Timo Kölling

 4,7 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Was nicht geschah, Wir sind die Äußersten und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Timo Kölling

Timo Kölling, 1978 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen, ist Lyriker und Philosoph. Tradition und Bruch, Schrift und Rettung, Grenze und Landschaft, Selbstsein und Fremdheit sowie immer wieder das Gehen und das Wandern gehören zu den Themen seiner Dichtung und Deutung.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Timo Kölling

Cover des Buches Wir sind die Äußersten (ISBN: 9783746007410)

Wir sind die Äußersten

 (1)
Erschienen am 15.02.2018
Cover des Buches Ernst Jünger und die Nichtvergesslichkeit (ISBN: 9783942090155)

Ernst Jünger und die Nichtvergesslichkeit

 (0)
Erschienen am 07.08.2011
Cover des Buches Was nicht geschah (ISBN: 9783748126621)

Was nicht geschah

 (1)
Erschienen am 08.02.2019
Cover des Buches Exodus Schwarz (ISBN: 9783942090247)

Exodus Schwarz

 (0)
Erschienen am 15.11.2012
Cover des Buches Brandung und Geräum (ISBN: 9783748125884)

Brandung und Geräum

 (0)
Erschienen am 12.03.2019
Cover des Buches Die Gabe des Zitterns (ISBN: 9783942090339)

Die Gabe des Zitterns

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Erschienen am 01.01.2014
Cover des Buches Ernst Jünger und die Nichtvergeßlichkeit (ISBN: 9783735784407)

Ernst Jünger und die Nichtvergeßlichkeit

 (0)
Erschienen am 21.05.2019

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Cover des Buches Wir sind die Äußersten (ISBN: 9783746007410)E

Rezension zu "Wir sind die Äußersten" von Timo Kölling

Die andere Hälfte
EdAlPovor 5 Monaten

Wer selbst schon versucht hat, ein Traumtagebuch zu führen, kennt die Schwierigkeiten, auf die man dabei stossen kann. Eine dieser Schwierigkeiten besteht darin, dass das sogenannte Unbewusste es zu merken scheint, wenn man es belauscht, dass es deshalb etwas von seiner Spontanität verliert. Vor allem dann, wenn man nur leicht schläft, kann das Bewusstsein in den Produktionsprozess des Unbewussten eingreifen. Bemüht man sich im Traum zum Beispiel um eine exakte Formulierung, so wacht man prompt auf. Dies zeigt, dass unsere Bewusstseinsarbeit, die Verbalisierung unserer Gedanken, dem Träumen abträglich ist. Daraus erfolgen willkürlich-unwillkürliche Erzeugnisse, die dem Diaristen die Weiterführung seiner Aufzeichnungen verleiden.

Bei Timo Kölling habe ich nun nicht den Eindruck, dass seine Träume durch die Aufmerksamkeit, die er ihnen widmet, verfälscht worden sind. Er lässt sie gelten, wie sie sind, ohne aus ihnen etwas machen zu wollen. Ich bewundere dies umso mehr, als es einem Autor einiges abverlangt. Es gibt Träume, die man gar nicht erst erzählen mag, weil man nicht weiss, wie man ihnen mit Worten beikommen soll. Aber Kölling schafft das; er ist der Aufgabe, die er sich gestellt hat, vollauf gewachsen. Er bietet sowohl die Prägnanz der Sprache als auch die Intensität der Imagination, die dazu vonnöten sind, auf, so dass dem Leser nichts zu wünschen übrig bleibt. 

Im Traum ist - laut Graham Greene - jeder in seiner eigenen Welt. Es versteht sich daher, dass Köllings Träume typisch für ihn sind, dass sie nicht zu verwechseln sind mit den Träumen von jemand anderem. Er kann sie gar nicht erzählen, ohne etwas von sich selbst preiszugeben. So würde der Leser ihm unweigerlich zu nahe treten, wenn er sie einzeln kommentieren würde. Wer seine Lektüre gleich mit dem Nachwort des Autors begonnen hat, weiss jedoch, wie wenig erpicht dieser darauf ist, psychologisch interpretiert zu werden. Der Traum erhält seinen Wert nicht erst durch die Bedeutung, die man in ihn hineinliest; er hat seinen Wert in sich selber. Es fragt sich, inwieweit man jemanden überhaupt haftbar für seine Träume machen kann. Wäre es nicht besser, sie einfach auf sich beruhen zu lassen? 

Wie dem auch sein mag, unsere Träume sind ja auch so noch ergiebig genug. Ein Beispiel wie das Titelstück "Wir sind die Äussersten" zeigt jedenfalls, dass ein Traum unser Leben durchaus beeinflussen kann, und sei es nur, indem er uns bisherige Positionen fragwürdig erscheinen lässt und sie damit zurechtrückt. Was mir besonders zusagt an diesem Journal, ist die Gegenwart der Toten, von der es zeugt. Oft haben sie sich in geheime Schlupfwinkel des Elternhauses zurückgezogen, die nimandem mehr zugänglich sind; oft bewegen sie sich, als wären sie nicht längst verstorben, inmitten der Familienangehörigen und nehmen nach wie vor an ihrem Leben teil. (Es ist übrigens nicht dasselbe, ob man von den Toten bloss träumt oder ob sie einem im Traum wirklich erscheinen.) 

Da Kölling sich, mit Rucksack und Schlafsack bepackt, immer wieder gerne aufmacht, um die Landschaft zu Fuss zu erkunden, überwiegen ländliche Schauplätze die städtischen. Die Häuser, in denen er logiert, sind meistens im Umbruch begriffen; sie werden entweder gerade aufgebaut oder schon wieder abgerissen. Dies verleiht den Verhältnissen, in denen er jeweils lebt, den Anschein des Provisorischen. Profanes kann schlagartig in Sakrales umschlagen, und umgekehrt. Von einer bedrohlichen Atmosphäre erfüllt, steigern sich die Träume mitunter zu einem Albtraum. Naturgesetze werden, wie man es sich aus dem Traumleben gewohnt ist, aufgehoben, wenn - zum Beispiel - ein Kanal den Hügel hinauffliesst. Die Dimensionen von Raum und Zeit verschieben sich laufend, und dies ist noch das wenigste. 

Es gäbe also noch vieles mehr zu sagen... Manchmal versteht man einen Traum auch auf Anhieb - so ist es mir mit dem letzten der Sammlung ergangen (siehe "Der Brauch").


Nachtrag: 

Was Walser seinerzeit über die Traumprotokolle Wolfgang Bächlers sagte - dass sie ein Auskunftsbuch über die gegenwärtigen Zustände in Deutschland seien -, dies trifft auf Köllings Traumjournal erst recht zu. An Bezügen zur aktuellen Situation fehlt es keineswegs, wie schon allein die wiederholt auftretenden Überschwemmungen und Flächenbrände zeigen - postapokalyptische Szenerien, die bereits erahnen lassen, was noch auf uns zukommt. Man merkt, dass der Autor sich hinreichend dafür gewappnet hat.









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