Der Tag X

von Titus Müller 
4,8 Sterne bei33 Bewertungen
Der Tag X
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Neue Kurzmeinungen

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Berührendes, professionel recherchiertes Buch zur neueren deutschen Geschichte

MellieSs avatar

Ich hatte etwas Anderes erwartet. Zuviel Agenten und Spione (was sicherlich so war) waren nicht mein Ding.

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Inhaltsangabe zu "Der Tag X"

Der 17. Juni 1953: Ein Massenaufstand in Berlin und Halle, die DDR-Führung wankt, ein Spion bangt um sein Leben, ein Uhrmacher und eine Gymnasiastin kämpfen um ihre Liebe.
Titus Müller erzählt eindringlich und packend vom Leben der Aufbegehrenden und entfaltet authentisch und detailgenau das Panorama eines Aufstandes, der beispielhaft wurde.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783453439306
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:400 Seiten
Verlag:Heyne
Erscheinungsdatum:11.06.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.03.2017 bei steinbach sprechende bücher erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    peanjos avatar
    peanjovor einem Monat
    Kurzmeinung: Berührendes, professionel recherchiertes Buch zur neueren deutschen Geschichte
    Wertung ****

    Der Tag X: So nannte man in der DDR den Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953, der bis zur Wiedervereinigung in der Bundesrepublik ein Feiertag war. Und vieles, was an diesem Tag geschah, ist bis heute ungeklärt: Wie viele Menschen haben damals demonstriert, waren es 400.000 oder sogar weit mehr als eine Million? Warum haben sich die Leute auf einmal getraut, auf die Straße zu gehen, obwohl die Folgen furchtbar sein konnten (und dann auch waren)? Und wer waren diese Menschen?

    Titus Müller hat sich dieses Thema angenommen und mit der von ihm gewohnten Gründlichkeit gesammelt, geforscht, gelesen und ausgearbeitet. Heraus gekommen ist ein umfangreicher, lesenswerter Roman über fiktive Menschen der damaligen Zeit, die es so gegeben haben könnte.

    Da ist die Abiturientin Nelly, deren Vater als Wissenschaftler kurz nach Kriegsende von den russischen Besatzern verschleppt wurde. Sie sucht Trost im christlichen Glauben und besucht die Junge Gemeinde, eine kirchliche Jugendorganisation, die der Partei der DDR ein Dorn im Auge ist. Deshalb wird sie kurz vor dem Abitur der Schule verwiesen.

    Da ist Lotte, eine alleinerziehende Mutter, deren Mann sich in den Westen abgesetzt hat und sie dadurch gezwungen ist, sich und ihre Söhne allein durchzubringen. Als dann auch noch die Lebensmittel rationiert werden, weiß sie nicht mehr weiter.

    Und dann sind da noch die politischen Machthaber, die den Alltag ihrer Bürger entscheiden beeinflussen. Und auch diesen historischen Persönlichkeiten gibt Titus Müller in seinem Roman ein Gesicht, durch das man in die Abgründe der menschlichen Seele blicken kann. Als zum Beispiel Stalin im März 1953 unter großen Schmerzen im Sterben liegt, wird im Nebenzimmer die Macht schon neu verteilt.

    Der Roman bietet neben guter Unterhaltung eine Fülle von Informationen zum 17. Juni 1953, berührt, ist perfekt recherchiert und trägt dazu bei, die jüngere deutsche Geschichte kennenzulernen.

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    strickleserls avatar
    strickleserlvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Gut recherchiert und spannend zu lesen! Wer mehr über die DDR und diesen wichtigen Tag lernen will, sollte unbedingt dieses Buch lesen.
    Tag der deutschen Einheit oder Tag X?

    Schauplatz Berlin: Im Jahr 1953 steht Nelly kurz vor dem Abitur, als sie erfährt, dass sie vom Schulbesuch ausgeschlossen wird, wenn sie weiterhin zur Jungen Gemeinde geht. Trotz öffentlicher Bloßstellung, weigert sie sich den Bedingungen nachzugeben. Auch ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei der Bahnhofsmission wird ihr genommen. Das wäre alles leichter zu ertragen, wenn sie ihren Vater nicht so sehr vermissen würde. 

