Tim Parks Der ehrgeizige Mr. Duckworth

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Inhaltsangabe zu „Der ehrgeizige Mr. Duckworth“ von Tim Parks

Morris Duckworth kann – in aller Unschuld – einfach nicht verstehen, warum andere Leute reich sind und er nicht. Massimina Trevisan, die reich ist, versteht – in aller Unschuld – nicht, warum sie Morris nicht auch noch haben kann. In einem heißen italienischen Sommer brechen die beiden zu einer Reise auf, bei der alle Unschuld auf der Strecke bleibt.

Morris Duckworth ist selbstverliebt, herablassend, selbstmitleidig, unerträglich, charmant, aalglatt, kurzum: anstrengend aber großartig!

— SitataTirulala
SitataTirulala

Morris Duckworth hat einen Wunsch: Reich zu werden! Doch irgendwie scheint es nicht so recht zu funktionieren? Woran liegt das ...

— Splashbooks
Splashbooks

Was für ein Kotzbrocken, dieser Morris Duckworth! Aber ein wirklich unterhaltsamer und amüsant-makabrer Krimi.

— Gulan
Gulan

Das Buch ist eine tolle Mischung von Genres, mit einem emotionalen Zentrum, das irgendwo zwischen böser Heiterkeit und menschenverachtend

— JulesBarrois
JulesBarrois

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kurzweilig und unterhaltsam

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Obwohl es sich hierbei um einen Kriminalroman handelt, ist dieses Buch doch überraschend lustig.

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    Der ehrgeizige Mr. Duckworth
    TheRavenking

