Timon Karl Kaleyta

 3,4 Sterne bei 12 Bewertungen

Lebenslauf von Timon Karl Kaleyta

Timon Karl Kaleyta veröffentlichte mit seiner Band Susanne Blech vier Alben und spielte hunderte Konzerte. Er studierte in Bochum, Madrid und Düsseldorf und ist Gründer des Instituts für Zeitgenossenschaft IFZ. Nach dem finanziellen Ruin mit der Musik begann er ein glückliches Leben und ist heute Kolumnist (FAS), Drehbuchautor (jerks) und Ehemann einer erfolgreichen Kunsthändlerin in Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Timon Karl Kaleyta

Cover des Buches Die Geschichte eines einfachen Mannes (ISBN: 9783492070461)

Die Geschichte eines einfachen Mannes

 (9)
Erschienen am 01.04.2021
Cover des Buches Die Geschichte eines einfachen Mannes (ISBN: 9783492318846)

Die Geschichte eines einfachen Mannes

 (2)
Erschienen am 31.03.2022
Cover des Buches Die Geschichte eines einfachen Mannes (ISBN: 9783864846878)

Die Geschichte eines einfachen Mannes

 (1)
Erschienen am 28.04.2021

Neue Rezensionen zu Timon Karl Kaleyta

Cover des Buches Die Geschichte eines einfachen Mannes (ISBN: 9783492070461)
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Rezension zu "Die Geschichte eines einfachen Mannes" von Timon Karl Kaleyta

Der Aufstieg und Fall eines einfachen Mannes
GAIAvor einem Jahr

In seinem Erstlingswerk verfolgt Timon Karl Kaleyta die Bemühungen eines von sich zu sehr überzeugten Ich-Erzähler in die Höhen seiner Schaffenskraft aber auch wieder zurück nach unten. 

Der Ich-Erzähler ist dabei auch meiner Sicht total unsympathisch angelegt in seiner überbordenden Eingenommenheit und Egozentrik und trotzdem ist die Lektüre nicht im Entferntesten ärgerlich oder ätzend. Nein, sie ist unglaublich amüsant auf hohem intellektuellem Niveau. Der Plot, die Figur als auch die Geschehnisse sind sehr humorvoll beschrieben. Dabei musste ich durchaus sprachlich an ältere Formen aus den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts denken. Mal schelmenhaft, mal Hinterfragen (Aufstieg und Scheitern) des eigenen vorbestimmten gesellschaftlichen Strukturen, mal undefinierbar. Toll.

Wie soll ich beschreiben, dass dieses Schwanken des Protagonisten zwischen schlechten Charakteräußerungen - er gesteht es zwischenzeitlich sogar selbst ein: "Undank und Arroganz, Blasiertheit und Überheblichkeit, Ablehnung und Flucht" - und Verdrängen dieser Einsichten, die für ihn hoffen lassen, ein ums andere Mal immer wieder, indem er von seinem Selbst und seinem Talent dermaßen eingenommen ist, dass er andere nur vor den Kopf stoßen kann, wirklich sehr unterhaltsam zu lesen ist? Es ist ein Auf und Ab, mitunter innerhalb von nur einer Buchseite.

Ich bin total begeistert von diesem gleichsam intelligenten und unterhaltsamen Roman, der sprachlich herausragend geschrieben ist. Ein grandioses Debüt.


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Cover des Buches Die Geschichte eines einfachen Mannes (ISBN: 9783492070461)

Rezension zu "Die Geschichte eines einfachen Mannes" von Timon Karl Kaleyta

Mir gehört die Welt!
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

Der Protagonist ist ein egoistischer, selbstherrlicher junger Mann aus einfachem Hause, der glaubt, er müsse sich im Leben kein bisschen anstrengen. Er erwartet, dass ihm das Glück verdientermaßen (weil er so überaus talentiert und großartig ist!) schon vor die Füße fallen wird. So sucht er nach der Schule erstmal weder nach einer Arbeitsstelle noch nach einem Studienplatz, sondern wartet ab, was das Schicksal für ihn Schönes in petto hat – das Zen des selbstgefälligen Nichtstuns.⁣

Das fand ich eine Weile herrlich absurd, denn er ist sich seines Dünkels überhaupt nicht bewusst, zelebriert seine eigene Herrlichkeit in kompromissloser Kühnheit. Der Autor treibt alles gnadenlos auf die Spitze, der Schreibstil liest sich sehr unterhaltsam.⁣

Als das Nichtstun auf Dauer nicht zum erwünschten Glück führt und seine Eltern zunehmend in Verzweiflung verfallen, geht unser Held zur Universität. Dort will er sich auf der Stelle für ein Medizinstudium einschreiben, als habe man dort nur auf ihn gewartet. Aber dann: Fehlschlag! Er ist bass erstaunt, dass er zum einen viel zu spät dran ist und es außerdem einen Numerus Clausus gibt, den seine Abiturnoten nicht erfüllen. So muss er vorlieb nehmen mit einem Studium der Geisteswissenschaften, wie anscheinend eine wahre Heerschar von anderen Student:innen.⁣

