Tina Uebel

 4,3 Sterne bei 96 Bewertungen
Autor*in von Die Wahrheit über Frankie, Uebel unterwegs und weiteren Büchern.
Autorenbild von Tina Uebel (© Stefan Malzkorn / www.malzkornfoto.de)

Lebenslauf

Tina Uebel wurde 1969 in Hamburg geboren. Sie ist Schriftstellerin, freie Journalistin, Literaturveranstalterin („Machtclub“, „Slamburg“) und Diplom-Illustratorin. Neben vielen Erzählungen und Anthologiebeiträgen veröffentlichte sie die Romane „Ich bin Duke“ (2002) und „Horror Vacui“ (2005). Für den bislang unveröffentlichten Roman „Lucky Luke raucht nicht mehr“ erhielt sie 2003 den Hamburger Literaturförderpreis. Sie lebt in Hamburg, wenn sie nicht auf Reisen ist.

Alle Bücher von Tina Uebel

Cover des Buches Die Wahrheit über Frankie (ISBN: 9783499254901)

Die Wahrheit über Frankie

 (40)
Erschienen am 01.03.2011
Cover des Buches Uebel unterwegs (ISBN: 9783667104724)

Uebel unterwegs

 (26)
Erschienen am 07.03.2016
Cover des Buches Last Exit Volksdorf (ISBN: 9783406672996)

Last Exit Volksdorf

 (9)
Erschienen am 08.12.2014
Cover des Buches Dann sind wir Helden (ISBN: 9783406765193)

Dann sind wir Helden

 (3)
Erschienen am 22.02.2021
Cover des Buches Horror Vacui (ISBN: 9783462400595)

Horror Vacui

 (4)
Erschienen am 20.06.2017
Cover des Buches Frau Schrödinger bewältigt die Welt (ISBN: 9783943835632)

Frau Schrödinger bewältigt die Welt

 (2)
Erschienen am 27.08.2012
Cover des Buches Ich bin Duke (ISBN: 9783833302817)

Ich bin Duke

 (3)
Erschienen am 01.01.2005

Neue Rezensionen zu Tina Uebel

Cover des Buches Dann sind wir Helden (ISBN: 9783406765193)
S

Rezension zu "Dann sind wir Helden" von Tina Uebel

Viermal Heldenreise - mit Vergnügen.
Syakkavor 4 Monaten

„Major Tom an Ground Control? Er holt sein IPhone aus der Hosentasche und es ist leer. Kein Akku. Die Einsamkeit des Smartphonebesitzers.“

Wir begleiten vier Helden auf ihrer Reise - ich war gerne bei ihnen, mochte vor allem Ruth, deren Entschlossenheit und Abgebrühtheit und zynische Weisheit mir gefallen hat, mich unterhalten hat. Schweizer Alpen, ein Haus am Stadtrand, die Hamburger Schanze zu Zeiten der G7 Proteste. Und doch alles miteinander verwoben.

Ich hat das Buch unterhalten, aber vor allem mochte ich die Beobachtungen, Miniaturen, mag den Schreibstil von Tina Ubel. 

Kann ich nur empfehlen.

Cover des Buches Last Exit Volksdorf (ISBN: 9783406624773)
S

Rezension zu "Last Exit Volksdorf" von Tina Uebel

Ständig wechselnde Erzählperspektiven.....
Syakkavor 3 Jahren

... ohne daß man gleich wüßte, um wen es geht. Vermutlich ein Kunstgriff, nervt aber ein wenig. Nur ein wenig.

Ansonsten: schöne Geschichte.