    TheRavenking

    15. June 2017 um 14:30

    "Vielleicht ging es letzten Endes nur darum, wie man sein Leben verbrachte, ohne sich wie ein Narr vorzukommen. Und wenn sie einen nicht durch ehrliche Arbeit oder Heirat zu Geld kommen ließen, vielleicht war es dann gar nicht so falsch oder auch nur kompliziert es zu stehlen. Vielleicht ging es einfach darum, die Augen offen zu halten und auf Gelegenheiten zu warten. Morris gegen den Rest der Welt – so war es schon in der Schule gewesen.                 Dabei ging es eigentlich gar nicht um Geld, sondern viel mehr um Stil. Sollte er jahrelang Hauslehrer bleiben und die Minuten seiner Privatstunden zählen? Sollte er sich weiter im Winter in Decken einwickeln, öffentliche Verkehrsmittel benutzen und unter chronischem Neid leiden müssen, während diese Leute aufgrund ihrer zufälligen Geburt in aristokratischer Anmut dahinlebten? Was gab es für Alternativen? Was konnte ihm die Welt raten? Wie sollte man seine Zeit verbringen? Wie sollte man leben? Die gängige Lebensweisheit (Kopf hoch, Arbeit suchen, schuften und sich aufs Wochenende freuen) führte offensichtlich ins Nichts.               Wenn sie einem schon keine anständige Arbeit gaben, konnte man ihnen wenigstens einen Denkzettel verpassen." Verona, Norditalien, Ende der 1980-er Jahre. Arthur Morris Duckworth ist Englischlehrer und betrachtet sich selbst als gescheiterte Existenz. Der Job ist schlecht bezahlt, Zukunftsperspektiven gibt es kaum. Ohne einen Abschluss musste Morris damals in England die Uni verlassen (ein lächerlicher Fehltritt: ein einziges Mal in seinem Leben hatte er Drogen genommen und wurde prompt dabei erwischt. Weil er aus einer einfachen Familie stammte musste man ein Exempel an ihm statuieren.) Seitdem fühlt er sich vom Leben benachteiligt. Die Reichen können sich alles erlauben, er selbst leidet fürchterlich daran, dass er nur Bürger zweiter Klasse ist.  Kriminell zu werden scheint ihm die logische Konsequenz nach all den Demütigungen, die ihm die Gesellschaft zugefügt hat. Zunächst unternimmt Morris eher aus Langeweile und Abenteuerlust Versuche aus seinem geregelten Dasein auszubrechen. Er entwendet einem Mitreisenden im Zug die teure Aktentasche, stiehlt eine Statue aus der Wohnung eines reichen Zöglings.  Diese Taten verschaffen ihm zwar zunächst Genugtuung. Aber er selbst weiß, das ist nur Kinderkram, kleinliche Racheakte, die auf lange Sicht nichts bringen. Etwas Größeres, Grandioseres muss her.  Morris hat eine irrwitzige Idee: Die Heirat mit seiner wohlhabenden Schülerin Massimina Trevisan soll ihm die Eintrittskarte zur mondänen Welt der Reichen verschaffen.  Als dieses Vorhaben misslingt lässt Morris endgültig alle moralischen Hemmungen fallen: Er entführt Massimina, um ein Lösegeld von der Familie zu erpressen. Die darauffolgenden Komplikationen stellen ihn vor immer größere Probleme. Zumindest findet er hearus, dass Morden im Grunde gar nicht so schwierig ist: "Was ihn am meisten erstaunte, war die Tatsache, dass die Morde so wenig real waren. Wahrscheinlich war die Welt voll von Mörder, Kriegsverbrechern und Kinderschändern, die selbst gar nicht glauben konnten, dass sie so etwas getan haben sollten. Aber jeder war dazu fähig, auch wenn er’s nicht glaubte. Jedes beliebige Küchenmesser konnte zur Mordwaffe werden, und jeder hatte schon tausende Male getötet, wenn auch vielleicht nur im Kopf. Es war nur eine Frage, dass der Wunsch und die Gelegenheit zusammentrafen."  Morris Duckworth besitzt offensichtliche Ähnlichkeiten zu Patricia Highsmiths Antihelden Tom Ripley, doch während  Highsmith es schaffte ihren Protagonisten trotz dessen Handlungen zum Sympathieträger zu machen, bleibt es schwer Morris ins Herz zu schließen. Arrogant, larmoyant, egozentrisch und manchmal geradezu widerwärtig gebärdet sich dieser Hochstapler.  Und dann ist da noch der Stil: Highsmith bedient sich einer sehr klaren, direkten Sprache, die so gar nichts Verschnörkeltes oder um künstlerischen Anspruch Heischendes an sich hat. Der Talentierte Mr. Ripley war ein absoluter Page-Turner, den ich kaum aus der Hand legen konnte. Mr. Duckworths Abenteuer hatten dagegen doch ihre Längen. Vor allem die Passagen, in welchen Morris sich an seinen verhassten Vater erinnert (er schreibt ihm anklagende Briefe, die er nie abschickt und spricht wütende Botschaften auf Band) gestalteten sich mit Dauer etwas ermüdend.  Trotzdem gelingt dem Autor ein zynisch-schwarzhumoriger Thriller, dem aber die Kompaktheit und Eleganz des Highsmith-Klassikers fehlt.  

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  • Anstrengend, unerträglich - großartig!

