Tim Pröse Jahrhundertzeugen

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Inhaltsangabe zu „Jahrhundertzeugen“ von Tim Pröse

Ob Widerstandskämpfer oder Holocaust-Überlebende – die Lebenswege dieser besonderen Menschen beeindrucken gerade in unserer so unruhigen heutigen Zeit. Denn sich gegen Hitler zu stellen, seine Schreckensherrschaft zu überleben und trotzdem nicht mit dem Schicksal zu hadern, sondern immer wieder aufzustehen, dem Leben positiv und mit einem großen Ja zu begegnen, macht Mut für den Umgang mit Terror und Krieg, Flucht und Vertreibung – Themen, die heute wieder von bedrückender Aktualität sind. Tim Pröse hat einige dieser letzten Zeugen über viele Jahre begleitet und erzählt in 18 eindrucksvollen Porträts von ihrem Leben und ihrer Botschaft: ein Plädoyer der Unangepassten für mehr Toleranz und gegen das Vergessen!

Ein wunderschönes Buch über die stillen Helden des Holocausts, das mich tief beeindruckt hat. Absolute Leseempfehlung!

— Anchesenamun
Anchesenamun

Von mir gibt es 5 Sterne für ein Zeitdokument, das sehr einfühlsam, aber mit genügend professionellem Abstand von Tim Pröse verfasst wurde.

— Buchbahnhof
Buchbahnhof

Dieses Buch stellt einfühlsam leuchtende Helden aus der Nazi-Zeit vor, die uns heute Mut machen!

— Wortwanderer
Wortwanderer

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  • Leserunde zu "Meschugge sind wir beide" von Claudia S. C. Schwartz

    Meschugge sind wir beide
    ClaudiaSCSchwartz

    ClaudiaSCSchwartz

    Ihr lieben Leseratten, mein Name ist Claudia S.C. Schwartz und am 9. Juni erscheint mein Buch Meschugge sind wir beide. Unsere deutsch-israelische Liebesgeschichte im Eden Books Verlag. In dem Buch erzähle ich über die Familien von meinem Mann Shaul und mir und über unsere Liebe. Ich berichte darüber, wie Verwandte und Bekannte auf den jeweils anderen reagieren, welche abstrusen Geschichten unser Leben zwischen zwei Kulturkreisen liefert und was eine interreligiöse Hochzeit und ein Baby noch so alles auslösen können. Culture-Clash mit historischem Hintergrund garantiert. Und ganz besonders viel Herz und Humor ;-) Mit großer Vorfreude läute ich diese Leserunde ein und bin sehr gespannt darauf mit euch in Kontakt zu kommen. 20 Bücher stehen zur Verfügung. Schreibt mir gerne wer ihr seid und warum ihr mitlesen wollt.Hier geht es zur Leseprobe: (das erste Kapitel)https://www.dropbox.com/s/j99m5rxfhzx6wlm/Leseprobe%20-%20Meschugge%20sind%20wir%20beide.pdf?dl=0Mehr Infos gibt es auf:https://www.facebook.com/ClaudiaSCSchwartz/ http://www.claudiaschwartz.de/ Ich freue mich sehr auf euch!Herzlichst,Claudia