Cover des Buches Dann sind wir Helden (ISBN: 9783406765193)
miss_mesmerizeds avatar

Rezension zu "Dann sind wir Helden" von Tina Uebel

Tina Uebel – Dann sind wir Helden
miss_mesmerizedvor 3 Jahren

Der Held – Figur der klassischen Sagen, der außergewöhnliche Leistung vollbringt und sich dadurch von seinen Mitmenschen abhebt. Herausragende körperliche Fähigkeiten, Mut oder Kampf für höhere Ideale kennzeichnen ihn. Wer möchte nicht gerne eine solche Beschreibung auch auf sich beziehen? Vielleicht ist ja Ruth eine Heldin, wie sie sich in den Schweizer Bergen in ungeahnte Höhen hervorwagt und ihren Körper an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit führt. Oder auch Jero, der als Bergführer nicht nur Experte für komplizierte Wege ist, sondern seinen Kunden diese besonderen Erlebnisse erst ermöglicht, die sie in einen Rausch versetzen. Kathrin möchte auch etwas in anderen bewegen und wird mit ihrem Videoblog zu einem Internetstar – warum sollte auch nicht eine Hausfrau von ihrer Veranda aus wichtige Messages in die Welt senden können? Ihr 17-jähriger Sohn Simon belächelt dies etwas, aber er ist auch auf der Suche nach den ganz intensiven Erfahrungen, die er in Hannover sicherlich nicht machen kann. Ruth, Jero, Kathrin, Simon – Alltagshelden oder doch eher größenwahnsinnige Spinner?

 

Tina Uebels Roman spielt mit der Hybris des modernen Menschen und beleuchtet die Facetten, die uns tagtäglich überall begegnen. Die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung, das ausufernde Sendungsbewusstsein und die Jagd nach immer größeren und spektakuläreren Erlebnissen lenken die Figuren nicht nur vom Alltag, sondern von den naheliegenden und den essentiellen Dingen ab. Die Heldenfrage ist schnell geklärt, nicht einmal als tragische Helden taugen die Figuren. Aber ihnen zu folgen hat einen unheimlichen Unterhaltungswert, wenn auch Fremdschämen ein Wort ist, an dem man in diesem Zusammenhang nicht vorbeikommt.

 

„Mißgriff, denkt Ruth, während Frank sich an ihr festsaugt wie ein Putzerfisch. Aber man muß es positiv sehen, mag sich auch ihr Lustgewinn in überschaubaren Grenzen halten, so lassen sich doch seine Bemühungen möglicherweise als Hygiene verbuchen.“

 

Ruths Männerbekanntschaften können schon lange nicht mehr den Erwartungen Stand halten, urkomisch mit abgeklärt sarkastischem Ton beschreibt die Autorin die verächtlichen Gedanken, die der Frau so durch den Kopf gehen, während der Mann sich gerade an ihr abmüht. Die zwischenmenschlichen Beziehungen liefern weder auf körperlicher noch auf geistiger Ebene Lust oder andere Gewinne. Erst allein mit sich und der abweisenden Natur kann Ruth so etwas wie Erhabenheit spüren und sich dem Eindruck hingeben, noch etwas ganz Großes zu erleben.

 

Der stärkste Kontrast besteht sicher zwischen ihr und Kathrin, der Gattin ebenjenes Mannes, für den Ruth nur die Bezeichnung „Putzerfisch“ findet. Kathrin ist nicht nur einem zweifelhaften Guru verfallen – dessen Sendungsbewusstsein ebenfalls nur als ganz großes Kino bezeichnet werden kann – sondern sieht sich mit ihrem Blog als Sprachrohr der Frau von nebenan, mit der man sich austauscht und nett plaudert. Kein Klischee, kein Fettnäpfchen lässt sie aus und erobert gerade damit ihre Followers. So mancher Internetstar lässt einem verwundert die Augen reiben, Kathrin wird geradezu zum Paradebeispiel der Spezies.

 

„Dann sind wir Helden“ hält uns pointiert den Spiegel vor, indem die Laster der Gegenwart personifiziert auf die Spitze getrieben werden. Natürlich sind sie überzeichnet, was es jedoch leichter macht sie anzunehmen und die eigenen Fehlbarkeiten zu erkennen. Natürlich will niemand so sein und doch steckt zugegebenermaßen ja ein wenig von allen in uns selbst. Den Heldenmythos gnadenlos zurück auf den Boden der Tatsachen geholt – so geht Literatur.

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