Tobias Ginsburg

 4,7 Sterne bei 33 Bewertungen
Autor von Die Reise ins Reich, Die letzten Männer des Westens und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Tobias Ginsburg

Tobias Ginsburg, Jahrgang 1986, ist Autor und Regisseur. Er studierte Dramaturgie, Literaturwissenschaft und Philosophie. 2016 war er Fellow des Hanse-Wissenschaftskollegs, 2020 erhielt er das Grenzgänger-Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung. 

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Tobias Ginsburg

Cover des Buches Die Reise ins Reich (ISBN: 9783360013316)

Die Reise ins Reich

 (11)
Erschienen am 12.06.2019
Cover des Buches Die letzten Männer des Westens (ISBN: 9783499003530)

Die letzten Männer des Westens

 (10)
Erschienen am 19.10.2021
Cover des Buches Die Reise ins Reich (ISBN: 9783499004568)

Die Reise ins Reich

 (8)
Erschienen am 19.10.2021

Neue Rezensionen zu Tobias Ginsburg

Cover des Buches Die Reise ins Reich (ISBN: 9783499004568)nyhc82s avatar

Rezension zu "Die Reise ins Reich" von Tobias Ginsburg

Alles Verrückte, oder?
nyhc82vor einem Monat

Wie der Klappentext richtig sagt, eine 'Mischung aus Reportage, Groteske und Fachbuch.' Mit ehrlicher Neugier und gerade soviel Empathie wie nur irgend möglich berichtet Ginsburg aus dem Innenleben einer Ansammlung von Leuten, die seit Jahren ihr Unwesen treibt und mittlerweile nicht mehr nur als eine Ansammlung verrückter Spinner oder Esoteriker abzutun ist. Das Buch, bereits 2017 erschienen und nun mit einem neuen 'Corona'-Kapitel versehen, zeigt beklemmend wie fortgeschritten die Ideen der Reichsbürger und Verschwörungsideologen bereits in unser aller Mitte sind. Toll geschrieben, einfach zu lesen, leichtfüßig und trotz aller Schwere mit der dringend nötigen Dosis Humor. Ein Buch zum Haareraufen, zum Lachen und zum Verzweifeln.

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Cover des Buches Die Reise ins Reich (ISBN: 9783499004568)Catastrophias avatar

Rezension zu "Die Reise ins Reich" von Tobias Ginsburg

Mit Tarnidentität unter Reichsbürger*innen
Catastrophiavor 2 Monaten

"Die letzten Männer des Westens" -Tobias Ginsburgs zweites Buch - habe ich bereits vor einigen Wochen gelesen. Davon war ich so begeistert, dass ich "Die Reise ins Reich" in der um Coronaleugner*innen erweiterten Neuausgabe zeitnah ebenfalls lesen wollte.

Wenig überraschend bin ich erneut so beeindruckt wie frustriert. Auch hier wird deutlich, wie gefährlich eine vermeintlich klare Trennung der extremen Rechten von Verschwörungsnarrativen ist und wie wenig diese Szene ernstgenommen wird. Gerade deshalb ist es beeindruckend, dass der Autor auch für dieses Buch eine akribische und gefährliche Recherche auf sich genommen hat, um ein - trotz aller Absurdität und Gefährlichkeit- humanes Buch über diese Szene zu schreiben.

Human, da er die heterogene Szene kritisch und reflektiert darstellt und dadurch selbst die absurdesten Gestalten nicht entmenschlicht, sondern gerade die mitleiderregenden Charaktere auch in ihrer Traurigkeit und Ausweglosigkeit erfasst - ohne dabei ihre Gefährlichkeit kleinzureden.

Holocaustleugnung, Juden als Strippenzieher - im Kontext antisemitischer Verschwörungstheorien ist Ginsburgs jüdische Identität zwangsläufig nicht egal. Die Reflexion über die Herausforderung, zur Tarnung jene antisemitischen Positionen vertreten zu müssen, die sich immer auch gegen ihn selbst richten, ist daher ebenfalls Thema dieser Recherche.

