Tobias Künkler

 3,3 Sterne bei 10 Bewertungen

Lebenslauf

Prof. Dr. Tobias Künkler, ist Professor für Interdisziplinäre Grundlagen Sozialer Arbeit an der CVJM- Hochschule in Kassel. Gemeinsam mit Tobias Faix leitet er das Forschungsinstitut empirica für Jugend, Kultur und Religion sowie den Masterstudiengang "Transformationsstudien: Öffentliche Theologie und Soziale Arbeit".

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Tobias Künkler

Cover des Buches Sexualität und Glaube (ISBN: 9783417010435)
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Rezension zu "Sexualität und Glaube" von Tobias Künkler

DaliEli89
Ergebnisse der großen christlichen Studie - faktisch gut. Die Bewertung ist enttäuschend

Zum Thema Sexualität gab und gibt es im christlichen Bereich bereits diverse Bücher, doch diese zwei Bände -„Sexualität und Glaube“ sowie „Unsere Geschichte mit Sex“- unterscheiden sich von den bisherigen: Sie sind nämlich das Endergebnis einer groß angelegten 3-jährigen Studie, um herauszufinden, wie Christen unterschiedlicher Glaubensauffassung mit diesem Thema umgehen, wie sie selbst Sexualität leben und wie sie geprägt wurden.


Ich stehe diesen Büchern recht ambivalent gegenüber: Einerseits finde ich es gut und wichtig mal einen Einblick in das Denken und Erleben anderer Christen zu gewinnen und der persönliche Eindruck über die enorme Vielfalt der christlichen Welt hat sich auf jeden Fall bestätigt: Man kann schon lange nicht mehr davon ausgehen, dass Christen DIE eine Meinung haben. Es hat mich natürlich betroffen gemacht, wie sehr doch viele Personen unter einigen Praktiken von Gemeinden gelitten haben und sich in ihrem Sexualleben eingeschränkt gefühlt haben. Die Idee der Bücher finde ich wirklich großartig und auch notwendig! 


Doch andererseits haben mich einige Punkte getroffen und absolut schockiert und etwas ratlos hinterlassen. Gerade beim Thema Sexualität bin ich (wohl recht naiv) davon ausgegangen, dass es einen gewissen Konsens gibt in der christlichen Welt. Dass Christen sich an biblischen Werten orientieren. Ich wurde durch diese beiden Bücher eines besseren belehrt…



Sexualität ist ein sensibles Thema und wird und wurde oft gerade in konservativen christlichen Kreisen entweder totgeschwiegen oder es wurde nicht optimal damit umgegangen in der Kommunikation  jungen Leuten gegenüber (Stichwort z.B. fehlende Aufklärung im Elternhaus oder purity Culture). Es ist sehr berechtigt und wichtig, da einen Finger drauf zu legen um ein Bewusstsein für die Wichtigkeit des Themas zu schaffen. Doch ich fragte mich während des Lesens Ständig, seit wann es eigentlich unter Christen normal geworden ist, die eigene Lebensrealität als Wahrheit zu nehmen und nicht mehr das Wort Gottes? Ich erwartete zumindest ein Mindestmaß an Orientierung an der Bibel bei diesem Thema, stieß jedoch schon fast an Entsetzen darüber, die Bibel wörtlich zu nehmen und es auf jeglichen Lebensbereich anzuwenden. Obwohl es nicht offensichtlich geschrieben wird, schwingt unterschwellig ein Tonus mit, der jegliche bisherigen christlichen Überzeugungen, wie sie gepredigt und gelehrt wurden, verurteilt und ablehnt, ja sogar verhöhnt. So habe ich es durchweg beim Lesen empfunden. Der Begriff der Sünde ist absolut negativ konnotiert und es wird zwischen den Zeilen fast schon vermittelt, dass dieser Begriff im Zusammenhang mit persönlicher Sexualität nichts zu suchen hat. Da würde ich sogar noch weiter gehen: es scheint, als wäre das Lehrern über „sexuelle Sünde und vergehen“ ein Angriff auf alle Menschen und absolut zu vermeiden, denn Menschen könnten verletzt werden und Traumata erleiden. Für mich herrscht in dieser Auswertung und Bewertung der Studie ein progressiver Geist vor, der die christlich konservative Sexualethik ablehnt und für eine moderne, lockere, dem weltlichen Zeitgeist entsprechende Offenheit gegenüber der Vielfalt der sexuellen Orientierung und Praktiken plädiert. Frei nach dem Motto: Sexualität geht niemanden außer sich selbst etwas an und darf ausgelebt werden, wie es einem selbst beliebt ohne jegliche Orientierung an der Bibel. Die Inhalte der Bibel zu dieser Thematik werden übrigens recht profan und als dem damaligen kulturellen Zeitgeist geschuldet abgetan, was ich als Christin einfach nicht so sehen kann. 


