Tim Parks Thomas & Mary

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Inhaltsangabe zu „Thomas & Mary“ von Tim Parks

30 Jahre sind Thomas und Mary verheiratet. Sie haben zwei Kinder, einen Hund, ein Haus im Grünen. Aber nach Jahren des Auseinanderlebens kommt es – endlich – zu einer Entscheidung. In dieser umgekehrten Liebesgeschichte erzählt Tim Parks, was passiert, wenn die Zuwendung und Hingabe, die ein Paar am Anfang füreinander hatte, sich verwandelt: in lange Spaziergänge mit dem Hund, in die Vermeidung, zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen, in Spannungen, wer die Kühlschranktür offen gelassen oder den Tisch nicht abgeräumt hat. Zwischen Komödie und Tragödie pendelt dieser wunderbar leichte Roman, in dem 30 Jahre Ehe mit kühlem Kopf und warmem Herzen überprüft werden, die Abhängigkeiten, die Zärtlichkeit, der Verrat. Es ist die leidenschaftlich intime Chronik einer Ehe, die Tim Parks erzählt, wie sie vielen Leserinnen und Lesern bekannt sein dürfte. Und wie er die Ausläufer des schmerzlichen Verlusts schildert, der durch die ganze Familie geht, wenn das Paar im Grunde seiner Herzen beschlossen hat, dass es vorbei ist – das macht ihm keiner nach.

Tim Sparks "Thomas und Mary" ist die Geschichte einer gescheiterten Ehe. Nur andersherum. Ein gelungenes Potpourri!

— Nimmer_Satt

Ein nüchternes, buchhalterische Buch über den langsamen Zerfall einer Ehe

— rallus

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  • Ein gelungenes Potpourri!

    Thomas & Mary

    Nimmer_Satt

    14. June 2017 um 12:29
  • Ein langes Eheleben

    Thomas & Mary

    Daphne1962

    26. May 2017 um 16:35

    Beziehungen sind eines der schwierigsten Dinge im Leben. Denn an einer Ehe muss man arbeiten. Daran führt kein Weg vorbei. Thomas und Mary sind seit 30 Jahren verheiratet."Manche Ehe ist ein Todesurteil, das jahrelang vollstreckt wird" - August StrindbergEs beginnt mit dem verlorenen Ehering. Es ist für Thomas ein schlechtes Omen und nun denkt er, es musste ja so kommen. Aber eigentlich hat sich das Drama in der Ehe schon vorher abgespielt. Wer aber denkt, hier hat Tim Parks ein langweiliges Eheleben zu Papier gebracht, der irrt. Natürlich sollte man sich aber nicht in dieses Buch hineinziehen lassen, um dann gewisse Parallelen seiner eigenen Ehe oder Partnerschaft zu suchen. Lediglich sehr gekonnt und präzise hat der Autor sich hier in das Innenleben einer langjährigen Ehe gewagt und diese so detailliert durchlebt.Es kommen auch Außenstehende zu Wort, die einige Auszüge erzählen, Beobachtungen und gemeinsam Erlebtes wieder geben. Da wäre der Sohn Mark oder eine Nachbarin mit der Mary sich angefreundet hat sowie eine der zahlreichen Geliebten von Thomas. Auch wird das Elternhaus durchleuchtet, die Erziehung fehlt dabei natürlich nicht. Sind die Kinder erst mal aus dem Haus oder fast, dann wird sich ein Hund angeschafft. Das scheint für viele eine Art Kinder Ersatz zu sein. Mary jedenfalls wollte auf einmal einen Hund haben und dann kam Ricky ins Haus. 2 Stunden täglich ist sie mit ihm gelaufen. Man hat im Nachhinein den Eindruck, sie wollte wenig Zeit zu Hause verbringen. Mit jedem Kapitel wird dem Leser deutlich, was es mit dieser Ehe auf sich hat. Thomas hat einen Job, er verdient gut, hat jede Menge Geliebte im Laufe der Jahre, die er aber auch schnell wieder austauscht, wenn es ihm unbequem wird. Mary richtet sich ihr Leben bequem ein, läuft quasi um Thomas herum. Die Probleme schleichen sich langsam aber sicher ein. Es wird nicht mehr richtig kommuniziert. Sie schläft schon, wenn er ins Bett geht oder umgedreht. Das 330 Seiten dicke Buch war nicht eine Minute langweilig oder ermüdend. Ganz im Gegenteil, obwohl man ja schon zu Anfang wusste, die beiden trennen sich. Das nahm der Geschichte in keinster Weise die innere Spannung. Tim Parks schreibt flüssig und intensiv, man verliert nie den Faden und man durchlebt die Geschichte hautnah. Eine Lese Empfehlung von mir.

