Die Hungrigen und die Satten

von Timur Vermes 
3,3 Sterne bei3 Bewertungen
Die Hungrigen und die Satten
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miss_mesmerizeds avatar

Kaum ein anderer Autor kann ernsthafte und politisch-relevante Themen so unterhaltsam verpacken wie Timur Vermes. 5 Sterne mit Sternchen.

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Bissige Groteske, bei der mir das Lachen regelmäßig im Hals stecken blieb.

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Inhaltsangabe zu "Die Hungrigen und die Satten"

'Wenn Timur Vermes‘ Erstlingswerk ER IST WIEDER DA böse, realistisch und komisch ist, so ist sein zweiter Geniestreich böser, realistischer und komischer.'

CHRISTOPH MARIA HERBST

Deutschland hat eine Obergrenze für Asylsuchende eingeführt, ganz Europa ist bis weit nach Nordafrika hinein abgeriegelt. Jenseits der Sahara entstehen riesige Lager, in denen Millionen von Flüchtlingen warten, warten, warten. So lange, dass man in derselben Zeit eigentlich auch zu Fuß gehen könnte, wäre das nicht der sichere Tod.

Als die deutsche Starmoderatorin Nadeche Hackenbusch das größte dieser Lager besucht, erkennt der junge Lionel die einmalige Gelegenheit: Mit 150.000 Flüchtlingen nutzt er die Aufmerksamkeit des Fernsehpublikums und bricht zum Marsch nach Europa auf. Die Schöne und die Flüchtlinge werden zum Quotenhit. Und während sich der Sender über Live-Berichterstattung mit Zuschauerrekorden und Werbemillionen freut, reagiert die deutsche Politik mit hilflosem Wegsehen, Kleinreden und Aussitzen. Doch je näher der Zug rückt, desto mehr ist Innenminister Joseph Leubl gefordert. Und desto dringlicher stellen sich ihm und den Deutschen zwei Fragen: Was kann man tun? Und in was für einem Land wollen wir eigentlich leben?

Timur Vermes‘ neuer Roman ist eine Gesellschaftssatire, aktuell, radikal, beklemmend und komisch zugleich. DIE HUNGRIGEN UND DIE SATTEN fängt dort an, wo der Spaß aufhört.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783847906605
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:400 Seiten
Verlag:Eichborn
Erscheinungsdatum:27.08.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 27.08.2018 bei Lübbe Audio erschienen.

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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor einem Tag
    Kurzmeinung: Kaum ein anderer Autor kann ernsthafte und politisch-relevante Themen so unterhaltsam verpacken wie Timur Vermes. 5 Sterne mit Sternchen.
    Timur Vermes - Die Hungrigen und die Satten

    Was als ein Kurztrip für ein Fotoshooting beginnt, wird zum größten Medienspektakel Deutschlands und zum kritischsten Moment für die Bundesregierung. Nadesche Hackenbusch, Moderatorin und Liebling der Klatschpresse, fliegt für ein Modeshooting und eine Sonderfolge ihrer Sendung „Engel im Elend“ in ein Flüchtlingslager am Rande der Sahara. Astrid von Roëll begleitet sie wie immer, von Beginn ihrer Karriere an hat sie Nadesches Aufstieg für EVANGELINE dokumentiert. Doch nachdem Nadesche einige Tage im Lager verbracht hat, läuft der Trip plötzlich aus dem Ruder, denn das Starlet hat die sensationelle Idee, den Menschen zu helfen. Und wo ginge das besser als in Deutschland? Mit 150.000 Flüchtlingen macht sie sich zu Fuß auf den Weg nach Europa - begleitet von einem immer größer werdenden Medientross.

    Timur Vermes hat ein Händchen für skurrile Geschichten, wie er in „Er ist wieder da“ bereits eindrucksvoll bewiesen hat. Er macht das Unvorstellbare zum Plot und erzählt dies in einer Weise, dass es plötzlich gar nicht mehr so absurd erscheint, sondern mit jeder Zeile realer wirkt und plötzlich im Rahmen des Vorstellbaren liegt. So beginnt auch „Die Hungrigen und die Satten“ als ironischer Klamauk, der den Boulevard-Journalismus und das Privatfernsehen mit seinen temporären Medienstars köstlich durch den Kakao zieht. Doch irgendwann bekommt der Spaß eine politische Dimension und stellt ernsthafte Fragen, die sich nicht mehr so leicht weglächeln lassen.