Als Resümee kann ich folgendes sagen: 

Spannend war es auf jeden Fall die Ergebnisse der Befragung auch sehr anschaulich präsentiert zu bekommen. Das Buch ist gestalterisch sehr gut aufgemacht und das vereinfacht das lesen der Studie total. Die Grafiken bereichern den Inhalt und es ist hochinteressant, die Daten dazu zu sehen. 

Definitiv sehr positiv zu erwähnen ist, dass so viele Menschen an dieser Studie teilgenommen haben und sich einige so sehr geöffnet haben um die Leser an ihren Erfahrungen und vor allem an ihrer Gedankenwelt teilhaben zu lassen. 


Missfallen hat mir an dieser Stelle jedoch, dass mehr „negative“ bzw „traumatische“ Erfahrungen reingenommen wurden anstatt positive (z.B. was den Aspekt „Kein Sex vor der Ehe“ angeht). Was aber wiederum die Schwierigkeit und Spannung des ganzen Themas an sich ganz gut zeigt. 

Das Buch bietet sich gut als Gesprächsgrundlage zu extrem wichtigen Themen an, und es ist eine schöne relevante Einladung zum Diskurs. 


Doch insgesamt ließen mich die Bücher enttäuscht zurück und konnten mich einfach nicht überzeugen. Es ist eine Sache, Daten, Fakten und Interviews auszuwerten und zu präsentieren- eine ganz andere jedoch, einen grundsätzlichen Ton und Bewertung in das Ganze reinzulegen. Auch wenn es nicht beabsichtigt war- man spürt es beim Lesen. Und als Christin, für die die Bibel der Maßstab ist, konnte ich diesem Grundtonus und diesem Appell „mit dem Zeitgeist zu gehen“ leider nicht viel abgewinnen.

Cover des Buches Sexualität und Glaube (ISBN: 9783417010435)
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Rezension zu "Sexualität und Glaube" von Tobias Künkler

strickleserl
Ein Blick ins Schlafzimmer

Eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben, ist für mich herausfordernd, denn ich ringe selbst um Antworten auf Fragen, die hier angesprochen werden. Dabei wundere ich mich, wie ethische Maßstäbe, die für mich als Christ schon lange klar sind, zunehmend in Gemeinden an Bedeutung verlieren.

 

Dieses Buch ist sehr darum bemüht, wissenschaftlich fundierte Antworten auf Fragen rund um das Erleben von Sexualität zu geben. In verschiedenen Medien wurden Christen aufgerufen, anonym über ihre Erfahrungen Auskunft zu geben. Über 10.000 Menschen sind es, die hier Einblick in ihre zutiefst persönlichen Gedanken und Erlebnisse geben.

 

Die Ergebnisse werden in verschiedene Themenfelder gegliedert und ausgewertet, beispielsweise Sexualität als Single, Paarsexualität, Sex und Gewalt oder sexuelle Vielfalt. Jedes Kapitel endet mit interessanten Kommentaren von Fachleuten zu den vorangestellten Auswertungen.

