Tim Pieper Mord im Tiergarten

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Inhaltsangabe zu „Mord im Tiergarten“ von Tim Pieper

Berlin im Juni 1896. Als ein jüdischer Zeitungsunternehmer im Zoologischen Garten Opfer eines Ritualmordes wird, gerät Kriminologe Dr. Otto Sanftleben in einen Sumpf aus Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus.
Seine Ermittlungen führen ihn in die Welt der Deutschen Kolonialausstellung, wo er auf einen jungen Herero-Prinzen aus Deutsch-Südwestafrika trifft. Welchen Plan verfolgt der wahnsinnige Mörder, und wer wird sein nächstes Opfer sein?

Ich mag die Schreibweise des Autors. Da möchte man doch unbedingt wissen wie es weitergeht. Spannend und das Konstrukt drumherum ist richtig gut gemacht.

— chatterbox-joshi

Ein historischer Krimi, der mit viel Zeitkolorit, interessanten Charakteren und einem spannenden Kriminalfall zu fesseln vermag.

— Klusi

Fazit: Fesselnder Krimi, der mit komplex angelegter, fundiert recherchierten Story u. ausgereiften Charakteren überzeugt.

— Bellexr

Kurzweilig, spannend, nicht zu dick, vermittelt Neues, Berlinerisches, Kriminologisches, Sportliches und vieles mehr.

— karatekadd

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    Mord im Tiergarten

    StMoonlight

    31. May 2015 um 13:27

    ~ Cover ~Ich mag das Cover und die Aufmachung des Buches. Das Bild finde ich jetzt zwar nicht herausragend, aber dafür ist es eben ein Foto. (Ich mag diese ganzen kitschigen Zeichnungen nicht so.) Das es auf alt gemacht ist passt hervorragend zu der Zeit in der es spielt. Was ich super finde ist das sich die Schriftzüge abheben. Ich liebe es wenn ich ein Buch wirklich "fühlen" kann! Kleine Info zu dem Foto: Bei dem Coverbild handelt es sich um einen Photochromdruck, der um 1900 entstanden ist. Die Siegessäule steht noch auf dem Königsplatz, vor dem Reichstag. Im Zuge der Neugestaltung der damaligen "Reichshauptstadt" (Umbau zu Germania) wurde sie 1938/39 im Auftrag von Albert Speer an ihren heutigen Platz, den Großen Stern versetzt. Der grüne Park ist der Tiergarten, der im Roman zum Tatort wird. Die Straße, die von der Siegessäule in die Bildtiefe führt, endet am Brandenburger Tor, von dem man drei Säulen erkennen kann. Im Hintergrund sieht man die Dächer der Stadt. [Tim Pieper]~ Aufmachung ~ Auch habe ich auf den ersten Blick die Aufteilung (optisch) in dem Buch geliebt, sowie das festere Papier und den Geruch. Die Kapitel sind nicht wie üblich mit Nummern beschriftet, sondern mit dem Ort an dem es spielt, z.B.: "Irgendwo in Berlin", "Bayreuther Eck", ... Das hilft sich sofort zurecht zu finden, grade da die Handlungsorte fast immer wechseln.~ Klappentext ~ Der Klappentext... Tja... So wirklich reizvoll finde ich den jetzt nicht, aber auch nicht schlecht. Sagen wir es mal so: Zum Kauf des Buches würde er mich nicht bewegen.~ Handlung ~ Dr. Otto Sanftleben ist Kriminologe und als Berater bei der Polizei tätig. Sein "Tick": Sobald er einen andren Menschen vor sich hat, beginnt er diesen zu analysieren. (Er erinnert mich stark an einen Sherlock Holmes!) Im Tiergarten wird die Leiche eines jüdischen Zeitungsunternehmers gefunden. So wie es aussieht wurde er Opfer einer rituellen und äußerst blutigen Tötung. Während sich der Antisemitismus langsam ausbreitet, beginnt Otto mit den Ermittlungen. Das es sich bei seinem Leibdiener und Helfer um einen Farbigen handelt, macht die Sache alles andere als einfach. Zumal Moses auch schon genug mit Anfeindungen zu kämpfen hat. Als ihn sein Professor eines Tages vor dem ganzen Hörsaal blamiert, flammt ein Wettkampf auf. ~ Charaktere ~Otto wirkt auf mich sehr selbstbewusst. Irgendwie schon ein wenig überheblich. Gibt es nichts wovor er sich fürchtet? Ich hätte ihn mir irgendwie "menschlicher" gewünscht. Moses lebt in einer Zeit, in der es als Farbiger nicht leicht hat. Umso mehr wundert es mich, dass er doch sehr selbstbewusst dargestellt wird. (Auch wenn er für die Regatta noch einen kleinen "Schubs braucht.) Und grade deswegen wundert es mich, dass er sich am Ende nicht für das entscheidet, was er eigentlich wollte. Immerhin muss ihm das alles Mut gemacht haben.Kommissar Holle. Tja, eine wirre Gestalt von der ich nie so recht wusste was ich von ihr halten sollte. Das ein oder andere ahnte ich bereits. (Allerdings interessiere ich mich auch für die menschliche Psyche, so dass ich da vielleicht anders drauf geachtet habe.) Und eben wegen seiner Undurchschaubarkeit war er mir am sympathischsten. (Ich bin eben auch ein Psycho.;)) Daniele war mir von Anfang an unsympathisch. Wieso kann ich gar nicht so genau sagen. Er schien mir irgendwie ein Mitläufer zu sein und nicht wirklich sein "eigenes Ding" zu machen. Igrain (der Name hat mich übrigens ständig irritiert, da ich dabei immer an die Sage denken musste^^) wirkt auf mich kühl und distanziert. Wirklich warm bin ich mit ihr nicht geworden. Sie erscheint mir, für die damalige Zeit, schon ein wenig zu selbstständig. Es muss sicher gefährlich für sie gewesen sein!? Und mich wundert das ihre Bilder gekauft wurden und sie nicht einfach belächelt wurde, weil sie eben allein stehend ist. Professor von Trittin wirkt bissig, hat aber auch irgendwas von einem kleinen Kind das schnell beleidigt ist. Sein Hass wird gut dargestellt. Grade daher sehe ich ihn als potentiellen "Widersacher" eines nächsten Romans. (Hat der Autor glücklicherweise nicht verraten. ;))~ Schreibstil ~ Leider sehr trocken. Zwar gibt es die ein oder andere Ausschmückung, aber selbst die reißen es nicht raus. Der Roma spielt 1896. Das die Personen sich in der "alten" Sprache unterhalten stört mich da nicht und gehört eben dazu. Allerdings wirkt der komplette Roman antiquier. Anfangs war ich noch hellauf begeistert und wollte unbedingt weiter lesen, später quälte ich mich durch die Seiten. (Ich bin "leider" keine wirkliche Buchabbrecherin. Nur "Herr der Ringe" habe ich nach 30 Seiten verweigert.)~°~ Fazit ~°~ Ich habe dieses Buch im Rahmen einer Leserunde mit Tim Piper kostenlos bekommen. Dafür, und besonders für die Widmung, bin ich sehr dankbar. Die Leserunde war leider nicht so toll, da einige Teilnehmer halbe Romane geschrieben haben und ich mich oft übergangen fühlte, da auf meine Postings gar nicht eingegangen wurde. Aber gut, dass ist eine andere Geschichte. Dieser Roman reizte mich auf Grund der Thematik. Leider sind Rassismus & Co. ja noch immer allgegenwärtig. Der Prolog hat mich total fasziniert. Ich wollte nun unbedingt wissen wie es mit dem rassenfeindlichen Mann weitergeht. Dieses Thema wurde auch sehr gut dargestellt, die Feindlichkeit verdeutlicht. Nach und nach spannen sich mehrere Handlungsstränge, in diverse Richtungen, manchmal irre führend. Oft auch einfach nur langweilig. Es fing rasant an und lies dann genauso rasant nach. Viele Dingen waren leicht durchschaubar. Kurz: Es fehlt vorne und hinten Spannung. Spart euch die Zeit!

