Timothy W. Ryback Hitlers Bücher

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Inhaltsangabe zu „Hitlers Bücher“ von Timothy W. Ryback

»Glänzend geschrieben und akribisch recherchiert – ein faszinierendes und gleichwohl provozierendes Buch.« Ian Kershaw Man könne viel über einen Menschen herausfinden durch die Bücher, die er besitzt – seinen Geschmack, seine Interessen, seine Gewohnheiten, sagte einst Walter Benjamin. Adolf Hitlers Bibliothek umfasste 16 000 Bücher. Einen Teil davon brachten amerikanische Soldaten nach Kriegsende in Postsäcken nach Washington, wo sie bis heute in der Library of Congress lagern und in Vergessenheit zu geraten drohen. Die Bücher seiner privaten Bibliothek prägten den Autodidakten Hitler und beeinflussten maßgeblich sein verbrecherisches Denken und Handeln. In vielen hob er Passagen hervor und versah sie mit Kommentaren und Unterstreichungen. Widmungen bekannter Autoren wie Ernst Jünger oder auch die Verfasserin eines vegetarischen Kochbuchs zeugen von Ehrerbietungen, Freundschaften und Gefälligkeiten. Timothy W. Ryback hat diese Spuren Hitlers erstmalig ausgewertet und den Weg der Schlüsselbegriffe und Ideen nachgezeichnet, aus denen der Diktator sein nationalsozialistisches wie menschenfeindliches Weltbild schuf. Der Leser erfährt, welche Bücher wichtig für Hitler waren und welche Autoren ihn fasziniert haben: von Wilhelm Busch über Ibsen und Shakespeare bis hin zu Nietzsche und Schopenhauer.

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  • Rezension zu "Hitlers Bücher" von Timothy W. Ryback

    Hitlers Bücher
    Sokrates

    Sokrates

    10. April 2011 um 11:15

    "Man liest, was man ist" - das gilt für jeden Leser. Dies gilt so natürlich auch für Adolf Hitler. Betrachtet man die über die halbe Erde verstreuten Bücher aus seinen 3 Bibliotheken (insgesamt wohl an die 16.300 Bände), sieht man den von der historischen Forschung bereits klar herausgearbeiteten Charakter Hitlers in seiner Bücherauswahl bestätigt. Von kitschig-seichter Unterhaltungsliteratur, rasseideologischer Lektüre bis hin zu okkultem Pseudo-Fachwissen; Anspruchsvolles war weniger dabei. Vieles hatte er auch nie gelesen, das zeigen nicht vorhandene Gebrauchsspuren; anderes wiederum las er immer wieder, so bspw. "Max und Moritz" von W. Busch, was völlig abgegriffen neben seinem Bett gelegen haben soll. Der Autor Ryback sieht diesen Bücher-Sammel-Wahn bei Hitler v.a. darin begründet, dass er sich seines akademischen Defizits bewusst war und durch lebenslange Lektüre diese Lücke zu schließen hoffte. Er merkte sich in sehr eklektischer Art und Weise lauter Fetzen und Brocken, die er dann bei Gelegenheit anbringen konnte. Nur leider verrät die Auswahl der Bücher, die er nachweislich gelesen hat, dass er doch ein etwas schlichter Charakter war, der sich in alles anspruchsvollere - wenn überhaupt - schwer einarbeiten musste. Und: viele der in seiner Bibliothek befindlichen Bücher sind Schenkungen; wer publizierte, schickte "Dem Führer" gerne ein Exemplar. Es machte sich gut in der Reputation und war auch "guter Ton" im nationalsozialistischen Intellektuellenkreis. - Ryback schreibt gut, anspruchsvoll, aber nicht akademisch-abgehoben. Das Buch liest sich sehr angenehm. Spannend ist es auch, aber nicht, weil "tolle Bücher" im Sammelsurium des Adolf Hitler gefunden wurden, sondern weil einfach durch die bloße Ansicht der Titel unglaublich viel über diesen Menschen ausgesagt wird, viel Erschütterndes, Unnachvollziehbares, Befremdliches.

