Tiphaine Rivière

 4 Sterne bei 20 Bewertungen

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Studierst du noch oder lebst du schon?

Studierst du noch oder lebst du schon?

 (20)
Erschienen am 11.10.2016

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Mareias avatar

Rezension zu "Studierst du noch oder lebst du schon?" von Tiphaine Rivière

Total cool :D
Mareiavor einem Jahr

Studierst du noch oder lebst du schon ist die erste Graphic Novel, die ich gelesen habe. Ich hatte lange Zeit das Gefühl, dass es in diesem Genre nichts so richtig gibt, was mich interessieren würde. Doch dann erzählte mir Sandra von diesem Buch und da ich selbst gerade erst mein Studium angefangen hatte, klang es für mich doch sehr vielversprechend! (Hier kommt ihr zu Sandras Rezension.)
Ohne mir groß den Klappentext oder andere Meinungen durchzulesen stürzte ich mich in diese neue Erfahrung und war damit ungefähr so vorbereitet, wie Jeanne selbst. Doch von Anfang an konnten mich ihre Geschichte und nicht zuletzt auch die Aufmachung überzeugen. Sehr humorvoll in Bild und Sprache wird die Geschichte einer Doktorandin erzählt, sodass man sich am Liebsten gleich an die eigene Promotion setzen möchte… nicht. Ein Leben zwischen Uni und Alltag und das gerade für eine junge Frau, die selbst bereits mitten im Leben stand. Keine einfache Aufgabe, sowohl für die Protagonisten, als auch für die Autorin. Doch gerade letztere meistert es wunderbar die eine oder andere Hürde zu überspringen und so selbst vermeintlich langweilige Themen, wie
"Das labyrinthische Motiv in der Türhüterparabel in Kafkas Prozess"unterhaltsam und künstlerisch darzustellen. Hin und wieder, als kleiner Kritikpunkt, hätte ich mir allerdings ein wenig mehr Abwechslung gewünscht, was die Handlung betrifft, denn auch wenn es nie langweilig war, gab es hier und da leichte Tiefpunkte (Betonung liegt auf leicht.).Zur Protagonistin lässt sich viel sagen, da sie eine ziemliche Entwicklung innerhalb der Graphic Novel durchmacht. Es hat mich wirklich überrascht, wie stark sie diese Veränderungen durchlebt. Teilweise war sie mir wirklich sehr sympathisch, aber gerade in ihren tiefsten Motivationstiefs empfand ich sie auch schon mal als sehr nervig. Nicht, dass man ihre Beweggründe nicht nachvollziehen konnte, das war durchaus der Fall und natürlich war dies auch beabsichtigt, denn ungefähr so, wie der Leser sie empfindet, empfindet sie auch das jeweilige Umfeld zu dem Zeitpunkt. So wird dieser scheinbare Kritikpunkt in meinen Augen schon wieder zu einem Plus, denn anders als sonst so oft ist es hier tatsächlich gewollt die Art der Protagonistin auch einmal nicht zu mögen. Allgemein also eine wirklich innovative und erfischend andersartige Geschichte!
Auch, wenn dieses Buch also nicht unbedingt das perfekte Geschenk für alle ist, die gerade mit ihrer Doktorarbeit beginnen, hat es durchaus seinen Charme und regt mich nicht zuletzt dazu an in Zukunft öfter mal einen Blick in die Graphic Novel Abteilung zu werfen.

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Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Studierst du noch oder lebst du schon?" von Tiphaine Rivière

Herrliche Zeichnungen
Gwhynwhyfarvor 2 Jahren

»Stimmt es, dass du an der Schule aufgehört hast, weil du Angst hast erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen?« (fragt die kleine Nichte Jeanne)

Jeanne ist Lehrerin, stellt aber bei einem Ausflug fest: Kinder sind Monster. Irgendwie hatte sie sich den Beruf anders vorgestellt. Darum entschließt sie sich, eine Hochschullaufbahn einzuschlagen. Zuerst muss sie eine Dissertation schreiben, ein Thema fällt ihr ein: die Erzählung des Wächters, Kafkas Torhüterparabel. Um ein Stipendium zu ergattern, muss sie sich aber verpflichten, selbst eine Lehrveranstaltungen abzuhalten. Was sind schon vier Wochenstunden Unterricht?, denkt sie. Jeanne bekommt das Stipendium und hat nun drei Jahre Zeit, ihre Arbeit zu verfassen, schreibt sich an der Pariser Sorbonne ein, um zu promovieren. Und dann erhält sie das Thema ihrer Lehrveranstaltung: Mittelalterliche Literaturgeschichte. Keine Ahnung. Mit den Seminarvorbereitungen ist die halbe Woche abgedeckt. Irgendwie wird sie es schaffen, zu ihrem eigenen Thema zu recherchieren ... Sie macht sich einen Stundenplan von 7 - 23 Uhr, 7 Tage. Geht doch.