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  • gelungene Fortsetzung der Serie um den Kriminologen Otto Sanftleben

    Mord im Tiergarten

    wampy

    16. November 2014 um 09:13

    „Mord im Tiergarten“ ist ein historischer Roman von Tim Pieper, der 2013 im Emons Verlag als Taschenbuch erschienen ist. Auf 250 Seiten wird der zweite Fall des Ermittlerduos Commissarius Funke und der eigentlichen Hauptfigur, des Kriminologen Dr. Otto Sanftleben geschildert. Berlin im Sommer 1896: Während der Deutschen Kolonialausstellung wird ein brutaler Ritualmord an einem jüdischen Zeitungsunternehmer begangen. Das Opfer wird titelgebend im Tiergarten zur Schau gestellt. Zur Überprüfung des ersten Verdächtigen, eines Herero-Prinzen, wird Dr. Sanftleben hinzugezogen. Er hat sich auf die Entschlüsselung der Körpersprache spezialisiert und früher selbst einige Zeit in Afrika verbracht. Ein wesentlicher Bestandteil des Buches sind Episoden, in denen die Dinge aus der Sicht des wahnsinnigen Täters beschrieben werden. Ohne die Identität preiszugeben, werden seine Beweggründe und seine Gefühle beschrieben. Neben der Entwicklung des Kriminalfalles kämpft der Kriminologe um einen Studienplatz für seinen dunkelhäutigen Diener und Assistenten, der ihm vom zuständigen Professor unbegründet verweigert wird. Dieser Abschnitt gipfelt in einer Regatta um den Studienplatz. Zusätzlich begegnet Dr. Sanftleben einer sehr selbstbewussten jungen Künstlerin, die die üblichen Verhaltensnormen mit Füssen tritt. Der Autor zeichnet in seinem Roman ein düsteres Bild der damaligen Gesellschaft, die durch viele Vorurteile, Fremdenhass und durch ein auf den eigenen Vorteil bedachtes Verhalten bestimmt wird. Diese düstere Stimmung wird durch das forsche Verhalten des Protagonisten und die skurrilen Details der Nebenhandlung aufgelockert. Die humorvollen Teile wirken nicht deplatziert und fügen sich sehr schön in die flüssig zu lesende Geschichte ein. Das Buch hat mir sehr gut gefallen und die sehr impulsive Hauptfigur ist ein wahrer Sympathieträger.            

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  • Mord im Tiergarten

    Mord im Tiergarten

    mecedora

    15. March 2014 um 21:32

    Ein jüdischer Zeitungsmagnat wird tot im Affenhaus des Berliner Zoos aufgefunden. Ermordet - und zwar ganz offensichtlich auf rituelle Weise, deuten seine Verstümmelungen doch auf kultische Opferung hin.  Wir schreiben das Jahr 1896, als der Kriminologe Otto Sanftleben von der Berliner Polizei zu diesem Mordfall, der nicht der einzige bleiben wird, hinzugezogen wird, und uns mitnimmt in einem Sumpf aus Antisemitismus, Nationalismus und Rassismus, mitnimmt in eine Welt von Hass und Wahnsinn. Wer ist der Mörder, der diese grausame Reihe von Ritualtötungen begeht? Tim Pieper lässt in seinem historischen Kriminalroman "Mord im Tiergarten" die Atmosphäre der späten 1890er Jahre und die unter der von Uniformen und kolonial-nationalistischem Großdenken brodelnden und sich immer mehr verselbstständigenden Strömungen authentisch aufleben. Das aufkeimende und nur allzu schnell und leicht Fuß fassende und alle Gesellschaftsschichten vom einfachen Tierwärter bis zum renommierten Universitätsprofessor unaufhaltsam durchwirkende Gedankengut rassistischer und antisemitischer Art wird nicht nur historisch gut recherchiert, sondern auch in seinen Zusammenhängen und Ausbreitungswegen realistisch dargestellt. Erschreckend ist es, das Umsichgreifen der nationaldeutschen und rassenfixierten Überzeugungen zu beobachten - Strömungen, die es schon zu allen Zeiten gab, die zu dieser Zeit jedoch ein ganz anderes Ausmaß und ganz andere, auch pseudowissenschaftliche, Begründungen und Bemühungen erfuhren und für die spätere Entwicklung der deutschen Geschichte eine so ausschlaggebende und richtungsweisende Rolle spielten. In diesem Umfeld macht sich Otto Sanftleben, ein sympathischer, wenngleich mir ein wenig überheblich erscheinender Kriminalist aus gutem Hause, auf die Suche nach dem Mörder. Der Körper lügt nicht, davon ist Sanftleben überzeugt, der Menschen und ihre Reaktionen genau beobachtet. An seiner Seite hat er Moses, seinen Leibdiener und "Ziehsohn", einen dunkelhäutigen Herero, der im Berlin dieser Zeit nicht nur mit den damals üblichen Vorurteilen gegen die vermeintlich wenig intelligenten und als "Wilde" in der Deutschen Colonialausstellung geradezu als Tiere einer archaischen Gattung ausgestellten Schwarzen zu kämpfen hat, sondern auch mit den neuen, durch Rassenzugehörigkeit begründeten angeblichen Minderwertigkeit, die ihm, einem intelligenten und strebsamem jungen Mann, von allen Seiten unterstellt - und in den Weg gestellt - wird.  So interessant Tim Piepers Figuren auch sein mögen: ihnen fehlt es ein wenig an Leben und Plastizität. Auch der Erzählst ist an vielen Stellen ein wenig hölzern, sodass wirkliche Spannung beim Lesen dieses rein faktisch hochinteressanten und durchaus gut konstruierten Romans kaum aufkommt, der Leser nicht gefesselt wird. "Mord im Tiergarten" überzeugt in allererster Linie durch das interessant gewählte Setting und dessen authentischer Ausgestaltung, Sprache und Figurenzeichnung lassen mich eineinhalb Sterne in der Bewertung abziehen. Dreieinhalb Sterne für "Mord im Tiergarten" und trotz einiger Kritikpunkte eine Empfehlung, mit diesem Buch in die frühen Stunden des nationalistischen und antisemitischen Rassismus neuerer Zeit einzutauchen und die Hintergründe ein wenig besser kennenzulernen.