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  • Ehe am Abgrund

    Thomas & Mary

    Clari

    17. April 2017 um 17:38

    Eine Ehe am Abgrund!Thomas und Mary geht es nicht gut!Sie teilen zwar noch Bett und Leben, gehen sich aber weitgehend aus dem Wege. So recht will keine gute Stimmung mehr aufkommen.Äußerlich scheint alles in Ordnung zu sein: sie sind dreißig Jahre verheiratet, haben zwei Kinder, einen Hund und er hat eine gesicherte Anstellung. Doch halt: mit Thoms Anstellung ist das so eine Sache. Er hoffte auf Beförderung und muss erleben, wie die Geliebte des Chefs die von ihm avisierte Stellung ergattert. Es ist nicht verwunderlich, dass er unter Frust und Entzugserscheinungen, was den Erfolg betrifft, leidet. Mary hat sich in die Küche verzogen, er geht abends auf ein Bier in den Pub. Sie geht mit dem Hund spazieren; und wenn sie zu Bett gehen, schläft einer jeweils schon mit dem Gesicht zur Wand.Wie Tim Parks sich in die Ödnis der letzten Jahre einer Ehe hineinarbeitet, den Alltag beschreibt und sich in die Gefühlswelt der Protagonisten hineindenkt, das ist meisterhaft. Die Erzählerperspektiven wechseln; einmal wird der Alltag aus der Sicht von Thomas beschrieben, dann aus der Sicht von Mark, dem gemeinsamen Sohn, dann wieder aus Marys Perspektive. Auch über die Herkunftsfamilien beider Eheleute wird berichtet. Die Tiefenschärfe, mit der die Lebensstadien ergründet werden, ist bemerkenswert. Wie soll man sich eingestehen, dass die Liebe vergangen ist? Dazu gehört Mut und Selbsteinsicht. Da schaut man lieber weg!Die Therapeutin, mit der Tom sich regelmäßig trifft, gibt ihm keine konkreten Hinweise, wie er sich nun verhalten soll. Das haben Therapeuten so an sich: der Klient muss mit einfachen Fragestellungen seitens des Therapeuten selber zu einer Entscheidung finden.Es ist mühsam, beim Lesen in das ganze Elend dieser maroden Ehe hineingezogen zu werden! Dabei fing doch alles einmal ganz glücklich an! Oder doch nicht?Viele Fragen bleiben offen.Auf diese Weise aber wird das Eheleben zur Qual. Man liest und liest und ist ermüdet von der Unfähigkeit, mit der keiner von beiden zu einer Entscheidung finden kann. Tom hatte zahllose Affären; auch diese aber liefen ins Leere. Mary wird schließlich aktiv. Es kommt zur Scheidung, zu letzten Treffen und zur Trennung der Konten.T. Parks beschreibt das leere Haus, die Aktivitäten von Mary und die Trostlosigkeit des phlegmatischen Thomas. Der Autor bringt gekonnt herüber, wie diese Ehe erodiert.Mühsam schaut man dem Treiben zu. Wie die Eheleute sich zerstören, und wie jeder seinen Part am Unglück des anderen hat. Als die Kinder das Haus verlassen, wird alles hohl und traurig. Mark bekommt den Zerfall noch mit, Sally, die Tochter, ist längst aus dem Haus. Es kommt, wie es kommen muss: die Eltern trennen sich und aus der Sicht von Tom ist er nun frei. Doch ist er wirklich glücklich?Das Buch endet mit Fragezeichen. Wieder einmal beweist Tim Parks wie schon in zahlreichen Romanen zuvor, dass ihn Familienangelegenheiten faszinieren, und wie er sezierend das Gefüge einer Familie auseinander zu nehmen vermag. Darin ist er ein Künstler! Und wer sich für die Dynamik in Paarbeziehungen interessiert und daraus lernen will, der findet hier genügend Gelegenheit, sich in die Psyche verrannter Paare hineinzudenken. 

