Tina Uebel Nordwestpassage für 13 Arglose und einen Joghurt

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Inhaltsangabe zu „Nordwestpassage für 13 Arglose und einen Joghurt“ von Tina Uebel

Die Nordwestpassage, ein quasimythischer Seeweg vom Atlantik zum Pazifik entlang der arktischen Küsten Amerikas, bewohnt von verschwindenden Inuit-Kulturen und den Gespenstern bärtiger, besessener Männer, die einst auf der Suche nach diesem geografischen Gral an Hunger, Hybris und Skorbut zugrunde gingen. Landschaften von grandioser Leere, sturmgefegte See, brachiales Eis – noch ist die Nordwestpassage ein Abenteuer, strapaziös und wundersam. Zumindest auf einem Segelboot. Im Sommer 2011 hat sich Kapitän Wolf Kloss mit seiner Santa Maria Australis dieser Herausforderung gestellt, und die Schriftstellerin Tina Uebel ist für drei Monate mitgesegelt. Wo endet die Welt, und wie weit kann man gehen, um an ihren Rändern zu kratzen, hat sie noch Ränder? Und was ist es, das einen dorthin treibt? Tina Uebel war strapaziert und verwundert, bewegt und belustigt. Und weiß davon zu erzählen, von den Stürmen, vom Eis, von der greifbar nahen heroischen Historie, von Amundsen, Franklin, Peary, Cook und den anderen, davon, wie es ist, bei Minus 30 Grad einen Schlitten zu ziehen oder 11 Beaufort zu segeln. Und letztendlich ist die zu erzählende Geschichte eine Geschichte von Liebe und Verlust, Tod und Hingabe, Sehnsucht und Freiheit – und der all dem inhärenten Komik.

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    Nordwestpassage für 13 Arglose und einen Joghurt

    michael_lehmann-pape

    12. April 2013 um 13:10

      Lebensgefährlich in früheren Zeiten, immer noch hoch abenteuerlich und eine ganz besondere Reise, das ist die Befahrung der Nordwestpassage vom Atlantik zum Pazifik bis nach Grönland. Und auch wenn der Titel durchaus mit Humor arbeitet (der Joghurt eben), was Tina Uebel an Erlebnissen, Beobachtungen, Eindrücken von diesem Abenteuer mitzuteilen hat, ist faszinierend und spannend, beileibe im Kern nicht Humoristisch (auch wenn sie sprachlich stets locker bleibt).   Schön zu lesen aber ist es natürlich, wie Tina Uebel eine lockere und umgangssprachliche Form wählt, um die Eindrücke ihrer Reise nieder zu schreiben. Eine Form, die zudem in Teilen fast wie nur in Stichworten vorgetragen wirkt, so dicht gedrängt sind die Eindrücke im Buch.   Drei Monate mit dem Segelboot durch eine teils fast unwirkliche, teils unglaubliche leere Landschaft, Begegnungen an Land, Naturgefahren auf See, rauer Alltag und im Hinterkopf all die Entdecker und Forscher, die zu Zeiten mit wesentlich schlechterem Material sich ihren Weg durch diesen unwirtlichen „Rand der Welt“ gebahnt haben. Und denen Uebel in kleinen Portraits und Beschreibungen im Buch ihren Platz gibt.   Sehr plastisch und direkt gelingt es Uebel, das, was sie sieht und erlebt in Worte zu fassen.   „Am Strand auch die Konservendosen Franklins. Haufenweise. Dünngerostet, die Bleischweißnähte stehen heraus wie hässliche Keloide“   Beringsee, Beaufort See, zwischen Victoria Island und Nunavut hindurch, Lancaster Sound und Baffin Bay nach Grönland. Strapaziös, auch das merkt man Passagen des Buches ungeschminkt an, immer aber voller Neugier und oft im wahrsten Sinne des Wortes „ver-wundert“ über diese Landschaft teils bei Minus 30 Grad und die Mythen und Legenden, die sich um die Orte und Landschaften ranken.   Auch die menschlichen „kleinen Wunder“, wie das „Pepes“ mit dem „besten Frühstück in Town“ (nichts als ein kleiner, hellblauer Kasten auf Stelzen, grellend bunt auf einmal als Farbtupfer in arktischer Landschaft, „Hauptsache schrill und mit Glitzer und Lametta“).   Durchaus aber auch „Verganercafes“ werden sich auf dem Weg finden. Menschen einfach, die sich einrichten, die der Landschaft und dem Leben dort ihre Form auch aufprägen.   In all diesen Eindrücken, der schnellen Sprache, der abgehackten Sätze, der plakativen Beschreibungen und dem hintergründigen Humor (der vor allem sich selbst nicht bierernst nimmt) verbleibt am Ende der Eindruck, die Autorin hätte in gleicher Weise noch einmal einige hundert Seiten füllen können, so dichtgedrängt erscheinen die Erlebnisse auch sprachlich im Buch.   Alles in allem ein sehr beeindruckender Reisebericht, der ob der gedrängten, stichwortartigen Form viel an Eindrücken und Inhalt bietet vom „Rand der Welt“, der für den Betrachter vieles an Landschaft und Lebensformen bereit hält, die nachhaltig im Raume verbleiben.

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