    Der ehrgeizige Mr. Duckworth
    SitataTirulala

    SitataTirulala

    11. January 2016 um 11:57

    Reichte es denn nicht, dass einem die Mutter wegstarb, der einzige Mensch, der sich je um einen gekümmert und für einen gesorgt hatte? Reichte es nicht, dass man das Kind armer Leute war und sich mit einem stinkenden, Schweinefleisch fressenden Proleten von Vater abfinden musste? Dass man sein ganzes Leben lang gegen den Strom schwimmen musste, dass man von der Universität relegiert worden war und Absagen auf mehr Stellenangebote erhalten hatte, als der Guardian in einem Monat abdruckte? Nein, zu allem Überfluss musste man auch noch in einer Wohnung wohnen, wo jede Nacht so ein verdammter Köter direkt vor der Tür bellte und einen aufweckte, damit man glockenwach daliegen und alles noch einmal nacherleben konnte: die Frustration, das Versagen, das Gefühl, hereingelegt worden zu sein, ignoriert zu werden, die falschen Entscheidungen getroffen und keinerlei Zukunftsaussichten zu haben. Das Gefühl, alle Anstrengungen seien vollkommen sinnlos gewesen. [...] Und das hatte er nicht verdient. Das hatte er ganz bestimmt nicht verdient. Ein langes Zitat zur Einleitung, aber nichts und niemand könnte besser ausdrücken, was Morris Duckworth ausmacht als Morris Duckworth selbst. Kurz vor dem Abschluss wegen eines albernen Zwischenfalls von der Elite-Uni relegiert, arbeitet Morris jetzt als Englischlehrer im italienischen Verona. Er hetzt von Privatstunde zu Privatstunde und lebt von der Hand in den Mund. Nicht gerade das, was er sich für sein Leben vorgestellt hat. Mit seiner Schülerin Massimina Trevisan glaubt er endlich das große Los - oder na ja, zumindest ein annehmbares - gezogen zu haben, denn sie stammt aus einer reichen Familie und ist so vernarrt in ihn, dass sie sich mit ihm verloben will. Wäre da nur nicht ihre erzkatholische Frau Mama, die ihn für schlechten Umgang hält. Als Massimina sich überstürzt dazu entschließt mit ihm durchzubrennen, kommt Morris eine simple, aber geniale Idee, wie er ganz schnell zu Geld kommen kann - und sich dabei in einer Grauzone bewegt, wie er meint. Er ist ja schließlich kein Verbrecher... Morris Duckworth ist selbstgefällig, arroganz, herablassend, unerträglich, badet gerne im Selbstmitleid und überhaupt ist JEDER an seiner Misere Schuld, außer ihm selbst. Sein Vater, der mit seiner Arbeitermentalität kein Verständnis für Morris' Hochschulambitionen hatte, seine Mutter, die viel zu früh gestorben ist und ihn den Fängen des Vaters überlassen hat, seine Privatschüler, die allesamt sein Talent vergeuden, und eigentlich jeder, der sein großartiges Genie verkennt. Also wirklich im Grunde jeder. Ich habe im Vorfeld zu diesem Buch eine Rezension gelesen, in der ich genau darauf vorbereitet wurde. Und diese eine Rezension hat mich sofort überzeugt, mir das Buch aus der Bücherei zu besorgen. Denn Morris Duckworth ist einer dieser Protagonisten, die einen unsagbar gut unterhalten, von denen man aber genau weiß: oh Gott, ich würde den Typen erwürgen, wenn ich ihn im richtigen Leben um mich haben müsste. Genau wie Tony Stark. Den gucke ich mir auch unfassbar gerne auf der Leinwand an, aber vermutlich hätte ich Ironman längst im Schlaf erstickt, wenn ich mit ihm zusammen leben müsste. Tim Parks lässt Morris auch die ganze Geschichte erzählen. Nicht aus der Ich-Perspektive zwar, aber immer sehr sehr nah an ihm dran, um nicht zu sagen mitten in seinen vermessenen, selbstmitleidigen, brillanten, wahnsinnigen Gedanken. Obwohl es wirklich verdammt schwierig ist Morris zu mögen, kann man das Buch doch einfach nicht weg legen. Man verfolgt, wie aus einer ganz harmlosen Gaunerei immer weitere Verstrickungen folgen, bei denen man sich zwischenzeitlich einfach nur die Augen zu halten und brüllen möchte: "MACH DAS NICHT! MACH'S EINFACH NICHT!". Aber ich bin nicht mal sicher, ob es einen Zweck hätte, selbst wenn Morris uns als verzweifelte Leser hören könnte. Der Mann ist unbelehrbar. Tim Parks ist hier also wirklich ein kleines Meisterwerk gelungen, das ich regelrecht verschlungen habe, obwohl der Hauptcharakter so unsympathisch war, dass man ihn fast schon wieder gut finden musste. Das Ende, das mich überrascht und ein bisschen mit offenem Mund hat dasitzen lassen, hat mich jedenfalls schon ganz neugierig auf den zweiten Band gemacht, der sicher alsbald folgen wird. Fünf verdiente Blümchen für Tim Parks Auftakt zur Mr. Duckworth Trilogie, die in diesem Jahr eine Neuauflage im Kunstmann Verlag erfahren hat. Eine unbedingte Leseempfehlung - aber Vorsicht, um Morris Duckworth zu ertragen braucht ihr manchmal echt starke Nerven.

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  • Chapeau, Mr. Duckworth, chapeau!