 

Das Buch ist gut lesbar, und auch das Layout mit den vielen Grafiken der Auswertungsergebnissen überzeugt. Die Themen sind sinnvoll gewählt und interessant. Es ist grundsätzlich sehr wertvoll, dass es ein solches Buch als Gesprächsgrundlage gibt.

 

Beim Lesen habe ich aber das Gefühl, dass nicht wirklich objektiv an dieses Thema herangegangen wird. Es scheint ein Unterton mitzuschwingen: Wer an einer veralteten Sexualethik festhält, ist zu bedauern und gefährdet andere. Das wird nicht ausdrücklich so gesagt, klingt aber an vielen Stellen durch.

 

Natürlich ist es gut und notwendig, eigene Überzeugungen immer wieder zu prüfen und zu hinterfragen. Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass alles, was vor zwanzig Jahren gelehrt wurde, automatisch überholt ist. Manchmal scheint es mir, dass Christen gerne den Trends um sich herum folgen, einfach einige Jahre später.

 

Ein Beispiel dafür sehe ich im Kapitel über Pornographie. Dort wird vor allem die Inkongruenz im Leben gläubiger Menschen thematisiert: Viele Christen lehnen Pornographie ab, konsumieren sie jedoch selbst. In diesem Buch wird dabei besonders hervorgehoben, wie belastend die damit verbundenen Schuldgefühle sein können. Erwähnt wird jedoch nicht, dass solche Schuldgefühle nicht nur Überreste einer strengen christlichen Prägung sein müssen, sondern auch ein wertvoller Hinweis des Gewissens sein können.

 

Anstatt nur von Komplexen zu reden, könnte auch über die andere Seite informiert werden: Frauen werden ausgebeutet, um pornografische Inhalte herzustellen. Dazu zeigen zahlreiche Studien, wie sich das Gehirn der Konsumenten verändert, wodurch echte Intimität immer weniger möglich wird. Pornokonsum wird außerdem leicht zu einer Sucht, die nach immer stärkeren Reizen sucht. Eine Verharmlosung der Pornographie wird zudem unseren Kindern schweren Schaden zufügen.

 

Ähnliche Bedenken habe ich auch bei anderen Themen in diesem Buch. Ich finde die Idee ausgezeichnet, über den Zusammenhang von Glauben und Sexualität zu forschen, finde aber, dass die Auswertungen in diesem Buch zu einseitig sind. Schade! Ich hätte mir ein deutschsprachiges Buch gewünscht, das eher dem amerikanischen Bestseller, „The Great Sex Rescue“ ähnelt.

 

Fazit: Dieses Buch wertet eine groß angelegte Studie unter Christen zum Thema Glauben und Sexualität aus. Die Teilnehmer stammen aus der katholischen und evangelischen Kirche sowie aus Freikirchen und anderen christlichen Denominationen. Die Idee hinter dem Projekt ist hervorragend, und viele Aspekte des Buches sind gelungen. Kritisch sehe ich jedoch die teilweise einseitige Interpretation der Ergebnisse.

Cover des Buches Sexualität und Glaube (ISBN: 9783417010435)
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Rezension zu "Sexualität und Glaube" von Tobias Künkler

Lesestern
Sexualität im Diskurs von Glaube und Erfahrung

Im Herbst 2025 fand ein Kongress in Kassel initiiert vom SCM zu einer vorher erfolgten empirischen Studie zum Thema Sexualität unter Christen statt,.
Zeitgleich sind dazu zwei zusammen hängende Bücher " Sexualität und Glaube" und " Unsere Geschichte mit Sex" im Brockhaus Verlag erschienen, in denen die Ergebnisse der Studie präsentiert werden.

" Sexualität und Glaube" widmet sich der quantitativen Online- Befragung von ungefähr 10 000 Teilnehmern mit Erläuterungen und Kommentaren

" Unsere Geschichte mit Sex" beinhaltet die Auswertung von Büchern, Zeitschriften, Social Media Posts und Interviews mit jungen Christen.

