem gilt, zeichnen sich lediglich durch unterschiedliche Verfallsstadien voreinander aus - für die Arbeiterviertel gilt das ebenfalls: auch hier interessiert sich Curran praktisch ausschließlich für die verschiedenen Erscheinungsformen des Verfalls. Unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsökonomie ist das verständlich, so kann sich der Autor die Mühe sparen, unterschiedliche sprachliche Register für die angemessene Darstellung zu finden und kann seine Lieblingswörter auf jeder Seite dutzendfach verwenden. Auf dem (verfallenden) Friedhof liegen die (verwesenden) Leichen in Gräbern und Grüften, während sie in der (ebenfalls verfallenden) Stadt (ebenfalls verwesend) auf den Straßen herumliegen, in Kanälen vor sich hin treiben oder sich im Keller des Hauptprotagonisten stapeln. Doch auch auf den wenigen Seiten, wo nicht unmittelbar Leichen beschrieben werden, sieht Curran keinen Grund, sich sprachlich auf ein anderes Wortfeld zu verlegen und so wird zumindest gefühlt jeder einzelne Gegenstand, der nicht unmittelbar im hellen Sonnenlicht dasteht, mindestens einmal durch das Adjektiv "leichenhaft" charakterisiert. Diese Fixierung auf Beschreibungen von Verfallszuständen ist nicht nur sprachlich eintönig, sondern auch literarisch problematisch. Atmosphären wirken dann am stärksten, wenn einer bestimmten Atmosphäre, z. B. der eines düsteren Friedhofs, eine gewissermaßen kontrastierende Atmosphäre entgegensteht. So hat die erste Atmosphäre ein Gegenstück, von dem sie sich abheben kann. Indem jedoch Curran die Protagonisten lediglich zwischen verwesenden Leichen auf verfallenden Friedhöfen und verwesenden Leichen in einem verfallenden Slum hin und her schickt, nimmt er sich die Möglichkeit, durch das Wechselspiel der Atmosphären so etwas wie Dynamik zu erzeugen. In Anbetracht des interessanten historischen Szenarios, das sich für den Hintergrund einer Horrorerzählung geradezu anbietet, könnte man die Hoffnung hegen, daß wenigstens die Geschichte einige der Schwächen der Darstellung wieder wettmacht. Dies ist jedoch leider nicht der Fall. Erst im letzten Viertel der Erzählung fühlt Curran sich bemüßigt, die Handlung überhaupt voranzutreiben. Auch hier passt jedoch wenig zusammen. Wer oder was der Leichenkönig eigentlich ist erfahren wir nicht. Grundsätzlich ist dies nicht weiter schlimm, denn gerade Horrorerzählungen können durchaus davon profitieren, gewisse Dinge lediglich andeutend im Dunkel zu lassen; im vorliegenden Fall jedoch gewinnt der Leser den Eindruck, der Autor selbst hätte sich die Frage nicht einmal ernsthaft vorgelegt, sondern sie bei ihrem Aufkommen schnell unter den Teppich gekehrt und zur Sicherheit noch einige dutzend mal die Wörter "Leiche", "Grab" und "Friedhof" darübergeschaufelt. Die Beziehung, in die der Leichenkönig letztendlich zum Hauptcharakter tritt ist unverständlich, an den Haaren herbeigezogen und ergibt, angesichts dessen, wie der Leichenkönig zuvor dargestellt worden war, keinen Sinn. Das Ende schließlich ist zwar bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar, aber uninspiriert und wirkt eher, als hätte der Autor das Buch möglichst schnell zum Abschluss bringen wollen. Angesichts der Tatsache, daß das Buch für das, was geboten wird, doch recht teuer ist, kann über diese Schwächen auch nicht wohlwollend hinweggesehen werden und ich vergebe einen Punkt. Ich gebe aber zu bedenken, daß ich Curran nicht grundsätzlich als Autor bewerte (ich habe keinen zweiten Text von ihm gelesen), sondern ausschließlich das Buch "Der Leichenkönig". Daß Curran möglicherweise bessere Erzählungen geschrieben hat, will ich keinesfalls ausschließen.

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  • Rezension zu "Der Leichenkönig" von Tim Curran

    Der Leichenkönig

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    09. April 2012 um 17:17

    Eine düstere Novelle im Schottland des 19. Jahrhunderts * "Vor dem Anatomy Act von 1832 waren die einzigen Leichen, die im Vereinigten Königreich für die Sektion zur Verfügung standen, die zum Tode verurteilter Krimineller. Und auch wenn das Verbrechen wucherte und Hinrichtungen gang und gäbe waren, gab es kaum genug Leichen für chirurgische Demonstrationen an den medizinischen Fakultäten. So entstand, praktisch über Nacht, ein illegaler - aber sehr lukrativer - Markt für Leichen." (S. 5) * Die Armut greift in den Straßen des Arbeiterviertels im Edinburgh des 19. Jahrhunderts um sich. Viele der jungen Mädchen prostituieren sich, die jungen Männer geraten oftmals in kriminelle Machenschaften um ihr täglich Brot zu verdienen. So geht es auch Clow und seinem Freund Mickey Kierney. Die beiden sind als Leichenräuber dick im Geschäft. Keine ungefährliche Arbeit - vor allen Dingen da seit einiger Zeit unheimliche Geschichten über etwas auf den nördlichen Grabfeldern im Umlauf sind... * Tim Curran erzählt in seiner Novelle "Der Leichenkönig" eine atmosphärische und schaurige Geschichte. Sein Schreibstil ist dicht und sehr detailliert. Mit Hilfe von Tim Currans Worten kann man sich diese unwirtliche und verkommene Gegend vor Augen führen. Dunkel, düster und bedrückend wirkt die Novelle auf mich - ebenso wie das Cover. * Unsere Hauptprotagonisten, Clow und Mickey, gehen weiter ihrer Arbeit nach. Immer auf der Hut vor den Wachen, die verstärkt auf den Friedhöfen und Grabfeldern eingesetzt werden. Einfach haben sie es wirklich nicht, müssen sie auch noch Clows ständig besoffene Mutter aushalten. Als sich nun immer häufiger Geschichten über dieses grauenvolle Ding erzählt werden, das auf den nördlichen Grabfeldern haust, wollen sich die beiden das einmal genauer anschauen. Guter Dinge gehen sie los um sich bestätigen zu könne, dass es sich nur um Aberglaube und Hirngespinste handelt. Aber was sie dann sehen können sie nicht glauben: tiefe Tunnel, die sich durch die Friedhofserde ziehen, umgestürzte Grabsteine und angenagte Menschenknochen.... * Mehr will ich nicht verraten - am besten holt ihr euch dieses Buch und lest es in einer dunklen, düsteren Nacht. Freunde von Poe werden bestimmt auch an dieser Geschichte ihre Freude haben.

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