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  • Fragmente einer Ehe

    Thomas & Mary

    YukBook

    08. April 2017 um 10:42

    Viel Emotion und Drama würde man in einem Buch erwarten, der den Niedergang einer dreißigjährigen Ehe beschreibt. Nicht so bei Tim Parks und seinem neuen Roman. Manchmal hatte ich das Gefühl, er dokumentiert das merkwürdige Verhalten von zwei Laborratten, die sich immer mehr voneinander isolieren. Mit dem kleinen Unterschied, dass Laborratten keinen Ehering tragen. Damit fängt die Geschichte nämlich an, oder besser gesagt mit dem Verlust desselben an einem Strand in Blackpool. Thomas ist ganz sicher, dass er seiner Frau den Ring zur Verwahrung gegeben hat, bevor er ins Wasser ging, sie jedoch bestreitet dies. Schon in diesem kleinen Disput werden die Protagonisten treffend charakterisiert: Thomas, der dazu neigt, jedes Vorkommnis im Bezug auf ihre Ehe zu deuten und eine Symbolik zu erkennen, während Mary die Sache als Bagatelle abtut.  Ähnlich verhält sich das Paar, als eine Pflanze, die sie einst zur Hochzeit bekamen, eingeht. Mary würde pragmatisch die Pflanze entsorgen, doch Thomas hängt an ihr und macht sich Gedanken, wann genau die Pflanze abstarb. Hofft er, auf die Weise bestimmen zu können, wann die Ehe zu kriseln begann? War Thomas’ erster Seitensprung die Ursache oder nur der Auslöser? Fakt ist, dass sich das Paar immer weiter auseinander lebt, bis es schließlich zur räumlichen Trennung kommt. Das alles wird nicht chronologisch, sondern in Zeitsprüngen und aus verschiedenen Perspektiven geschildert. So schlüpft der Erzähler in die Rolle der Ehefrau, Tochter, Geliebten oder seines Tennispartners, so als wolle er die missglückte Ehe von allen Seiten analysieren. Manche Episoden lesen sich wie Kurzgeschichten, mal witzig-ironisch, mal deprimierend.  Tim Parks hat ein besonderes Talent, Momentaufnahmen im Alltag für sich sprechen zu lassen – zum Beispiel als Thomas Mary etwas Wichtiges von der Arbeit erzählen will und sie mitten im Gespräch den ohrenbetäubenden Entsafter einschaltet. Auch wenn der Erzählstil eher nüchtern wirkt, spürt der Leser doch Thomas’ Schmerz, seine Verzweiflung und Schuldgefühle. Marys Sicht kommt in dieser Geschichte leider zu kurz und würde sicher ein weiteres Buch füllen.