Kaleyta fängt sehr prägnant ein, welche Schwierigkeiten es mit sich bringt, in einer völlig überfüllten Universität zu studieren. Der Protagonist begegnet Dozenten, die so grundlegend desillusioniert sind, dass sie ihr eigenes Fach als wertlos erachten und ihren Student:innen keinerlei Chancen im Leben zutrauen. Seine egozentrische Geltungssucht prallt schonungslos auf die Realität, sein verächtlicher Blick rückt ganz reale Probleme in den Fokus.⁣

Damit beginnt leider ein Zyklus, der sich stets aufs Neue mit leichten Variationen wiederholt: Der Protagonist fühlt sich vom Schicksal unfair behandelt. Er beklagt sein ach so hartes Los, während Eltern und Freunde ihm großzügig sein bequemes Leben finanzieren. Ihm fällt ein unverdientes Glück in den Schoß, das er aber als ihm nicht würdig genug erachtet und daher entweder ausschlägt oder ruiniert.⁣

Zum Beispiel kommt ihm einmal in den Sinn, er wolle doch mal ins Ausland, und das bitte sofort und kostenlos. Prompt erhält er ein Stipendium für ein Studium in Madrid, inklusive 1.000 Euro im Monat für Lebenskosten – mit der Auflage, er müsse dann aber auch beweisen, dass er es mit dem Studium ernst meint, indem er zeitig Klausuren ablegt. Aber er hält es monatelang nicht einmal für nötig, die Universität zu betreten, und wundert sich dann, dass es Konsequenzen hat.⁣

Irgendwann überreizte er mein Wohlwollen über jedes Maß hinaus.Er wird immer wieder aufgefangen von den Menschen in seinem Leben, er hat niemals wirklich ein hartes Schicksal. Die Konsequenzen tragen im Grunde stets die anderen, und das schert ihn herzlich wenig. Das fand ich für etwa die ersten 100 Seiten ja noch amüsant – aber dann ermüdete mich die ständige Wiederholung.⁣

Für eine ernsthafte Geschichte mit einer Dosis Gesellschaftskritik ist das Ganze in meinen Augen zu übersteigert.⁣

Alleine schon, wie er seine Freunde behandelt! Für ihn sind sie wenig mehr als Kummerkästen und Geldmaschinen, ihm kommt gar nicht in den Sinn, ihnen jemals etwas zurückzugeben – noch nicht einmal ein offenes Ohr. Dennoch lassen sie alles stehen und liegen, wenn er mit den Fingern schnippt, ruinieren sich lieber selbst, als ihm etwas zu verwehren. Warum? Seine einzige einnehmende Eigenschaft besteht in seinen außergewöhnlich weichen Händen.⁣

Für Satire hat es meines Erachtens zu wenig Biss und zu wenig Aussage.⁣

Denn was wird hier denn satirisch dargestellt? Es geht ja nicht um einen jungen Mann, der versucht, sich aus einer niederen Klasse hochzuarbeiten, aber vom System klein gehalten wird – es geht um einen Schmarotzer, der alles geschenkt bekommt, dem aber nichts gut genug ist. Er ruiniert sich den gesellschaftlichen Aufstieg selbst. Geht es um den Zeitgeist? Geht es um den modernen jungen Menschen, der sich quasi stets nur im Selfie abbildet?⁣

Am Anfang war ich ja auch durchaus angetan, aber irgendwann fragte ich mich: und nun? Was soll ich jetzt daraus mitnehmen? Das Ende durchbricht in einer Schlusspointe diesen Zyklus der Selbstherrlichkeit – aber das passte für mich nicht dazu, wie die Persönlichkeit des Protagonisten bis dato dargestellt worden war. Er erscheint wie ein ganz anderer Mensch, ohne dass dieser Wandel sich nachvollziehbar vollzogen hätte. Höchstens könnte ich sagen: Er ist am Schluss genau in dem Leben angekommen, das angesichts seiner Herkunft den Erwartungen entspricht.⁣

Fazit⁣

Ein junger Mann aus einfachem Hause hält sich quasi für Gottes Geschenk an die Menschheit. Er lässt sich durchs Leben treiben, im festen Glauben, Glück, Ruhm und Wohlstand müssten ihn wohlverdienter Maßen schon von selbst ereilen. Er ruiniert sich viele Chancen, was aber immer von seiner Familie und seinen Freunden aufgefangen wird. Immer wieder fällt ihm das Glück in den Schoß, wird aber von ihm als nicht gut genug verschmäht.⁣

Das fand ich anfangs originell und unterhaltsam, doch die Geschichte wiederholt sich in Grundzügen immer wieder, mit nur wenigen Abweichungen. Selbstüberschätzung. Fehlschlag. Intervention der Menschen um ihn herum. Selbstüberschätzung…⁣

Das Ende weicht radikal davon ab, aber dies erfordert eine komplette Umkehr der Persönlichkeit des Protagonisten. Im Laufe der Geschichte hat er zuvor jedoch vor allem seine komplette Unempfänglichkeit für Wandel jeglicher Art demonstriert, sodass mir das Ende nicht vollständig glaubhaft erschien.


Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog:

https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-timon-karl-kaleyta-die-geschichte-eines-einfachen-mannes/

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Cover des Buches Die Geschichte eines einfachen Mannes (ISBN: 9783492070461)
Sigismunds avatar

Rezension zu "Die Geschichte eines einfachen Mannes" von Timon Karl Kaleyta

Hochmut kommt vor dem Fall
Sigismundvor einem Jahr

REZENSION – Mit seinem im April beim Piper Verlag veröffentlichten Roman „Die Geschichte eines einfachen Mannes“ ist dem Autor Timon Karl Kaleyta (31) ein überraschendes Debüt gelungen, das zu Recht beim diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb mit dem 3sat-Preis ausgezeichnet wurde. Kaleyta porträtiert darin einen sich selbst grenzenlos überschätzenden jungen Mann, der, liebevoll verwöhnt von seinen Eltern, zwei für das "familiäre Auskommen schuftende Fabrikarbeiter", überzeugt ist, „dass das Leben ein Geschenk ist, ein fröhliches Spiel“, ohne für dessen Erfolg selbst etwas leisten zu müssen.

Seine Schulnoten waren ausgezeichnet, ebenso seine Studienabschlüsse. Zu keinem Zeitpunkt macht sich der Erzähler Gedanken um die Zukunft, „so mühelos war mir stets alles zugeflogen“. Er ist sicher, „dass mir etwas Besonderes innewohnte“ und dass das Schicksal noch Großes mit ihm vorhat. Statt nach dem Studium der Soziologie eine der ihm angebotenen seltenen Anstellungen als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bochumer Universität anzunehmen, lebt der „einfache Mann“ fortan mit den Mitteln eines Studiendarlehens sowie auf Kosten seines Freundes Sebastian oder seiner Freundinnen Neomi und Soyoung. Er nutzt schamlos das Vertrauen seiner Eltern, Freunde und Mitmenschen aus, ohne je einen Gedanken daran zu verschwenden, dieses Vertrauen auch rechtfertigen zu müssen.

Völlig überraschend wird der „einfache Mann“ ein hoffnungsvoller Texter und Sänger, „ein bewunderter und von allen verehrter Musiker“, wie er sich selbst vormacht. Alles gelingt ihm ohne Ehrgeiz, ohne Plan und Ziel. Arbeiten lässt der Mann „mit den weichsten Männerhänden der Welt“ lieber seinen Freund Sebastian und die Band-Mitglieder. Anfangserfolge lassen ihn leichtsinnig und hochmütig werden. Als sich seine Freundin Soyoung überraschend von ihm trennt („Es gibt nämlich noch andere Menschen als Dich auf der Welt“), erkennt er nicht seine ihr zugefügte Kränkung, sondern sieht nur eine „Befreiung“ von hinderlicher Verpflichtung. Der „einfache Mann“ glaubt eine große Karriere vor sich und ist überzeugt, sich erfolgreich von den „verstopften Lebensentwürfen“ seiner Arbeiter-Eltern, seiner einstigen Mitschüler und Mitstudenten entfernt zu haben.

Doch dann kommt es, wie wir Leser es längst erwartet haben: In seinem Briefkasten landen „eine ganze Reihe unbezahlter Rechnungen, Mahnungen, Zahlungsaufforderungen“. Prompt sieht der Egozentriker nicht die Schuld bei sich, sondern bei allen anderen: „Was hatte ich der Welt nur getan, dass sie mich derart strafte?“ …. „Alles war letztlich Sebastians Schuld.“ Völlig verschuldet, ohne Verbindung zu den von ihm in seiner Arroganz brüskierten Freunden und Eltern, landet der „einsame, mittelloser Mann von bald 35 Jahren“ plan- und ziellos zur Untermiete in einem kleinen fensterlosen Zimmer im Berliner Osten. „Ein Neuanfang konnte es unmöglich gewesen sein, dafür fehlte mir die Perspektive.“ Erst viel zu spät erkennt er seine Situation „als Ausweis eines gescheiterten und in jeder Beziehung an die Wand gefahrenen Lebens“.

Autor Kaleyta lässt seine Leser mit seinem Erzähler, der an seinem Missgeschick unschuldig zu sein glaubt und letztlich für seine Selbstüberschätzung und Ignoranz hart bestraft wird, mal mitleiden, mal über ihn lachen, mal sich über dessen Hochmut entsetzen. Es ist diese Mischung unterschiedlicher Gefühle die den in schlichtem, unaufdringlichem Erzählton verfassten Roman so eingängig macht, gelegentlich auch tief berührt. „Die Geschichte eines einfachen Mannes“ ist ein lesenswertes, in seiner Handlung absolut überzeugendes Debüt. Vergleicht man den Lebensweg des Autors mit der Geschichte seines Protagonisten – beide haben in Bochum Soziologie studiert, beide sind Songtexter –, fragt man sich unweigerlich, wie viel Autobiographisches von Timon Karl Kaleyta in seinem ersten Roman steckt.

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