Tim Sullivan

 3,9 Sterne bei 28 Bewertungen
Autor*in von Der Kriminalist, Der Kriminalist - Die Logik des Todes und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Tim Sullivan ist ein erfolgreicher Drehbuchautor, Regisseur und TV-Produzent, der unter anderem an den Filmen Jack & Sarah und Briefe an Julia mitwirkte. Seine Reihe um den sozial unbeholfenen, aber brillanten und äußerst beharrlichen DS George Cross erfreut sich großer Beliebtheit bei den Leser*innen. Tim Sullivan wurde in Deutschland geboren, wo sein Vater für die Royal Air Force stationiert war. Heute lebt er mit seiner Frau Rachel im Norden Londons.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Tim Sullivan

Cover des Buches Der Kriminalist - Die Sprache der Beweise (ISBN: 9783734113840)
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Rezension zu "Der Kriminalist - Die Sprache der Beweise" von Tim Sullivan

Havers
Ein Ermittler, der aus dem Rahmen fällt

Wenn ich mir als jahrzehntelange Leserin die Themenauswahl und deren Verarbeitung im Bereich der unterhaltenden Spannungsliteratur anschaue, gibt es hinsichtlich der Motive und Protagonisten kaum ein Feld, das noch nicht beackert wurde. Zur Folge hat das, dass mich nicht nur die durchschaubaren Plots ohne Raffinesse sondern auch die stromlinienförmig angelegten und austauschbaren Protagonisten zunehmend langweilen.

Deshalb freue ich mich, wenn ich im Wust der Neuerscheinungen Kriminalromane mit einem Ermittler entdecke, in der sich dieser mit seinen Eigenheiten von der Gleichförmigkeit der Masse abhebt. Und wenn dann noch eine interessante Story dazu kommt, die weder unnötige Grausamkeiten noch Schockeffekte zelebriert, umso besser. All das bieten die Kriminalromane des englischen Autors Tim Sullivan.

Kürzlich ist „Der Kriminalist. Die Sprache der Beweise“ erschienen, der dritte Band der Reihe mit DS George Cross, dem Ermittler mit der höchsten Aufklärungsrate der Major Crime Unit Bristol. Er ist penibel und beharrlich, im Umgang mit seinen Mitmenschen allerdings schwierig. Grundehrlich und unbeholfen, was vor allem seinem Autismus geschuldet ist. Ihm zur Seite steht DS Josie Ottey, seine Partnerin in Crime, die sich immer wieder bemüht, ihn für seine Unhöflichkeiten im Umgang mit den Mitmenschen zu sensibilisieren. Kein Wunder, dass er auch immer wieder Probleme mit seinen Vorgesetzten hat.

Im vorliegenden Fall sucht eine Mutter Hilfe bei ihm, die davon überzeugt ist, dass ihre Tochter, eine ehemalige Drogenabhängige, ermordet wurde. Cross‘ Kollegen und auch der Forensiker können dem nicht zustimmen, sind davon überzeugt, dass Selbstmord infolge einer Überdosis die Todesursache war. Allerdings handelt es sich um eine Droge, die üblicherweise nicht im Straßenverkauf erhältlich ist, was Cross hellhörig werden lässt. Natürlich verbeißt er sich in den Fall, will der Mutter Gewissheit verschaffen. Sehr zum Missfallen seines Vorgesetzten, der sogar so weit geht, eine Beschwerde gegen Cross einzureichen. Aber natürlich wird er auch diesen Fall trotz aller Widrigkeiten lösen.

Trotz leichter Längen im Mittelteil ist „Die Sprache der Beweise“ meiner Meinung nach der beste Band der Reihe, kann aber problemlos ohne Kenntnis der beiden Vorgänger gelesen werden. Eine Empfehlung für alle, die ein Faible für Ermittler haben, die aus dem Rahmen fallen.

Mord auf der Straße

Ein Obdachloser, der erwürgt auf der Straße gefunden wird, neben ihm die Tüte mit seinen Ciderdosen. Alles sieht sehr nach einem Streit unter Sandlern aus, der eskaliert ist. Aber DS Cross von der Polizei in Bristol will es genau wissen - er will es immer ganz genau wissen, nicht zuletzt, weil er Asperger hat.

Die Geschichte kommt etwas zäh in die Gänge, und wer danach auf Action hofft, wird vergeblich warten: Dies ist ein klassischer Ermittlerkrimi à la „Tatort“. Der Showdown wird lediglich als Psychokampf im Verhörraum der Polizeistation ausgetragen. Aber das muss ja nichts Schlechtes heißen.

Gute Krimis erzählen immer etwas von der Gesellschaft, in der sie spielen - in dieser Hinsicht kommt „The Dentist“ eher schwachbrüstig daher; gut, der Plot ist solide gezimmert, auch wenn ich nicht alle Details kaufe. Haben Scheinwerfer von Jaguar-Autos wirklich ein Jaguarlogo aufgedruckt? Ich bezweifle es. Auch dass die Befragten ihr haarsträubendes Beziehungsgeflecht so lange vor der Polizei und dem Publikum geheimhalten, hat etwas von den schwächeren Romanen von Agatha Christie, wie überhaupt so einiges hin- und hergezerrt wird, um es passend zu machen.

