Es ist ein eigentlich immer und in jeder Form verstörendes, schmerzliches Geschehen. Wenn man einfach getrennt wird. Ohne erlebbare Vorankündigung und in einer Weise, die jedes Gespräch, jede Handlung unmöglich macht, weil der oder die andere einfach beschlossen hat, in keiner Form mehr fassbar zur Verfügung zu stehen.
Das moderne Wort „Ghosting“ steht dafür.
Ob sich eine neue Bekanntschaft einfach nicht mehr meldet, für Freunde gehaltene Menschen von jetzt auf gleich nicht mehr erreichbar sein wollen, ob ein erfolgreicher Bewerber einfach nicht zum Antritt der neuen Stelle erscheint und nie wieder von sich hören lässt oder ob gar in Familien zwischen Eltern und Kindern, Ehepartnern oder andere Verwandtschaftsgraden der Kontakt am Ende auf absolut Null gefahren wird.
Und was früher ebenfalls bereits vorkam, aber eher die absolute Seltenheit darstellte, nimmt im Lauf der Jahre und in der modernen Welt inzwischen durchaus einen spürbaren Raum ein. Und hinterlässt Ratlosigkeit, Schuldgefühle, völlig Irritation und schlägt eine Wunde. Denn gerade die auf einmal im Raum stehende, undurchlässige Mauer, die jedes Verstehen, jedes Gespräch von da an unmöglich macht, ist kaum zu ertragen für die Seite, der das Ghosting konkret geschieht.
„Die Frage nach dem „Warum?“ lässt sie nicht los – auch dann nicht, wenn die Funkstille schon viele Jahre andauert“.
Tina Soliman geht diesem Thema behutsam, aber doch Schritt für Schritt die Situation und das innere Erleben beider Seiten umfassend beschreiben, an. Basierend auf der klaren Erkenntnis, dass zum einen Schweigen auch eine Form der Kommunikation ist und dass die am Ende sich manifestierende „Loslösung“ schon deutlich vor dem konkreten Abbruch der Beziehung stattfand.
„Wenn man sich mit Worten nicht verstanden fühlt, dann muss man Taten sprechen lassen“.
So kann man die Empfindungen der „Loslöser“ beschreiben und, im Buch gut auf den Punkt gebracht, konkrete Motivationen von Menschen, die sich umfassend „von jetzt auf gleich“ getrennt haben, differenziert durch die Lektüre verstehen lernen. Wie aber auch das innere Erleben jener, an denen ein solcher Abbruch geschah, breit im Buch vorgelegt werden. Um dann auch deutlich verstehen und erkennen zu können, dass die grundlegende Ursache solcher Geschehen in einem fast vollständigen Fehlen eines „richtigen Maßes“ an „Nähe und Distanz“ zu finden ist.
Wobei all dies, so überzeugend Soliman bis in Details hinein Motivationen und innere Not, die zu einem Abbruch führen, notgedrungen auch offene Fragen im Raum belässt.
„Dieses Buch ist unfertig wie ein Abschied am Bahnhof, bei dem nicht alles gesagt wurde“.
Und doch bringt das Werk viel Licht in eine dunkle Seite der abbrechenden Kommunikationen, die, auch dem widmet Soliman ein Kapitel, fast ein Kennzeichen der modernen Zeit darstellen. „Einer Zeit nachlassender Kommunikationsbereitschaft und wachsender Unverbindlichkeit“.
Eine wichtige Lektüre.