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  • Der Widerspruch

    Mord im Tiergarten

    Igelmanu66

    „Meistens erkenne ich die Kriminellen durch den Widerspruch zwischen Aussagen und Körpersprache.“ Berlin im Jahre 1896. Dr. Otto Sanftleben ist Kriminologe und wenn er nicht gerade Bücher schreibt, ist er als Berater bei der Polizei tätig. Seit er vor einigen Jahren geholfen hat, einen Serienmörder zu überführen, wurde er schon häufig zur Unterstützung gerufen. Und auch diesmal scheint der Rat eines Spezialisten nötig zu sein, denn der Tote, der ermordet im Tiergarten aufgefunden wurde, war ein jüdischer Zeitungsunternehmer. Und er wurde nicht einfach „nur“ ermordet, sondern das Opfer einer rituellen und ausgesprochen blutigen Tötung. Vor dem Hintergrund eines sich ausbreitenden Antisemitismus in Berlin beginnt Otto mit der Suche nach dem Täter. Ein tolles Buch, ein großes Lesevergnügen! Ich konnte es nach „Mord unter den Linden“ kaum abwarten, Neues von Otto zu lesen und ich wurde nicht enttäuscht. Die Kombination aus einem spannenden Krimi mit vielen historischen Hintergründen macht richtig viel Spaß. Besonders schön finde ich Ottos Gedanken, sobald er auf irgendeinen Menschen – egal ob Freund oder Verdächtiger – trifft. Denn geradezu automatisch setzt bei ihm ein Analyseprozess ein, der das Auftreten und Benehmen seines Gegenübers auswertet. „Die Reaktion des Professors war hochinteressant. Anstatt Ottos Hand zu ergreifen, legte er den Arm eng an den Körper, winkelte den Unterarm ab und streckte seinerseits die Hand aus. Wollte Otto einen Körperkontakt herbeiführen, musste er einen Schritt auf Trittin zugehen, was er auch tat. Dadurch kam er ihm nicht nur in räumlicher Hinsicht entgegen, sondern gestand dem Wissenschaftler auch die Entscheidung über den Ablauf der Begrüßung zu. Nachdem er den Kontakt hergestellt hatte, griff der Professor sofort fest zu und kippte Ottos Hand zur Seite und nach unten, sodass er im wahrsten Sinne des Wortes „die Oberhand“ gewann.“ Neben Otto sind glücklicherweise auch wieder der Commissarius Funke und Ottos Ziehsohn und „Leibdiener“ Moses dabei. Funke hat außer dem Mordfall – der sich übrigens erneut zur Serie entwickelt – noch ganz eigene Probleme, denn ein Unbekannter erpresst ihn und droht bekanntzumachen, dass Funke dem „Dritten Geschlecht“ angehört. Und Moses, gebürtiger Herero, leidet unter den Vorurteilen, die ihm aufgrund seiner Hautfarbe entgegengebracht werden. Otto selbst hat neben dem Fall erneut alle Hände voll zu tun. Er – der noch nie gesegelt ist – hat sich zu der Teilnahme an einer Regatta überreden lassen. Und eine wichtige Zeugin im aktuellen Mordfall entpuppt sich als sehr gute alte Bekannte… Nur, dass sie damals ein Mädchen war und heute eine äußerst attraktive Frau geworden ist. Der Fall selber ist spannend bis zum Schluss! Immer wieder gab es neue Verdächtige, mehrfach glaubte ich, den Täter entdeckt zu haben. Was soll ich sagen? Zum Glück war das nicht so! Und am Ende bleibt mir nur zu hoffen, dass uns Tim Pieper nicht zu lange auf den dritten Band warten lässt. Noch einmal vielen Dank lieber Tim für das tolle Buch und die sehr informative Leserunde!

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    • 2

    Arun

    04. March 2014 um 23:20
  • Was Hass alles bewirkt

    Mord im Tiergarten

    Sabine17

    28. February 2014 um 23:45

    Dieses Buch ist nach „Mord unter den Linden“ der zweite Fall des Kriminologen Dr. Otto Sanftleben. Schon im Prolog macht der Leser Bekanntschaft mit einem krankhaften Nationalisten und Rassisten, dessen Identität jedoch nicht verraten wird. Der Kriminalfall beginnt im Juni 1896 in Berlin, im Zoologischen Garten. Dort wird ein jüdischer Zeitungsunternehmer Opfer eines Ritualmordes.  Der aus dem ersten Band bekannte Commissarius Funke zieht bei diesem Mordfall Otto zurate. Doch noch bevor die Ermittlungen im vollen Gang sind, wird bereits im Tiergarten ein jüdischer Bankier auf dieselbe Weise abgeschlachtet. Nun bewegen sich die Ermittlungen in Richtung antisemitischer Kreise. Verdächtige gibt es genug: z. B. den arroganten Professor von Trittin, den aufbrausenden Polizist Holle und den Weltenbummler Daniele Vincente. Und welche Rolle spielt Ottos Jugendbekanntschaft Igraine Raab? Sie verhält sich sehr unkonventionell für damalige Zeiten und verschafft sich damit nicht nur Freunde. Und neben dieser kniffligen Mordserie lässt sich Otto auch noch zu einem Wettsegeln bei einer Regatta provozieren, so dass er neben den Ermittlungen mit seinem Mündel Moses auch noch schnell das Segeln perfektionieren muss. Dieser zweite Fall des ehrgeizigen Berliner Kriminologen hat mir noch besser gefallen als der erste. Der Schreibstil von Tim Pieper ist gewohnt flüssig, die Story schreitet rasant voran und auch der Humor kommt nicht zu kurz. Ganz nebenbei bekommt der Leser aber auch noch eine kleine Geschichtsstunde über den immer stärker aufkommenden Antisemitismus in Berlin Ende des 19. Jahrhunderts. Nicht überfrachtet, sondern in genau richtiger Dosis in die Geschichte eingebettet. Aber es wird durchaus nachvollziehbar, wieso es nur wenige Jahrzehnte später zur Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland kommen konnte. Zudem sind alle Personen sorgfältig ausgearbeitet und nicht stereotyp.  Selbst die Hauptfiguren haben ihre Ecken und Kanten und das macht sie so sympathisch. Am liebsten hätte ich das Buch in einem Rutsch gelesen, aber ich hatte es mir anlässlich der Leserunde auf drei Tage aufgeteilt. Ich danke Tim Pieper für das Buch, die nette Widmung und die wieder einmal sehr informative Leserunde Wer einen guten und spannenden Krimi lesen möchte und dabei noch etwas über den aufkommenden Antisemitismus gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland erfahren möchte, der sollte sich „Mord im Tiergarten“ auf keinen Fall entgehen lassen.  Ich hoffe, es wird einen dritten Fall mit Dr. Otto Sanftleben geben!