    Im Jahr 1946 wurde er mitten in der Nacht verschleppt. Nelly und ihre Mutter hätten mitgehen können, aber das konnte die Mutter sich nicht vorstellen. Ihr neuer Lebensgefährte kann Nellys geliebten Vater nicht ersetzen. Mithilfe eines russischen Spions kann Nelly ihrem Vater schreiben. Dieser Mann interessiert sich schon seit Jahren für die schöne Nelly, aber auch Wolf, ein Uhrmacher, möchte könnte sich eine Zukunft mit ihr vorstellen.

    Der Leser lernt auch einige Bewohner Halles kennen; eine alleinerziehende Frau, die wegen den knappen Lebensmitteln nur schwer für ihre drei Jungs sorgen kann, ihr Cousin, der zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort ist, und seine Frau, die zu spät erkennt was Liebe ist.

    Und am Rande geht es auch um die sowjetische Machtzentrale, die sich nach dem Tod Stalins neu formieren muss. Denn die Entscheidungen hier beeinflussen das tägliche Leben im Osten Deutschlands.

    Am 17. Juni 1953 kommt es an mehreren Orten der DDR zu Aufständen und Streiks. Für die Bundesrepublik ist das ein Hinweis auf die Unzufriedenheit der Bürger. Der Feiertag, der an diesem Tag eingeführt wird, soll daran erinnern, dass beide Länder wiedervereinigt werden sollen. In der DDR wird dieser Tag „Tag X“ genannt, um den Eindruck zu vermitteln, die Aufstände wurden von den kapitalistischen Ländern gesteuert.

    Dieser Roman hält sich eng an historische Ereignisse, und ist doch spannend und sehr gut lesbar. Die verschiedenen Schicksale lassen den Leser erkennen, wie der Alltag in der DDR aussah, und welche Nöte es gab. Bei der Beschreibung der Aufstände fiebert der Leser mit, denn inzwischen sind ihm diese Personen sehr vertraut. Beeindruckend sind auch die vielen Details, die ein buntes und authentisches Bild der Umgebung im Leser entstehen lassen.

    Gut recherchiert und spannend zu lesen! Wer mehr über die DDR und über diesen wichtigen Tag lernen will, sollte unbedingt dieses Buch lesen.

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    MichaelSterziks avatar
    MichaelSterzikvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ein wichtiges Buch, über das Regime der damaligen DDR und ihre Menschen. Eine Perspektive des ver(ge)wünschten Kommunismus. Ein Zeitzeugnis.
    Nachhaltiges Mahnmal

    Titus Müller beschreibt den „Tag X“ – der 17. Juni 1953 außerordentlich bewegt und nachhaltig. Jetzt 65 Jahre später, kann die jetzige Generation es nur beschwerlich begreifen, dass Deutschland geteilt war, dass acht Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg unsere Republik aufgeteilt war, und uns die Besatzungsmächte Amerika, Frankreich, England und Russland kontrollierten. Ebenfalls schützen und unterstützen sie uns im Wiederaufbau. Auch das sollte man keinesfalls vergessen. Es war auch eine Zeit der charismatischen Politiker: Adenauer, Churchill, Beria und Chruschtschow. Letztere kämpften um das Erbe von Stalin, bzw. versuchten die Trümmer seiner Herrschaft aufzuräumen.

    Die DDR entstand 1949. Berlin war aufgeteilt in Besatzungszonen – der Osten wurde praktisch durch den Kreml regiert. Die westliche Region stand unter dem Schutz der drei übrigen Alliierten. Der Kalte Krieg stand bevor.

    Der Tag X gehört zur jüngeren deutschen Geschichte. Titus Müller nimmt den Leser mit in eine Vergangenheit, die wir kaum für möglich halten. Surreal, unglaubwürdig, erschreckend – so könnte man das Leben und Sterben in der damaligen DDR bezeichnen. Ein Regime des organisierten, staatlichen Terrors, aufgezwungene Lebensbedingungen und dann der Versuch am 17. Juni 1953 gemeinsam aufzustehen und es gewaltsam zu ändern.

    Der Autor Titus Müller beschreibt in seinem Titel: „Der Tag X“ – die politischen und gesellschaftlichen Strukturen, die dann zu Unruhen führten. Brillant lässt der Autor dieses schmale Zeitfenster aus der Perspektive von unterschiedlichen Figuren spielen. Nelly Findeisen, ihr Vater, ein Wissenschaftler – verschleppt um für Russland zu forschen und zu entwickeln, hat es schwer im Alltag. Aufgrund ihrer Mitgliedschaft in einer kirchlich orientierten Jugendorganisation, wird sie kurz vor dem Abitur, der Schule verwiesen. Das Regime der DDR kennt keine Gnade, hat kein Verständnis und regiert durch Einschüchterung, Verfolgung, Folter und später auch Mord.