    Der ehrgeizige Mr. Duckworth
    WortGestalt

    WortGestalt

    Chapeau, Mr. Duckworth, chapeau! Wie Sie sich durch diesen Kriminalroman gemogelt haben, das ringt mir ein gewisses Maß an Achtung ab. Ich kann Sie als Protagonist zwar nicht im Geringsten leiden und wünsche mir ihr Scheitern bei ihren kriminellen Aktivitäten so sehr herbei, wie eine kühle Brise an einem heißen Sommertag, aber dennoch, ihr Romanende war in so hohem Maße vergnüglich, dass ich es zugegebener Maßen kaum erwarten kann, ihre Entwicklung weiter zu verfolgen. Mir scheint, Sie sind noch für die ein oder andere Überraschung gut! Und ihr Autor Mister Tim Parks hat Sie ja glücklicher Weise als Trilogie angelegt, welch freudiger Umstand! Denn auch wenn der Einstieg in den ersten Teil ihre Geschichte „Der ehrgeizige Mr. Duckworth“ ein wenig zwickt und zwackt und kneift wie ein unliebsames Kleidungsstück, was natürlich und, verzeihen Sie mir meine Direktheit, absolut an ihrem widerlichen Charakter und ihrem geradezu verabscheuungswürdigen Wesen liegt, so gelingt es ihrem Geschichtenerzähler Tim Parks durch sein Erzähltalent doch ganz hervorragend, Sie genau so unsympathisch darzustellen wie möglich, nämlich ganz nah an ihren Gedanken dran und doch mit so viel Abstand wie nötig, um seine tiefgreifende Verachtung Ihnen gegenüber, Mr. Duckworth, mit leiser Ironie zwischen die Zeilen zu packen. Ja, ich weiß, diese bittere Pille schluckt man nicht gern, aber Sie müssen der Realität ins Auge sehen, man kann Sie einfach nicht mögen. Sie sind kein netter Mensch. Sie sind weinerlich und zimperlich, ja eine jämmerliche Gestalt, die in Selbstmitleid versinkt und gar nicht einsieht, dass man sich für manche Dinge einfach ein bisschen anstrengen muss. Sie fühlen sich ungerecht behandelt, von allen, vom Leben, vom Schicksal, natürlich von ihrem Vater, von den reichen Leuten, von den Menschen generell, ja man verkennt ja geradezu ihr eigentlich so nobles Wesen. Und doch, wissen Sie, Mr. Duckworth, Sie machen es einem schwer, Sie zerfließen im Selbstmitleid, Sie packen den Stier nicht bei den Hörnern, zumindest nicht in den richtigen Situationen. Zupacken können Sie ja, fernab ihrer Kenntnisse als Englischlehrer im sonnigen Italien schlummern da ja durchaus Talente in Ihnen, die dann im Affekt herausbrechen und einen staunen lassen, ehrlich. Warum nicht einfach mal diese Energie in eine vernünftige Sache investieren? Stattdessen verdrehen Sie so einem armen reichen, jungen Ding den Kopf und erpressen dann ihre Eltern und verstricken sich in einer Geschichte, bei der Sie, in aller Bescheidenheit, wirklich mehr Glück als Verstand hatten. Und ich bin da auch ganz offen, ich mag Sie wirklich nicht. Aber wie schon eingangs erwähnt, besitzt ihr Autor das Können, stilistisch auf hohem erzählerischen Niveau ihre Figur in eine Geschichte zu verpacken, die einen so hohen Unterhaltungsfaktor entwickelt, dass ich doch sehr bereitwillig viel mehr Zeit mit Ihnen verbringen mochte, als ich es für möglich gehalten hätte. Seien Sie diesem Mann also dankbar, denn so unglaublich ungern man Sie, Mr. Duckworth, eigentlich um sich haben möchte, so gern möchte man mehr von Ihnen lesen und ich für meinen Teil freue mich ganz besonders auf ein Wiedersehen in ihrem zweiten Band „Mr. Duckworth wird verfolgt“. Fazit: Was hier in diesem Kriminalroman passiert, ist schon irgendwie ganz großes Kino. Der Protagonist ist ein Arschlochkind par excellence, ein widerlicher Charakter, der vom Autor Tim Parks so kunstvoll in Szene gesetzt wird, dass es am Ende schlichtweg eine wahre Freude ist. Dem erzählerischen Talent von Tim Parks muss man huldigen, den Leser so viel Zeit mit einer Figur verbringen zu lassen, die er eigentlich nicht um sich haben möchte und dabei so gut zu unterhalten, chapeau! Bewertung: 84 % Stil: 5/5 | Idee: 4/5 | Umsetzung: 4/5 | Figuren: 4/5 | Plot-Entwicklung: 4/5 | Tempo: 4/5 | Tiefe: 4/5 | Komplexität: 4/5 | Lesespaß: 5/5 | = 4,22 Punkte Rezension auch auf: http://wortgestalt-buchblog.blogspot.de