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  • Niemals vergessen

    Jahrhundertzeugen
    Gwhynwhyfar

    Gwhynwhyfar

    04. April 2017 um 15:03

    Jahrhundert-Zeugen - Die Botschaft der letzten Helden gegen Hitler von Tim Pröse»So wie man behutsam schlafende Kinder streichelt, mit einer seltsamen Beharrlichkeit. Als wolle sie diesen Moment letzter Zärtlichkeit ins Ewige bannen.« So erinnert sich Inge Aicher-Scholl an ihre Mutter, die die Särge ihrer Kinder Hans und Sophie Scholl bei der Beerdigung streichelte.Nachdem ich Tim Pröse interviewen durfte, war ich beeindruckt von der großen Empathie des Journalisten. Das Buch machte mich neugierig. Dazu möchte ich etwas ausholen. Tim Pröse war Redakteur beim »Focus« und Chefredakteur bei der »Münchner Abendzeitung«. Sein Thema waren Reportagen mit interessanten Menschen. Besonders faszinierte ihn der Widerstand während der Hitlerzeit. In seinen Porträts in »Jahrhundert-Zeugen« fasste er die Interviews von 15 Jahren zusammen, einige der Interviewpartner besuchte er mehrmals. Beeindruckend schildert Tim Pröse in Begegnungen mit 18 Personen die Helden jener Tage. Bertold Beitz, der während der Hitlerzeit bereits für die Firma Krupp im heutigen Polen arbeitete, stieg nach dem Krieg zum Generalbevollmächtigten der Firma Krupp auf. Mir war nicht bekannt, dass er als Manager der Karpaten-Öl AG Hunderte von Juden aus dem Zug zog, behauptete, es seien seine Arbeiter, sie damit vor der Deportation rettete, sie einstellte, den ein oder anderen zu Hause versteckte, wie auch den Jungen Jurek Rothenberg. Beitz und Rothenberg treffen sich nach Jahren, Pröse ist dabei. Inge Aicher-Scholl berichtet über ihre Schwester Sophie Scholl. Hans Rosenthal klopfte an der Tür einer wildfremden Frau, die in einer Gartenlaube lebte, bat im Hilfe, ihn, den Juden, zu verstecken. Sie versteckt ihn zwei Jahre lang!»Franz Müller kämpfte in der Weißen Rose.«»Kurt Keller kehrt noch einmal an den Omaha Beach zurück«»Wie Hans-Erdmann Schönbeck Stalingrad und den 20.Juli überlebte«»Zeitzeugen erinnern sich an Claus Graf von Stauffenberg«»Zu Besuch bei Ewald-Heinrich von Kleist, der Hitler töten sollte«»Klaus von Dohnanyi über seinen Vater Hans und seinen Onkel Dietrich Bonhoeffer«»Der Letzte von Schindlers Liste«»Edgar Feutwanger im Haus seines alten Nachbarn Hitler«So lauten einige der Untertitel zu den Kapitelüberschriften. Reportagen über großartige Menschen, die man nicht vergessen darf. »Michael Emge verdankt Schindler sein Leben. ›Er war ein guter Mensch‹, sagt Emge. Dann schweigt er für Sekunden. ‹Privat aber war er auch ein Schuft. Alkohol, Frauen, Geld. Diese drei Dinge waren ihm wichtig.‹ Schindler war ein Geschäftsmann, der Hennessy-Cognac, englische Zigaretten und alle hübschen Frauen liebte, die ihm begegneten. Er sei auch deswegen gut zu ›seinen‹ Juden gewesen, weil er reich mit ihnen geworden sei, sagt Emge: ›Er war durchaus zunächst auf seinen Vorteil bedacht.‹«Dies Buch ist wichtig! Gerade weil wir in einer Zeit leben, in der mancher nach einer starken Hand schreit, faschistische Tendenzen sich breitmachen, an der Demokratie gezweifelt wird. Tim Pröse führt uns zurück in düstere Jahre, zeigt Menschen, die aufrecht andere verteidigten, die den Mut besaßen, NEIN zu sagen und er zeigt Opfer des Nationalsozialismus. In empathischer Weise begegnet er den Zeitzeugen und lässt sie berichten. Tim Pröse klagt nicht an. Sein persönlicher Bericht über die Begegnung mit Menschen, die sich nicht anpassen wollten, die sich nicht duckten, berührte mich als Leser. Ein wunderbares Buch gegen das Vergessen und ein Aufruf für den zivilen Widerstand!