    Titus Müller nimmt sich ebenfalls viel Zeit für die große und internationale Politik. Das Erbe Stalins und die späteren Machtkämpfe thematisierte er eindrucksvoll. Er spiegelt den Einfluss der damaligen UDSSR auf die ostdeutsche Regierung wieder. Er lädt uns ein, die Gedankenwelt in Momentaufnahmen von Konrad Adenauer zu begleiten. Absolut spannend ist zu lesen, wie der russische Geheimdienst operierte. Faszinierend wie einfallsreich und teilweise Morbide diese ihre technischen Möglichkeiten einsetze und auch die Liquidation von „verbrecherischen“ Elementen , als eine Selbstverständlichkeit ausübte.

    Die größtmögliche Intensität ist das vom Autor das beschriebene Alltagsleben der Bürger der DDR. Erschreckend dabei auch, die Propaganda, die instrumentalisiert eine ganz andere Wahrheit zeigen soll. Schwer zu glauben, dass Menschen wirklich so etwas als tatsächliche Realität empfunden haben. Wenige Hunderte von Metern entfernt in westlichen Bereichen gab es eine andere Welt, die sich krass anders darstellte. Für viele Bewohner das Paradies, für die Bewohner der DDR eine kapitalistische Hölle und das personifizierte Böse. Dieser fanatische Idealismus ist erschreckend. Das Regime der UDSSR , der die DDR mit harter Hand steuert, um die Anzahl der in den Westen Flüchtender Personen gegenhalten möchte. Die manipulative Aggressivität der Stasi um die Einwohner linientreu einzuschwören, ist stark erzählt.

    Titus Müller gibt keine Bewertung ab, seine Figuren sind auch nicht einfach in einem schwarz/weiß Raster einzuordnen. Motive, Ideale, Überzeugungen – in Kombination mit einer verletzbaren Menschlichkeit erzählt der Autor des Titels: „Der Tag X“ vorbildlich und äußerst trefflich.

    Fazit

    „Der Tag X“ ist ein großartiger Roman, der wie ein helles und nachhaltiges Echo, die jüngste Vergangenheit reanimiert. Nicht nur unheimlich spannend und mitreißend, sondern auch eine sinnbildliche Prägung darüber nachzudenken, was am Tag des 17. Juni 1953 stattgefunden hat. Ein Denkmal für die mutigen Menschen – ein Mahnmal und eine Mahnung für die Freiheit einzustehen.

    Michael Sterzik

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    friederickesblogs avatar
    friederickesblogvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ein beeindruckender Roman, lehrreich, interessant, mitreißend und spannend von der ersten bis zur letzten Seite.
    Beeindruckender Roman

    Klappentext

    Das Leben der Gymnasiastin Nelly Findeisen wird mit jedem Tag komplizierter. Es reicht nicht, dass sie ihren Vater, der vor sieben Jahren nach Russland abkommandiert wurde, nie mehr sieht, auch ihre Mutter wird ihr zusehends fremder. Hinzu kommt ihr Engagement in einer kirchlichen Jugendorganisation, was im Frühjahr 1953 zum Rauswurf aus der Schule führt. Trost könnte sie bei dem jungen Uhrmacher Wolf Uhlitz finden, der sich in sie verliebt hat. Er will ihr helfen, legt sich dafür sogar mit seinem Vater an, entwendet staatliche Dokumente und landet im Gefängnis. Was Wolf nur vage ahnt: Die junge Nelly steht in einer geheimnisvollen Verbindung mit einem russischen Spion namens Ilja, der sie mit Nachrichten über ihren verschleppten Vater versorgt und den Austausch von Briefen mit ihm vermittelt. Wie Wolf träumt auch Ilja von einem Leben mit Nelly – aber als sich in Berlin und Halle die Unzufriedenheit mit dem Regime in Massendemonstrationen entlädt, hängt ihrer aller Leben an seidenen Fäden.

