Tobias Premper

 4.5 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor von Mississippi Orangeneis Blues, Erst einmal für immer und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Tobias Premper

Durch Bäume hindurch

Durch Bäume hindurch

 (1)
Erschienen am 04.09.2013
Mississippi Orangeneis Blues

Mississippi Orangeneis Blues

 (1)
Erschienen am 17.10.2016
Erst einmal für immer

Erst einmal für immer

 (1)
Erschienen am 28.08.2015
Das ist eigentlich alles

Das ist eigentlich alles

 (1)
Erschienen am 01.09.2011

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Rezension zu "Mississippi Orangeneis Blues" von Tobias Premper

Der Blues des Lebens
Duffyvor 2 Jahren

Nach einem Romanausflug kehrt Premper zurück zur Kurzform und entzieht sich wieder jeder Kategorie. Sind das nun Kurzgeschichten, Miniaturen, sind das Grotesken oder doch eher surreale Szenen, ist das Lyrik oder Prosa, sicher ist von allem etwas dabei und dieses Ungreifbare scheint bei dem Autor Programm zu sein, mit dem er sich der Inanspruchnahme eines Genres geschickt und sicher auch aus Selbstschutz entzieht. Man kann es gerne Großstadtlyrik nennen, das trifft es genauso gut wie alles andere. Der Blues zieht sich wie ein roter Faden durch teilweise skurile Geschichten oder Situationen, manchmal sind es kleine Meditationen, manchmal wird auch eher unscheinbar Alltägliches einfach nur durch gekonntes Beobachten und Deuten offenbart.
Premper ist kein Wortjongleur oder -akrobat, er ist ein Wortkünstler, benutzt sie wie Farben, um seine Kompositionen sichtbar zu machen. Er ist Wortkünstler, seine Einlassungen sind überlegt und pointiert, Schattierungen sind ihm genauso wichtig wie ab und an grelle Überzeichnungen. Die Kurzform gibt ihm die Gelegenheit, den Leser in den Prozess der Gestaltung seiner Geschichten mit einzubinden, jeder darf sich die Stimmung zum Text selbst aussuchen.
Das ist keine Massenware, das ist in der deutschen Literatur schon fast experimentell zu nennen, und es ist konsequent. Da hilft es sicher, dass Premper mit Steidl einen Verlag gefunden hat, der diese Schreibkunst mitträgt, denn immerhin ist es schon sein viertes Buch dort. Wer mit einem Buch, das nur aus Notizen besteht, seinen Einstand gibt, dessen Akzeptanz muss beim Verlag schon sehr groß sein.
Premper ist ein Schreiber zum Entdecken. Alle vier Bücher sind unterschiedlich. Inhalt, Stil, Ausdruck und Form veränderten sich im Laufe der Zeit. Das ist spannend und fordert breitere Ankennung. "Mississippi ..." ist zum Kennenlernen genauso geeignet wie seine drei Vorgänger. Mein persönlicher Tipp wäre allerdings "Das ist eigentlich alles", aber unter dem Strich ist es dann doch egal, interessant ist das Kennenlernen an sich.

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Rezension zu "Erst einmal für immer" von Tobias Premper

Romandebut des Ausnahmeschreibers
Duffyvor 3 Jahren

Nach einem Buch mit Notizbuchaufzeichnungen und einem zweiten mit großartigen Kurzgeschichten nun also das dritte Buch des Berliner Autoren Tobias Premper: sein Romandebut.
Roland Steinbergs Kunst besteht aus der Kreation von LIteraten, die nie veröffentlicht haben und total unbekannt, aber dennoch Genies sind. Alle hat er erfunden, keiner hat je gelebt, aber alle haben einen Koffer mit Fragmenten zurückgelassen. Diese Koffer und die Nachlässe der Autoren stellt Steinberg aus und macht dabei ein Vermögen. Doch das interessiert ihn nicht. Unruhig und rastlos taumelt er durch die Stadt, durch Freundschaften, durch Liebe und bleibt dabei doch Narziss, der zu nichts imstande ist als Kontinuität zu zerstören. Sein Verschwinden und Ableben mutet wie ein schlechter letzter Akt eines Dramas an.
Prempers Idee ist vom Ansatz nicht ganz neu, aber doch anders. Nicht umsonst zitiert er an einer Stelle Fernando Pessoa, der auch Lebensläufe von Autoren erfunden hat (Heteronyme), die er dann als selbstständige Schreiber etablierte. Doch Premper gibt der Idee eine besondere Qualität, indem er die Nachlässe in einer besonderen Form (die der Koffer) auch visuell betont. Das Absurde hat bei ihm einen schon witzigen Nebeneffekt, wenn etwa die Transportkisten für die Koffer schon als Kunstwerk gelten.
Ansonsten ist der Steinberg eine getriebene Seele, dessen Unfähigkeit zur Bindung offensichtlich gerne im Verhältnis zu seinem Vater gesehen wird, was dann aber doch nur einen Teil seines narzistischen Verhaltens rechtfertigen soll. Dass sich seine Kunst als großes Missverständnis erweisen könnte, nimmt er in Kauf.
Prempers Roman ist nicht einfach. Vor allem ist er grundverschieden von seinen Kurzgeschichten. Es ist Literatur auf einem eigenen Stilniveau. Er versucht natürlich den Leser mitzunehmen, setzt aber voraus, dass der/die sich von der eigenen Möglichkeit zur Abstraktion mitnehmen lassen kann. So wird der eine oder andere sicher manchmal ein wenig ratlos den Steinberg hinterfragen wollen und genau diese Perspektive macht das Buch so interessant. Der Leser hat die Chance, sich jedes Urteil über Steinberg zu bilden, das er will und immer richtig zu liegen. Ein gelungenes Debut, ungewöhnlich und nicht leicht, aber das war bei einem so reflektierenden Autoren wie Premper nicht weiter zu erwarten. Es wäre schön, wenn er endlich die breite Aufmerksamkeit erhielte, die ihm zusteht.

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Rezension zu "Das ist eigentlich alles" von Tobias Premper

Ein Buch, das nie enden dürfte ...
Duffyvor 5 Jahren

Dieses Buch ist siebzehn Notizbücher aus sechs Jahren. Unkommentiert lässt Premper die Eintragungen hintereinander stehen. Eine Aneinanderreihung kurzer Kurzgeschichten, Gedanken, Beobachtungen, Betrachtungen, Gefühle, Absurdes, Trauriges, Sinnliches, Verlorenes. Seelenwanderung, mal schmerzlich, aber auch mit viel Schönem. Ein pralles Leben des Erfahrens und nein, man will hier nichts Bombastisches über das Buch schreiben, zu klischeebefrachtet würde sich das lesen, nur soviel: Der Rezensent konnte und wollte es nicht in einem Zug durchlesen, zu überraschend waren die Einträge. Hier muss man Muße haben, Zeit, um reflektieren zu können, einen großen Teil davon will man einfach abschreiben, um den Sinn aufzusaugen, die Idee dahinter oder einfach nur, um herauszufinden, warum man von einem Satz manchmal so verblüfft sein kann. Bis man merkt, dass man sich wünscht, das Buch sollte nie ein Ende haben, dieses Füllhorn nie versiegen, das alles zu spenden scheint, worüber man immer schon mal nachdenken wollte. Großartig! Zauberhaft! Wunderbar!

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