Tim Glencross

 4.3 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor von Barbaren und Barbarians.

Lebenslauf von Tim Glencross

Tim Glencross studierte moderne Philologie in Cambridge. Er ist Anwalt und arbeitet in London. Für ein Kabinettsmitglied hat er Reden geschrieben und Hintergrundrecherche gemacht. "Barbaren" ist sein Debütroman und erscheint im August 2015 beim Berlin Verlag. Glencross arbeitet derzeit an einem zweiten Roman.

Alle Bücher von Tim Glencross

Barbaren

Barbaren

 (3)
Erschienen am 10.08.2015
Barbarians

Barbarians

 (1)
Erschienen am 22.05.2014

Neue Rezensionen zu Tim Glencross

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Melpomenes avatar

Rezension zu "Barbarians" von Tim Glencross

Sehr unterhaltsam!
Melpomenevor 2 Jahren

Oberflächlich betrachtet, schreibt Tim Glencross über nichts Neues. Seine abgeklärte Sicht auf die intellektuell-politische Elite (zu der er übrigens auch gehört), die ihre Triebhaftigkeit und Langeweile mehr schlecht als recht hinter Bildung und Sophistikation verstecken, ist nicht revolutionär. Trotzdem lesenswert wird Barbarians aufgrund seines Witzes und vor allem durch Glencross‘ Talent, Erzählstränge ungezwungen ineinanderzuweben, ohne dabei Aspekte fallenzulassen. Besonders sensibel beschrieben ist die Beziehung von Buzzy und Marcel, die sich anfangs als eine literarisch wohlbekannte, leidenschaftliche Affäre abzeichnet, aber sich angesichts der Lebenswirklichkeit und der seltsamen Inkompatibilität der beiden antiklimaktisch entwickelt: „The fear is always there that their intimacy is not quite special enough, as if he has very precisely measured her qualities and found they fall fractionally short (how could they not?) of what Afua can give him. […] But you consented to this, she’ll see in Marcel’s dark eyes. You wanted to be my creature. She did.“ (Seite 286) 
Buzzy als untypische Dichterin, die mehr zynisch als romantisch durchs Leben geht und kaum Einsicht in die Gedanken und vor allem Gefühle der Menschen hat, die sie umgeben, ist anfangs noch unbestrittene Sympathieträgerin des Romans. Henry, der mit seiner hoffnungslosen Verliebtheit in Buzzy als ständig unterlegener Schwächling der Familie Howe präsentiert wird, entwickelt sich zum Ende des Romans zum Entscheidungstreffer und Handlungsbestimmer. Ein besonderes Bonbon für den komplexitätshungrigen Literaturstudenten sind die Bezüge auf verschieden Werke des Kanons der Weltliteratur (Flaubert, „Middlemarch“, Keynes‘ „The Turn of the Screw“, Trollopes „Can You Forgive Her?“, „Clockwork Orange“, Tolstoy, „Age of Innocence“). Sie dienen nicht nur dem Beweis der Belesenheit sowohl der Figuren als auch des Autors, sondern sind essentiell für die Handlung: „If it weren’t for all those drawing-room scenes in Eliot and Austen, Tolstoy and James which […] Henry would never have read so assiduously if he hadn’t in the first place been searching for a way to connect with Buzzy, he wouldn’t have immediately understood Marcel’s blush for the guilty admission it was.“ (Seite 302) 
Barbarians ist nicht nur ein Roman über einen Teil der englischen Elite, sondern auch über Kunst und ihren Wert in der modernen Gesellschaft. Wieviel Romantik kann sich der aufgeklärte und abgeklärte Mensch überhaupt noch erlauben, ohne abgehoben oder naiv zu erscheinen?
Barbarians war für mich das ideale Buch für die Sommerferien. Inhaltlich (und auch sprachlich!) ist es anspruchsvoll genug, um nicht jede Seite aufs Neue mit den Augen zu rollen; clever, sehr witzig, mehrschichtig und eloquent geschrieben, lässt es sich entspannt lesen.

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M

Rezension zu "Barbaren" von Tim Glencross

Mit Längen
michael_lehmann-papevor 3 Jahren

Mit Längen

Nur zu Anfang, in der „ersten Runde“, wird der teure Champagner ausgeschenkt, im Nachgang werden natürlich billigere Marken den Gästen offeriert.