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  • Blutige Adler in Berlin

    Mord im Tiergarten

    karatekadd

    Blutige Adler bleiben zurück - Grausige Morde im Berliner Tiergarten Des Dr. Otto Sanftlebens zweiter Fall Der bereits aus MORD UNTER DEN LINDEN bekannte Kriminologe und Sportsmann wird einige Jahre nach dem ersten Fall von Commissarius Funke gebeten, an einem grausigen Mordfall mitzuwirken. Begleitet wird er von seinem inzwischen erwachsenen Leibdiener (?) Moses, einem Schwarzafrikaner, der ihn duzt. Ein von extremen Antisemitismus beherrschter, ehemaliger Mitbewohner von Neu-Germania in Paraguay, betet Odin, den Chef der nordischen Götter an und bringt im Opfer dar. Nach einem nordischen Ritus der Wikinger: Den Blutadler. Otto muss sich nicht nur mit dem Fall auseinandersetzen, er muss auch mit seinem Moses eine Segelregatta siegreich bestreiten, zumindest gegenüber einem überheblichen, wohl ebenfalls antisemitisch eingestellten Professor. Ach ja, eine Frau tritt in sein Leben. Bekannt aus der Jugendzeit. Die sehr selbstständige, vegetarische, nicht gerade gesellschaftskonforme Malerin und Zeichenlehrerin Igraine Raab. Ob da was passiert? Wir schreiben das Jahr 1896. Das Deutsche Kaiserreich sucht seinen Platz in der Welt. Es hat da in Absprache mit dem British Empire eine südwestafrikanische Enklave abbekommen. Dort, im heutigen Namibia, leben die Hereros. Von diesen ist der Enkel eines Häuptlings mit weiteren anlässlich einer Gewerbeausstellung in Berlin. Die treten da als "Schauneger" auf und müssen seltsame Tänze in seltsamen Gewändern aufführen. Wilhelm Mahaero, so heißt der Hereroprinz, kann ein wenig dagegen angehen.  Können Dr. Otto Sanftleben und Commissarius Funke, welcher dem "dritten Geschlecht"[1] (so nannte man das damals) zugeordnet werden kann, den Fall klären? * * *  Neu - Germania? Was ist denn das? Aha, eine von einem gewissen Bernhard FÖRSTER gegründete Siedlung für "reinrassige" Germanen, frei von jedem südlichen Einfluss. Nur sind wohl einige Bewohner noch nicht reif für dieses Unternehmen. Der Förster hatte vermutlich schon Selbstmord begangen und nun zwingen einige versaute "Herren" einen jungen unschuldigen Germanen zum Sex mit einer wegen ihrer Rasse minderwertigen Eingeborenen. Da muss man doch zum Verbrecher werden, später in der Hauptstadt des Deutschen Kaisereiches, bei den vielen Juden, die dort leben und vor allem weil man mehrfache Befriedigung bei diesem Akt im Urwald hatte. Nein, keine Angst, ich schreib in diesem Stil nicht weiter. Aber ich denke, damit wird schon im Prolog des Romans ersichtlich, es geht um Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit um die Jahrhundertwende. Tim Pieper wagt die Gratwanderung, diese Themen in einem Roman zu behandeln, der außerdem eine ganze Reihe von amüsanten Episoden aufweist. Der Autor hat tief in die Recherchekiste gegriffen, denn manch bekannter Antisemit, was damals begann eine Bewegung zu werden und auch schon einige Jahre existierte, kommt im Roman vor bzw. wird zumindest benannt. (Ahlwarth, Henrici u.a.), Er lässt seine Hauptfigur in einem Lokal einer antisemitischen der Versammlung extremster Art beiwohnen. Er lässt auch kein Hehl daran, dass bereits hier die Grundlage für die ca. 40 Jahre später einsetzende systematische Verfolgung von Juden durch die Nationalsozialisten gelegt wurde. Nicht erst hier, auch schon früher. In einem Gespräch mit dem Commissarius führt ein gefährdeter jüdischer Reichstagsabgeordneter aus, warum die Juden in so vielen Ländern auch im Ausklang des 19. Jahrhunderts noch so angefeindet werden. Dem (bisher) weniger an Geschichte interessierten Leser wird viel Stoff an die Hand gegeben. Eine Vertiefung mittels Lexika und Internet ist durch viele historisch genaue Angaben sehr leicht möglich. Tim Pieper hat einen historischen Kriminalroman geschrieben. Natürlich soll der kein sach- oder Lehrbuch sein. Persönlich will ich aber anmerken, dass dem Aspekt, dass es neben dem offensichtlichen extremen Antisemitismus auch einen latenten, vielleicht sogar flächendeckenden gab, mindestens aber die flächendeckende Fremdenfeindlichkeit gegeben hat, zuwenig Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Das oben erwähnte Gespräch zwischen Funke und Wolfsohn hätte mit 1,5 Seiten mehr, dies noch beschreiben können. Oder Otto hätte mit Moses kurz darüber sprechen können. Immerhin wollte er ihm zu einem Studienplatz an der Universität verhelfen und dort stieß Moses ob seiner Hautfarbe an Grenzen. Dr. Otto von Sanftleben ist Kriminologe und Psychiater. Schon vom Elternhaus her gut begütert, hat er neben einer Karriere als Sportler (Radrennen) auch eine Reihe von Büchern geschrieben. Er beschäftigt sich mit Verbrecherphänomenologie. Er untersucht das Verhalten von Tatverdächtigen zum Beispiel deren Körpersprache bei Vernehmungen. Außerdem ist er bei einem damals bekannten Psychiater und Rechtsmediziner in die Lehre gegangen: Richard Fridolin Joseph Freiherr Krafft von Festenberg auf Frohnberg, genannt von Ebing. Den könnte man auch schon einen Kriminologen nennen. Berühmt wurde er zum Beispiel dadurch, dass er Homosexuelle zwar durchaus als pervers ansah, dies aber auf Ererbung zurückführte und somit der Meinung war, dass sie nicht vor den Kadi gehörten. Nun warum schreibe ich das hier rein? Der Otto Sanftleben arbeitet ja mit dem schwulen Commissarius Funke gut zusammen. Vermutlich hat der Krafft-Ebing eine Aktie am modernen Verhalten unserer Hauptfigur. Tim Pieper, bzw. Dr. Otto Sanftleben bezieht sich da auf dessen Werk "Lehrbuch der gerichtlichen Psychopathologie" von 1881.[2] Auf der Grundlage der Theorie über die Melancholiker und deren Verhalten suchen Sanftleben und Funke nach dem Mörder.[3] Auch seine Verbrecherphänomenologie[4] ist heute wohl ein klein wenig überholt, aber sehr interessant ist für Laien und Profis der Ausflug in die forensischen Wissenschaften um die vorletzte Jahrhundertwende. Heute würde man Ottos Herangehensweise wohl eher der Vernehmungspsychologie zuordnen.  Bei Vernehmungen übrigens wendet er Mittel an, die heute verboten sind, wie das Einschüchtern von Delinquenten, die vermeintlich Drohung mit Gewalt. Zumindest weiß von Sanftleben aber schon, dass er sich hier in einer Grauzone befindet, damals vor 115 Jahren. Tim Pieper bemüht sich außerdem, seinem Leser die Stadt Berlin und deren reizvolle Umgebung nahezubringen. Auch hier bekommt der daran interessierte Leser  viel Stoff zur Recherche. Hierzu hat er auf seiner Webseite auch ein paar Bilder eingestellt. *** Die Figuren Otto, Moses, Funke, Igrain, auch der etwas seltsame Kriminalwachtmeister Holle und der Schutzmann Stresow, ebenso der zu Beginn eher undurchsichtige Reisefreund Ottos, Daniele Vicente sind interessante vielseitig "gezeichnete" Personen. Deren Interaktion ist trotz des sehr ernsten Themas auch mal sehr lustig, z.B. ist das Training für und dann die Segelregatta selbst sehr schön zu lesen und macht Spaß. Die Gegenspieler, Prof. v. Trittin, Leiser und andere bleiben auch nicht farblos. ***  Dem Autor ist sein nunmehr drittes Buch sehr gut gelungen. Zweihundertzweiundfünfzig Seiten waren schnell bewältigt. Die Spannung lies niemals nach. Die suche nach dem Verbrecher hielt bis zuletzt an. Sehr schön war der Einstieg durch einen Zeitungsartikel, der den Leser gleich in die richtige Zeit katapultierte. Das hat Tim Pieper auch schon beim "Lindenmord" so gemacht. Ebenso ist der vorangestellte Prolog ein wiederkehrendes Element. Ohne diesen würde der Leser vermutlich gar keinen Bezug zum Täter herstellen können. Mal abgesehen davon bekam der Leser gleich mal staunende Augen, denn von Neu-Germanien haben bestimmt noch nicht so viele gehört oder gelesen. Ich wünsche mir weitere spannende Bücher von Tim Pieper. Danke für das Buch mit Widmung und Danke auch für deinen Einsatz in der buchgesichter.de - Leserunde. (Auf die weibliche Form LESERIN habe ich aus Gründen der Lesbarkeit verzichtet ;) ) © KaratekaDD [1] alter Begriff zur Umschreibung der Homosexualität [2] siehe PIEPER, Tim: Mord im Tiergarten, Emoms:, 2013, Seite 255 [3] die Ausführungen über die Melancholiker sind vermutlich veraltet. Den vier Temperamenten zugeordnet, welche heute ebenfalls als überholt gelten, waren Melancholiker demnach traurig, trübsinnig, misstrauig aber auch verlässlich und selbstbeherrscht. [4] der heute gebrächliche Begriff der Kriminalphänomenologie befasst sich mit den Erscheinungsformen des Verbrechens, bzw. der Straftaten überhaupt. Dazu gehören Vorbereitung, Ablauf (Modus Operandi), Art und Umstände, Gelegenheiten, individuelle aber auch gesellschaftliche Hintergründe. Weitere Bestandteile der Kriminologie sind Viktimologie, Äthiologie, Pönologie, forensische Psychologie und die Kriminalstatistik. siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Kriminalph%C3%A4nomenologie, 24.10.2013, 15:15 Uhr  

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    • 2
  • Otto Sanftlebens zweiter Fall

