Tim Parks Sex ist verboten

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Inhaltsangabe zu „Sex ist verboten“ von Tim Parks

Auf dem Weg zur Erleuchtung ist Sex verboten Sex ist verboten im Dasgupta Institut. Für Beth Marriot macht es das zum idealen Rückzugsort. Auf der Flucht vor der Hektik des modernen Lebens und vor ihren ganz persönlichen inneren Dämonen war die junge Frau hier gelandet. Nun harrt sie schon seit Monaten als Helferin im puristischen Buddhisten-Retreat aus und sucht nach Erleuchtung und innerem Frieden. Doch beides mag sich nicht so recht einstellen. Als sie dann auch noch über das Tagebuch eines männliches Gastes stolpert und es verbotenerweise zu lesen anfängt, ist es bald ganz vorbei mit der inneren Einkehr.

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  • "Kaum zerbricht die Stille in Wörter, sind die Ambitionen zur Stelle ... " (263)

    Sex ist verboten
    R_Manthey

    R_Manthey

    20. July 2015 um 10:04

    Man sollte sich nicht vom deutschen Titel dieses Romans verleiten lassen, der im Original schlicht "The Server" heißt. Hier geht es nicht vorrangig um Sex, sondern um Stille, um den Stillstand des Denkens, der uns innere Ruhe und ein Glücksgefühl bescheren kann, das man anders nie erfahren wird. Die Geschichte entwickelt sich in einem englischen Meditationszentrum, in dem die Vipassana-Meditation gelehrt wird. Sie soll direkt auf Buddha zurückgehen. Nach dessen Lehre entsteht alles Leid durch Anhaften, also durch Verlangen oder Aversion. Durch unsere Anhaftungen sehen wir die Realität durch eine verzerrende Optik, was uns in der Regel jedoch nicht bewusst ist. Bei einer Vipassana-Meditation lernt man zunächst die Vorgänge im eigenen Körper zu erspüren und kommentarlos zu beobachten. Allerdings herrscht in den zehntätigen Anleitungen ein strenges Regime. Männer und Frauen werden getrennt, alles Ablenkende wird zu Beginn abgegeben. Sprechen und Blickkontakte sind verboten, ebenso wie Berührungen oder alles, was die Gedankenwelt in Bewegung setzen könnte. Mit Askese hat das überhaupt nichts zu tun. Dann folgen neun Tage, in denen fast nur meditiert wird. Unter Anleitung und in der Regel zehn Stunden am Tag. Dieses Regime, dem man sich auch in Deutschland unterziehen kann, hat schon manchen überraschten Teilnehmer die Polizei oder den Sektenbeauftragten alarmieren lassen. Hält man diese körperliche Tortur jedoch durch, dann besteht gegen Ende die Chance zu völlig unerwarteten Körpererlebnissen und Einsichten, die die eigene Sichtweise auf sich und die Welt erheblich verändern können. In Parks Roman erzählt vor allem Beth ihre Geschichte. Sie kam vor neun Monaten ins Dasgupta-Institut und blieb dort nach ihrem Kurs als Helferin. Beth ist eine junge attraktive Musikerin. Sie hat in ihrer Selbstsucht Schuld auf sich geladen, von der sie wohl dachte, dass man sie bei Dasgupta wieder loswerden könne. Inzwischen ist Beth im Inneren soweit, um das Institut wieder verlassen zu können. Sie beginnt gegen die Regeln zu verstoßen, um einen Anlass zum Rausschmiss zu geben, denn alleine findet sie offenbar noch nicht die Kraft zum Gehen. Bei einem solchen Regelverstoß stößt sie in einem Männerquartier auf ein Tagebuch, das sie so gleich zu lesen beginnt. Der zunächst unbekannte Tagebuchschreiber GH wird mit seiner Geschichte zur zweiten zentralen Figur des Romans. Mit diesem geschickten Aufbau schafft es Parks drei Ebenen zu gestalten: die der Betreiber und der Lehre, die von Beth als Insiderin, die die Figuren und Abläufe in diesem Institut kennt und die des GH, mit dem man sowohl die falschen Erwartungshaltungen, mit denen die meisten Teilnehmer in solche Kurse kommen, verstehen lernt, als auch die Veränderungen, die dann manchmal mit ihnen geschehen. Das klingt alles wie eine esoterische und recht langweilige Geschichte. Aber das ganze Gegenteil ist der Fall. Parks lässt Beth aus ihrem Leben mit zwei männlichen und einer weiblichen Geliebten erzählen, das Tagebuch des viel älteren GH kommentieren und über das Guru-Institut herziehen. GH steht gerade vor dem Scherbenhaufen seines Lebens, einer zerstörten Familie und einer Firmenpleite. Oft verschmelzen die drei Ebenen dann auch noch mit den Ereignissen und Abläufen im Institut und den Lebensgeschichten anderer Menschen, die dort etwas suchen, was sie nur in sich finden können. Beth erzählt das alles aus ihrer offenherzigen und fast schon animalischen Sicht mit viel Ironie und Humor. Dass sie dabei nicht nur die Teilnehmer mit gelegentlichem Sarkasmus beschreibt, sondern auch über sich und ihre Ausschweifungen erzählt und das Guru-Getue lächerlich macht, das sich die Betreiber nur leisten können, weil sie nicht mehr im gewöhnlichen Leben stehen, lässt keinerlei Bedeutungsschwere aufkommen. Ganz nebenbei und völlig unbeschwert lernt man bei Lesen auch, um was es an diesem Ort wirklich geht. Am Ende haben Beth und auch der Tagebuchschreiber ihre merkwürdigen Erfahrungen gemacht und verschwinden zurück ins ganz gewöhnliche Leben, das wieder so ist wie vorher, aber doch irgendwie anders. Wenn man sich für so etwas wie "Selbstfindung" interessiert oder Orten, wie dem Gasgupta-Institut nicht gleich völlig abwehrend gegenübersteht, dann wird man diese witzig erzählte Geschichte genießen und obendrein noch viel dabei lernen können. In diesem Sinne verstehen sich die fünf Sterne.