So ist das bei den Partys und Empfängen der Howe-Deprees. Er Kabinettsmitglied (noch), sie links-intellektuelle Feministin (was man privat am Frühstückstisch nicht immer merkt).

Eine Art des Umgangs mit dem teuren Getränk, dass sich wie ein roter Faden auch für das Leben und feiern und „sich um sich selbst kümmern“ der Protagonisten als bezeichnend wertend kann. Und was auch viele der Persönlichkeiten im Buch durchaus treffend charakterisiert. Dass nicht gehalten wird, was der erste, teure und gebildete Eindruck zu versprechen scheint.

Die Fassade, der erste Eindruck, das wirkt souverän, verantwortungsvoll, mit einer festen Meinung ausgestattet. Doch der „Nachgeschmack“ verliert sich in einer Form moderner Dekadenz, die sich Seite um Seite durch die „höhere Gesellschaft“ der Zeit am Ende der Regierung Tony Blairs und dem Übergang zur neuen Regierung hindurch zieht.

Glencross verfolgt diese Lebensweise in ihren verschiedenen Ausprägungen anhand von zunächst vier Personen, die unterschiedliche Persönlichkeiten, einen unterschiedlichen Umgang mit den Herausforderungen der Zeit und eine überquer liegende Beziehung zueinander pflegen.

Afua, farbige Adoptivtochter der Howe-Duprees ist die Schönheit der Gesellschaft. Klug, gebildet, nicht sonderlich eingebildet und dennoch ein Rädchen im Getriebe, das ihr Vater geschickt in Gang setzt, um ihr eine politische Karriere zu ebnen.

Henry, ihr Stiefbruder, wirkt demgegenüber farblos (im wahrsten Sinne des Wortes), nimmt aber ebenso die Verbindungen seiner Familie für erste berufliche Schritte an, wie seine Stiefschwester.

Während er für Elizabeth (Buzzy) still schwärmt. Die wiederum als Literatin versucht, zu reüssieren, äußerlich fremd wirkt in der illustren Gesellschaft, heimlich für jenen jungen Mann schwärmt, der Afua im Lauf der Ereignisse ehelichen wird und ebenfalls, im Inneren, eigentlich nur dazugehören möchte (und dementsprechend einen tiefen Stachel der Eifersucht Afua gegenüber doppelt in sich trägt).

Aber wirklich bedeutsam, spannend oder wichtig zu wissen ist das Meiste eher nicht, was diese Hauptpersonen mit den auftretenden Nebenpersonen in ihrem Leben so dringend gestalten.

Neben diesen vier Protagonisten führt Glencross mit erkennbar differenziertem Sprachschatz und Sprachstil von Beginn an, auf der „Eröffnungsparty“ des Buches, vielfache weitere Personen ein, die immer wieder im Lauf der Erzählung auftauchen (und zu denen weiterhin andere , neue Figuren hinzutreten) und deren verbindendes Element letztendlich die jeweilige Egozentrik und eine gewisse Langeweile am und im Leben darstellt.

Eine Art „gepflegter Langeweile“, die auch den Leser überkommt (und in die Glencross den Leser emotional gut mit hineinnimmt), ebenfalls bereits im Verlauf des ersten Empfanges auf den ersten Seiten des Buches.

Ausufernd, von immer wieder andern Seiten her, mit prägnanter Bildsprache und vielen Worten beschreibt Glencross den Ablauf dieses Empfanges, der sich letztendlich einfach in Belanglosigkeit und Desinteresse aneinander erschöpft (die Bierflasche, die Buzzy dort öffnet und die eigentliche ein Kunstwerk darstellt, ist da schon der Höhepunkt der Spannung).

Sicherlich liefert Glencross sprachlich einen sehr treffenden, modernen, inhaltlich bissigen Gesellschaftsroman eines Englands der „liberalen Moderne“ ab, innerlich aber packt es den Leser nicht unbedingt, immer die gleichen Abläufe, Kunstgespräche, kleinen Karriereplanungen und internen Verflechtungen dieser politischen „High Society“ zu verfolgen. Zudem verwirrt späterhin die schiere Anzahl an Personen, Nebenpersonen und kleinen Ereignissen.