    Mord im Tiergarten

    BlueNa

    27. January 2014 um 18:25

    Einige Jahre sind seit dem letzten aufsehenerregenden Fall des Kriminologen Dr. Otto Sanftleben und der Meisterschaftsfahrt von Deutschland vergangen und Otto ist ein wenig bequem geworden. Doch ein grausamer Leichenfund im Berliner Tiergarten ruft seine kriminologischen Fähigkeiten wieder auf den Plan und er hilft der Berliner Polizei bei den Ermittlungen. Ein erster Verdächtiger wird mit Wilhelm Maharero verhaftet und Otto mit der Befragung des Afrikaners beauftragt. Gleichzeitig lässt sich Otto von einem Professor zu einer Segelregatta herausfordern, obwohl weder er noch sein Leibdiener Moses, der wüste Beleidigungen bezüglich seiner Hautfarbe über sich ergehen lassen musste, jemals zuvor gesegelt sind. Dies und die Mordermittlungen halten Otto nun gehörig auf Trab! Auch der zweite historische Kriminalfall des Kriminologen Dr. Otto Sanftleben hat mich positiv überrascht und er hat mir sogar besser gefallen als „Mord unter der Linden“. Zuerst war ich verwundert, dass mehrere Jahre zwischen den beiden Fällen liegen. Falls dies so weitergehen sollte, hat Otto leider nicht mehr so viele Fälle vor sich! Was mir an diesem Kriminalfall besonders gut gefallen hat war die Tatsache, dass ich bis ganz zum Schluss nicht den blassesten Schimmer hatte, wer denn der Mörder ist. Ich habe gerätselt, sämtliche Haupt- und Nebencharaktere verdächtigt und bin bis zur Auflösung einfach nicht dahinter gekommen. Den Handlungsnebenstrang um die Segelregatta mochte ich auch unheimlich gerne, er lockert den Kriminalfall sehr schön auf und bringt mir die nötige leichte Unterhaltung. Der Schreibstil des Autors ist für mich einer der Besten den ich kenne. Schon vom ersten Satz an, fühlt es sich für mich einfach richtig an, als würde ich mir einen für mich maßgeschneiderten Mantel umlegen und darin versinken. Der Schreibstil birgt genau die richtige Mischung an Ausgereiftheit und Leichtigkeit für mich, so dass ich mich sofort mitten in der Geschichte wiedergefunden und wohlgefühlt habe. Tim Pieper versteht es dem Leser die Stadt Berlin Ende des 19. Jahrhunderts näher zu bringen und uns schöne kleine Details zu erfreuen. Spannend war es für mich vor allem in der zweiten Hälfte des Buches, als ich unbedingt herausfinden wollte, wer die grausamen Morde begangen hat. Die Charaktere waren zum Teil schon aus „Mord unter den Linden“ bekannt, wie unser Hauptprotagonist und Kriminologe Dr. Otto Sanftleben. Der gute Mann ist ein wenig bequem geworden seit er keine Fahrradrennen mehr fährt, doch sein Verstand ist genauso scharf und wach wie eh und jäh. Ich liebe seine Gedankengänge und wie er seinen schwarzen Leibdiener Moses behandelt. Moses ist ihm eher ein Sohn als ein Diener und Otto fühlt sich bei rassistischen Äußerungen Moses gegenüber persönlich beleidigt. Natürlich ist auch der exzentrische Commissarius Funke mit von der Partie, denn er bittet Otto um Hilfe bei der Aufklärung des Tiergarten-Mordes. Das Cover ist im Stil des ersten Teils gestaltet, doch mir gefällt es, wie auch die Geschichte, besser, als das des ersten Bandes. Zu sehen ist die Siegessäule und der Tiergarten in Berlin als Photochrom. Es ist auf jeden Fall sehr passend gewählt und unterstützt die Geschichte. Fazit: Auch der zweite Fall des Dr. Otto Sanftleben führt uns nach Berlin Ende des 19. Jahrhunderts. „Mord im Tiergarten“ ist ein spannender, undurchsichtiger Kriminalroman, der die Spannung bis zum Schluss halten kann und sich stark mit den Themen Rassismus und Antisemitismus beschäftigt. Mich hat dieser Historische Kriminalroman vor allem wieder durch seinen charismatischen Protagonisten begeistert und ich bin gespannt, welchen Fall Otto Sanftleben als Nächstes aufklären wird! Ich vergebe tolle fünf von fünf Sternen und meine absolute Leseempfehlung!

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  • Spannendes Wiedersehen mit Dr. Otto Sanftleben

    Mord im Tiergarten

    Klusi

    14. November 2013 um 20:11

    Inhaltsbeschreibung: Berlin 1896: Sechs Jahre nach seinem ersten Fall, wo es darum ging, mysteriöse Morde an jungen Frauen aufzuklären, gibt es nun ein Wiedersehen mit Dr. Otto Sanftleben. Nach wie vor lebt Otto in seinem Elternhaus „Klein-Sanssouci“ . Auch sein schwarzer Leibdiener und Ziehsohn Moses ist noch bei ihm. Der junge Mann möchte gerne studieren, wird aber aufgrund seiner Hautfarbe häufig beleidigt, besonders von einem gewissen Professor Trittin. Otto zögert nicht, den Professor zur Rede zu stellen und für seinen Schützling einzutreten. Dabei lässt er sich spontan auf Trittins Forderung zu einer Segelregatta ein. Hier sind Bedenken durchaus berechtigt, denn Sanftlebens Erfahrungen im Segelsport sind schon recht alt. Er zeigt sich aber selbstbewusster, als er in Wirklichkeit ist. Dass sein Teampartner Moses ein blutiger Segelanfänger ist, gibt ihm schon ein wenig zu denken, aber er lässt sich seine Unsicherheit nicht anmerken und stürzt sich mit Elan ins Training und in die Vorbereitungen. Wenig später wendet sich Commissarius Funke an Otto, mit der Bitte um Mithilfe bei der Aufklärung eines Kriminalfalls. Diesmal geht es um einen brutalen Mord, der stark nach einer rituellen Tötung aussieht. Der Verdacht fällt sofort auf eine Gruppe Hereros aus Südafrika, die sich wegen der stattfindenden Gewerbeausstellung zu dieser Zeit in Berlin aufhält. Besonders der Hereroprinz Wilhelm Maharero gerät in den Brennpunkt des allgemeinen Misstrauens. Funke schätzt Sanftlebens Urteil sehr, denn Otto hat sich auf die Körpersprache der Kriminellen spezialisiert, und seine Beobachtungen sind von unschätzbarem Wert. Bei ihren Nachforschungen im aktuellen Fall treffen die Ermittler auf ein dichtes Gespinst aus Vorurteilen, Standesdünkel und Antisemitismus. Dazu kommen Commissairus Funkes persönliche Probleme, denn er wird schamlos erpresst und weiß nicht recht, wie er mit dieser Situation umgehen soll. Auch in Ottos Privatleben tut sich so einiges. Er begegnet seiner Jugendliebe Igraine Raab wieder, und die schöne Künstlerin bringt ihn gewaltig ins Grübeln. Mein Eindruck: Die Handlung entwickelt sich durchwegs spannend, und so manche Spur führt den Leser in die Irre. Im Lauf der Ermittlungen kommen ständig neue Tatsachen ans Licht, welche die bisher gewonnenen Erkenntnisse über den Haufen werfen. Die kriminalistische Handlung wurde hier wieder ausgezeichnet eingegliedert, in die faszinierende Kulisse des historischen Berlin. Es ist eine spannungsreiche Periode. Die Welt steht an der Schwelle zu einer neuen Zeit. Einerseits herrscht Aufbruchstimmung im Kaiserreich, aber andererseits wirken die Traditionen versteinert, und so mancher Zeitgenosse ist verblendet in seiner Borniertheit. Mich hat besonders die Tatsache beschäftigt und erstaunt, dass bereits zu dieser Zeit der Antisemitismus derart stark ausgeprägt war. Wie schon bei Sanftlebens erstem Fall sind auch diesmal wieder diverse Abschnitte des Romans aus der Sicht des unbekannten Mörders geschildert, wodurch man einen Eindruck von dessen gestörter Psyche erhält. Diese Kapitel sind durchaus dazu angetan, einem Gänsehaut zu verursachen. Aber der Zeitabschnitt des ausgehenden 19. Jahrhunderts hat durchaus auch Positives zu bieten. Man gewinnt interessante Einsichten in die Künstlerkreise der damaligen Zeit, und am Beispiel der schönen Malerin Igraine erfährt man, dass sich auch das Frauenbild langsam zum Positiven ändert. Die detaillierten Beschreibungen der verschiedenen Charaktere lassen die Protagonisten plastisch erscheinen und zeichnen ein lebendiges Bild der Gesellschaft. Die Überschriften der kurzen Kapitel weisen immer gleich darauf hin, an welchem Schauplatz man sich gerade befindet. Ein alter Photochromdruck auf dem Umschlag, welcher den Tiergarten und die Siegessäule zeigt, gibt dem Roman die ideale Abrundung. Wer sich für historische Aufnahmen aus der beschriebenen Zeit interessiert, findet auf der Homepage des Autors noch jede Menge schönes und informatives Bildmaterial zu den Schauplätzen. Fazit: Mit viel Zeitkolorit und lebendiger Atmosphäre hat Tim Pieper einen neuen, fesselnden historischen Krimi gezaubert, der mich in Atem gehalten hat, mir zugleich historisches Wissen vermitteln konnte und damit seinen Vorgängern absolut ebenbürtig ist.

