Tobi Lakmaker

 4 Sterne bei 6 Bewertungen

Lebenslauf

Tobi Lakmaker, geboren 1994 in Amsterdam, hieß noch Sofie Lakmaker, als »Die Geschichte meiner Sexualität« ihn in den Niederlanden zum Shootingstar machte. Die Vogue kürte ihn zum literarischen Talent 2021, die Filmrechte an seinem Debüt verkauften sich im Nu. Lakmaker schreibt Kolumnen für De Groene Amsterdammer und LINDA.meiden.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Tobi Lakmaker

Cover des Buches Die Geschichte meiner Sexualität (ISBN: 9783492071420)

Die Geschichte meiner Sexualität

(6)
Erschienen am 27.01.2022

Neue Rezensionen zu Tobi Lakmaker

Cover des Buches Die Geschichte meiner Sexualität (ISBN: 9783492071420)
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Rezension zu "Die Geschichte meiner Sexualität" von Tobi Lakmaker

Trishen77
Eine Wucht

Tobi Lakmakers erster Roman machte 2021 im den Niederlanden Furore – und das vollkommen zurecht. Ich war zwar darauf vorbereitet, dass die Themen eine gewisse Wucht mit sich bringen würden, was ich aber nicht erwartet habe: so viel Esprit, Humor, Witz, oft ins Skurrile gehend, aber auch so viel Gespür, Weisheit, Offenheit.

Auf knapp zweihundert Seiten erzählt Lakmaker vor allem von drei Dingen: Der Suche nach einer Identität, dem Scheitern an jedweder Intimität und, zuletzt, einem großen Verlust. Und das in einem Stil, den ich als eine Mischung aus Salingers Holden Caulfield und Eileen Myles in "Chelsea Girls" beschreiben würde, mit einem Tick Jeanette Winterson, bezogen auf deren autobiographische Texten (aber lest selbst hinein).

Im Roman ist Tobi noch Sofie, nebst aller entsprechenden weiblichen Pronomen (was auch in der fünften Auflage, soweit ich weiß, nur in Bezug auf die Autorenperson angepasst wurde). Sofie möchte eigentlich von Anfang an nur irgendwo hin-, irgendwie dazugehören. Was schwierig ist – mit Anfang 20 sieht sie aus wie ein fünfzehnjähriger Junge, will Dichterin werden, studiert Russisch und all das gibt ihr keinen Halt. Sie hat ständig ein Stechen in der Brust, trifft immer auf die falschen Boys ands Girls, isoliert sich oft und selbst in ihren ersten Beziehungen mit Frauen kann sie niemanden wirklich an sich heranlassen, weder physisch, noch emotional.

"Die Geschichte meiner Sexualität" ist eine Story darüber, wie sehr man sich selbst fremd sein kann und über Personen, die durch die Raster der Rollenbilder und Erwartungen fallen, von denen unsere Gesellschaften immer noch geprägt sind. Aber trotz der sehr ernsten Themen, der immer wieder bedrückenden bis heftigen Details, ist es ein unterhaltsames Buch, das viel zum Nachdenken und -empfinden bereithält. Es ist mitunter etwas konfus, die Chronologie eine Katastrophe, aber am Ende habe ich mich einfach nur unglaublich bereichert gefühlt. 

Cover des Buches Die Geschichte meiner Sexualität (ISBN: 9783492071420)
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Rezension zu "Die Geschichte meiner Sexualität" von Tobi Lakmaker

EvyHeart
Das Besondere verkannt (Rezi-Ex)

Ich habe das Buch angefordert, weil es um eine queere Figur geht und weil der Teaser sehr flott geschrieben war. Letztlich hatte ich das Gefühl, dass ich ein Buch mit ähnlicher Atmosphäre bereits vor 10 und 20 Jahren gelesen habe.

Worum geht es?

Nicht um Sex. Sondern um Sofie, die sich von ihren Mitmenschen ständig unverstanden fühlt, deren Beziehungen nie lange halten und die einem, obwohl sie so viel über sich erzählt, nie wirklich nahe kommt.

