Tobias Hill Verborgen

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Inhaltsangabe zu „Verborgen“ von Tobias Hill

Der junge Archäologe Ben Mercer hat sich von Frau und Kind getrennt und geht für unbestimmte Zeit nach Griechenland. In einem Athener Vorort heuert er als Aushilfe in einem Restaurant an, ohne zu wissen, wie sein Leben weitergehen soll. Halbherzig arbeitet er an seiner Doktorarbeit über Sparta, jenen legendären Staat, der Unterdrückung und Terror einst perfektionierte. Kurz darauf trifft Ben zufällig auf Eberhard Sauer, seinen ebenso brillanten wie rätselhaften Kollegen aus Oxford, der ausgerechnet in Sparta mit einer kleinen Gruppe an einer Ausgrabung beteiligt ist. Trotz anfänglicher Ablehnung durch die anderen schließt sich Ben dem Grabungsteam an und spürt schon bald, dass die Gruppe mehr eint als die Suche nach den verborgenen Spuren der Antike. Ben, sein ganzes Leben lang ein Außenseiter, will dieser eingeschworenen Gemeinschaft angehören - um jeden Preis. Immer weiter rückt sein Leben in England in den Hintergrund, immer drängender sucht er die Nähe der anderen; mit Natsuko, einer jungen Frau aus dem Team, beginnt er eine Liebesaffäre. Und als Ben ganz allmählich hinter das grauenhafte Geheimnis kommt, das die Gruppe um Eberhard miteinander verbindet, ist es zur Umkehr längst zu spät.

Tobias Hill erzählt päzise und mit großem Können, er spiegelt auf faszinierende Weise die Gegenwart mit der Antike und verwebt eine spannungsreiche Handlung voller unerwarteter Wendungen mit historischen Fakten zu einem klugen Roman über Gewalt und Macht in Zeiten des Terrors. "Verborgen" schafft von Beginn an eine Atmosphäre von subtiler Bedrohung und Gewalt, die einen nicht mehr loslässt.

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    Verborgen

    Tru1307

    22. March 2013 um 10:11

    Verborgen ist laut dem Klappentext "Eine ungewöhnliche Mischung aus spannungsgeladener Handlung und historischen Fakten". Nachdem ich das Buch beendet habe, suche ich immer noch danach. Die historischen Fakten waren vorhanden - ausführlich dargelegt -, aber Spannung hat mir komplett gefehlt. Vielleicht kam bei mir keine Spannung auf, weil ich auch zu dem Protagonisten keinen Zugang fand und mich daher schon durch so manche Seite gequält habe? Anscheinend gibt es zu diesem Buch nur zwei Möglichkeiten: Entweder man mag den Stil des Autors oder man mag ihn nicht. Ich gehöre leider zur zweiten Kategorie. Der Roman teilt sich in zwei verschiedene Stränge. Zum einen verfolgt man Ben, wie er in Griechenland zurechtkommt und seine Trennung von Frau und Kind verarbeitet. Seine Frau hat ihn verlassen, was stark auf seiner Seele lastet und immer wieder schubweise zum Vorschein kommt. Er hat Angst mit seiner Reise nach Griechenland einen Fehler gegangen zu haben, da er schon nach wenigen Wochen vergisst, wie sein Kind wirklich aussieht. So weit die Ausgangssituation. Irgendwann trifft Ben auf einen alten Bekannten, der ihm von einer Ausgrabung berichtet und schwups - Ben macht da auch mit. Der zweite Teil des Romans ist von wissenschaftlichen Abhandlungen über Sparta geprägt. Im Normalfall wechseln sich fiktive Handlung und die wissenschaftlichen Erläuterungen nach jeweils einem Kapitel ab. Bei mir haben diese Einschübe allerdings dafür gesorgt, dass ich komplett aus der Geschichte war, wenn es bei Ben weiter ging. Für jemanden, der an einem Sachbuch für Sparta interessiert ist, könnte das Buch sogar ein erster Einstieg in das Thema sein, aber ich hatte etwas völlig anderes erwartet, nachdem ich den Klappentext gelesen habe. Der Stil des Autors ist eigentlich ganz angenehm zu lesen. Die Stimmung des Romans ist düster und die Distanz riesengroß. Tobias Hill hat es nicht geschafft, dass ich unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht und mein Mitgefühl mit Ben hält sich auch in Grenzen. Erst im letzten Drittel des Buches wird es dann interessanter und die Aufklärung war nachvollziehbar. Bewertung Verborgen konnte mich leider gar nicht packen. Die düstere Atmosphäre hatte zwar etwas für sich, aber Spannung kam entgegen meiner Hoffnung nicht auf. Ich glaube, man muss den persönlichen Stil des Autors mögen, um auch dieses Buch lesen zu können. Die Fakten über Sparta waren zwar interessant, rissen mich aber regelmäßig aus der Handlung, so dass kein guter Lesefluss aufkam.