Viel Raum bekommt der Ermittler und seine Kondition. Da will Tim Sullivan punkten, aber so ungewöhnlich finde ich Asperger nicht, dass man uns das ausgiebigst von Null auf erklären müsste, wir haben schließlich ‚Rain Man‘ gesehen und ‚Boston Legal‘. Auch die Idee, einen Ermittler mit dieser Kondition auszustatten, ist nicht neu: Wir erinnern uns gerne an ‚Die Brücke‘ und die wunderbare Saga Norén, länskrim, Malmö.

In Summe ein passabler Krimi für zwischendurch.

Cover des Buches Der Kriminalist - Die Logik des Todes (ISBN: 9783734111709)
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Rezension zu "Der Kriminalist - Die Logik des Todes" von Tim Sullivan

MichaelSterzik
Oberflächlich bis langweilig

Autismus - Asperger-Syndrom - Menschen mit diesen neuronalen Störungen sind nicht grundsätzlich behindert. Sie haben Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion, also auch Schwierigkeiten in der nonverbalen Kommunikation, Mimik und Gestik des Gesprächspartners einzuordnen. Das Vorurteil, dass es eine Intelligenzminderung gibt, stimmt so nicht. Es gibt Inselbegabungen: Logik, mathematisches Verständnis, Analytik usw., die für uns eher ein Grund zum Staunen als ein Grund zum Erschrecken sind. 

Andere Eigenschaften dieser Menschen sind Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, der Wille, Termine einzuhalten. Es muss also klare Regeln für sie geben. Darüber hinaus sind sie sehr pflichtbewusst und arbeiten mit großem Fleiß. 

Da sie die „Welt“ aus einer anderen Perspektive sehen, ist ihre Wahrnehmung eine ganz andere. Viele sind handwerklich begabt oder geistig sehr kreativ und bieten uns alternative und originelle Lösungen an, auf die wir selbst nicht gekommen wären. Dies bringt große Vorteile für die Bereiche Technik, Wissenschaft, nachhaltige Entwicklung, Innovation, Kunst (Fotografie, Grafik, Illustration, Schreiben), Informatik, aber auch für die Entwicklung von strategischen Projekten, Standards oder Arbeitsstrukturen.

Etwas schwieriger wird es, wenn noch einmal auf das Thema Kommunikation eingegangen wird. Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung haben keinen „sozialen“ Filter. Sie können nicht lügen oder sich bewusst verstellen. Ihre direkte Art kann zu äußerst lustigen, aber auch peinlichen Momenten führen. Sie sind auch nicht an Smalltalk oder Klatsch interessiert und erst recht nicht an eigenen Machtbestrebungen. 

Tim Sullivan ist ein erfolgreicher Drehbuchautor, Regisseur und Produzent, der an zahlreichen TV-Produktionen beteiligt war. „Der Detektiv - Die Logik des Todes“ ist der zweite Band einer Reihe um DS George Cross, der an einer milden Form von Asperger leidet und trotzdem oder gerade deswegen ein brillanter Ermittler ist. 

Detective Sergeant George Cross hat unvergleichliche Talente. Mit seiner brillanten Kombination aus Logik, Entschlossenheit und oft auch Pedanterie ist er für die Angehörigen oft die letzte Hoffnung, endlich Antworten in verzwickten Fällen zu finden. Als ein Bagger auf einer Abrissfläche eine Leiche ausgräbt, ist es an Cross, die Wahrheit aus allen Fragmenten zusammenzusetzen, die er finden kann. Bräunungsstreifen am Körper und seltsame Narben an den Unterarmen verraten die Identität des Toten: ein männlicher Amateur-Rennradfahrer, der seine Leistung mit Drogen steigerte. Nun muss Cross die Hintergründe der Tat aufdecken - und gerät dabei in eine dunkle Familiengeschichte ...(Verlagsinfo) 

Leider ist der zweite Band der Reihe bei weitem nicht so stark wie der erste Band. Die charakterlichen Eigenheiten, Talente und Inselbegabungen eines George Cross kommen hier leider weniger zur Geltung. Stattdessen verliert man sich in unzähligen Dialogen mit Zeugen und Verdächtigen, die weder spannend noch handlungsrelevant sind. 

Im Vordergrund steht die gute alte Ermittlungsarbeit. Actionszenen gibt es nicht, die erwartet man auch nicht, wenn man den Vorgänger gelesen hat. Allerdings erwartet man eine gewisse Originalität, einen Ansatz von Humor und eine gewisse Situationskomik, wenn Cross mit anderen interagiert oder in eine Diskussion einsteigt. 

Diese Figur wird ebenso wie alle anderen Figuren, die man kennt, nicht weiter ausgearbeitet. 

Erst gegen Ende, vor allem bei der abschließenden Befragung des Täters, wird der Roman stark. Doch dafür ist es fast schon zu spät. 

Fazit

Der Roman ist sehr oberflächlich - zu wenig originell und es gibt keine spannenden Elemente. Auch intelligenter Humor fehlt. Also sehr enttäuschend und leider nicht zu empfehlen. Trotzdem werde ich mir den dritten Band zu Gemüte führen, wenn er denn veröffentlicht wird. Die Figur des George Cross ist interessant - aber im Großen und Ganzen ist diese stilistische Ebene ein Schritt zurück.

 

Michael Sterzik

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