    Die Geschichte bleibt immer lebendig, vor allem, weil sie aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird und die Figuren herrlich überzeichnet sind: allen voran natürlich Nadesche Hackenbusch, die vor allem durch ihre Naivität und grottiges Englisch besticht; Astrid von Roëll hat nicht nur einen absurden Namen sondern auch eine völlig fehlgeleitete Einschätzung ihres journalistischen Könnens, wobei man sagen muss, dass ihre Artikel so gut den Stil der Revolverblätter imitiert, dass man sich fragt, wie viel Vermes davon gelesen haben muss, um dies so glaubwürdig umzusetzen. Aber auch der Programmchef des Fernsehsenders und der Innenminister haben einen nicht zu leugnenden Unterhaltungswert. Dass viele Figuren eine auffällige Ähnlichkeit mit lebenden Personen haben, ist vermutlich reiner Zufall.

    Der Roman lebt aber ganz eindeutig von der Sprache. Mal subtil, mal offen ironisch schildert er die Ereignisse, ohne Rücksicht auf die Figuren, aber diese sind ja auch schonungslos bei der Umsetzung ihrer Vorhaben oder wie Nadesche auf bestechende Weise sagt: „Goes not gives not“. Unzählige kleine Anspielungen -Die Toten Hosen und Lindenberg warten in Berlin auf die Flüchtlinge, um eine Benefizkonzert für sie zu geben - machen es schwer kein breites Grinsen beim Lesen im Gesicht zu tragen.

    Doch genau dieses Grinsen bleibt einem im Halse stecken, als der Flüchtlingstross sich langsam der EU-Außengrenze und schließlich Deutschland nähert. Man hatte dies nicht für möglich gehalten und plötzlich wird das Problem doch real und es müssen Maßnahmen ergriffen werden. „Das Volk“ will diese Leute nicht und man muss sie davon abhalten, die Grenze zu übertreten, mit allen verfügbaren Mitteln. Der Spaß ist zu Ende, die Realität hat ihn überholt und was folgt ist das, was man nicht lesen möchte. Aber hier steckt die Stärke eines guten Romans: er konfrontiert uns mit genau den drängendsten Problemen, vor denen wir so gerne auch in die literarischen Phantasiewelten flüchten.

    Nach einem solchen Erfolg und sensationellen Roman wie „Er ist wieder da“ hängt die Messlatte hoch, aber Vermes hat diese Hürde ganz locker gemeistert und noch ein Stückchen höher gehängt. Ohne Frage einer der unterhaltsamsten, aber zugleich auch politisch relevantesten Romane des Jahres 2018.

    Kommentare: 1
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    KerstinThs avatar
    KerstinThvor 8 Tagen
    Gar nicht witzig

    Deutschland hat endlich eine Flüchtlingsobergrenze. Und durch die Sahara geht nun eine Grenze, die die Flüchtlinge nicht übertreten dürfen. An dieser Grenze befindet sich das weltweit größte Flüchtlingslager mit einer höheren Einwohnerzahl als Berlin. Und genau dorthin wird nun das TV-Sternchen Nadeche Hackenbusch geschickt. Sie soll vor Ort über die Zustände im Lager berichten. Zeitgleich überlegt sich ein namensloser Flüchtling, wie es wäre einfach nach Deutschland zu gehen. Denn während der Jahre, die er schon gewartet hat, wäre er schon längst angekommen. Er macht sich auf den Weg. Und mit ihm 149.999 andere.

    Nachdem mir „Er ist wieder da“ von Timur Vermes nicht so gut gefallen hat, dachte ich, ich versuche es mal mit seinem zweiten Buch. Leider hat mir dieses noch weniger gefallen. Ich wurde kaum unterhalten und zum Lachen war mir auch so gut wie nie. Kopf schütteln, war noch die einzige Reaktion. Zum einen über die Romanfiguren und zum anderen darüber, dass dieses Buch überhaupt existiert. Mir hat die Lektüre keinen Spaß gemacht und ich habe mich gelangweilt.

    Dieser Roman umfasst 500 Seiten. Das war definitiv zu viel. Zwischen 250 und 300 Seiten wären perfekt gewesen. Denn so zog es sich und man hatte schon fast selbst das Gefühl zu Fuß von Afrika nach Deutschland zu marschieren. Vieles hätte man weglassen können. Manche ausführlichen Dinge waren aber auch unterhaltsam. Zum Beispiel dem Problem mit den Hinterlassenschaften der Wanderer, wodurch es dann dazukam, dass Dixi-Klos dem Tross folgten.