Das Gehalt ist nicht großartig, also zieht Jeanne mit ihrem Freund zusammen, der Konflikt ist vorprogrammiert. Gutes Gehalt für eine zeitraubende Arbeit? Wer denkt denn sowas? Erfahrung, so sagt man Jeanne, sei viel wertvoller. Immerhin, die kann einem keiner klauen, insofern muss was dran sein, oder?

»Und was macht man dann damit?« - die ewige Frage

Wer studiert ist faul, hat keine Lust zu arbeiten, so flüstert die Familie hinter vorgehaltener Hand, will keine Verantwortung übernehmen ... Die Eltern, der Freund, alle setzen Jeanne unter Druck: Wie weit bist du?, wann bist du endlich fertig?, was macht die Doktorarbeit? Ja überhaupt, was schreibst du da? Wie erklärt man seiner Verwandtschaft, dass man eine Doktorarbeit über ein einziges beklopptes Buch schreibt? Welchen Nutzen hat das für diese Welt? Wie gern wäre man in diesem Augenblick Ingenieur! Jeanne denkt an Melanie, die seit sieben Jahren an ihrer Doktorarbeit schreibt. Das könnte ihr nie passieren!

Hier geht es um das Schreiben einer Doktorarbeit. Letztendlich ist das Thema austauschbar mit Diplomarbeit oder Masterarbeit. Jeder der die Tortur hinter sich hat, wird mitfühlen können. Jeanne bastelt an ihrem Inhaltsverzeichnis, tauscht Unterkapitel gegen Unterkapitel aus 3.3.1 gegen 3.2.2 Bevor man beginnt, schnell mal Schopenhauer lesen, um danach festzustellen, dass man die Gliederung völlig falsch anging. 2.7.3 gegen 4.5.2 tauschen. Auch der Titel bedarf Bearbeitung, Worte werden umgestellt, leicht verändert, es gibt 1000 Möglichkeiten, diese Wörter zu drehen und zu wenden, denn Worte sagen viel aus. Jeane liest und liest, bringt aber selbst nicht einen einzigen Satz zustande, ich vergaß, Überschrift und Inhaltsverzeichnis ...

Ihre Dozententätigkeit frisst sie auf. Was sind schon 4 Unterrichtsstunden? 4 Stunden Unterricht, 50 Stunden Vorbereitung. Jeanne verändert sich, innerlich, wie äußerlich, sie verwahrlost ein wenig, aber nicht nur sie. Amüsant sind die »Fotos« der Doktoranden, vor der Arbeit, nach der Arbeit: Jünglinge wurden zu Greisen. Jeanne, müde, kränklich wirkend, miesepetrig, gealtert, schlampig, innerlich wie äußerlich. Meine Lieblingsfigur ist die Sekretärin, das Zentrum der Macht.

Am Anfang dachte ich, hier erwartet mich viel Ironie, leicht tragender Sarkasmus, pointierter Witz. Nein, der Comic ist eine Abrechnung. Sie zahlt des ihrer UNI heim, Tiphaine Rivière schreibt sich den Frust aus der Seele, sie, die ihre Dissertation in Literatur im dritten Jahr abbrach. Jeanne beißt sich allerdings verbissen durch, so klingt auch der Text ein wenig verbohrt. Die Zeichnungen sind fantastisch. Rivière schafft Atmosphäre, lässt ihre Figuren leben, lässt sie leiden, lästern, genervt sein, arrogant, bittend, müde, wir verstehen sie auch ohne Text. Die Farben halten sich gedeckt, wie durch einen »Transfer-« oder »Blass-Filter« wahrgenommen. Die Farbwahl unterstreicht die Tristes, Verbitterung, Griesgrämigkeit, Verbissenheit.

Alles in allem ein toller Comic, eine Graphic Novel. Ich hatte das Buch als Geschenk geholt und kann es empfehlen. Früher habe ich oft gute Comics gelesen. Warum hatte ich das eigentlich vernachlässigt? Gezeichnet ist dieser Comic in der Spitzenklasse anzusiedeln. Inhaltlich hätte mir Satire ein wenig besser gefallen, als dieser depressive Negativklotz.