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    • 3
    WortGestalt

    WortGestalt

    27. September 2015 um 10:16
  • Das Gute gewinnt nicht immer

    Der ehrgeizige Mr. Duckworth
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    25. August 2015 um 10:28

    Morries Duckworth ist von Englang nach Italien ausgewandert und schlägt sich seitdem in Verona als Privatlehrer durch. Obwohl das Geld bei ihm immer sehr knapp ist, lebt er meist über seine Verhältnisse. Denn schließlich hat er Stil, ist intelligent, sieht gut aus und ist fleißig. Nur haben das die anderen bisher einfach noch nicht begriffen und deshalb kassiert er bei Stellenausschreibungen für bessere Jobs immer wieder Absagen.  In der Schule, in der er ein paar Stunden arbeitet, verliebt sich dann aber die ebenso reiche wie einfältige Schülerin Massimina in ihn. Durch eine Heirat erhofft sich Morries nun endlich in bessere Kreise aufzusteigen und ein Leben, das seinem Niveau entspricht, führen zu können. Doch Massiminas Mutter, Seniora Trevisan, macht ihm zunächst einen Strich durch seine Rechnung und verbietet den beiden den Umgang miteinander. Doch was ein echter, vom Schicksal Benachteiligter ist, der lässt sich nicht von einer unvernüftigen Mutter von seiner "großen Liebe" fernhalten. Und so wird er quasi dazu gezwungen, mit seiner Angebeteten "durchzubrennen". Um aber trotzdem noch an Geld zu kommen, verkauft er die ganze Aktion als Entführung und versucht sich damit von der Familie Trevisan seine "Unkosten" zu erpressen. Aber wie das Leben eben so spielt, kommt alles anders als geplant und dann muss man schon mal zum Mörder werden um an sein Ziel zu kommen. Die anderen haben es schließlich nicht anders gewollt. Meine Meinung: Auf den ersten Seiten erinnerte mich Mr. Duckworth an den "talentierten Mr. Ripley" und ich erwartete eine Geschichte in der Art von "Catch me, if you can". Doch nach und nach stellte sich heraus, dass der Roman nun wirklich nichts mit den beiden Geschichten gemein hat. Morries Duckworth ist so ganz anders. Er ist sehr narzistisch veranlagt, überheblich und verfügt über ein sehr geringes Selbstwertgefühl. Und wäre das nicht eigentlich schon genug, ist er in gewisser Hinsicht auch noch tolpatschig und ja, auch ein bisschen psychopathisch. Zusammengefasst, Tim Parks Protagonist hat wirklich an meinen Nerven "gezerrt" um nicht zu schreiben er hat mich wahnsinnig gemacht. Aber, das muss man dem Autor lassen, seine Geschichte hat einen tollen Spannungsbogen und nimmt an den passenden Stellen richtig "Fahrt" auf. Zeitweise ist man wirklich gespannt, wie die Geschichte sich weiter entwickeln wird. Und ich für meinen Teil habe meist gehofft, dass die Figur endlich zur Strecke gebracht wird. Daher war für mich Mr. Duckworth ein richtiger Antiheld, der von Tim Parks als vielschichtiger Charakter angelegt ist und im Verlauf der Geschichte seine Facetten zeigt.  Generell lässt sich festhalten, dass dem Autor seine Figuren wirklich gut und überzeugend gelungen sind. Die Reihe ist als Trilogie angelegt, so dass das Ende des ersten Teils Raum für eine Fortsetzung bietet. So findet man am Schluss der Geschichte bereits einen Auszug des nächsten Bandes, der dem Leser Appetit auf den zweiten Teil macht. Fazit: Eine gut durchdachte Geschichte, mit einem unsymphatischen "Helden".