    Der Schreibstil ist einfach und wird durch viele Dialoge aufgelockert. Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt. Zwischendurch gibt es immer wieder einen Artikel von Astrid von Roell, der die derzeitige Lage zusammenfasst. Eigentlich hätte man auch nur diese lesen können und hätte auch Bescheid gewusst.

    Mich hat dieser Roman enttäuscht und gelangweilt, deshalb vergebe ich nur einen von fünf Sternen.

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    Kathrin_Schroeders avatar
    Kathrin_Schroedervor 9 Tagen
    Kurzmeinung: Bissige Groteske, bei der mir das Lachen regelmäßig im Hals stecken blieb.
    Ein Buch damit das Lachen im Hals stecken bleibt

    Timur Vernes, Die Hungrigen und die Satten

    Erscheinungsdatum: 27.08.2018, gelesen im September 2018 als ebook (Kindle) dank Netgalley

    Genre: Politische Satire

    Dieses Buch hat alles, was vorstellbar ist.

    Die TV-Moderatorin in der Reality Show, die mehr Wert auf ihr Aussehen als auf die Inhalte legt, den Flüchtling, der weiß, wie er sich verkaufen muss, um das Beste für sich und seine Lieben herauszuholen, so sehr, dass er nicht mal mehr einen eigenen Namen hat. Der CSU-Politiker, der nach Lösungen sucht, der schwule Staatssekretär, der den Balanceakt zwischen seinem Beziehungs- und Liebesleben und seiner Karriere erfolgreich verfehlt.

    Wir leben in Deutschland, einen Regierungschef nachdem der Merkel noch eine Frau war, Europa hat die Außengrenzen geschlossen und die Einreise von Flüchtlingen zu nahezu 100% unterbunden. Die Außengrenze liegt in Afrika und davor ein Lager, dessen Größe und Struktur unvorstellbar ist. Dorthin reist die TV-Moderatorin, aka sprechende Kleiderstange, Nadeche Hackenbusch, um eine Sendungsreihe aus dem Flüchtlingslager zu produzieren. Vor Ort werden Darsteller und Helfer gecastet, Resourcen und Inhaltliches wird mithilfe der "Lagermafia" angeboten und nach kurzer Zeit merken die Flüchtlinge, dass ihr "Engel im Elend" sie nicht erlösen, sondern bald wieder verlassen wird. Der Flüchtling, von der Fernsehcrew Lionel getauft, schlägt einen gigantischen Flüchtlingszug nach Deutschland vor. 150.000 Menschen beginnen den Weg zu Fuß, der Fernsehsender kümmert sich um Berichterstattung und die Lösung einiger Problemchen am Weg.

    Das Faszinierende an diesem Buch ist für mich die Detailverliebtheit des Autoren. Wenn genaustens die Frage der Logistik der Wasserversorgung und der Scheißeentsorgung auf den 50km, die Flüchtlingszug sich durch die Gegend zieht, betrachtet wird, dann beginnt es mich als Leser schon mal zu gruseln. Schlimmer wird Entwicklung und Fortgang je näher sich alles Deutschland nähert.

    Das Problem ist auch nicht, die eigentlich zu bewältigende Zahl der 150.000 - das Problem entsteht durch das Aufzeigen der Möglichkeit, in der Zukunftsperspektive und wie immer in den Köpfen der Menschen.

    Dieses Buch ist in weiten Strecken witzig und amüsant, dann wieder bitterböse und immer so dicht an der Wirklichkeit dran, dass Analogien ins Auge fallen.

    Das Ende des Flüchtlingszuges war schmerzhaft auch beim Lesen.

    Einige Personen waren so überzeichnet, dass man hofft sie nie, nie, nie in der Realität zu sehen, weder persönlich noch auf dem Bildschirm, andere wären eine wohltuende Alternative zur heutigen Realität (der CSU-Innenminister). Das Buch bietet eine reichhaltige Vielfalt an Personen, Klischees und Typen. Es bietet Unterhaltung vom untersten Niveau an (Schminky). Es spielt mit Ängsten, Hoffnungen und Versuchungen der Menschen.

    Es ist nicht ernst gemeint, aber durchaus ernst und es lohnt sich!
    #DieHungrigenUndDieSatten #NetGalleyDE #TimurVermes #KathrinliebtLesen

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