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  • Rezension: "Jahrhundertzeugen" von Tim Pröse

    Jahrhundertzeugen
    Anchesenamun

    Anchesenamun

    05. March 2017 um 19:15

    Der Journalist Tim Pröse fing schon als Kind an, sich mit der schweren Thematik des Holocausts auseinander zu setzen. Er hat im Laufe der Jahre mit zahlreichen Zeitzeugen und deren Nachfahren geredet, teilweise über Jahre hinweg ihre Lebenswege verfolgt. Herausgekommen ist dieses wunderbare Buch mit 18 spannenden Porträts. Hier werden Menschen gezeigt, die den Krieg hautnah miterlebt haben und laut Tim Pröse echte Helden sind. Viele von ihnen wollten nie Helden sein und sehen sich auch nicht so. Manche hatten keine Wahl, versuchten einfach nur zu überleben, wie das Holocaust-Opfer Yehuda Bacon oder der Wehrmachtssoldat Hans-Erdmann Schönbeck. Andere traten dem Nazi-Regime offen entgegen und ließen dafür ihr Leben, wie die Geschwister Scholl oder die Hitler-Attentäter Stauffenberg und Elser. Für diejenigen, die damals den Terror nicht überlebten, sprechen Familiemitglieder und Freunde.   Was man hier liest, ist keine leichte Kost. Lässt man sich auf das Buch ein, wird man emotional stark mitgerissen. Ich habe mehrere Wochen an diesem Buch gelesen, denn vieles wirkt noch lange nach und man muss das Gelesene mitunter erstmal verdauen. Da sind die Erlebnisse von KZ-Häftlingen und Soldaten, die um das nackte Überleben kämpften und Dinge schildern, die man sich heute nicht in seinen schlimmsten Albträumen vorstellen kann. Ich habe oft vor Schreck die Luft angehalten oder konnte meine Tränen kaum zurückhalten. Und dann gibt es diejenigen, die sich in dieser Hölle ihre Menschlichkeit bewahrt haben und für ihre Ideale und das Leben anderer Menschen alles riskiert haben, obwohl sie es einfacher hätten haben können, da sie Arier waren. Dies erfüllte mich mit tiefem Respekt. Diese Helden zeigen, dass es auch immer Licht gibt, wo Schatten ist.  Wenn man über das, was die Menschen im Weltkrieg erleben mussten, liest, kommen einem die eigenen Sorgen klein und unwichtig vor. Stress auf der Arbeit, Streit mit dem Partner, finanzielle Sorgen - all das ist nichts gegen die Gräuel, die Millionen Menschen damals erleiden mussten. Wir sollten dankbar sein, dass wir in Frieden und Freiheit leben dürfen und mithelfen, dass sich solche schrecklichen Dinge nicht mehr wiederholen. Denn ich war etwas schockiert über das abschließende Kapitel, in dem der Autor einen Blick auf die Situation heute wirft, wie mit dem Andenken an den Holocaust und seine Opfer umgegangen wird und wie stark der Antisemitismus auch heute noch in Deutschland und anderen Ländern präsent ist. Das finde ich erschreckend. Trotz der schweren Thematik ließ sich das Buch dank des angenehmen und lebendigen Schreibstils sehr flüssig lesen. Ich hätte mir nur mehr Bilder gewünscht, habe aber auch vieles noch im Nachgang selbst weiter recherchiert. Hierfür ist auch die Literaturliste im Anhang nützlich. Besonders schön fand ich, dass man Pröses Bewunderung und Sympathie für die Porträtierten richtig spürt. Er schafft Emotionen, ohne pathetisch zu werden, obwohl oder auch weil er sich selbst emotional auf diese Menschen einlässt, sie gerne ein Stück ihres Lebensweges begleitet, mit ihnen in die Vergangenheit reist und ihnen mit Respekt und Ehrfurcht begegnet. Man spürt seine Dankbarkeit, diese besonderen Menschen kennenlernen zu dürfen, und dies überträgt sich auf den Leser. Ich persönlich empfinde diese hier so liebevoll aufgezeichneten Begegnungen als etwas ganz Besonderes und kann "Jahrhundertzeugen" jedem wärmstens ans Herz legen.

