Titiou Lecoq

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Die Theorie vom Marmeladenbrot

Die Theorie vom Marmeladenbrot

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Erschienen am 15.04.2016
La Théorie de la tartine

La Théorie de la tartine

 (0)
Erschienen am 06.04.2016

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Rezension zu "Die Theorie vom Marmeladenbrot" von Titiou Lecoq

Flüssig, mit Esprit und hintergründig die Geschichte der Digitalisierung zeigend
michael_lehmann-papevor 3 Jahren

Flüssig, mit Esprit und hintergründig die Geschichte der Digitalisierung zeigend

Drei ganz unterschiedliche Personen mit ganz unterschiedlichen Herangehensweisen an die Welt, mit ihren Zielen, Idealen, aber auch mit ihrem ab und an wegtauchen, mit ihren Schwächen sind es, die Lecoq wunderbar differenziert gezeichnet seine Geschichte tragen lassen.

Drei Menschen, die eher durch die Zufälligkeiten des Lebens 2006 aneinandergeraten und in ihrem ganz privaten Chat „lesamis“ sich stützen, begleiten, die Meinung sagen, aneinanderhängen.

Ein Redakteur im kommenden Online Geschäft zu einer Zeit, als kaum ein Verantwortlicher bei den Zeitungen und anderen Medien daran glaubt, dass dort im Internet irgendeine wirtschaftliche Zukunft liegen könnte.

Marianne, die zu Beginn in und durch ihren Blog lebt und ihre Promotion über das Internet zu verfassen versucht. Was sich als gar nicht einfach und vor allem nicht kurzfristig darstellt.

Paul, der die Enge im Elternhaus nicht mehr aushält und Marianne bei einer delikaten Angelegenheit zu Beginn der Geschichte versucht, massiv zu helfen, dann aber auch für sich das Internet als eine „Goldgrube“ entdeckt. In Form eines Angebotes, dass sicherlich jeder kennt, der ein Emailfach besitzt und dass fast alle völlig genervt solche Mails löschen lässt. Wobei genügend eben doch darauf zugehen und Geld dabei lassen.

Anfangsjahr des echten Internetbooms, die Lecoq bestens ganz natürlich in den Weg seiner Protagonisten durch die Jahre hinweg einbaut. Vom „Recht am eigenen Bild“ (natürlich nicht) über Software für Mädchen und Jungs, die bereits Weichen stellen, von gekauften „Klick-Zahlen“ zur Wertsteigerung über den modernen Zugriff von Krankenkassen auf persönliche Daten.

Von einer Aufbruchstimmung und Goldgräbermentalität auf eher „spielerischer“ Ebene hin zum beinharten Geschäft und der digitalen Durchdringung des Lebens.

Von dem Versuch, den ganz eigenen Weg zu gehen und doch nicht wegzukommen aus dieser Welt (Marianne) über den „Nerd“, der (geschickt angelegt von Lecoq) sein räumlich sehr, sehr beschränktes Leben nur mittels seines Laptops einen Hauch von sozialem Leben verschaffen kann (Paul). Wobei es emotional hochspannend zu lesen ist, wie bei diesem Paul dann doch das wahre Leben in Form einer Frau eintritt.


Und bei einem „ganz normalen“ Leben mit Frau und Kindern, dass durch das Festklammern am „Internet-Erfolg“ stark und stärker belastet wird. Ohne menschliche Not, denn private Angebote hätte der Journalist durchaus, sich aus den Fängen des immer weiter und immer mehr zu lösen (Stephane). Aber was gilt schon die Frau und die Kinder, wenn die Arbeit das Ideal und die Zeit fordern.

Anregend zu lesen, sehr flüssig geschrieben, die Personen im Buch ausleuchtend und diese allmähliche „Eindringung“ des digitalen so geschickt als „roten Faden“ im Hintergrund mitlaufen lassend, dass es nie aufgesetzt wirkt, so zieht Lecoq den Leser mühelos in den Bann und öffnet die Augen auch für das eigene Leben. Wieweit ist das alles noch authentisches Leben und emotional echtes Erleben, wenn nur doch der Geist die Finger tippen lässt und echte Erfahrungen Mangelware werden? Samt „Marktmächten“, die fast unbemerkt einem das eigne, persönliche Leben in ihre Datenbanken „saugen“.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre mit nahekommenden Charakteren und einem treffenden Blick auf das moderne, digitale Leben. Und wo das herkommt und wie es sich entwickelt. Mit einem wichtigen Blick auch auf jene zeitlosen Themen, die grundsätzlich bewegen. Freundschaft und Liebe.

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