Wenn ich mir als jahrzehntelange Leserin die Themenauswahl und deren Verarbeitung im Bereich der unterhaltenden Spannungsliteratur anschaue, gibt es hinsichtlich der Motive und Protagonisten kaum ein Feld, das noch nicht beackert wurde. Zur Folge hat das, dass mich nicht nur die durchschaubaren Plots ohne Raffinesse sondern auch die stromlinienförmig angelegten und austauschbaren Protagonisten zunehmend langweilen.
Deshalb freue ich mich, wenn ich im Wust der Neuerscheinungen Kriminalromane mit einem Ermittler entdecke, in der sich dieser mit seinen Eigenheiten von der Gleichförmigkeit der Masse abhebt. Und wenn dann noch eine interessante Story dazu kommt, die weder unnötige Grausamkeiten noch Schockeffekte zelebriert, umso besser. All das bieten die Kriminalromane des englischen Autors Tim Sullivan.
Kürzlich ist „Der Kriminalist. Die Sprache der Beweise“ erschienen, der dritte Band der Reihe mit DS George Cross, dem Ermittler mit der höchsten Aufklärungsrate der Major Crime Unit Bristol. Er ist penibel und beharrlich, im Umgang mit seinen Mitmenschen allerdings schwierig. Grundehrlich und unbeholfen, was vor allem seinem Autismus geschuldet ist. Ihm zur Seite steht DS Josie Ottey, seine Partnerin in Crime, die sich immer wieder bemüht, ihn für seine Unhöflichkeiten im Umgang mit den Mitmenschen zu sensibilisieren. Kein Wunder, dass er auch immer wieder Probleme mit seinen Vorgesetzten hat.
Im vorliegenden Fall sucht eine Mutter Hilfe bei ihm, die davon überzeugt ist, dass ihre Tochter, eine ehemalige Drogenabhängige, ermordet wurde. Cross‘ Kollegen und auch der Forensiker können dem nicht zustimmen, sind davon überzeugt, dass Selbstmord infolge einer Überdosis die Todesursache war. Allerdings handelt es sich um eine Droge, die üblicherweise nicht im Straßenverkauf erhältlich ist, was Cross hellhörig werden lässt. Natürlich verbeißt er sich in den Fall, will der Mutter Gewissheit verschaffen. Sehr zum Missfallen seines Vorgesetzten, der sogar so weit geht, eine Beschwerde gegen Cross einzureichen. Aber natürlich wird er auch diesen Fall trotz aller Widrigkeiten lösen.
Trotz leichter Längen im Mittelteil ist „Die Sprache der Beweise“ meiner Meinung nach der beste Band der Reihe, kann aber problemlos ohne Kenntnis der beiden Vorgänger gelesen werden. Eine Empfehlung für alle, die ein Faible für Ermittler haben, die aus dem Rahmen fallen.
























