Tim Parks

 3,9 Sterne bei 283 Bewertungen
Autor von Stille, Die Kunst stillzusitzen und weiteren Büchern.
Autorenbild von Tim Parks (© Basso Cannarsa)

Lebenslauf

In das Land, wo die Zitronen blühn: Tim Parks, geboren 1954 in Manchester, lebt heute mit seiner Familie in Verona und lehrt an der Universität Mailand. Er schreibt regelmäßig für den New Yorker und die New York Times. Er ist ein profunder Kenner Italiens und hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Sein Roman »Stille« von 2006 beispielsweise war ein großer Publikumserfolg und steigerte den internationalen Erfolg des Autors. Parks gewann zahlreiche Literaturpreise, darunter den Somerset-Maugham-Award.

Alle Bücher von Tim Parks

Cover des Buches Stille (ISBN: 9783888978364)

Stille

(51)
Erschienen am 15.12.2012
Cover des Buches Eine Saison mit Verona (ISBN: 9783442453740)

Eine Saison mit Verona

(22)
Erschienen am 16.03.2005
Cover des Buches Die Kunst stillzusitzen (ISBN: 9783442476404)

Die Kunst stillzusitzen

(23)
Erschienen am 17.09.2012
Cover des Buches Thomas & Mary (ISBN: 9783442487813)

Thomas & Mary

(20)
Erschienen am 17.12.2018
Cover des Buches Träume von Flüssen und Meeren (ISBN: 9783888976070)

Träume von Flüssen und Meeren

(17)
Erschienen am 15.11.2012
Cover des Buches Der ehrgeizige Mr. Duckworth (ISBN: 9783442484911)

Der ehrgeizige Mr. Duckworth

(18)
Erschienen am 17.04.2017
Cover des Buches Mr. Duckworth wird verfolgt (ISBN: 9783442484928)

Mr. Duckworth wird verfolgt

(11)
Erschienen am 15.05.2017

Neue Rezensionen zu Tim Parks

Buchtropie

Tim Parks erklärtes Ziel, wie es sich in den                         verschiedenen Themen dieser Essaysammlung manifestiert, ist es, alle zu                         selbstverständlichen und darob wunden Punkte in unserem heutigen Verständnis                         von Literatur und Büchern zu finden und an ihnen zu rühren, sie auszustellen                         und umzukrempeln.                                                
In „Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“ geht es nicht primär, wie sonst oft, um die heilsamen Wirkungen, faszinierenden Erlebnisse und relevanten Funktionen der Literatur, sondern um ihre (starren) Glaubenskonzepte, ihre Schwächen und Abhängigkeiten. Und auch wenn Parks als Romanautor, Essayist, Creative-Writing-Lehrer und Übersetzer (auch hier lehrend) sich natürlich nie ganz von den Ideen der Literatur distanziert, hier stellt er sie doch einmal gnadenlos auf den Prüfstand.
Schon die Eingangssequenz fragt „Brauchen wir Geschichten?“ und führt uns alle so hochgerühmten Ideen der Literatur als Schemen und ein Hörensagen vor, konfrontiert uns mit den Hohlräumen und Leerstellen in ihrem so klar und richtig erscheinenden Selbstverständnis.

   Im weiteren Verlauf wird aus dieser grundsätzlichen Hinterfragung ein Netz aus vielfältigen Ansätzen, die meist das Fragwürdige in verschiedenen literarischen Disziplinen und Institutionen, aber auch und vor allem in Entwicklungen, herauskehren. So setzt sich Parks etwa mit der Globalisierung des Buchgeschäfts auseinander (das für ihn als englisch-sprachigen Autor viel Raum bereithält) und er beschreibt, wie viele Romanautor*innen heute zwischen regionalen und weltliterarischen Themen/Ansätzen hin und her geworfen sind, wie die moderne Literatur gefahrläuft omnipräsent, aber dafür gleichförmig und unspezifisch zu werden.
Spannender hingegen als dieses schon etwas geläufigere, durchaus breit rezipierte Problem sind seine unnachgiebige Kritik an Literaturpreisen und seine vielen kleineren Überlegungen zum literarischen Verfahren und der Stellung von Sprache im Verhältnis zur modernen Gesellschaft. So schreibt er an einer Stelle:
 

                                                                   

„Wir haben es also heutzutage mit dem Hang zu tun, das                         Handeln durch das Katalogisieren und Dokumentieren zu ersetzen, eine Illusion                         (oder Simulation) verantwortlichen Handelns zu erzeugen, indem wir die                         sogenannte Arbeit, die dem verantwortlichen Handeln vorausgeht und – in den                         seltenen Fällen, in denen ein solches Handeln noch stattfindet – auf es folgt,                         endlos vermehren.“


Er führt im Anschluss aus, dass Literatur sich lange Zeit als Widerpart der Bürokratie inszeniert/gesehen hat, sprachlich wie auch inhaltlich. Aber ist sie dies noch oder war sie es je? Ist sie nicht stets vom Kampf gegen diese Verkürzung und Festschreibung selbst in die Eitelkeit der Verkürzung und Festschreibung verrutscht (und nur durch die Brechung der Ironie gesehen, steht sie heute noch abseits davon)?