    Titus Müller erzählt eindringlich und packend vom Leben der Aufbegehrenden und entfaltet authentisch und detailgenau das Panorama eines Aufstandes, der beispielhaft wurde.


    Der Autor

    Titus Müller, geboren 1977, studierte Literatur, Mittelalterliche Geschichte, Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Mit 21 Jahren gründete er die Literaturzeitschrift Federwelt. Seine historischen Romane begeistern viele Leser. Titus Müller ist Mitglied des PEN-Club und wurde u.a. mit dem C. S.-Lewis-Preis und dem Sir-Walter-Scott-Preis ausgezeichnet.

    Das Cover

    Das Cover zeigt zwei junge Menschen in den fünfziger Jahren. Die Farbgebung ist dieser Zeit perfekt angepasst. Zusammen mit dem Titel und dem Klappentext ist die Buchpräsentation stimmig und lädt ein, das Buch lesen zu wollen.

    Die Geschichte (Achtung Spoiler!)

    Nelly war ein glückliches Kind, bis im Oktober 1946 die Russen an die Wohnungstür der Familie hämmern. Ihr Vater wird nach Russland abkommandiert und ihre Mutter entscheidet sich im letzten Moment mit ihrer Tochter in Berlin zu bleiben, was Nelly nicht verstehen kann.

    1953 muss die junge Frau das Gymnasium verlassen, weil sie einer kirchlichen Organisation angehört. Zufällig lernt sie einen Tag zuvor den jungen Uhrmacher Wolf kennen.

    Dieser hat einen Uhrenladen und führt ein eigentlich unauffälliges und korrektes Leben, bis er sich in Nelly verliebt. Er will ihr unbedingt helfen und entwendet bei der Behörde Dokumente. Diese Aktion bringt ihn aber ins Gefängnis.

    Dann gibt es noch Ilja, einen russischen Soldaten, den sie in der Nacht kennenlernte, als ihr Vater abgeholt wurde. Er arbeitet inzwischen als Spion und bringt ihr regelmäßig Nachrichten von ihrem Vater.

    Wolf indes träumt von einem Leben mit Nelly, als aber die Massendemonstrationen rund um den 17. Juni beginnen ist ihr Leben und das vieler anderer Personen in Gefahr.

    Meine Meinung:

    Schon auf den ersten Seiten gibt es Gänsehaut, als mitten in der Nacht die Russen vor der Tür der Familie stehen. Und dann beginnt mit einem kleinen Zeitensprung die Geschichte von Nelly, Wolf und Ilja. Diese Drei sind die Hauptfiguren der Geschichte, die in der Nachkriegszeit, der noch jungen DDR angesiedelt ist. Die Protagonisten sind unglaublich ausdrucksstark und authentisch und nehmen mich hautnah in die Geschichte mit. Selbst ihre Gedanken lassen mich das ganze Drama fühlen. Die Schauplätze Berlin, Halle und Moskau sind bis ins kleinste Detail beschrieben, sodass man die Straßen und Plätze bildlich sehr gut durchwandern kann.

    Der Autor hat die Anfänge der DDR, die russische Besatzung, das Ende von Stalin in Moskau, die Erhöhung der Normen, die politischen Geschehnisse bis zum Aufstand am 17. Juni 1953 so wunderbar eingearbeitet, dass einem zwischendurch der Atem stockt. Die Ängste vor Repressalien und nie zu wissen, ob man gerade bespitzelt wird oder nicht, dazu die politischen Entwicklungen jener Zeit, aus unterschiedlichen Sichtweisen, lassen uns die Geschichte in ihrer ganzen Vielschichtigkeit so miterleben, als wäre man selbst dabei.

    Titus Müller erzählt aus wechselnden Perspektiven. Seine Sprache ist anspruchsvoll, aber sehr flüssig zu lesen und leicht verständlich. Obwohl es mehrere Handlungsstränge unterschiedlicher Personen sind, kommt man als Leser nicht durcheinander. Das Buch verlangt allerdings Konzentration, sowie Interesse an der deutschen Geschichte.

    Ein beeindruckender Roman, lehrreich, interessant, mitreißend und spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Ein Stück Zeitgeschichte verbunden mit einer zarten Liebesgeschichte. Unterhaltung und Wissen auf allerhöchstem Niveau.