Dabei ist zu befürchten, dass Glencross die entsprechende Lebensweise und die mangelnde Tiefe des Denkens und der alltäglichen Gestaltung durchaus realistisch trifft. Spannend ist das nicht und nach einer Weile, trotz der Schwemme an gut gesetzten Worten, auch nicht durchgehend unterhaltsam.

Wohl aber bietet Glencross einen sehr präzisen Blick in das Innere jener Klassengesellschaft, die in England grundlegende Tradition besitzt und sich, egal in welcher „offiziellen Gesinnung“ von politisch links bis rechts in gleicher Weise sin den immer gleichen Haltungen selber am Leben hält.

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JulesBarroiss avatar

Rezension zu "Barbaren" von Tim Glencross

Intelligenz, Humor und komplexe Charaktere
JulesBarroisvor 3 Jahren

Barbaren – Tim Glencross (Autor), Tanja Handels (Übersetzerin) - 416 Seiten, Berlin Verlag (10. August 2015), 22,00 €, ISBN-13: 978-3827011664

„Barbaren“ ist ein hervorragendes Debüt: ein seltsames, manchmal unangenehmes, oft sehr lustiges Buch über Status, Macht und Sein, über Liebe, Politik und Verrat im London der Jahre 2008 bis 2011.

„Barbaren“ das Schicksal von vier jungen Leuten, wie sie die ersten Schritte auf der Karriereleiter hochsteigen.

Da ist zunächst die Familie Howe: der Patriarch Sherard Howe, Kunstliebhaber, Magazin-Verleger und gut vernetzt. Seine Frau Daphne ist im Begriff, ihr zweites Buch zu veröffentlichen. Ihr erstes, feministische Buch aus den 1960er Jahren, ist noch in Erinnerung.

Ihr Sohn Henry ist im Begriff, einen gut bezahlten Job als Privatlehrer zu erhalten. Afua, die atemberaubend schöne angenommene schwarzafrikanische Tochter hat politischen Ambitionen.

Marcel ist ihr Freund, ein Firmenanwalt und Sohn eines belgischen Ex-Ministers. Afuas angebliche "beste Freundin", Buzzy, ist ebenso in ihn vernarrt. Buzzy (Elizabeth Price), eine Möchtegern-Dichterin mit einem Minderwertigkeitskomplex. Sie ist die Hauptperson

Zahlreiche Nebenfiguren tauchen in der und aus der langwierigen Handlung auf: Anwalt Philip, der Chef von Marcel; Alec und seine Frau Fiona und viel andere: Tim Glencross zeichnet ganz großartig diese komplexen Porträts, basierend auf: was denken alle anderen von ihnen und was sie von sich selbst denken, ein weites Feld der Verwirrungen, Täuschungen, Ängste und Hoffnungen. Und vor allem, wie sie sich im Laufe der Geschichte entwickeln. Wie in den Klassikern des sozialen Realismus, werden einige vom Glücksrad erfasst, andere zusammenbrechen.

Der Roman gliedert sich in zwei Teile: Im ersten Teil lernen wir die Familie, Freunde und deren Aufstieg kennen. Und dann, ein paar Jahre später, sehen wir, dass das Leben es nicht gut mit ihnen gemeint hat. Diese Komplexen Porträts und auch der sehr brillante, fast aufwendige, sehr ausführliche Schreibstil, machen es zu einem Buch, dass man stückweise und nicht in einem Zug lesen sollte.

„Barbaren“ ist eine Satire des Grotesken bevölkert von schrecklichen Menschen (mit Ausnahme von Henry und Buzzy). Sie sind im im Großen und Ganzen protzige Sucher egoistischer Ziele und Freuden. Unerwiderte Liebe ist die treibende Kraft der Glencross Geschichte. Es ist ein aufrichtiger, gut zusammengestellter, angenehm altmodischer Roman, der uns etwas Reales über die Art, wie wir heute leben begreifen lässt.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Berlin Verlages

http://www.berlinverlag.de/buecher/barbaren-isbn-978-3-8270-1166-4

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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auf 2 Wunschlisten

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