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  • Erodierendes Eheleben

    Thomas & Mary

    rallus

    05. April 2017 um 15:15

    Beziehungen sind für Personen außerhalb immer schwierig zu verstehen und zu beschreiben. Zumal man vieles nicht sieht, viele Entwicklungen, die im Inneren stattfinden, nicht mitbekommt. Selbst beste Freunde und Freundinnen der Ehepartner schütteln, ob der Entscheidungen ihrer sich Ihnen anvertrauten Freunde manchmal den Kopf. Entschlüsse sind nicht nachvollziehbar und karikieren das vorher Gesagte. Als Kind und auch später als Erwachsener habe ich die Beziehung meiner Eltern nie so richtig nachvollziehen können. Auch in meiner späteren Rolle als Vater und Ehemann, konnte ich manches rückblickend nicht verstehen. Das können die handelnden Personen, die in der Beziehung stecken, manchmal auch nicht. Genau diese Art von langjähriger Beziehung, eine Ehe die 30 Jahre andauert, seziert Tim Parks in seinem Buch Thomas & Mary. Vorsicht für alle glücklich Verliebten und alle, die in einer zufriedenen Partnerschaft stecken, das Buch hat eine gewisse Art einen zu infizieren, gedanklich herunterzuziehen, es entwickelt einen starken Sog. Man benötigt Abstand, um nicht in seiner eigenen Beziehung nach diesen Symptomen der Erosion zu suchen. Thomas verliert seinen Ehering am Strand. Trotz intensiven Suchens bleibt dieser verschwunden. Ein schlechtes Omen? „Dennoch, er wollte keinen neuen Ring kaufen. Irgendwie kam es ihm so vor, als ließe sich das Problem nur lösen, wenn er noch einmal ans Meer fahren und den alten 22-karätigen goldenen Ring, auf dessen Innenseite ihre Namen und ihr Hochzeitsdatum eingraviert waren, wiederfinden und ihn sich an den Finger stecken würde; dann würde die Welt wie von Zauberhand wieder so sein wie zuvor. Wie viele Jahre zuvor. Das passierte nicht.“ Am Anfang des Buches weiß man schon, dass die Ehe ein schlechtes Ende nehmen wird. Doch hier geht es nicht um Anfang oder Ende einer Geschichte. Tim Parks springt munter in der Zeit und verwirrt den Leser, der von späteren Dingen liest und Verweise auf frühere Ereignisse erhält. Er seziert die Ehe in einzelne Lebenssituationen. Es werden Vermeidungssituationen dargestellt um nicht zusammen einzuschlafen oder gar miteinander zu schlafen. Dazu dient ein Hund, die Arbeit, der Fernseher, zwischen zwei Menschen im Ehebett passen so viel Alltag, so viele Entschuldigungen. Der Ehealltag wirkt festgefahren, so viele Dinge aufgehäuft, so wenig Zuwendung bleibt. Buchhalterisch und nüchtern wird Bilanz gezogen. „Als er nach Hause kommt, steuert Thomas seinen frisch gewarteten Wagen die Rampe hinunter in die beeindruckend geräumige Dreiergarage unter dem gut gepflegten Garten. Per Fernbedienung öffnet sich die Tür, und als das Auto hineingleitet, geht automatisch eine Lampe an und beleuchtet das an einer Wand gestapelte Kaminholz, die Räder auf dem Fahrradständer an der anderen Wand, einen Werkzeugschrank, Umzugskartons, einen Schlitten, Skates, Rucksäcke, Bücher, eine rot-weiße Vespa, Tennisschläger, Gitarrenkästen, Verstärker, ein elektrisches Klavier, einen kaputten Roller. Thomas stellt den Motor ab und starrt das alles an. So viele beruhigende Sachen, denkt er. Relikte der Aktivitäten eines vergangenen Lebens. Nach einer Weile geht das Licht aus, aber Thomas bleibt noch sitzen und starrt weiter. In der unterirdischen Stille seiner Tiefgarage, auf dem Sitz seines dunklen Sedan, könnte er ein etruskischer Prinz sein, einbalsamiert auf seinem Totenschiff.