Und führt die Dokumentation des Leids, wie sie ein Großteil der Romanliteratur betreibt, oder die Ironie, die längst von einem Mittel zum Zweck zu einem reinen Zweck verkommen zu sein scheint, irgendwohin? Gäbe es andere Ansätze, denen zu folgen sich lohnen würde?

Parks umkreist diese Fragen, bringt sowohl eigene Überlegungen als auch eine ganze Reihe von Beispielen aus dem angelsächsischen Literaturkosmos mit ein (einige wiederkehrende Autor*innen sind Samuel Beckett, Henry Green, Thomas Hardy und William Faulkner). Seine Haltung ist immer skeptisch, trotzdem merkt man durchaus, dass er selbst sich auch dann nicht von der Literatur lösen könnte, wenn seine polemischen Hiebe tatsächlich Erfolg hätten. Wie Thomas Hettche in „Unsere leeren Herzen“ sucht Parks nicht einfach nur eine originelle Position, nicht nur Schwachstellen, mit deren Entdeckung er sich profilieren kann, sondern auch nach Erkenntnissen hinter diesen Schwachstellen.

 

„Ist jede »locution« (Beschreibung) zwangsläufig auch                         »circumlocution« (Umschreibung, Umschweif), wie Beckett glaubte, und wird der                         Westen sich womöglich langsam und genüsslich selbst die Luft abdrücken und                         unter einem Haufen von Akten ersticken, während er sich zu Tode unterhalten                         lässt von einem Berg an Literatur, die diesen skandalösen Vorgang beschreibt                         und auf bestechende Art und Weise vermittelt?“


Manches Thema wird von Parks etwas zu einseitig betrachtet und seine Ausführungen lassen sich hier und dort leicht abschütteln. Seine Grundsorgen und -überlegungen sind aber oft erstaunlich bestechend. Statt groß zu polemisieren und zu behaupten, zu prophezeien oder glanzvoll zu akzentuieren, nimmt er die derzeitige Buchkultur Stück für Stück auseinander und betrachtet ihr Innenleben. Ihm geht es dabei nicht um Demontage, sondern um die Frage: wie funktioniert das alles? Funktioniert es wirklich? Könnte es auch anders funktionieren?  


                                                                          

Cover des Buches Der Weg des Helden (ISBN: 9783956144851)
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Rezension zu "Der Weg des Helden" von Tim Parks

IB1960
Heldenreise, Liebesgeschichte und große italienische Geschichte in einem Buch

Da Buch handelt von einem der großen Architekten der italienischen Vereinigung, des Risorgimentos. Garibaldi! Der Autor wandert mit seiner Frau auf den Spuren Garibaldis, auf dessen Rückzug von Rom nach Ravenna. Gejagt von den Papsttreuen, den Franzosen, den Österreichern gelingt es Garibaldi durch List und Tapferkeit, sich und seine Getreuen immer wieder aus der sich immer enger werdenden Schlinge der Verfolger zu entziehen. Was mich besonders an diesem Buch gefesselt hat ist auch dem Umstand geschuldet, dass seine erste Frau Anita in der Handlung dabei nicht zu kurz kommt. Sie starb kurz vor Ravenna in sienen Armen. Erschöpft, krank und erneut schwanger.  Die Abenteuer des Helden Garibaldi und seiner Getreuen,  wie auch die Liebesgeschichte mit seiner ersten Frau Anita, begleiten die Abenteuer des Autors auf dem Weg, den er mit seiner Frau nachgewandert ist.  Das Buch gewährt einen tiefen Einblick in die italiensche Seele von damals wie auch von heute. Dieses Buch hat mich so gefesselt, dass ich es in einem Zug über 3 Tage (knapp  500 Seiten) gelesen habe.  

Cover des Buches Hotel Milano (ISBN: 9783956145636)
Dr_Ms avatar

Rezension zu "Hotel Milano" von Tim Parks

Dr_M
Kann man dieses Buch wirklich missverstehen?

