Tappt in viele der typischen „Film zum Buch“-Fallen. Ich kenne den Film nicht, aber mir haben bei dem Buch wichtige Qualitäten gefehlt.
Kategorien: Action | Dystopie |Moralische Fragen
Worum dreht sich die Handlung?: Der Klimawandel hat Welt und Gesellschaft, wie wir sie kennen, zerstört. Nur wenige haben überlebt. Marie macht sich mit ihrer kleinen Schwester Leonie und ihrem Freund Phillip auf in Richtung Berge, wo es angeblich wieder Wasser gibt. Im Gepäck ihre gesamten Vorräte (nicht viel) und viel zu wenig Benzin. Allein diese Besitztümer machen sie schon zu lohnenden Opfern in einer Welt, in der jeder ums Überleben kämpft. Dazu kommt noch die sengende Sonne, die jeden tötet, der nicht gut genug vermummt ist…
Große Themen im Hintergrund: Überleben und Menschlichkeit, Klimawandel
Persönliche Notiz: Ich habe das Gefühl, viele der Nachteile entstehen durch die Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, einen vermutlich recht kurzen Film (ich kennen ihn nicht) in ein Buchformat zu verwandeln. Die Scheu davor, etwas hinzuzufügen mag dem Vorhaben vielleicht im Wege gestanden haben – während „Buch zu Film“ oft Probleme mit den Kürzungen hat, leidet „Film zu Buch“ umgekehrt und mangelnder Innenperspektive, übertrieben bildlicher Schilderung, Lücken und inkonsistenter Erzählperspektive. Ich fürchte, in diese Falle ist das Buch getappt. Ich kann allerdings auch nicht beurteilen, wie viel die Filmvorlage überhaupt hergibt.
Teilbewertung (Legende *= hat mich nicht überzeugt, **= ausbaufähig, ***=solide/gut zu lesen, ****= sehr gut/klare Empfehlung, *****= exzellent/schwer zu erreichen):
- Handlung *°
Vorweg – das Setting ist nicht schlecht. Es wurde nur leider nicht ausgeschöpft. Die Handlung baut sich als Einführung langsam auf – dann geht auf einmal alles sehr schnell. Die einzelnen Elemente passen ins Setting, halten aber keine großen Überraschungen bereit. Die Verhältnisse der einzelnen Elemente zueinander, was Raum und Aufmerksamkeit angeht, lassen teilweise die Relationen vermissen. Irgendwie wird alles zu oberflächlich abgehandelt. Das eine Mal, als es um moralische Grundsatzfragen geht, werden diese sehr platt formuliert.
- Aufbau *
Die Handlung wird einfach und linear erzählt (mehr wäre auch nicht drin), weist dabei aber große Sprünge auf und irgendwie wartet man bei den nicht mal 200 Seiten die ganze Zeit auf den großen Knall. Der nicht kommt. Nur ein großer Zeitsprung kann das Buch schließlich zum Ende bringen (im Film wahrscheinlich auch so).
- Charakterzeichnung *
Die Charaktere bleiben blass. Wahrscheinlich wollte der Autor die Charaktere aus dem Film nicht mit zu viel Eigenideen unterfüttern – verständlich, tat dem Buch aber nicht gut. Charaktere werden kurz eingeführt und erhalten dann nicht nennenswert mehr Tiefe. Der einzige „interessantere“ Charakter wird am Ende fast gänzlich auf Wahnsinn reduziert – verschenktes Potential. Man merkt, dass die Charaktere im Film hauptsächlich „von außen“ beobachtet werden – dies wurde so weiter umgesetzt. Auch die emotionale Reaktion von Charakteren auf Extremsituationen wirkt leider teils klischiert und roboterhaft und scheint keine tiefen Spuren zu hinterlassen. Die Beschreibung der Emotionen wirkt lieb- und empathielos und arbeitet viel mit Klischees. Interaktionen (abgesehen von der Schwesterbeziehung und der Beziehung zur Antagonistin) sind nicht immer authentisch.
- Sprache und Stil *
Sprache und Stil sind, vorsichtig ausgedrückt, sehr einfach. Die Sätze sind möglichst kurz und der Wortschatz überschaubar. Oft wird sehr detailliert Äußeres beschrieben, so als würde jemand seine Gedanken beim Filmschauen mitprotokollieren. Dabei wird immer wieder zwischen auktorialer und personaler Erzählweise gewechselt, teils fließend (Person wird beim Schlafen beschrieben und im gleichen Absatz ihre Gedanken erläutert, teils wörtlich). Das hat mich ehrlich gesagt stark irritiert.
- Zielgruppe(n)
Leute, die den Film mögen, können an dem Buch wahrscheinlich Freude finden, da man den Film vermutlich exakt vor dem inneren Auge reproduzieren kann. Allerdings sollte man ohne allzu großen literarischen Anspruch an das Buch gehen.
- Fazit *
Leider war der literarische, sprachliche und psychologische Anspruch des Buches viel geringer als ich gedacht habe. Das dystopische Szenario huschte oberflächlich vorbei, es scheint etwas, als hätte sich der Autor nicht getraut, etwas zum Film dazuzuerfinden und daher hauptsächlich beschrieben, was man auch im Film sieht. Die Emotionen und Innenschau bleiben (vermutlich daher?) recht flach. Stil und Handlung ruckeln und springen immer wieder. Wohl eher etwas für eingefleischte Liebhaber des (mir unbekannten) Films.