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  • Rezension zu "Sex ist verboten" von Tim Parks

    Sex ist verboten
    Martin_Keune

    Martin_Keune

    08. March 2013 um 09:26

    Tim Parks ist ein Könner allererster Güte, einer, den man in Englisch lesen sollte (was ich bei „Rapids“ und „Cleaver“ getan habe), der aber auch in den deutschen Übersetzungen, etwa der „Kunst, still zu sitzen“ als selbstironischer Großmeister voller Leidenschaft und einem Faible für skurrile Momentaufnahmen des modernen Menschen erkennbar ist. Tja, das war die gute Nachricht. Die schlechte ist: „Sex ist verboten“ (eine extra Ohrfeige übrigens für den Marketing-Deppen, der sich für „The Server“ diesen reißerischen Titel ausdachte!) ist todlangweilig. Das Szenario (ein Retreat für zivilisationskranke Bürger westlicher Nationen, in dem eine junge, weibliche, selbstredend hochattraktive Bedienung zwischen ihrem Einsehen in die rituellen Abläufe des Ortes und einer wieder erwachenden Neugierde an den Lebensäußerungen und sexuellen Fantasien der Übenden hin- und hergerissen wird) ist Parks-like schräg und glaubwürdig ausstaffiert, aber Herr im Himmel, alle paar Seiten gehen eben doch die Altmännerwünsche mit dem Autoren durch - und das wäre peinlich, wenn es nicht so langweilig wäre. Brillant geschriebene Langeweile, indeed, aber während ich „Cleaver“ kurzerhand zu einem der Bücher des letzten Jahrzehnts küren würde, habe ich dieses öde Ding nach 80 selbstquälerischen Seiten weggelegt. Oder hat Parks, der sich mit den Schmerzen stundenlanger Yogaverrenkungen bestens auskennt, dieses Selbstquälerische bewusst als Stilmittel in die Lektüre eingebaut? Bewundernswert, Team: Dieses Buch macht Muskelkater. Am Sitzfleisch!

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