Offensichtlich habe ich das gekonnt. Denn wenn ich mir andere Rezensionen ansehe oder Pressebeiträge, dann frage ich mich, ob ich nicht etwa ein anderes Buch gelesen habe. Auch der Autor, den ich schätze, hat sich zu Wort gemeldet. Er hatte die Idee zu diesem Buch tatsächlich während der Corona-Hysterie. Parks legt also die Handlung in den März 2020. Nach seinen Worten geht es in dem Buch um "das lebensverändernde Aufeinandertreffen zweier Wirklichkeiten". Er hätte auch "lebensbedrohendes" oder "lebensbeendendes" schreiben können. Hat er aber nicht. Und so findet es statt:

Frank Marriot wird gefragt, ob er nicht zur Beerdigung seines Ex-Chefs, der ihm einst die Frau ausspannte, nach Mailand reisen würde. Aus verschiedenen Gründen sagt Frank zu. Der Sarg des Verstorbenen fliegt schon über den Atlantik gen Italien. Es muss also schnell gehen. In Mailand checkt Marriot ins Hotel Milano ein, absolviert die Beerdigungsfeier und beschließt, noch ein paar Tage in der Stadt zu bleiben. Dabei bricht die Lockdown-Hysterie über ihn herein. Er kann das Hotel kaum noch verlassen und auch nicht nach London zurückfliegen, denn alles hat dichtgemacht.

Über seinem Zimmer unterm Dach des Hotels klopft es ständig. Als er endlich nachsieht, findet er dort einen alten Mann und ein herumlaufendes Kind, die beide von einer Frau dort versteckt werden. Sie hatte vorher im Hotel gearbeitet hatte und stammt aus Ägypten. Frank entdeckt daraufhin den unreflektierten Helferinstinkt gegenüber Fremden in sich, was allerdings nur schwer zu dem Charakter passt, den uns der Autor vorher vermittelt hat. Denn Frank lebt weltabgewandt und eigenbrötlerisch alleine in London, hat zu seiner Familie kaum Kontakt und gehört zu den Menschen, die die Welt so sehen wie sie nun mal ist. Ein distanzierter, sehr intelligenter und eigenwilliger Mensch. Sicher, er hatte seine zweite Frau unter Selbstaufgabe bis zum Tod gepflegt. Aber das ist eine ganz andere Nummer.

Dem alten Mann auf dem kalten Dachboden geht es schlecht, er ist krank, hat Fieber und hustet. Da wir alle diese Seuche nicht so schnell vergessen werden, ruft eine innere Stimme in uns: Halte dich fern. Doch Frank macht genau das Gegenteil. Erst versorgt er den Alten und das Kind mit Nahrung, dann holt er beide in sein Luxuszimmer und lässt den Mann in seinem Bett schlafen. Es kommt, wie es kommen muss: Frank infiziert sich. Immerhin ist er fast 76, was ihm bekanntlich nicht gerade hilft. Der Ausgang der Geschichte wird dem Leser vorenthalten, aber man denkt sich seinen Teil.

Frank handelt also unvernünftig und dumm und versucht unter Selbstaufgabe einen Fremden zu retten. Im Kleinen agiert er also genau wie Europa im Großen schon seit Jahren. Und zwar unabhängig von dieser Seuche. Natürlich muss man diese Parallele nicht ziehen, aber liegt sie nicht auf der Hand?

Ich finde Parks Erklärungen zu seinem Buch sehr merkwürdig. Bei ihm heißt es, dass er erst während dieser Zeit begriffen hat, dass die europäischen und nicht europäischen Bewohner Mailands die gleiche Luft atmen, sich aber sonst aus dem Weg gehen. Und ausgerechnet, wenn man sich wirklich aus dem Weg gehen sollte, so mein Gedanke, macht Parks Held genau das Gegenteil? Was ist denn das für eine seltsame Geschichte?

Bis sie anfing, also bis zum Klopfen auf dem Dach, hat mich dieser Roman fasziniert. Frank Marriot ist eine Figur, die in ihrer Konstruktion stimmig ist und viel Weisheit in sich trägt. Seine Selbstreflexionen und seine Beobachtungen werden bei einigen, aber sicher nicht bei allen Menschen, auf einen willigen Resonanzboden fallen.

Dann aber kippt die ganze Geschichte. Und irgendwie passt sie in der Folge nicht mehr mit dem Mann zusammen, den man vorher kennengelernt hat. Es sei denn man interpretiert sie als Analogie.

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Zusätzliche Informationen

Tim Parks wurde am 18. Dezember 1954 in Manchester (Großbritannien) geboren.

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