    Das Buch bekommt von mir eine ausdrückliche Leseempfehlung.

    friedericke von "friederickes bücherblog"

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    Mylittlebookpalaces avatar
    Mylittlebookpalacevor 9 Monaten
    Wahnsinnig spannend und einfach nur toll

    Handlung:Das Leben der Gymnasiastin Nelly Findeisen wird mit jedem Tag komplizierter. Es reicht nicht, dass sie ihren Vater, der vor sieben Jahren nach Russland abkommandiert wurde, nie mehr sieht, auch ihre Mutter wird ihr zusehends fremder. Hinzu kommt ihr Engagement in einer kirchlichen Jugendorganisation, was im Frühjahr 1953 zum Rauswurf aus der Schule führt. Trost könnte sie bei dem jungen Uhrmacher Wolf Uhlitz finden, der sich in sie verliebt hat. Er will ihr helfen, legt sich dafür sogar mit seinem Vater an, entwendet staatliche Dokumente und landet im Gefängnis. Was Wolf nur vage ahnt: Die junge Nelly steht in einer geheimnisvollen Verbindung mit einem russischen Spion namens Ilja, der sie mit Nachrichten über ihren verschleppten Vater versorgt und den Austausch von Briefen mit ihm vermittelt. Wie Wolf träumt auch Ilja von einem Leben mit Nelly – aber als sich in Berlin und Halle die Unzufriedenheit mit dem Regime in Massendemonstrationen entlädt, hängt ihrer aller Leben an seidenen Fäden.

    Titus Müller erzählt eindringlich und packend vom Leben der Aufbegehrenden und entfaltet authentisch und detailgenau das Panorama eines Aufstandes, der beispielhaft wurde.


    Orte: Das Buch hat den unterschiedlichsten Orten gespielt, die zu der Zeit sehr wichtig waren: Berlin, London, Halle und etliche Orte außerhalb von dem Deutschland dieser Zeit. Ich habe mir schon etliche Dokus darüber angesehen, weshalb ich schon ungefähr weiß wie es dort ausgesehen hat oder ich es mir zu mindest ansatzweise vorstellen kann wie es dort aussah.


    Personen: Also mit den Personen bin ich zeitweise echt durcheinander gekommen, da manchmal gefühlt alle zwei Seiten eine neue Person in die Geschichte gekommen ist und eine neue Geschichte dazugekommen ist.


    Gestaltung: Mich hat das Cover sofort angesprochen und es passt wahnsinnig gut zu dem Buch. Auch die Kapitelgestaltung war sehr schön, schlicht und übersichtlich.


    Schreibstil: ich mochte den Schreibstil von Anfang an und er hat mir wirklich gut gefallen. Es gab tolle Dialoge und Beschreibungen und ich konnte das Buch wahnsinnig schnell lesen.


    Geschichte. Auch die Geschichte mochte ich sehr gerne und ich habe mich sofort eingefunden in die Geschichte. Es war eigentlich die ganze Zeit pannende und ich mochte die Handlung wahnsinnig gerne.


    Fazit: Ich mochte dieses Buch sehr sehr gerne und hatte fast nichts daran auszusetzen, weshalb ich 5 von 5 Sternen gebe und mich hier beim Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanken möchte.

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    BubblyInavor einem Jahr
    Absolut authentisch

    Das Buch "Der Tag X" von Titus Mülller ist wieder wunderbar recherchiert und ist somit absolut authentisch. Es erweckt die Ereignisse um den Arbeiteraufstand in der DDR am 17.Juni 1953 zum Leben reißt einen mit, so dass man gar nicht aufhören möchte zu lesen. ;)

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    derMichis avatar
    derMichivor einem Jahr
    der Anfang vom Ende

    Nach den letzten zeitgeschichtlichen Romanen von Titus Müller scheint die Erwartungshaltung klar: interessant recherchierter historischer Hintergrund plus Liebesgeschichte, dieses Mal in der frühen DDR. Dass "Der Tag X" allerdings auch als spannungsreicher Politthriller funktioniert zeugt einerseits von schriftstellerischer Wandlungsfähigkeit, andererseits verdeutlicht es, wie viel vor und während des Volksaufstandes im Juni 1953 auf dem Spiel stand. Müller bettet seine Figuren, die kaum unterschiedlicher sein könnten, glaubhaft in das Geschehen rund um die Aufstände in Berlin und Halle an der Saale ein und zeichnet ein ebenso realistisches wie ernüchterndes Bild einer gescheiterten Utopie.