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  • Dieses Buch muss von vielen Menschen gelesen werden

    Jahrhundertzeugen
    Buchbahnhof

    Buchbahnhof

    20. January 2017 um 22:52

    Jahrhundertzeugen ist ein Buch, das ich nicht einfach so mal schnell runterlesen konnte. Man muss die 18 Geschichten langsam lesen, sie auf sich wirken lassen. Das verflixte dabei ist, dass sie dann noch mehr ihr Grauen entfalten. Ich muss gestehen, dass ich an einigen Geschichten schwer zu knabbern hatte. Dennoch: Dieses Buch muss von vielen Menschen gelesen werden! Tim Pröse schreibt unheimlich sensibel über die Geschichten von Anne Frank, Kurt K. Keller, Hand Rosenthal, Sophie Scholl und vielen anderen. Ich habe den größten Respekt vor den Menschen, die in diesem Buch zu Wort kommen. Einige sind inzwischen verstorben. Sie waren wirkliche Helden, aber das interessante ist, dass sie alle, sich selbst nicht als Helden sehen und auch nicht so bezeichnet werden wollen. Berthold Beitz sagte z. B. „Die Leute wollen mich zum Helden machen. Aber ich war keiner. Ich bin ein Mensch gewesen.“ (S. 45). Also, ganz ehrlich. Wer sich mutig an den Bahnsteig stellt und der SS die jüdischen Menschen quasi entreißt, um diese bei sich in der Fabrik zu beschäftigen und ggfls. zu verstecken. Der darf durchaus als Held bezeichnet werden. Nicht viele hatten und hätten den Mut dazu. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich diesen Mut nicht aufbringen würde. Was aber auch immer wieder durchdringt ist, dass einige von ihnen Angst hatten. Angst zu versagen, Angst vor Repressalien, Angst vor dem Tod. Und genau das macht sie in meinen Augen noch mutiger. Denn, die Angst um das eigene Leben für das Leben von Tausenden zu überwinden… wenn das nicht Mut ist, dann weiß ich auch nicht. Tim Pröse schafft es immer wieder, den Bogen von einem zum nächsten Interview zu schlagen. Es kommen die Widerstandskämpfer und die Holocoust-Überlebenden selbst zu Wort, oft berichten aber auch Freunde oder Verwandte, der bereits verstorbenen Widerstandskämpfer. Sei es die Schwester von Sophie Scholl oder der Sohn und die Enkelin von Wilm Hosenfeld. Ich muss gestehen, dass mir viele der Namen bis zu diesem Buch nichts sagten, aber, jede der hier interviewten oder porträtierten Personen hat seine ganz eigene, sehr spannende Geschichte. Ich kann gar nicht so viel über dieses Buch sagen, außer, dass ihr es unbedingt lesen müsst. Hier geht es wirklich um Menschen, die sich mutig für andere Menschen eingesetzt haben, die in Zeiten absoluter Unmenschlichkeit ihre eigene Menschlichkeit nicht nur nicht vergessen, sondern ausgelebt haben. Dabei fand ich sehr spannend, dass bei Weitem nicht alle von Anfang an Widerstandskämpfer waren, sondern teilweise sogar jubelnd mit in den Krieg gezogen sind. Ihnen allen ist aber wieder gemeinsam, dass ihnen nach und nach die Augen geöffnet wurden und sie den Drehpunkt gefunden haben. Ewald-Heinricht von Kleist sagte gegenüber Tim Pröse: „Man muss immer das Richtige tun. Mehr kann man ja nicht.“ (S.142) Ich denke, dass wir alle genau wissen, wie schwierig es ist, immer das Richtige zu tun. Diesen Satz sollten wir alle uns also ganz groß einrahmen. So einfach gesagt, so schwer umzusetzen und doch so essentiell wichtig. Mich persönlich hat am meisten die Geschichte von Georg Elser beeindruckt. Ein einfacher Handwerker, der den Mut aufgebracht hat, eine Bombe zu bauen und diese in Bürgerbräukeller zu platzieren. Er zeigt, dass auch der Einzelne, der kleine Mann, den Mut aufbringen kann, die Welt zu verändern. Auch, wenn es ihm knapp nicht gelungen ist, so verdient er größten Respekt. Ich war erstaunt darüber, wie oft versucht wurde Hitler zu töten und wie oft es nur um wenige Augenblicke nicht geklappt hat und muss gestehen, dass mir das bisher gar nicht so bewusst war. Ich kann euch dieses Buch nur wärmstens ans Herz legen. Gerade in der heutigen Zeit wird es wieder enorm wichtig genau diese Geschichte nicht vergessen zu lassen. Wir steuern im Moment auf Zeiten zu, die mich besorgt machen, die mir Angst machen und ich denke, dass es extrem wichtig ist, dass wir uns alle vor Augen führen, dass so etwas nie wieder passieren darf. Wir alle müssen uns ein Beispiel an diesen Menschen nehmen. Nicht wegschauen, den Mund aufmachen, dafür sorgen, dass wir auch weiter in einem demokratischen Land leben dürfen. Eine schwere Aufgabe! Von mir gibt es verdiente 5 Sterne für ein Zeitdokument, das sehr einfühlsam, aber mit genügend professionellem Abstand von Tim Pröse verfasst wurde.