“ Langsam wird das Bild dieser Ehe deutlich. Er arbeitet, hat junge Freundinnen, Geliebte, die bei den ersten Problemen abgeschoben werden, er beackert den Garten. Sie zieht die zwei Kinder groß, holt sich einen Hund, geht auch mal fremd. Doch zueinander laufen sie nicht. Immer weiter wird in dieser langjährigen Ehe gelebt, ohne die Grundprobleme zu beseitigen. Wie der Ehering dient die Hochzeitspflanze als „Self fulfilling prophecy“. „Er stellte die Pflanze an unerreichbare Orte. Er platzierte sie im Extrazimmer, wo er manchmal abends arbeitete. Doch obwohl die Hochzeitspflanze überlebte, gedieh sie nicht mehr so wie früher. Das lag sicher daran, dachte Thomas, dass die beiden neuen Triebe einander genau gegen überlagen, sodass immer einer der beiden im Nachteil war, ganz egal, wie die Pflanze zum Licht stand.Thomas drehte sie regelmäßig, doch das schien sie nur zu Verwirrung zu führen. Die beiden neuen Stämme wuchsen leicht verdreht, so als würden sie versuchen, um den alten Stamm herum voreinander zu fliehen.“ Parks beschreibt diesen ermüdenden Alltag so im Detail, dass man dem Buch fliehen möchte, aber doch wie gebannt an den Sätzen klebt. Und wie die Personen so tief in ihrem Leben stecken und doch manchmal darüber hinausschauen sollten und müssten und es nicht können, so tief ist der Treibsand der Zeit und das graue Einerlei. Warum, warum geht es nicht einfacher? Warum ist man nicht zufriedener? „Reife, die Zufriedenheit älterer Paare. Er lässt die Katze raus, während sie den Kamillentee umrührt. Jeder von beiden weiß, welchen Teil der Zeitung der andere gern liest, wer wann kalte Füße hat. Das reife Obst im wohlbekannten Korb, die Blätter die vom Rasen aufgesammelt werden. Winterreisen in ein wärmeres Klima, bunt verpackte Geschenke für die Enkel. Akkumulation und Ablagerung. Ihre todkranke Mutter, das Motoneuron seiner Schwester. Das Wirkliche von Tag zu Tag wirklicher. Das Sofa an die Form ihrer Rücken angepasst. Das sanfte Kratzen ihrer Nägel auf seinem Nacken. Er nimmt ihre schwieligen Füße zwischen seine fleckigen Hände. Lächelt sich durch grauen Star und Reformkost hindurch. Das jährliche Abkommen, die Fotos neu zu ordnen. Warum war dieses Schicksal  nicht für uns bestimmt? fragt sich Thomas.“ Dieser wankelmütige, ungläubige Thomas. Parks begibt sich auch tief in seine kleine Seele, die voller Unsicherheit und Unklarheit ist. Trotz des Selbstbewusstseins eines guten Jobs und vieler junger Frauen kann er letztendlich nicht das mit seiner Frau tun, was er tun sollte. Eine Ehe, ein Leben voller verpasster und verpatzter Gelegenheiten: „Nein, je mehr Thomas nach Vergleichen suchte, desto mehr kam er zu dem Schluss, dass die Beziehung zwischen ihm und seiner Frau keinem literarischen Muster entsprach. Es war wirklich ihre eigene Geschichte, und sie war wirklich passiert. All die wunderbaren, schwierigen Jahre lang. Als Thomas diese Wahrheit schließlich mit überwältigender Schärfe und ganz realer Brutalität klar wurde, brachte sie eine neue Zuneigung zu seiner Frau, seiner Exfrau mit sich, und eine ganz neue Achtung – sie hatten all das tatsächlich zusammen durchgemacht- , ja sogar Zärtlichkeit. Einen Augenblick lang dachte er daran, anzurufen, entschied sich aber dagegen.“ Hätte dies irgendetwas verändert? Parks ist ein intensives Buch gelungen, aus dem sich der Rezensent müde und mit viel Kraft befreien musste, um nicht hinab gezogen zu werden. Ein sehr atmosphärischer Roman, der laut des Nachworts des Autors auch anders erzählt werden kann, der immer in Bewegung ist, in Reihenfolge und Aufbau. Die Geschichte einer Ehe, die nicht immer linear ist, ein Buch dazu, das tatsächlich auf Englisch eine andere Struktur, eine andere Reihenfolge hat. Eine Ehe, die keinen direkten Grund hat zu scheitern, dennoch scheitert, weil zu wenig Achtsamkeit, zu wenig Liebe und – ja auch Selbstgefälligkeit der Personen vorherrscht. Einfach weil zu viel verloren geht im Laufe der Jahre und weder Thomas noch Mary darum kämpfen. Tim Parks ist, gerade durch seinen etwas nüchternen Stil, ein ganz und gar erschreckendes Buch über eine Ehe gelungen. So wie man es nicht machen soll. Ein schleichender Zerfall einer Beziehung. Eine klare Leseempfehlung von mir.