    Eigentlich scheint es naheliegend, dass die Bevölkerung des ausgelaugten Ostdeutschlands mit den Machenschaften der wohlgenährten Parteiführung und deren überambitionierten Zielen auf Dauer nicht einverstanden sein könnte. Gleichzeitig hatte der junge sozialistische Staat, der sich die Sowjetunion zum Vorbild nahm und doch auf Rohstoffimporte aus dem Westen angewiesen war, mit Legitimationsproblemen zu kämpfen und wollte vor allem die Jugend auf seiner Seite wissen. Der Handlungsstrang um Nelly Findeisen veranschaulicht besonders die offene Diffamierung der "Jungen Gemeinde" und anderer christlicher Gruppierungen, die ihren Glauben nicht der Staatsdoktrin unterordneten. Ein Kapitel der Geschichte, das allzu oft in entsprechenden Nischenverlagen untergeht, hier aber als passendes Zeugnis einer von Umbrüchen gezeichneten Epoche fungiert.

    Die sichtbaren und unsichtbaren Akteure werden gleichermaßen porträtiert, Szenen wie der beginnende Machtkampf an Stalins Sterbebett oder im noch jungen (west)deutschen Bundestag liefern den nötigen Hintergrund für die Geschehnisse zwischen Moskau, Bonn und Berlin, die erst die Vorraussetzungen für die Volksaufstände schufen. Bevor es so richtig zu den genretypischen Verwicklungen und heimlichen Liebschaften kommen kann, brechen die zunächst friedlichen, dann aber unverhofft gewalttätigen Proteste los. Die Reaktionen aller Seiten stellt Müller nebeneinander, lässt den Leser beobachten, ohne selbst Urteile zu fällen oder nachträglich einzelne Figuren zu Helden zu verklären. Das bleibt der SED-Führung überlassen, die ein eher zufälliges Todesopfer zum Märtyrer ihrer gerechten Sache macht.

    Die beklemmende Stimmung wird glücklicherweise nie überstrapaziert, für einen historischen Roman ist das Buch mit seinen 400 Seiten (inkl. Anhang) sogar relativ übersichtlich. Die Vielzahl grundverschiedener Charaktere an den unterschiedlichsten Stellen des Geschehens macht die Lektüre spannend und ermöglicht einen hervorragenden Einblick in eine Zeit, in der es an allem mangelte, außer an reichhaltiger Kost für die Geburtstagsgäste eines Walter Ulbricht, der nebenbei auch noch seine Biografie in einer großzügigen Auflage drucken ließ. Außerdem werden die Hintergründe der Chruschtschowschen "Tauwetter-Periode" deutlich, die unter seinem entmachteten Vorgänger Beria Lawrenti deutlich weniger pragmatisch hätte werden können.

    Seitenzahl: 400
    Format: 14,8 x 22,1 cm, gebunden
    Verlag: Blessing
    Bonusmaterial: Anhang mit Glossar und weiteren Infos zu den historischen Hintergründen

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    walli007s avatar
    walli007vor einem Jahr
    Freiheit!

    Kurz nach dem Krieg wird Nellys Vater von den Sowjets aus Ostberlin nach Russland verschleppt. Wie viele andere Wissenschaftler soll er für die Sieger forschen. Nellys Mutter weigert sich, ihren Mann zu begleiten. Noch im Jahr 1953 weiß Nelly nicht, wo ihr Vater ist. Bald will sie Abitur machen, doch ihr Engagement bei der christlichen jungen Gemeinde wird ihr zum Verhängnis. Ihr wird verboten, an den Abiturprüfungen teilzunehmen. Wolf Uhlitz, ein junger Uhrmacher, der sich in Nelly verliebt hat, wird von der Stasi in den Dienst gezwungen, um die christliche Gruppe zu infiltrieren. Und der Russe Ilja, der einmal gut zu Nelly war, bringt immer seltener Briefe von ihrem Vater.


    Keine Liebesgeschichte im eigentlichen Sinne, keine romantischen Treffen junger Menschen in einer wachsenden DDR, in der doch alles nicht so schlimm ist. Man muss nur seine Nische finden. Und wenn man nicht in eine abgeschottete Nische will? Wenn man offen seine Meinung sagen will? Wenn man einfach nur über Vor- und Nachteile des Systems diskutieren will. Im Frühjahr 1953 ist die Lage in Ostdeutschland schlecht, die Normen werden heraufgesetzt, die landwirtschaftliche Produktion sinkt, die Läden sind leer. Manche Mütter wissen nicht, wie sie ihren Kindern etwas Vernünftiges auf den Tisch bringen sollen. 


