Kunst kann wunderschön sein und gleichzeitig tief unter die Haut gehen. Genau dieses Gefühl hat Gustav Klimt und die Medizin bei mir ausgelöst. Schon beim ersten Durchblättern war ich überwältigt von der Gestaltung, doch je tiefer ich in die Texte eingetaucht bin, desto mehr wurde mir bewusst, wie viel Geschichte hinter Klimts zerstörter Medizin steckt.
Besonders berührt hat mich der Gedanke, dass ein so bedeutendes Werk heute nicht mehr existiert. Die Geschichte vom öffentlichen Skandal über Klimts Rückzug bis zur Zerstörung 1945 liest sich stellenweise beinahe tragisch. Gleichzeitig gelingt es den Fachbeiträgen, das Gemälde wieder ein Stück weit lebendig werden zu lassen.
Faszinierend fand ich vor allem die Verbindung zwischen Kunst, medizinischer Forschung und dem gesellschaftlichen Umbruch im Wien um 1900. Körper, Geburt, Krankheit und Tod werden nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil einer Zeit, die voller neuer Gedanken und Unsicherheiten war.
Manche Texte verlangen durchaus Konzentration und sind fachlich sehr dicht. Trotzdem habe ich unglaublich viel mitgenommen. Für mich ist dieses Buch weit mehr als ein klassischer Kunstband. Es ist eine bildgewaltige Reise in eine Epoche zwischen Fortschritt, Angst und Aufbruch, die mich lange beschäftigt hat.