Mein Leseeindruck:
Beide Bücher sind modern und ansprechend gestaltet und sprechen das komplexe und sensible Thema der Sexualität aus vielfältigen Perspektiven und vorwiegend persönlichen Erfahrungen an.

Die am Anfang geschriebenen Statements bekannter Personen aus unterschiedlichen Denominationen erzeugt Empathie, genauso wie das formulierte Ziel, eine Plattform zum Dialog unterschiedlicher Meinungen zu schaffen.

Gleich im ersten Teil wird allerdings ersichtlich, dass es sich um keine repräsentative Studie handelt, die übertragbar ist auf alle Christen.
Dies wird übrigens von dem Autorenteam dann auch direkt benannt.
Die ersten Grafiken zeigen deutlich, dass aufgrund der Methodik in Form einer Online Befragung der Durchschnitt der Altersstruktur eher die die jüngere Generation betrifft. Ebenso räumen die Autoren ein, dass hochgebildete, bi und homosexuelle gegenüber anderen bisher erfolgten Studien " überrepräsentiert" sind.

Da liegt es doch nahe, zu fragen, inwieweit die Methodik bereits Einfluss auf das Ergebnis hat...
Mein Nachfragen wird dann auf den nächsten Seiten unterstützt, durch einen Kommentar eines bekannten Theologen, der die Auswirkung dieser vorgenommenen Methodik " als Binsenwahrheit" bestätigt.

Auch die hier per Grafik ausgewiesene relativ höhere Liberalität an der Gemeindebasis gegenüber der Leitung selbst, bringt mich ins Nachdenken, wie hoch der Anteil an " progressiv Denkenden" bei dieser Befragung war...

Auch wenn ich mir dann weitere Grafiken angeschaut und die dazu gehörigen Kommentare gelesen habe, hatte ich ab da, Schwierigkeiten, den Nutzen und das eigentlich gut gemeinte Ziel dieser Studie zu erkennen.

Die Texte selbst erwecken einen sachlichen und verständlichen Eindruck, enthalten ab und zu allerdings Fremdwörter, die im normalen Sprachgebrauch nicht vorkommen und zu Stolperfallen werden können, die den Lesefluss hemmen.
Auch der Sprachgebrauch von " hochreligiös" oder " religiös" empfinde ich bei einer christlichen Studie als unpassend.
Das stimmt mich irgendwie traurig, dass man egal ob wissenschaftlicher Anspruch, sich da nicht mehr Gedanken gemacht hat, um das was uns Christen ausmacht, gerecht zu werden.
Ich persönlich sehe mich weder als " hochreligiös noch als religiös" und frage mich, weshalb man nicht z.B christuszentriert schreibt.

Alles weitere, was ich dann gelesen habe, erzeugt in mir den Eindruck, dass hier unterschwellig aber auch teilweise sehr offensichtlich von Vorraussetzungen ausgegangen wird, die ich für diskussionswürdig halte und die sich für mich als Anpassung an den Zeitgeist widerspiegeln.
Dieser Eindruck wird durch den Ergänzungsband " Unsere Geschichte mit Sex" verstärkt, indem 14 junge Menschen
ihre Erfahrungen und Lebensgeschichten in Beziehung zu der kontrovers geführten Diskussion um verschiedenes Sexualverhalten offen, durchaus empathisch und reflektiert im unterhaltsamen Erzählstil, aber leider ohne klaren biblischen Maßstab wiedergeben.

Mein Fazit:
Für mich wäre es von Bedeutung bei dieser Studie gewesen, bei den Befragten den Stellenwert von Gottes Wort erstmal klarzustellen, denn wenn wir als Christen das infrage stellen, was uns als Christen eigentlich ausmacht und die Autorität der Bibel anzweifeln und uns einer kulturellen sexuellen Transformation unterordnen, führt uns das von einer eigentlich beabsichtigten Verständigung weit weg und das gutgemeinte Ziel der Studie wird verfehlt.

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