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  • Rezension zu "Hitlers Bücher" von Timothy W. Ryback

    Hitlers Bücher
    ChiefC

    ChiefC

    24. March 2010 um 20:37

    Der Mann, der Bücher verbrennen ließ, las jede Nacht mindestens ein Buch – laut Hitlers eigenen Angaben und den Aussagen etlicher Bediensteter. Sein Lesestoff, unter anderem: Karl May, Sven Hedin, jede Menge rassistischer Traktate, Militärisches und Okkultes. Was sagt die Lektüre über den Mann aus, der Abermillionen ins Unglück stürzte? Sehr viel, wie Timothy W. Ryback in seinem Buch verdeutlicht. Er hat ihm einen Vierzeiler von Alexander Pope vorangestellt, der mit den Worten beginnt: „A little learning is a dangerous thing“. Adolf Hitler ist sicher das beste Beispiel dafür, wie gefährlich Halbbildung ist, das wahllose Verschlingen von Fakten, Fiktion und Lügen und die Unfähigkeit, diese zu verdauen, das eine vom anderen zu unterscheiden. Einen „Gossen-Intellekt“ bescheinigt Ryback in einem Interview Hitler. Ein Mann, der im selben Atemzug Schopenhauer und einen obskuren Rassisten zitiere. Dahinter steht zum einen die intellektuelle Unsicherheit, die Hitler wegen seiner ungenügenden Schulbildung hatte, zum anderen seine Überheblichkeit, wie sie etwa schon in „Mein Kampf“ zum Ausdruck kommt. In nur wenigen Jahren habe er das nötige Wissen erworben, auf dem seine Weltanschauung ruhe. Zu seinen meistbenutzten Büchern, die in all seinen Residenzen griffbereit waren, gehörten Enzyklopädien, Meyers und der Brockhaus, in denen Hitler oft nachschlug. Seine Zeitgenossen waren immer wieder erstaunt über die Menge an Fakten und Zahlen, die Hitler aus dem Kopf abspulen konnte. Versuche, Hitlers Lesegewohnheiten anhand der übrig gebliebenen Büchern aus seinen diversen Bibliotheken zu rekonstruieren, bergen Risiken, deren sich Ryback wohl bewusst ist. Denn sie wurden nach dem Krieg zerstreut. Außerdem ist es kein leichtes Unterfangen zu bestimmen, welche Bücher Hitler tatsächlich selbst gelesen hat. Handschriftliche Randbemerkungen gibt es so gut wie keine und ob angestrichene Stellen tatsächlich von ihm stammen, ist nicht immer sicher. Ryback geht aber mit der gebotenen Sorgfalt zu Werke, seine Bücherrecherchen hat er durch viele Interviews mit (damals noch lebenden) Zeitzeugen ergänzt, etwa Hitlers Sekretärin Traudl Junge, wobei diese mehr über Lesegewohnheiten als über die Buchauswahl beizusteuern hatten. Ryback konzentriert sich in seinem – nicht allzu umfangreichen Buch – auf Bücher, die Hitler selbst erwähnt hat oder deren Lektüre sich in seinen Reden und Monologen niederschlugen. Sein Leben lang griff Hitler immer wieder gerne zu Karl May, dessen Abenteuer, wie er selbst sagte, ihm in angespannten Situationen Trost spendeten. Den echten Abenteurer Sven Hedin bewunderte er, traf er mehrmals. Hedin ruinierte sich im hohen Alter mit seiner blinden Germanophilie letztlich seinen Weltruhm. Ebenso schätzte Hitler Ernst Jünger, in dessen Schilderungen des Ersten Weltkrieges Hitler eigene Erfahrungen widergespiegelt sah. Nietzsche und Schopenhauer werden immer wieder als die Paten der Nazi-Ideologie angeführt. Ryback weist darauf hin, dass in Wirklichkeit Fichte der nationalsozialistischen Bewegung wesentlich mehr entgegen kam. Leni Riefenstahl widmete 1933 ihrem „lieben Führer“ eine kostbare achtbändige Fichte-Ausgabe. Mehr noch als diese berühmten Philosophen, so Ryback, beeinflussten Hitler aber die Bändchen des rechtsradikalen Lehmann-Verlags, etwa Paul Lagardes „Deutsche Schriften.