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  • "Odin ist mein Heil"

    Mord im Tiergarten

    Bellexr

    14. November 2013 um 11:26

    Sommer 1896 in Berlin: Im Zoologischen Garten wird ein jüdischer Zeitungsunternehmer tot aufgefunden, alles deutet auf einen Ritualmord hin. Schnell hat Commissarius Funke einen Verdächtigen ermittelt, doch bei dessen Vernehmung benötigt er die Hilfe des Kriminologen Dr. Otto Sanftleben. Nach der Befragung ist es jedoch offensichtlich, dass der junge Herero-Prinz aus Deutsch-Südwestafrika nicht der Täter sein kann. Somit geht die Suche nach dem Mörder weiter und dieser sieht seinen "Auftrag" noch lange nicht als erfüllt an. Während Otto sich privat auf eine anstehende Segelregatta vorbereitet, unterstützt er weiterhin Commissarius Funke bei dessen Ermittlungen und gerät dabei immer tiefer in einen Sumpf aus Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus. Der Prolog führt einen sieben Jahre zurück in die Kolonie Neu-Germanien in Paraguay. Ein Anhänger des radikalen Antisemiten Bernhard Förster wird nach dessen Tod von Mitgliedern der Kolonie vertrieben und sinnt fortan auf Rache. Somit hat man zwar ab der ersten Seite an den Mörder bereits kennengelernt und verfolgt im Verlauf der Krimis dessen Handlungen und Gedanken, seine Identität gibt Tim Pieper jedoch noch nicht preis.   Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus sind die Hauptthemen im zweiten Fall des Kriminologen Dr. Otto Sanftleben. Tim Pieper gelingt es hervorragend, einem die zur damaligen Zeit herrschende Intoleranz gegenüber Juden und auch farbigen Mitmenschen überzeugend und äußerst interessant zu vermitteln. Das Denken der Menschen ist geprägt von jahrhundertealten Vorurteilen, welche sich nationalsozialistisch denkende Personen zunutze machen und hierdurch den Hass auf Juden unter der Bevölkerung immer mehr schüren. Germanenthum wie auch die arische Abstammung werden zunehmend bedeutender.  Ottos Leibdiener und Ziehsohn Moses muss den vorherrschenden Rassismus am eigenen Leib erfahren. Zwar ist der junge Mann aufgrund seiner dunklen Hautfarbe Ausgrenzungen gewohnt, doch die öffentliche Demütigung durch Professor von Trittin während einer Vorlesung an der Universität trifft ihn schwer und Otto ebenfalls. Wutentbrannt fordert der Kriminologe vom Professor eine Entschuldigung, dies endet mit der Teilnahme an einem Wettsegeln, welches Otto und Moses eigentlich nicht gewinnen können.  Auch im zweiten Fall von Dr. Otto Sanftleben legt Tim Pieper viel Wert darauf, einem das Leben in Berlin Ende des 19. Jahrhunderts näher zu bringen und so hat man schnell die kaiserliche Reichshauptstadt mit ihren Landauern, Gaslaternen, den eleganten Damen und den fein gekleideten Herrn vor Augen. Durch einen fundiert recherchierten Einblick in die politisch angespannte Lage des Kaiserreichs und der bildhaften, lebendigen und ab und an auch mit Wortwitz und Berliner Dialekt versehenen Erzählweise, die der damaligen Zeit angepasst ist, taucht man problemlos in die Geschichte ein und findet sich bald in einem äußerst spannenden und komplexen Kriminalfall wieder.   Kontinuierlich steigert der Autor die Spannung und nimmt sie nur gelegentlich etwas heraus, um einem am Privatleben von Otto teilhaben zu lassen, welches sich nicht minder interessant gestaltet. Die Story entwickelt sich äußerst komplex und obwohl man zwar über die Handlungen des Täters informiert ist und dessen Motiv früh kennt, liefert einem der Autor eine Vielzahl von Verdächtigen, die durchaus dem Charakter des Mörders entsprechen. So gestaltet sich der Historische Kriminalfall nicht nur fesselnd und im Laufe der Story immer packender, man rätselt zudem noch bis zum fulminanten Ende gebannt ob der Identität des Mörders mit.  Fazit: Ein fesselnder Krimi mit geschichtlichem Hintergrund, der mit einer komplex angelegten und fundiert recherchierten Story sowie Charakteren, die ausgefeilt und authentisch beschrieben sind, absolut überzeugt

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  • Antisemitischer Ritualmord mitten in Berlin

    Mord im Tiergarten

    utaechl

    13. November 2013 um 06:35

    Inhalt: Sechs Jahre nach seinem letzten Einsatz als Berater der Polizei, kommt Dr. Otto Sanftleben erneut dazu, seine fundierten kriminalistischen Kenntnisse für die Gerechtigkeit einzusetzen. Ein jüdischer Unternehmer wird im Zoologischen Garten grausam ermordet. Es sieht nach einem Ritualmord aus, der seinen Ursprung im Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus der Zeit zu haben scheint. Eine alte Freundin läuft ihm über den Weg, ein junger Herero-Prinz aus Deutsch-Südafrika gerät in Verdacht und Otto muss sich tief in die Gedankenwelt der Antisemiten hineinversetzen, um langsam hinten den Plan des Täters zu kommen. Der Sport kommt natürlich auch nicht zu kurz und diesmal darf Otto seine Segelkenntnisse auffrischen. Setting und Stil: Tim Pieper schafft es hervorragend, die Zeit des endende 19. Jahrhunderts zum Leben zu erwecken. Berlin ist Dreh- und Angelpunkt der Welt, die Deutsche Colonialausstellung versucht Ecken der Welt zu zeigen, die ein Berliner kaum persönlich besuchen kann. Im Zoologischen Garten präsentiert man ebenfalls Lebewesen, die für die Städter kaum exotischer sein können. Antisemitismus nimmt stark zu, Nationalismus ist Trumpf und die Überlegenheit der deutschen Rasse wird auf die haarsträubendsten Arten bewiesen. Alle diese weniger schönen Dinge werden in diesem historischen Krimi angesprochen und regen dabei stark zum Nachdenken an. Eine Zeit, die dank unserer Konzentration auf den zweiten Weltkrieg manchmal vergessen wird. Es ist also umso schöner, dass Tim Pieper uns dorthin entführt und sie uns durch die Augen seines Protagonisten sehen lässt, bei dem zum Glück meistens die Ratio das Sagen hat. Das Buch lebt neben dem Kriminalfall und den dazu passenden Ermittlungsmethoden von liebevoll beschriebenen Situationen, in die Dr. Otto Sanftleben hinein gerät. Es liest sich sehr flüssig und nur bei den dialektischen Ergüssen einiger Einheimischer kam ich doch etwas ins Straucheln. Aber so ist halt das normale Volk, während Commissarius Funke eher dem Französischen zugetan ist. Charaktere: Dr. Otto Sanfleben ist älter geworden, das Fahrradfahren hat er ziemlich an den Nagel gehängt und einen kleinen Bauch kann er kaum noch verbergen. Ansonsten ist er der Alte, setzt sich für seinen Ziehsohn Moses ein, wendet die neuesten kriminalistischen Erkenntnisse an, hat mehr oder minder Glück mit den Frauen und legt sich mit Odin und der Welt an. Es bringt Spaß ihm zu folgen und ihm zuzusehen, wie er einen Verdächtigen nach dem anderen auf den Zahn fühlt. Liebevoll entwickelt ist auch Commissarius Funke, der perfekt den etwas anderen Polizisten mimt. Ottos Widersacher beim Segeln und in antisemitischen Fragen ist schön widerlich, genau wie sein Freundeskreis. Gleichzeitig stellen diese Herrschaften eine sehr gute Herausforderung für Otto dar, die ihn wieder mal aufs Äußerste fordert. Eine sehr gelungene Mischung, die perfekt in die Zeit passt. Geschichte: Mord, Rituale, Verdächtige en masse, Liebschaften, Alibis und noch viel mehr lassen  nicht nur Otto verwirrt zurück. Auch ich wusste bis zum Schluss nicht sicher, wer nun tatsächlich der Täter ist. Eine Kriminalgeschichte, wie sie also sein soll, zum Mitdenken und -rätseln, in der man zusätzlich einiges über unsere Geschichte vermittelt bekommt. Natürlich darf die private Seite nicht zu kurz kommen und auch dort gibt es für Otto passend zu seinem fortgeschrittenen Alter die eine oder andere überraschende Wendung. Fazit: Nachdem mir der erste Teil schon gefallen hat, wurde ich auch nicht vom zweiten enttäuscht. Ein informativer Ausflug in die Geschichte gepaart mit einem spannenden Kriminalfall, der einen kaum das Buch aus der Hand legen lässt. Für Fans historischer Krimis uneingeschränkt zu empfehlen. Alle anderen sollten auch zugreifen, denn das Ende des 19. Jahrhunderts ist eine spannende Zeit, in der die Weichen für spätere Ereignisse gestellt werden und die uns gleichzeitig nah und fern ist. Ein Leseerlebnis, dem durchaus weitere folgen dürfen.