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  • Erinnert an Patrcia Highsmiths Tom Ripley

    Der ehrgeizige Mr. Duckworth
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    15. July 2015 um 08:25

    Morris Duckworth, der Protagonist dieses schon 1990 erschienenen Buches von Tim Parks stammt aus England. Dort war er trotz guter Studienleistungen wenig erfolgreich und geht nach Italien um dort sein Glück zu machen. Er lebt in Verona und arbeitet dort an einer Schule, aber auch als Privatlehrer für Kinder von Leuten, die alles haben. Alles das, was, wie Duckworth findet, ihm schon lange zusteht. Er fließt über vor Selbstmitleid, hadert mit seinem Schicksal, das ihm wie er findet, arg mitgespielt hat und ihm um sein richtiges Leben betrogen hat und jeden Tag weiter betrügt. Eine seiner Schülerinnen aus reichem Hause hat sich in Morris verliebt und der wittert seine Chance, mit einer Heirat endlich an das große, alte Geld zu kommen. Massiminas Mutter allerdings hält davon gar nichts, und die beiden beschließen zu fliehen, wobei durchaus das Mädchen die treibende Kraft ist. Da sie aber mit dem mitgenommenen Geld sehr geizig umgeht, ist Morris` Kasse nach wie vor chronisch knapp. Mit verschiedenen Ganovenstreichen versucht er vergeblich an Geld zu kommen. Mit jeden Mal werden seine Straftaten schwerer, doch Massimina merkt nichts. Mit Morris Duckworth hat Tim Parks einen Ganoven geschaffen, der an Highsmiths Tom Ripley erinnert. Wenig sympathisch lügt und betrügt er sich durch die Welt. Immer ist alles die Schuld der anderen, die sein Genie nicht sehen und ihm nicht das geben, was er für sich permanent in Anspruch nimmt, viel Geld und Ruhm. Zunächst voller Selbstmitleid, wir Morris immer härter, böser und gnadenloser in der Durchsetzung seiner Ziele. Tim Parks gelingt es, dieser Figur so viel Charme zu geben, dass der Leser trotz ihres abstoßenden Charakters das Buch bis zum Ende nicht aus der Hand legen kann. Ein Ende, das gar keines ist, denn für Juli und September sind von Kunstmann die beiden weiteren Bände der Parks`schen Trilogie über Morris Duckworth schon abgekündigt.

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  • Der ehrgeizige Mr. Duckworth, rezensiert von Götz Piesbergen

    Der ehrgeizige Mr. Duckworth
    Splashbooks

    Splashbooks

    04. July 2015 um 08:53

    Jeder will reich sein. Es ist der älteste Wunsch eines jeden modernen Menschen. Und es gibt viele Wege zum Reichtum. Darunter auch so manch illegaler und krimineller. Tim Parks widmet sich letzteren Versuchen, und zwar mit seinem Buch "Der ehrgeizige Mr. Duckworth". Der Autor wurde 1954 in Manchester geboren. Er studierte an der Cambridge Universität und an Harvard. Seit 1981 lebt er in Italien, nahe Verona. Er hat schon mehrere Romane und Sachbücher geschrieben, ebenso, wie er italienische Werke ins Englische übersetzt hat. Morris Duckworth will vor allem eins: Reich werden! Er hat genug von seinem Leben, in dem das Geld ständig knapp ist und die Arbeit ihm so recht keinen Spaß macht. Aus diesem Grund will er auch die wunderschöne, reiche Massimina Treviasn heiraten. Doch der Plan scheitert an ihrer Familie, die das verhindert. Doch Massimina sieht das nicht ein. Sie liebt Morris Duckworth und brennt deshalb eines Tages, inmitten eines heißen, italienischen Sommers, mit ihm durch. Nur ist sie nicht die hellste und das Geld ist auch schnell alle. Was also tun? Beworben wird "Der ehrgeizige Mr. Duckworth" als Kriminalroman. Eine Kategorisierung, die nur bedingt stimmt. Es ist wahr, das allerlei Verbrechen hier passieren. Doch die Darstellung dieser Ereignisse wird auf eine herrlich witzige Art und Weise geschrieben, dass die Verbrechensthematik darüber in den Hintergrund gerät. Vielmehr geht es in dem Buch vor allem um eins: Um den Versuch des Titelhelden, so schnell wie möglich reich zu werden. Und dabei scheitert er auf der ganzen Linie. Immer und immer wieder versucht er es. Er macht sich die besten Pläne und versagt dann vor allem an seiner eigenen Unfähigkeit.Rest lesen unter: http://splashbooks.de/php/rezensionen/rezension/22086/der_ehrgeizige_mr_duckworth