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  • Eindrucksvolle Erinnerungen und Portraits des Widerstandes gegen Hitler

    Jahrhundertzeugen
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    05. January 2017 um 14:06

    Eindrucksvolle Erinnerungen und Portraits des Widerstandes gegen HitlerEs ist kein „Who is Who“ des 20. Jahrhunderts, sondern Präse geht einer konkreten Zeit und Haltung im Buch nach. Eine Skizzierung von Menschen, die je auf ihre Art dem Regime des Nationalsozialismus mit Widerstand begegnet sind.„Dabei wussten wir doch, dass wir alle zum „Himmelskommando“ bestellt sind“. So beginnt das Buch mit Erinnerungen des Holocaustüberlebenden Jurek Rotenberg. Und führt im weiteren Verlauf zu Dietrich Bonhoeffer, Sophie Scholl, Carl Graf von Staufenberg, aber auch weniger prominente Namen kommen zu Wort und geht Pröse nach. Wenn Kurt K. Keller noch einmal zum Omaha Beach aufbricht und seine Erinnerungen schildert, wenn der „Letzte von Schindlers Liste“ sein eigenes Ergehen erzählt. Oder wenn es zur Begegnung kommt zwischen dem erwähnten Jurek Rosenberg und seinem Retter, Berthold Beitz.Seien es die Minuten vor der Hinrichtung der Geschwister Scholl, seien es die letzten Tage, Briefe, Texte, die Tiefe Frömmigkeit von Bonhoeffer, sei es das Überleben Hans Rosenthals im Versteck im Schrebergarten, dass ihm durch Bekannte ermöglicht wurde. Erinnerungen fließen zusammen und werden ebenso flüssig von Pröse aufgenommen, die noch einmal unprätentiös vor Augen führen, wie schmal der Grat zwischen Leben und Tod zu Zeiten des dritten Reiches für jeden war, der das Regime bekämpfte oder schlichtweg versuchte, darin zu überleben.„Draußen ist ein sonniger Februartag. Menschen gehen froh und heiter an diesen Mauern vorbei, nicht ahnend, dass hier wieder drei mutige Menschen dem Tod überantwortet werden sollen“.Mut angesichts von Bedrängung unter Gefahr für das eigene Leben und Mut und Haltung auch Angesicht des Todes und der Minute der Hinrichtung, eindrucksvolle Erinnerungen legt Pröse ruhig und sachlich in der Form vor. Die, gerade bei den prominenten Namen, nun nicht unbedingt neue Informationen enthalten, wohl aber den Leser in recht kurzer und prägnanter Form noch einmal erinnern, was war und was geschah. Durch die Augen noch lebender jener Zeit, die persönlich über die dort umgekommenen zu berichten wissen.„Es ist etwas, das kann man nicht vernichten“. Das Menschliche, Humane, mutige sich zur Wehr setzen. Das gibt Yehuda Bacon dem Leser fast zum Ende des Werkes noch mit auf den Weg und setzt damit auch Wegzeichen für die Gegenwart. Sich für die Freiheit und das Miteinander einzusetzen. Auch wenn es einen Preis kostet.Eine interessant zu lesende und auch emotional naherückende Lektüre. 