    Bespitzelung und Denunziation an allen Ecken und Enden. Keiner kann dem anderen wirklich trauen. Geheimdienste spionieren und nutzen jede Gelegenheit, um die jeweils anderen auszuspähen. Und auch die große Politik spinnt ihre Fäden. Gerade diese jedoch haben nicht unbedingt das Wohl der Menschen im Sinn. Wenn es um das sogenannte große Ganze geht, kann ein Einzelner schon zum bedauerlichen Opfer werden. Und so wird der verzweifelte Aufstand der Arbeiter von allen Seiten für die eigenen Ziele genutzt. 


    Nach der mitreißenden Lektüre dieses Romans fühlt man sich eindringlich daran erinnert, dass die Freiheit, sich nach seiner Überzeugung zu äußern und zu leben, zumindest solange man andere damit nicht ungerechtfertigt einschränkt, nicht selbstverständlich ist. Fast klaustrophobisch könnte man das Gefühl beschreiben, das die Lektüre auslöst. Die immer größer werdende Enge des Überwachungsstaates, das gegenseitige Belauern, das Misstrauen, das immer größer wird. Dazu ein spannendes Spionagegeschehen vor dem Hintergrund der Weltpolitik. Man stellt sich, die Frage, ob die Menschen in der DDR von allen verlassen wurden, zum einen, um den idealen Arbeiter- und Bauernstaat zu schaffen, zum anderen aber auch, um ein vereintes, aber neutrales Deutschland zu verhindern. Soll man von Glück reden, wenn die eigenen Großeltern einfach ein paar Kilometer weiter gelaufen sind und einem so ermöglicht haben in einer westlichen Demokratie aufzuwachsen. Zumindest sind die Zeiten vorbei, in denen man dieses Privileg für selbstverständlich halten sollte. 


    Ein hervorragender zeitgeschichtlicher Roman, der sehr eindringlich daran erinnert, dass Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist.



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    elvires avatar
    elvirevor 2 Jahren
    Besser gehts nicht

    Ich bin eher ein „Geschichtsmuffel„ und ueber die Geschichte der DDR wusste ich praktisch nichts. Der Autor aber schafft es einen mitzureissen. Anhand von mehreren Einzelschicksalen erleben wir verschiedene Haltungen, Einstellungen, Gedankengaenge mit, wir lernen wie unterschiedlich die Lage in den beiden Teilen Deutschlands war, uvm. Auch reale Personen kommen vor, wie z.B. Beria, von dem ich vorher noch nie etwas gehoert hatte. Anfangs habe ich mehrmals gegoogelt, bis ich den Anhang entdeckt habe, wo vieles erklaert wurde. Und das ist auch das einzige Manko: am Anfang des Buches haette ein Hinweis auf den Anhang sein muessen, damit man waehrend des Lesens immer wieder mal nachgucken konnte. Dieses Buch kann ich auf jeden Fall uneingeschraenkt weiterempfehlen.

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    Regina_Kollovor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Gäbe es mehr, würde ich noch mehr Sterne vergeben. Ich hoffe ich darf noch viele Bücher von Titus Müller lesen.
    Warten auf Tag X

    Der Tag X

    Autor:Titus Müller

    Genre:Roman

    Erschienen: 27. Februar 2017

    Version: gebunden, eBook, Audio-CD

    Seiten:400

    Verlag: Karl Blessing Verlag



    Inhalt(übernommen):

    Seit ihr Vater als Wissenschaftler zu einem Leben im fernen Russland gezwungen wurde, passt Nelly sich ihrer Ostberliner Umgebung immer weniger an. Sie engagiert sich in einer kirchlichen Jugendorganisation und wird im Frühjahr 1953 kurz vor dem Abitur von der Schule geworfen.