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  • Talentierter als Mr. Ripley?

    Der ehrgeizige Mr. Duckworth
    Gulan

    Gulan

    Was Morris noch mehr faszinierte, war die Tatsache, dass er keinerlei tiefgreifende Veränderung an sich bemerkte. Sorgfältig hatte er sein Gewissen erforscht und nach einem Trauma gesucht. Aber das Ereignis hatte nichts hinterlassen. Keine geistige Lähmung oder Behinderung, ja nicht mal einen nachhaltigen Schrecken. Es funktionierte alles ganz ausgezeichnet. […] Er hatte schließlich nicht töten wollen. Es hatte keinerlei Vorsatz gegeben, die Tat war völlig spontan gewesen. Dieser widerliche, geile Idiot hatte es gar nicht anders verdient, er hatte ihn ja förmlich dazu gezwungen, und Morris wollte verflucht sein, wenn er sich deswegen das Herz schwer machte. (S.179) Morris Duckworth schlägt sich mehr schlecht als recht als Englischlehrer in Verona durch. Eigentlich unter seiner Würde, denn er ist auf jeden Fall zu Höherem geboren. Er will in der Gesellschaft höher kommen und am vielversprechendsten erscheint ihm seine Liaison zu seiner noch nicht ganz volljährigen Schülerin Massimina Trevisan. Doch deren Familie missbilligt die Verbindung. Als Massimina von zu Hause wegläuft, kommt Morris die Idee: Er entführt Massimina ohne ihr Wissen und erpresst Lösegeld. Eine aufregende Reise durch Italien beginnt. Der Brite Tim Parks wohnt inzwischen seit über dreißig Jahren in Italien und arbeitet als Literaturprofessor. Als Autor schreibt er Romane verschiedener Genres und auch zahlreiche Sachbücher, oft über das Leben in Italien. „Der ehrenwerte Mr. Duckworth“ erschien erstmals im Jahre 1990, in Deutschland ein Jahr später unter dem Titel „Italienische Verhältnisse“. Fünf Jahre später erschien der Nachfolgeband „Mimis Vermächtnis“. Nun hat Tim Parks einen dritten Band um Morris Duckworth verfasst. Diese Trilogie erscheint nun in kurzem Abstand diesen Sommer beim Verlag Antje Kunstmann. Der Roman ist aus der Sicht der Hauptfigur Morris Duckworth verfasst. Morris ist von Beginn an hochgradig unsympathisch: Eingebildet, selbstverliebt, selbstmitleidig. Sein Job als Englischlehrer ist ihm zuwider, er verachtet seine Schüler für ihre schwachen Leistungen. Er hofft, über Kontakte in der Veroneser Gesellschaft aufzusteigen. Dazu hat er sich Massimina Trevisan angelacht. Sie ist tatsächlich hoffnungslos in ihn verknallt, für ihn ist sie nur Mittel zum Zweck. Morris verfolgt eiskalt seine Ziele: Reichtum und Ansehen. Skrupel kennt er eigentlich nicht, er gibt vielmehr den anderen die Schuld für den weiteren Verlauf der Ereignisse. Der Roman ist in einem amüsanten spöttisch-makabren Ton verfasst. Der Leser bleibt eng bei Morris und in seinen Gedankengängen. So richtig an Fahrt gewinnt das Buch, als Morris und Massimina aus Verona flüchten und sich auf eine Reise durch Italien begeben. Sie glaubt, mit ihrem Traummann auszubüxen, hinterlässt aber scheinbar beruhigende Postkarten an ihre Familie. Die Morris natürlich nie abschickt. Er hingegen versucht, eine Erpressung durchzuziehen und steht ständig unter Stress. Köstlich, wie er zum einen Massimina bei Laune halten muss, aber permanent Gefahr läuft, dass sie von der Erpressung erfährt. Außerdem muss er immer die allerdings nicht sehr effiziente italienische Polizei fürchten. Der Titel des Romans spielt natürlich auf Patricia Highsmiths berühmten Kriminalroman „Der talentierte Mr. Ripley“ an. Tatsächlich hat „Der ehrenwerte Mr. Duckworth“ einige ähnliche Motive oder Reminiszenzen, birgt aber eine eigenständige Geschichte Er wirkt durch den heiteren Ton frischer und hat mir im direkten Vergleich sogar etwas besser gefallen. Alles in allem ein wirklich lesenswerter Krimi. Eine amüsant-makabre Psychostudie eines Soziopathen und nebenbei ein Roadtrip durch „Bella Italia“ mit einem Einblick in italienische Verhältnisse in den 1980ern.