“ Als sein großes Vorbild bezeichnete Hitler auch den Autobauer und Antisemiten Henry Ford, dessen Buch „Der internationale Jude: Ein Weltproblem“ ihn sehr beeindruckt hatte und ihn wohl auch beim Verfassen von „Mein Kampf“ beeinflusste. Kurz vor dem „Untergang“ beschäftigte Hitler sich wieder intensiv mit Friedrich dem Großen, den er ein Leben lang verehrt hatte. Hitler hoffte auf ein ähnliches Wunder wie das „Mirakel des Hauses Brandenburg“, den Tod der Zarin Elisabeth, der Preußen buchstäblich in letzter Sekunde im Siebenjährigen Krieg vor der Vernichtung bewahrt hatte. Während Ryback und andere, die sich nach dem Krieg mit Hitlers Bibliothek(en) beschäftigten, mehr oder weniger auf Überbleibsel angewiesen waren, gibt es einen sehr interessanten Bericht eines Zeitzeugen, den Ryback seinem Buch anhängt. Frederick Oechsner, dem Korrespondenten von United Press International, war es gelungen, einen ziemlich genauen Blick auf Hitlers private Bibliotheken in der Berliner Reichskanzlei und auf dem Obersalzberg zu werfen (Wie er die Gelegenheit bekam, sich so intensiv damit zu beschäftigen, wäre interessant zu erfahren.) Seine Beobachtungen veröffentlichte er 1942 in dem Bericht „This is he Enemy“: Ihm zufolge umfassten die beiden Sammlungen rund 16 300 Bücher. Die erste Gruppe, militärische Themen, umfasste rund 7000 Bände, die zweite Sektion beinhaltete rund 1500 Bücher über Kunst, Theater und Architektur, die dritte große Abteilung bestand aus Büchern zu Astrologie, Esoterik und Okkultem. Darunter auch („sicher weg geschlossen“ – keine Ahnung, wie Oechsner dann davon erfahren konnte) 200 Fotos von Sternenkonstellationen an den wichtigen Tagen in Hitlers Leben. Diese habe er mit handschriftlichen Anmerkungen versehen und jedes habe einen eigenen Umschlag…) Außerdem: rund 400 Bücher über die Kirche, fast ausschließlich die katholische, sowie 800 bis 1000 Bände Trivialliteratur: „Alles von Edgar Wallace“, Hedwig Courts-Mahler und Karl May. Einige von Oechsners Bemerkungen sind sicher mit Vorsicht zu genießen, diente der Bericht doch propagandistischen Absichten, doch seine Einteilung in „Wissensgebiete“ deckt sich im großen ganzen mit etlichen anderen Auflistungen dieser Art, auch mit Rybacks Erkenntnissen. Ryback hat „nur“ einige signifikante Werke heraus gegriffen und widmet diesen gebührende Aufmerksamkeit. Eine absolut legitime und seriöse Vorgehensweise, auch wenn das Buch, das ohne Anhänge gerade mal 227 Seiten lang ist, ruhig noch etwas ausführlicher sein dürfte. Den Leitgedanken für sein Vorhaben lieferte Ryback übrigens Walter Benjamin, der in einem Essay übers Büchersammeln geschrieben hatte, nicht nur verrieten die Bücher etwas über den Sammler, sondern eine abgeschlossene Sammlung bewahre auch den Sammler in sich auf. Eine interessante Sicht, wenn auch kurzsichtig, wie Ryback findet. Kaum eine Bibliothek überlebe intakt ihren Sammler. Es ist eine Ironie der Geschichte, das dies sowohl für die Sammlung des Nazi-Opfers Benjamin als auch für Hitlers eigene Büchereien zutraf.

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