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  • Ein Buch, das sich verneigt!

    Jahrhundertzeugen
    Wortwanderer

    Wortwanderer

    07. December 2016 um 14:40

    War nicht schon alles gesagt worden? Haben wir nicht schon genug gehört von den Opfern und den Überlebenden? Sind die Betrachtungen, die Analysen, die Versuche der Bewältigung von mit menschlichen Kategorien eigentlich nicht zu erfassenden Ereignissen nicht bereits erfolgt?Ja, ja und ja. Und eben auch nichts von alledem, denn sind auch die Zeiten vergangen, so bleibt doch die Zeitlosigkeit eines menschlichen Verhaltens, welches Beispiel geben kann für etwas, was wir Widerstand, Unangepasstheit, Mut und Aufrichtigkeit nennen. Und vielleicht auch für etwas, was wir Vergebung nennen können.Ohne falsches Pathos hat der Autor Tim Pröse hier ein sehr persönliches Geschichtsbuch geschrieben, dem es nicht um einen vordergründigen Appell an die nachgeborenen Generationen geht, der nicht die letzten Grauzonen des deutschen Irrweges ausleuchtet, sondern Menschen vorstellt, die zu Helden wurden, weil sie wussten, dass es im Falle ihres Scheiterns keine Überlebenschance für sie gab. Die dann überlebten besaßen und besitzen häufig trotzdem noch die Größe, nach dem Krieg differenzieren zu können. Keiner hätte es ihnen verdenken können, stattdessen in blinde Wut zu verfallen. Das unermessliche Böse, real und rechtlich sanktioniert geworden in einem Kulturstaat in der Mitte Europas, es durchzieht auch dieses Buch und steht ungefiltert neben der menschlichen Wärme der hier Beschriebenen.Es sind nicht nur die Verfolgten und Gefolterten, vornehmlich die Juden, die hier eine weitere Würdigung erfahren. Es sind auch Menschen wie die Widerstandskämpfer Georg Elser oder Freiherr Boeselager, die in den Nachkriegsjahren dem Verdacht ausgesetzt wurden, aus zwielichtigen Motiven heraus gehandelt zu haben oder erst dann, als sich zeigte, dass es mit dem 3. Reich zuende ging. Ein Vorwurf, der dem militärischen Widerstand um Stauffenberg und Co. häufig gemacht wurde.Mit welcher Großherzigkeit konnte sich ein Hans Rosenthal zur jungen Bundesrepublik bekennen und dem demokratischen Deutschland dankbar sein? Gar manchem hatte es bei diesem Satz in einer Dalli-Dalli-Sendung nicht nur den Atem verschlagen, sondern auch ein beruhigendes Gefühl gegeben, dass damit doch nun endlich Schluss sei mit den alten Geschichten. Dem war aber nicht so.Pröse gelingt neben der Würdigung dieser 18 Menschen noch etwas mehr: er zeigt, dass wir genau hinschauen müssen bei der Beurteilung von Menschen und Zeiten. Das wird zum Beispiel bei der Person von Oskar Schindler deutlich, der ohne seine Frau, die immer in seinem Schatten stand, nicht das bewerkstelligt hätte, was seinen Ruf geprägt hat. Und neben den großen Namen sind es viele Unbekannte - Opfer und Täter - die in diesem Buch zu Wort kommen oder zumindest Erwähnung finden.Das alles komplettiert nicht nur das Bild des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte, sondern gilt für alle Diktaturen im Großen wie im Kleinen. Nicht jeder wird diesen Menschen nachfolgen wollen oder können, aber auf mich wirkten diese Geschichten wie die Stolpersteine vor vielen Häusern, die auf die früheren Bewohner hinweisen, die deportiert und ermordet wurden: wenn wir sie betrachten, verneigen wir uns.

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