Tino Hemmann Hugo, der unwerte Schatz. Erzählung einer Kindheit

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Inhaltsangabe zu „Hugo, der unwerte Schatz. Erzählung einer Kindheit“ von Tino Hemmann

Hugo Hassel ist der nette, kleine Junge von nebenan. Hemmann beschreibt das Leipziger Kind und dessen Psyche bis ins Detail. Allmählich erst begreift der Leser, in welcher Gefahr der Junge ist. Hugo, von seinem Vater brutal misshandelt, lässt Fritz entstehen, ein Ebenbild des aufgeweckten Jungen. Fritz ist lange Zeit der einzige Vertraute. Es fällt auf, dass Hugo äußerst intelligent ist, ebenso bemerkt ein Arzt bei Hugos Einschulungsuntersuchung die zweite Persönlichkeit. Der Junge wird fortan von Professoren der Kinderpsychiatrie beobachtet. Zeitgleich rüstet sich die Regierung im Deutschen Reich für den größten Krieg seit Menschengedenken und parallel dazu für die Ausrottung unwerten Lebens. Hitlers Kindereuthanasie kommt in Gang. Unzählige Kinder sterben in Kinderfachabteilungen, aber auch in den Gaskammern, die von der Berliner T4-Zentrale im gesamten Reich eingerichtet werden. Ein Meldebogen entscheidet über die „Behandlung“ der Kinder. Der Leipziger Universitätsprofessor von Rasch sieht seine Chance, mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Problematik multipler Persönlichkeitsspaltung, berühmt zu werden. Er fälscht Hugos Meldebogen und macht den Weg frei für Hugos „Desinfektion“ in der Vernichtungsanstalt Pirna-Sonnenstein.

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  • Mahnmal für die Menschlichkeit

    Hugo, der unwerte Schatz. Erzählung einer Kindheit

    Babscha

    Um es direkt auf den Punkt zu bringen: Dies ist ein Buch voller tief empfundener Menschlichkeit und mit einem unglaublichen Einfühlungsvermögen vor allem in die kindliche Psyche. Es ist Beleg einer Erzählkunst, die sich mir eingebrannt hat wie lange nichts mehr. Ein Meisterwerk, ein ganz großes Buch. Worum geht es? Erzählt wird die Lebensgeschichte des kleinen Hugo Hassel, der 1931 in Leipzig als uneheliches Kind einer überforderten, emotional abgestumpften Frau geboren wird, abgelehnt von seiner Mutter, von deren Ehemann und seinen beiden Halbschwestern. Schon als Säugling wird er vernachlässigt und von seinem dem aufkommenden Nationalsozialismus ergebenen „Vater“ regelmäßig und grundlos brutal misshandelt. Der hochintelligente Hugo überlebt diese unsäglichen Torturen mental nur, indem er ein allgegenwärtiges zweites Ich, seinen Freund Fritz, in seine Welt ruft, der an seiner Stelle die Qualen übernimmt. Im Laufe der Jahre, in Kindergarten und Schule, beginnen die Probleme dann erst richtig, da Hugo mit seiner unwissend entwickelten Persönlichkeitsspaltung und mit seinen andauernden Selbstgesprächen massiv auffällt. Zwar findet er einige Vertraute wie seinen Klassenlehrer, die ihn mit aller Kraft unterstützen und schützen wollen, unausweichlich beginnt sich jedoch auch zunehmend die medizinische Forschung, allen voran der von den deutschen Machthabern unterstützte Leipziger Uniprofessor von Rasch für ihn zu interessieren. Obwohl Hugo, sich seiner besonderen Persönlichkeit mittlerweile voll bewusst, von ihm wohl gesonnenen Personen zunächst an wechselnden Orten in Sicherheit gebracht werden kann und in den unruhigen Vorkriegsjahren zumindest noch einige schöne Momente wie im Ferienlager erleben darf, wird er irgendwann aufgespürt, von seiner eigenen Mutter verraten und im Frühjahr 1941 als „unwertes Leben“ in einem Vernichtungslager für Forschungszwecke von Ärzten des NS-Regimes getötet. Hugo Hassel ist eine fiktive Person und steht stellvertretend für die unzähligen Opfer der Kindereuthanasie in der NS-Zeit. Dem Autor gelingt es hervorragend, seine Geschichte eng in den wahren historischen Kontext einzubinden und damit beklemmend und spannend zu erzählen. Von daher ein aus meiner Sicht absolut wichtiges Buch, das aufrüttelt und ermahnt, so etwas niemals wieder zuzulassen. Und der Autor schafft es kraft seiner Worte nebenher, den Leser für diesen kleinen, ganz besonderen Menschen Hugo völlig einzunehmen.

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    AnnaChi

    30. December 2014 um 12:37
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