"Die Nazis sind immer die anderen. Der Widerstand sind immer wir."
(S. 238)

Das Buch ist nicht leicht verdaulich, liefert seltene Einblicke in eine menschenverachtende Szene, die es noch immer oft schafft, eher als harmlos-spinnert denn als brandgefährlich wahrgenommen zu werden. Obwohl es eben kein Zufall ist, dass auch "Querdenken" von Beginn an enge Verbindungen zur extremen Rechten hatte. Auch deshalb sollte man diese Recherche lesen.

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Cover des Buches Die letzten Männer des Westens (ISBN: 9783499003530)Catastrophias avatar

Rezension zu "Die letzten Männer des Westens" von Tobias Ginsburg

Wegschauen ist keine Option
Catastrophiavor 4 Monaten

Schlagende Verbindungen, Incels, FDP-Männerrechtler, Identitäre, christliche Fundis und rechtsextreme Rapper - was sie alle vereint, sind ihre Misogynie und ihr unbändiger Antifeminismus. Und wenn man von globalem Rechtsextremismus spricht, gehören sie (abgesehen von den FDP-Maskulinisten), alle zusammen. Denn ihre Geschlechterbilder, heroische Männlichkeit und Hass gegen Frauen bilden eine wichtige einende Klammer des Rechtsextremismus. Zugleich zeigt sich aber am Beispiel der Männerrechtler auch die gesellschaftliche Anschlussfähigkeit von Misogynie, denn wenn man gegen Frauen und Feminismus agitieren kann, stört es plötzlich wenig, dass am TIsach auch ein Nazi sitzt. Und was öffentlich geäußert wird und bereits unangenehm klingt, ist noch harmlos zu den Äußerungen, die in vermeintlich geschlossenen Räumen getätigt werden.

Was diese Misogynie in der extremen Rechten konkret bedeutet, zeigt der Autor Tobias Ginsburg  in einer so gefährlichen wie beeindruckenden Reportage. Für "Die letzten Männer des Westens" hat er sich als weiß gelesener Mann undercover von Ungarn bis in die USA, von 'neurechten' ideologischen Schulungen bis zu einer Rapcrew in diese Welt begeben und legt ein Buch vor, das nicht nur klar macht, wie gefährdet die Demokratie ist, wenn wir solche Positionen ausblenden. Er zeigt auch eindrücklich und anhand konkreter Beispiele, dass jede Analyse der extremen Rechten fehlschlägt, wenn Geschlecht nicht mitgedacht wird und dass gerade die, die am lautesten absurde Verschwörungstheorien von sich geben (der Feminismus zerstört die Männlichkeit etc. pp., wir kennen das), sich die größte Mühe geben, sich global zu vernetzen und die öffentlichen Debatten zu beeinflussen. 

Welche Durchschlagkraft das hat, sehen wir leider erschreckend regelmäßig bei Terroranschlägen von White upremacists, die das Narrativ eines "Großen Austauschs" verbreiten, bei frustrierten, geklränkten Männern, die bereit sind, zu töten, wenn ihr vermeintlicher Besitzanspruch auf Frauen nicht erfüllt wird. Außerdem nacht Tobias Ginsburg eins immer wieder klar: Nicht nur Rassismus und Antifeminismus, sondern auch Antisemitismus ist Kern dieser Ideologie.

Ich habe das Buch in zwei Tagen inhaliert und möchte es allen ans Herz legen. Es ist unglaublich wichtig und ich habe wahnsinnigen Respekt vor dem Risiko, das der Autor eingegangen ist. Dass er dabei nicht nur sich selbst in Gefahr gebracht und praktisch Informationen gesammelt, sondern zudem akribisch recherchiert hat, wird in der fundierten Unterfütterung seiner Beobachtungen und Erfahrungen deutlich. Und damit diese Inhalte irgendwie zu ertragen sind, bedient er sich häufig eines bitteren und bitter nötigen Sarkasmus und verliert gerade nicht den Mut angesichts dieser Menschenfeindlichkeit. Stattdessen plädiert er umso stärker für ein Engagement gegen Faschismus und Misogynie.


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