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  • Ein großartiger historischer Kriminalroman

    Mord im Tiergarten

    Eliza08

    12. November 2013 um 17:26

    Der zweite Fall von Dr. Otto Sanftleben hält für das Leserherz alles bereits was es sich nur wünschen kann: Spannung bis zur letzten Seite, das unbeschreibliche Flair Berlins, ein durchdachter und ausgeklügelter Kriminalfall, verpackt in einer angenehmen und anspruchsvollen Sprache. Wenn man die erste Seite aufschlägt, denkt man, man würde sich in Berlin wiederfinden, doch weit gefehlt, im Prolog entführt uns Tim Pieper erst einmal in den Urwald Uruguays. Die Schilderungen sind dramatisch und fesseln den Leser von der ersten Seite an. Im Mittelpunkt steht eine Vergewaltigung, die Folge ist die Ansteckung mit Syphilis... Berlin 1896: Im Zoologischen Garten in Berlin wird die Leiche eines jüdischen Zeitungsunternehmers gefunden, die Leiche ist grauenhaft zugerichtet, es steht sofort fest, hier muss ein skrupelloser Mörder am Werk gewesen sein. Schon bald ist klar, dass dieser Mord ein Ritualmord war, der wie wir später erfahren, in den germanischen Sagen verankert ist. Commissarius Funke und Dr. Otto Sanftleben ermitteln in einem Sog aus Antisemitismus, Nationalismus und Hass. Wie dies zum Prolog passt wird schnell klar… Mehr möchte ich gar nicht über den Inhalt verraten, denn die gut 250 Seiten sind so schnell um, dass ich mir sehnlichst gewünscht habe, dass Buch möge noch ein paar Seiten mehr haben. Herausheben möchte ich aber auf jeden Fall noch drei Dinge: Zum Einem hat mich an diesem Roman die Sprache beeindruckt. Tim Pieper schafft es diesem Roman einen sehr flüssigen Schreibstil, gepaart mit einer gehobenen Ausdrucksweise zu verpassen, ohne dass dieser Roman in die Unverständlichkeit abdriftet oder für den Leser schwer zu lesen ist. Meiner Meinung nach hat er die richtige Mischung gefunden, um Anspruch und Leichtigkeit zu verbinden. In diesem Roman sticht auch der konzeptionelle Aufbau des Romans hervor. Die ständigen Schauplatzwechsel, die verschiedenen Perspektiven der Protagonisten und der straffe Aufbau erhöhen unweigerlich die Spannung und fesseln den Leser, sodass dieser das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Dabei wird es jedoch nie unübersichtlich oder verwirrend, denn alle Handlungstränge vereinen sich gekonnt im großen Schlussakkord. Ebenso erwähnenswert ist meiner Meinung nach die Ausarbeitung der verschiedenen Charaktere. Wer Otto und seine Getreuen schon aus dem ersten Band kennt, dem wachsen sie in diesem Buch noch weiter ans Herz. Jeder Charakter ist so fein ausgearbeitet, dass er zwischen den Seiten regelrecht lebendig wird. Die Figuren sind sehr liebevoll und einzigartig gezeichnet, sodass man auch hierfür nur ein großes Kompliment an den Autor aussprechen kann. Mein Dank gilt Tim Pieper für die spannenden Lesestunden und die Begleitung der Leserunde. Ich hoffe sehr, dass Otto noch einmal ermitteln darf :-) P.S.: Meine persönliche Lieblingsszene ist die Regatta mit dem finalen Schlussspurt von Otto. Ein wahres Highlight! Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie verstehen warum.  :-) Ich empfehle Ihnen aber auf jeden Fall den ersten Band „Mord unter den Linden“ zuerst zu lesen, denn so verstehen Sie einige Dialoge noch besser und erkennen die feinen Pointen, die der Autor eingebaut hat.

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  • Mord im Tiergarten

    Mord im Tiergarten

    nirak03

    11. November 2013 um 19:51

    Meine Meinung: 6 Jahre sind seit dem ersten Fall „Mord unter den Linden“ vergangen. Dr. Otto Sanftleben hat sein Leben in Berlin wieder aufgenommen und seine Studien der Verhaltensforschung von Kriminellen weiter fortgeführt.  Im Juni des Jahres 1896 wird dann ein jüdischer Zeitungsunternehmer im Zoologischen Garten Tod aufgefunden. Otto wird um Hilfe gebeten den Fall aufzuklären, schnell wird klar, hier geht es nicht nur um Mord. Es steckt viel mehr dahinter. Der Erzählstil von Tim Pieper ist angenehm zu lesen und ein wenig der Zeit angepasst in der der Roman spielt. Auf diese Weise versteht es der Autor ein Gefühl für die Zeit und die Umstände zu vermitteln. Er hat es geschafft die Atmosphäre Berlins einzufangen. Mir hat das gut gefallen und ich konnte mich direkt in das Berlin des Jahres 1896 hineinversetzten. Der Kriminalfall als solches ist gut aufgebaut und auch nicht sofort zu durchschauen. Ich habe mich einige Male vertan wer denn nun der Täter eigentlich war. Obwohl es immer wieder Passagen gab in denen der Täter zu Wort kam und seine Gefühle und Beweggründe erzählte, allerdings ohne zu verraten wer er eigentlich ist. Genügend Spuren hat der Autor jedenfalls angelegt und lädt dadurch zum mit raten ein. Interessant fand ich die politischen Gegebenheiten der Zeit, diese hat der Autor geschickt eingeflochten und wiedergeben. Genauso wie historische Ereignisse wie z.B. die deutsche Colonialausstellung, die zu der Zeit gerade stattfand und ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte war. Gut gefallen hat mir, dass Tim Pieper seine Protagonisten weiter ausgebaut hat, so erfährt der Leser mehr über Otto und auch über den Kommissar Funke.  Dadurch hatte ich fast das Gefühl mehr einen historischen Roman als einen Krimi zu lesen, mir hat aber gerade das gut gefallen und Spaß gemacht zu lesen. Mein Fazit: „Mord im Tiergarten“ ist ein spannender und interessanter Fall für Dr. Otto Sanftleben. Er ist Krimi und gleichzeitig historischer Roman mit interessanten Details der Zeit. Ich hatte einige spannende Lesestunden. Eine klare Buchempfehlung für alle die gern in dieser Richtung lesen. Allerdings würde ich dazu raten vorher den ersten Band „ Mord unter den Linden“  zu lesen, da die Bücher auf einander aufbauen, was das Privatleben von Otto betrifft. Der Kriminalfall als solches ist aber in sich abgeschlossen. Ich hoffe sehr, es wird noch einen dritten oder vierten Fall für Otto geben, ich bin gespannt.