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    • 9
  • Heiter, kalt und böse – ein makaber Thriller

    Der ehrgeizige Mr. Duckworth
    JulesBarrois

    JulesBarrois

    27. May 2015 um 07:56

    Der ehrgeizige Mr. Duckworth – Tim Parks (Autor), Lutz-W. Wolff (Übersetzer) 300 Seiten, Verlag: Kunstmann, A; Auflage: 1 (27. Mai 2015), 16,95 €, ISBN-13: 978-3888979309 Ganz ruhig und subtil erschafft Tim Parks Figuren aus ihren Handlungen, Gedanken und ihrem Verhalten heraus in diesem sehr geschickten und ansprechenden Thriller. Wir treffen Morris Duckworth, ein unterbezahlter Englischlehrer in Verona, der geradeso seinen Lebensunterhalt verdient. Was er natürlich nicht verstehen kann ist, dass andere Leute, wie zum Beispiel einige seiner Schüler, reich sind und er nicht.  Man fühlt zunächst eine gewisse Sympathie für Morris oder Morri, wie seine 17-jährige italienische Freundin Massimina Trevisan ihn nennt. In dieser Freundin sieht er auch die Lösung seiner finanziellen Misere. Doch Signora Trevisan, die Mutter, beschließt diese Freundschaft zu beenden. Sie hat aber die Rechnung ohne Massiminias Gefühle für Morris gemacht. Beide laufen weg, brechen auf in einem heißen italienischen Sommer. Morris Duckworth, der Protagonist, wird immer mehr zum Anti-Helden und unsere anfängliche Sympathie für ihn schlägt um. Einerseits hoffen wir, er möge zur Besinnung kommen. Andererseits wünschen wir uns, er würde festgenommen und irgendwo weggesperrt, damit er keinen weiteren Schaden mehr anrichten kann. Doch seine nachfolgenden Taten führen immer zu weiteren, noch verzweifelteren Aktionen - die er alle damit rechtfertigt, dass er schlecht von Leben behandelt wird. Morris ist ein Narziss mit psychopathischen Tendenzen. Aber wie bei allen solchen Kranken ist er bedacht auf sein eigenes Wohlbefinden, und er kümmert sich mehr um sein Auftreten als um die Realität seiner Beziehung zu Massimina. Tut oder sagt sie etwas, was nicht in seine Konstruktion der Welt passt, dann beginnen wir um ihre Sicherheit fürchten. Tim Parks verknüpft die Handlung und wir sind verblüfft, aber zufrieden. Es hilft, dass die Handlung nur sekundär ist zu Parks komplexer Figur und ihren dunklen Machenschaften. Das Buch ist eine seltsame Mischung von Genres, mit einem emotionalen Zentrum, das irgendwo zwischen böser Heiterkeit und menschenverachtender Kälte liegt. Dieses Buch ist eine hervorragende und unterhaltsame Lektüre. Brillant geschriebenes Stück schwarzen Humors und ein amüsantes, genaues Bild von einem Teil des italienischen Lebens. Das Buch endet auf einem Ton, der Angst im Herzen des Lesers zurücklässt. Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages: http://www.kunstmann.de/titel-0-0/der_ehrgeizige_mr_duckworth-920/ Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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