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  • Rezension zu "Verborgen" von Tobias Hill

    Verborgen

    michael_lehmann-pape

    15. November 2011 um 11:41

    Sparta. Gestern und Heute. Außen und Innen Langsam geht Hill seine Geschichte an. Ein Thriller? Das erschließt sich dem Leser, wenn überhaupt, dann ebenso langsam, eigentlich erst zum Ende des Buches hin. Ein Buch aber, in dessen literarischer Qualität eine seltene Intensität erschaffen wird, eine Verbindung zwischen zunächst ganz unverbunden wirkenden Dingen, eher eine Ahnung dessen, was im Inneren, in der Tiefe wie ein Vulkan brodelt. Gewalt und Terror, aber, wie gesagt, über lange Zeit des Buches hinweg in sehr feiner, filigraner Form, wie um das Ende der Geschichte intensiv in alle denkbaren Richtungen im Leser hin anzulegen. Benjamin ist geflohen. Vor sich selbst. Vor seiner gescheiterten Ehe, vor der nun verleideten „inneren Heimat“ Oxford, die doch seiner und seiner Frau Emines Heimat war. Doch diese hat ihn verlassen. Aus Gründen, die sich Benjamin vielleicht selber noch nicht wirklich eingestehen kann, die aber mit Macht noch hervorbrechen werden in der Geschichte. Verbunden beide durch das gemeinsame Kind, aber auf einer tieferen Ebene zerstört als Paar. „Wenn ich Doch noch lieben könnte, würde ich es tun. Es wäre besser für alle“, schreibt ihm seine Frau hinterher. Denn Ben ist in Griechenland, in einem eher gottverlassenen Winkel und arbeitet als Aushilfe in einem Restaurant. Und wendet sich seiner Doktorarbeit zu, die er plant. „Sparta“ ist sein Thema und diese Doktorarbeit bildet den zweiten Strang der Geschichte, wird im Buch immer wieder angeführt und öffnet , dem Leser zumindest, so ganz langsam die Augen, wohin es gehen könnte. Terror war die Methode Spartas, zu herrschen. Herrschen im Sinne und mit grausamen Göttern. 9500 Hospliten hielten zu Hochzeiten der Macht Spartas 180.000 Heloten („Kriegsgefangene“) in Schach, um das spartanische Reich im Alltag funktionieren zu lassen. Wie gelang dies? Welche Angst erzeugten jene knapp 10.000 „echten“ Spartaner, denen außer der Kunst des Krieges jede andere Tätigkeit verloren war? Und warum verschwand Sparta so schnell, so sang- und klanglos aus der Weltgeschichte? Ein Volk, das äußerst verschwiegen war und kaum Spuren hinterlassen hatte. Die inneren Beweggründe, die innere Haltung Spartas, sie findet sich wieder. Unter den bunt zusammen gewürfelten Mitarbeitern des Restaurants, unter denen es brodelt, vor allem dem Juniorchef gegenüber. Gewalt liegt in der Luft, im Inneren der Personen. Unglaublich geschickt bricht Hill genau am Kulminationspunkt der Gewalt, dort, wo „das Blut wahrhaftig aus der Suppe steigt“, den Erzählfaden zunächst ab. Ben hat die Möglichkeit, als ausgebildeter Archäologe an einer Grabung in Sparta teilzunehmen. Jener Ben, der ebenfalls, immer intensiv, nie ausbrechend, angedeutet, einen unglaublichen Zorn in sich trägt. Ursache für seine privaten Schwierigkeiten oder Folgen der Trennung? Irgendetwas muss passiert sein, an irgendjemanden, Frau oder Kind, muss er Hand gelegt haben, so deutete es sich an, ohne ans Tageslicht zu treten. Später. Vielleicht aber ist Ben diese, seine eigene innere Seite, genauso unzugänglich wie die anderer Menschen? Wie er es hasst, zum Stillstand zu kommen, da könnten ja Gedanken aufsteigen. Immer in Bewegung, fort, nur fort, von sich vor allem. Und kommt vom Regen in die Traufe. Denn auch die Gruppe am Grabungsort hat ein inneres Brodeln, Heimlichkeiten, auch hier brodelt der Terror, liegt Gewalt nur eine Handbreit unter der Oberfläche. Und das nicht einfach so, da gibt es durchaus einen Plan, dessen Aufdeckung dem sich Ben fast unfreiwillig nähert. Bis alles in einem grandiosen Finale eher implodiert denn explodiert. Tobais Hill hat eher einen Roman, vielleicht eine Art literarischen Thriller entworfen, der vor allem auf den Tiefenebenen seine gestalterische Kraft entfaltet. Wie sein Hauptthema „Archäologie“ muss das Wesen der Dinge ausgegraben werden. Ein gefährliches Unterfangen, das Graben, wie es gerade der neue Lebensgefährte von Bens ehemaliger Frau, ein Professor der Archäologie, nie müde wird, zu betonen. Und so gräbt Hill. Im Boden, einerseits, vor allem aber in den Figuren, fast beiläufig, ohne großes, tiefenpsychologisches Aufheben zu machen. Für Freunde oberflächlicher Aktion und ständig vordergründiger Bedrohung ist hier lange Zeit wenig zu finden (aber auch das wird vorkommen, später). Ein Roman mit wenig Sympathieträgern, weder mit Ben noch mit anderen Figuren des Romans kann der Leser sich wirklich identifizieren, im Bannkreis des Terrors gibt es keine „guten Helden“, es gibt nur Menschen, die auf unterschiedliche Weise ihre Ziele verfolgen und die inneren Dämonen versuchen, in Schach zu halten (oder gerade diese bei anderen heraus zu provozieren). Der Roman entfaltet eine lang anhaltende Sogwirkung, wenn man sich bereit erklärt, mit Hill in der Tiefe zu graben und die spürbare Intensität der Figuren zu entdecken. Mit langer Vorbereitung und gründlicher Darstellung bereitet Hill hierbei die Thrillerelemente und das erschreckende Ende des Buches vor. Eine, auch sprachlich, hervorragend gewählter Form, um das Buch mit langen Nachwirkungen zu versehen.

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