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  • Wenn die Liebe langsam weicht...

    Thomas & Mary

    cosima73

    29. March 2017 um 18:58

    Thomas und Mary sind seit 30 Jahren verheiratet. Sie leben ihr Leben in einer Routine, die sich über die Jahre gebildet hat. Das wirklich Verbindende sind wohl die Kinder, welche aber nun gross sind – die Tochter ist schon ausgezogen. An ihrer Stelle zieht ein Hund ein. Es ist mit ihm wie mit allem: Es ist nicht ganz klar, ob er der Ehe von Thomas und Mary eher zu- oder abträglich ist. Die beiden reden schon lange nicht mehr miteinander, was aber gar nicht neu zu sein scheint. Tatsächlich ging es, wenn sie zusammen waren, oft darum, über ihre gemeinsamen Bekannten herzuziehen, was vielleicht der Grund ist, warum aus diesen Bekannten keine gemeinsamen Freunde wurden. BeurteilungThomas & Mary ist ein Buch über eine Ehe. Es ist eine Ehe, wie es vermutlich viele gibt, eine Ehe, die nicht durch spezielle Eskapaden, Ausbrüche oder Dramen daherkommt – und doch nicht wirklich eine Beziehung ist. Das Buch ist mehrheitlich aus Thomas’ Sicht geschrieben. Er reiht Erinnerungen aneinander, nicht chronologisch, einfach so, wie sie ihm in den Sinn kommen. So entsteht aus vielen kleinen Stücken langsam ein Bild. Es ist das Bild von vielen kleinen Lügen, Verletzungen, Verurteilungen. Gezeichnet wird das ganz normale alltägliche Leben zweier Menschen, die sich selber in einer Beziehung gefangen haben und beständig an den Mauern arbeiten. Sie reden nicht miteinander, sondern eher aneinander vorbei. Sie haben die eingefahrenen Muster zweier Menschen, die über Jahre daran gearbeitet haben, sie zu entwickeln, und die diese nun meisterhaft beherrschen. Sichtbar werden sie an Bemerkungen, Gesten, Verhaltensweisen. All das erzählt Tim Parks in einer einfachen, gut lesbaren Sprache, die fast mündlich anmutet – was in dem Fall gut passt, sind es doch Thomas’ Gedanken, denen wir meist folgen. So greift die Form den Inhalt auf und macht diesen noch authentischer. Als Leser sitzt man vor dem Buch und fragt sich immer mehr: Kann das so weiter gehen? Kommen sie da nochmals raus? Und wenn ja: Wie? Tim Parks ist es gelungen, zu zeigen, dass es eigentlich keinen Schuldigen gibt in dieser Geschichte. Es ist das Miteinander, das langsam weniger wird. Es sind die Gräben, die tiefer werden durch ausbleibende Zärtlichkeiten, mangelndes Interesse, fehlendes Miteinander. So ist eine eigentlich stille, tiefe Geschichte entstanden, die aber bei alledem leicht erzählt wird. Das ist grosse Erzählkunst. Fazit:Ein authentisches, menschliches und sprachlich stimmig erzähltes Buch über die eingefahrenen Muster einer langjährigen Ehe. Empfehlenswert.

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