    Trost könnte sie bei dem jungen Uhrmacher Wolf Uhlitz finden, der sich in sie verliebt hat. Er will ihr helfen, legt sich dafür sogar mit seinem Vater an, entwendet staatliche Dokumente und landet im Gefängnis. Was Wolf nur vage ahnt: Die junge Nelly steht in einer geheimnisvollen Verbindung mit einem russischen Spion namens Ilja, der sie mit Nachrichten über ihren verschleppten Vater versorgt und den Austausch von Briefen mit ihm vermittelt. Wie Wolf träumt auch Ilja von einem Leben mit Nelly – aber als sich in Berlin und Halle die Unzufriedenheit mit dem Regime in Massendemonstrationen entlädt, hängt ihrer aller Leben an seidenen Fäden.

    Titus Müller erzählt eindringlich und packend vom Leben der Aufbegehrenden und entfaltet authentisch und detailgenau das Panorama eines Aufstandes, der beispielhaft wurde.




    Meine Meinung:

    Das Cover ist sehr ansprechend gestaltet und versetzt den Leser direkt in die 50er Jahre. Auf dem Cover ist eine Frau und ein Mann, sitzend, auf einem Auto abgebildet.


    Schon der Prolog hat mich in den Bann gezogen. Dieser beinhaltet schon sehr viel Spannung.


    Die Geschichte wird aus der auktorialen Perspektive erzählt. Auch wenn es mehrere Geschichten in einem Roman sind, kommt der Leser nicht durcheinander. Beim Lesen lernt der Leser viel über die DDR, ohne das dieses zu plakativ wird. Die geschichtlichen Informationen bleiben weiterhin im Hintergrund. Ich habe mich besonders gut in Nelly hineinversetzten können und mich oft gefragt „Was hätte ich an ihrer Stelle getan“.


    Durch die vielen geschichtlichen Hintergründe, ist dieses Buch aus meiner Sicht auch für den Geschichtsunterricht gut zu nutzen, denn auch ich habe durch dieses Buch noch viel über die DDR erfahren, was ich vorher noch nicht wusste.


    Die Schreibweise von Titus Müller ist leicht zu lesen und auch ohne Hintergrundwissen, ist der Geschichte „Der Tag X“ gut zu folgen. Der Roman war für mich genau so geschrieben, wie ich es im Vorfeld schon von Titus Müller kannte.


    Da mich Der Tag X von Titus Müller so begeistert hat, kann ich dem Buch nur 5 von 5 Büchersternen geben.

    Gäbe es mehr, würde ich noch mehr Sterne vergeben. Ich hoffe ich darf noch viele Bücher von Titus Müller lesen.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    TitusMuellers avatar
    Herzliche Einladung zur Leserunde zu "Der Tag X"! Ich freue mich auf eure Leseeindrücke, bin gespannt, wo euch die Geschichte fesselt und an welchen Stellen ihr mir noch was beibringt für den nächsten Roman. (Ein wichtiger "Nebeneffekt" von Leserunden für uns Autoren.) Gern werde ich natürlich auch eure Fragen beantworten.

    Der Klappentext:

    Seit ihr Vater als Wissenschaftler zu einem Leben im fernen Russland gezwungen wurde, passt Nelly sich ihrer Ostberliner Umgebung immer weniger an. Sie engagiert sich in einer kirchlichen Jugendorganisation und wird im Frühjahr 1953 kurz vor dem Abitur von der Schule geworfen. Trost könnte sie bei dem jungen Uhrmacher Wolf Uhlitz finden, der sich in sie verliebt hat. Er will ihr helfen, legt sich dafür sogar mit seinem Vater an, entwendet staatliche Dokumente und landet im Gefängnis.

    Was Wolf nur vage ahnt: Die junge Nelly steht in einer geheimnisvollen Verbindung mit einem russischen Spion, der für den neuen starken Mann in Moskau, für Beria, den Nachfolger Stalins, arbeitet. Welches Geheimnis verbindet die beiden? Wie Wolf scheint auch dieser Fremde von einem Leben mit Nelly zu träumen. Aber Sehnsüchte und Eifersucht werden plötzlich fortgerissen. In Berlin und Halle entlädt sich die Unzufriedenheit der Menschen mit dem Regime in Massendemonstrationen, und die erbitterte Reaktion der Herrschenden lässt nicht lange auf sich warten.

    Unter allen Teilnehmern verlost der Blessing Verlag 10 Freiexemplare, Bewerbungsschluss ist der 7. März. Wir starten mit dem Lesen am 13. März.

    Liebe Grüße,

    Titus
    Zur Leserunde

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