Meine Meinung

Ich habe mich im Buch oft gefragt, wann es vorbei ist. Ich war das ständige "Wisst ihr ..." und die Bemerkung, dass Jungs "Dullies" sind, SO leid. Das Selbstmitleid. Die Kritik an anderen. Die Oberflächlichkeit. Dass die Chronologie stellenweise durcheinander ist, bemerkt die Figur selbst, hat mich aber nicht gestört. Sofie ist von allem genervt, kommt mit keinem klar. Sie wirkt total abgeklärt, ist aber ziemlich sensibel. Manchmal mochte ich diese rotzige Art, aber oft nervte sie mich.

Natürlich kann man vermuten, dass sich die Figur aufgrund ihrer Transidentität nirgendwo zugehörig fühlt. Das Thema "trans" klingt nur an wenigen Stellen an. Wenn Sofie sagt, dass sie lieber aktiv ist und es z.B. nicht mag, wenn man ihre Brüste anfasst.

Prägend war für mich die Bemerkung, sie möchte ein bisschen mehr Junge sein - das zeigte mir, dass auch Geschlechter ein Spektrum sind und dass man als Frau männliche Attribute haben kann, ohne sich als "Mann" zu bezeichnen. Ich fand das sehr wichtig.

Interessant war auch, wie die Figur ihre Angststörung beschriebt - ich denke, dass sich damit einige Leser:innen identifizieren können.

Wie es die Figur schafft, einen Buchvertrag zu bekommen, weiß ich nicht.

Berührend wird es am Ende, als es um den Tod der Mutter geht.

Und trotzdem gibt es Sätze, die ich mir an eine Pinnwand heften möchte.

Fazit

Tobi Lakmakker hat mit ihrem/seinem Text das Rad nicht neu erfunden. Für Menschen Anfang 20, die sich suchen und das Gefühl haben, überall anzustoßen, kann das Buch erlösend sein. Für mich war's zu viel Geschrei und zu wenig Inhalt.

Cover des Buches Die Geschichte meiner Sexualität (ISBN: 9783492071420)
D

Rezension zu "Die Geschichte meiner Sexualität" von Tobi Lakmaker

die_buecherweltenbummlerin
Wann ist ein Mann ein Mann?

Wann ist ein Mann ein Mann?
Sofie. Ein Name, der Weiblichkeit verspricht. Mit 17 soll sie sich als Frau fühlen, als sie von Walter entjungfert wird. Das Ganze mit einem Küsschen gekrönt. Da sind ihre Haare noch lang. Später soll sie sich weiblich fühlen, als ihr nach dem Akt ein Handtuch hingeworfen wird. Die Kapitel enttäuschender Begegnungen mit dem anderen Geschlecht enden glücklicherweise, als sie Jennifer kennenlernt. Zugegeben, auch die Zusammentreffen mit dem gleichen Geschlecht sind nicht immer von Erfolg gekrönt, doch für Sofie ist es ein bedeutender Schritt, um er selbst zu werden.

Heute heißt Sofie Tobi und hat mit "Die Geschichte meiner Sexualität" eine Autobiographie verfasst, die mich zum Lachen und Weinen gebracht hat. In 15 irrwitzigen Kapiteln erläutert Lakmaker die Skurrilitäten heutiger Partnersuche und zeigt trotz der wohltuenden Selbstironie auf, welche Schwierigkeiten queere Männer und Frauen auch gegenwärtig zu überwinden haben. In dem Zusammenhang verwundert es nicht, dass der Autor immer wieder von Angstzuständen und Panik erzählt, die ihn fast alltäglich begleiten. 

Was mich als heterosexuelle cis-Frau an diesem Buch begeistert, ist der Erzählstil. Lakmaker nimmt kein Blatt vor den Mund und spricht aus, was unseren Eltern - und vielleicht sogar uns - die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Dabei ist der Ton so wundervoll dreist, dass es eine erfrischende Abwechslung zur dagegen fast schon langweiligen Literatur darstellt.

Ein Autor, der unglaublich viel Mut beweist!
Eine Uni, mit der man niemals auf Exkursion gehen sollte!
Ein Verlag, bei dem Beharrlichkeit auf ganz eigentümliche Weise belohnt wird!
Und dazwischen immer wieder die Frage: Ab wann ist ein Mann ein Mann?
Hervorragende Gratwanderung zwischen Komik und Dramatik!


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