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Nadja_13s avatar

Rezension zu "Studierst du noch oder lebst du schon?" von Tiphaine Rivière

Humorvolle Geschichte übers Studentenleben
Nadja_13vor 2 Jahren

Studierst du noch oder lebst du schon von Tiphaine Rivière

Zum Inhalt:
Jeanne ist nicht wirklich zufrieden mit ihrer Arbeit als Lehrerin, daher ist sie anfangs absolut begeistert, als sie als Doktorandin akzeptiert wird, auch wenn sie das erhoffte Stipendium nicht bekommt. Doch die anfängliche Begeisterung schwindet bald als Jeanne erkennt, dass neben der Recherche für ihre Arbeit und den schlecht bezahlten Jobs an der Universität kaum mehr Zeit für etwas Anderes bleibt. Als die Monate vergehen, Jeanne ihre Arbeit immer neu plant und das Ende nicht näher zu kommen scheint, stellt sich immer wieder die Frage: Was passiert eigentlich danach?

Meine Meinung:
Da ich selbst Studentin bin, hat mich der Titel "Studierst du noch oder lebst du schon?" sofort neugierig gemacht. Im Gegensatz zu Jeanne schreibe ich zwar keine Doktorarbeit, dennoch kamen mir bereits bei der Kurzbeschreibung gewisse eigene Erlebnisse aus dem Studienalltag in den Sinn. Daher war ich sehr gespannt wie die Autorin das Studentenleben in dieser Graphic Novel darstellen würde.

Man merkt beim Lesen schnell, dass Tiphaine Rivière (zumindest teilweise) aus Erfahrung schreibt, wenn sie humorvoll gewisse Szenen aus Jeannes Leben beschreibt. Die Geschichte erzählt wirklich authentisch aus Jeannes Alltag als Doktorierende, von ihrem anfänglichen Enthusiasmus mit dem sie sich mit dem Thema ihrer Arbeit auseinandersetzt, bis zu ihrer wachsenden Verzweiflung als die Monate vergehen und sie einfach nicht vom Fleck zu kommen scheint. Besonders die Szenen mit Jeannes Verwandtschaft, die nicht besonders viel Verständnis für ihr Studium hat, fand ich super lustig und treffend dargestellt, ich denke solche Situationen kennt wohl fast jeder der studiert. 

Ich würde daher die Graphic Novel auch ganz besonders derzeitigen, ehemaligen oder zukünftigen Studierenden empfehlen. Auch wenn Jeanne bereits Doktorandin ist und daher nicht genau mit denselben Problemen zu kämpfen hat, wie jemand der beispielsweise gerade angefangen hat zu studieren, gibt es doch Situationen, die jedem Studierenden bekannt vorkommen dürften. Auch wenn der Ton, besonders anfangs, ziemlich humorvoll ist, zeigt die Geschichte doch auch die "Schattenseiten", beispielsweise, wenn Jeanne sich immer mehr in ihrer Arbeit vergräbt und alles andere zu vernachlässigen beginnt. 

Das Zeichnungsstil der Autorin hat mir gut gefallen. Der Hintergrund ist meistens eher einfach gehalten, während die Figuren im Vordergrund stehen und sehr ausdrucksstark gezeichnet sind. Man kann alle Figuren gut auseinanderhalten und mir hat besonders gefallen, dass man Jeannes Entwicklung auch sehr gut an ihrem Aussehen erkennen kann.

Was mir leider nicht so gut gefallen hat war, dass es in der Geschichte immer wieder relativ grosse Zeitsprünge gab und ich dadurch irgendwann das Gefühl hatte wichtige Dinge zu verpassen und es die Handlung teilweise etwas verwirrend machte. Zudem wirkte es dadurch teilweise eher wie eine Ansammlung von einzelnen Episoden, als eine Geschichte mit einem richtigen Handlungsbogen. 

Auch hatte ich das Gefühl dadurch ein bisschen die Verbindung zu Jeanne zu verlieren, da man ihre Veränderung dadurch nur lückenhaft mitbekommt. Die Graphic Novel deckt die gesamte Zeitspanne in der Jeanne an ihrer Arbeit schreibt ab und parallel dazu wie sich Jeanne verändert, hatte ich auch etwas das Gefühl, dass die Geschichte etwas an Humor verlor und besonders das Ende hat mir dann nicht mehr so gut gefallen, da es auch recht abrupt war. 

Fazit:
"Studierst du noch oder lebst du schon?" erzählt humorvoll aus dem Alltag einer Doktorandin und man merkt, dass die Autorin Tiphaine Rivière dabei viel aus eigener Erfahrung berichtet. Ich würde die Graphic Novel ganz besonders Studierenden empfehlen, da diese sicher die eine oder andere Situation, die Jeanne erlebt, wiedererkennen werden. 3,5/5*

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