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  • Eine von Hass geprägte Mordserie erschüttert Berlin

    Mord im Tiergarten

    mama2009

    06. November 2013 um 22:27

    Inhalt: Ende des 19 Jahrhunderts wird im Berliner Tiergarten ein jüdischer Zeitungsunternehmer tot aufgefunden. Es deutet alles auf einen Ritualmord hin, doch wer steckt dahinter? Dr. Otto Sanftleben beteiligt sich an den Ermittlungen rund um den Mord und analysiert Verdächtige, dabei wird ihm bewusst, wie weit, wie tief Vorurteile in die Gesellschaft gedrungen sind, so dass Antisemitismus und Rassismus mitunter das Leben prägt, auch verteilt über alle Schichten. Und es bleibt nicht bei dem einem Mord, Otto hat noch einiges aufzuklären. Doch dies soll es zu Inhalt gewesen sein. Fazit: Mit diesem sehr gut recherchiertem Werk schafft es Tim Pieper den Leser am Leben der Menschen zum Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin teilhaben zu lassen. Dies gelingt ihm mit dem Kriminologen Dr. Otto Sanftleben, der mit seiner Beobachtungsweise und Verhaltensanalyse Sachen ausschließt, aber auch Fragen aufwirft. Der Leser erfährt somit hautnah den Hass, der zur Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert in Berlin deutlich spürbar ist. Die Juden, die Farbigen werden mit Vorurteilen überhäuft, die sich über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte in den Menschen festgesetzt haben, so dass an als Leser oft den Kopf schütteln muss, über soviel Irrglauben und was aber auch zum Nachdenken allgemein anregt. Am meisten hat mir die bildhafte, symbolhafte Sprache gefallen, dadurch war ich als Leser ein Teil der Geschichte rund um Otto Sanftleben. In der Nachbetrachtung habe ich mir noch so Gedanken über Otto gemacht, ein sehr erstaunlicher Mensch, der bereits Ende des 19. Jahrhunderts sehr tolerant ist und sich an Verschiedenheiten der Menschen nicht stört, sich nicht von Vorurteilen einlullen lässt. Ich finde die Namenswahl seines Nachnamens sehr gut gewählt. Dieser historische Kriminalroman ist für mich das erste Buch von Tim Pieper, es hat mich von Anfang an begeistert, ich habe die Ermittlungen mit aufgenommen und ich bin dem Mörder sehr lange nicht auf die Spur gekommen, sehr gelungen und sehr gut umgesetzt. Das Buch erhält von mir 5 von 5 Sternen, da ich keinerlei Kritikpunkt anbringen kann, ja ich bin regelrecht von dem Ermittler Otto Sanftleben begeistert, so dass ich mir den ersten Fall von Otto Sanftleben zu legen werde.

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  • Historischer Kriminalroman

    Mord im Tiergarten

    kvel

    28. October 2013 um 22:25

    Der Kriminologe Dr. Otto Sanftleben unterstützt die Polizei und recherchiert zu mehreren Morden im Berlin des Jahres 1896. Der Roman besticht durch die gehobene / gewählte Ausdrucksweise des Autors. Hier ein Beispiel für eine gelungene Formulierung darüber, wie es sich anfühlen kann, wenn sich zwei Personen zur Begrüßung die Hände reichen: „… wie Treibgut, das aufgrund eines formellen Begrüßungsrituals in der Hand des anderen gestrandet war.“, S. 210. Die Charaktere sind gut entwickelt und realistisch und die Geschichte ist in sich schlüssig. Der Roman ist ein gutes Zeitzeugnis und es macht Spaß ihn zu lesen. Mir persönlich gefallen solche Krimis, in denen das Verbrechen / die Gewalttat an sich gar nicht so sehr im Vordergrund steht – sondern eher die Ermittlungen und das Warum. Und dass nebenbei auch noch Einblicke in das damalige Leben der Kaiserzeit und andere geschichtliche Zusammenhänge präsentiert werden, macht den Roman an sich nur noch mehr lesenswert. Fazit: Ein spannender Kriminal-Roman.

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  • Antisemitismus spannend verpackt

    Mord im Tiergarten

    lord-byron

    27. October 2013 um 14:13

    In Berlin im Jahre 1896 wurde im Zoologischen Garten die übel zugerichtete Leiche eines jüdischen Zeitungsunternehmers gefunden. Es scheint ein Ritualmord gewesen zu sein, der voller Hass ausgeführt wurde. Der Kriminologe Dr. Otto Sanftleben wird von der Polizei hinzugezogen um bei den Verhören verschiedener Verdächtiger dabei zu sein. Dann geschieht ein zweiter Mord und es wird klar, dass der Mörder ein Antisemit der schlimmsten Art sein muss. Otto fällt es nicht leicht, sich in dem entsprechenden Umfeld der Antisemiten umzusehen. Aber auch im privaten Bereich wird er gefordert, denn sein Ziehsohn und Leibdiener Moses wurde aufs schrecklichste beleidigt und Otto möchte eine Entschuldigung dafür. Die bekommt er aber nur, wenn sie bei einer Segelregatta gegen den erfahrenen Segler Professor Trittin gewinnen sollten. Und dann taucht da auch noch eine Frau aus Ottos Vergangenheit auf. In diesem historischen Krimi spielen Rassismus und Antisemitismus eine große Rolle. Es ist die Zeit der deutschen Kolonialausstellung und Afrikaner werden vorgeführt wie die Tiere im Zoo. Unglaublich, was sich die Menschen da ansahen und auch noch für bare Münze hielten. Da wurden Afrikaner angeheuert, die mit lächerlichen Kostümen idiotische Tänze vorführen mussten, damit die Deutschen auf ihre Kosten kommen. Mich hat das schrecklich aufgeregt. Genau wie die Afrikaausstellung von Hagenbeck, die kein bisschen besser war. In den Augen vieler Deutscher waren die Afrikaner nicht viel mehr als Affen. Aber das war nur ein kleiner Teil der Geschichte. Der größte Teil handelt vom Hass gegen die Juden und ich wusste nicht, dass der zu der Zeit schon so groß und kurz vor dem Überkochen war. Kein Wunder, dass dann ein gewisser Österreicher ein paar Jahrzehnte später so ein leichtes Spiel hatte. Alleine die ganzen idiotischen Beschuldigungen die total an den Haaren herbeigezogen waren, haben mich schrecklich aufgeregt. Ich war beim Lesen eigentlich nur am Schimpfen. Zum Glück gibt es noch genügen klar denkende Menschen, mit denen ich mich identifizieren konnte. Tim Pieper hat wieder phantastische Figuren erschaffen, die sehr lebendig wirken und die man einfach nur lieben oder hassen kann. Gerade Otto Sanftleben ist ein so vielschichtiger Charakter, dass man immer wieder neue Seiten an ihm findet. Genau wie sein Ziehsohn Moses, der mit ihm durch dick und dünn geht. Besonders gut gefällt mir auch Ottos Bruder, der Erfinder, auch wenn er in diesem Buch nur eine sehr kleine Rolle spielt. Es würde mich sehr freuen, wenn er im nächsten Buch einen größeren Part bekommen würde. Und auch Igraine, die ihrer Zeit weit voraus ist, möchte ich gerne wieder sehen. Auch die Beschreibungen sind wieder so plastisch, dass man sich mitten im Geschehen wähnt. Ich hatte, wie auch beim ersten Band, einen Film im Kopf und konnte mir alles sehr gut vorstellen. Der Kriminalfall war sehr spannend und kam keinesfalls zu kurz. Ich vergebe für dieses tolle, unterhaltsame und spannende Buch 5 von 5 Punkten, den Favoritenstatus und eine absolute Leseempfehlung an alle die gut recherchierte historische Krimis zu schätzen wissen. © Beate Senft

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