Tobias Scheffel Der große Jäger

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Inhaltsangabe zu „Der große Jäger“ von Tobias Scheffel

An einem Dienstag im November verlässt Christine Autran, Dozentin für Ur- und Frühgeschichte in Marseille, abends ihre Wohnung, um ans Meer zu fahren. Einen Monat später findet man die Leiche einer Frau im kalten Wasser der Calanques, unter einem Felsen eingeklemmt. Commandant Michel De Palma vom Morddezernat soll den Fall aufklären, dabei ist er bereits mit einem weiteren komplizierten Fall betraut: Ein Serienmörder hat wieder zwischen Marseille und Aix-en-Provence zugeschlagen. Neben den Leichen der getöteten Frauen pflegt er den Abdruck einer Hand zu hinterlassen, der an prähistorische Malereien in einer Unterwasserhöhle in den Calanques erinnert. Haben all diese merkwürdigen Todesfälle etwas miteinander zu tun? Ein spannender Kriminalroman an einem faszinierenden Schauplatz.

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    Der große Jäger

    Stefan83

    06. October 2011 um 22:45

    Ein Krimi aus Frankreich? Ich gebe zu, zuletzt bin ich was das angeht sehr skeptisch geworden, denn immer öfter endete der literarische Ausflug ins schöne Nachbarland mit einer Enttäuschung. Nun taucht mit Xavier-Marie Bonnot ein neuer Name auf dem deutschen Buchmarkt auf. "Der große Jäger" ist sein Erstlingswerk und wurde in seiner Heimat mit gleich mehreren Preisen bedacht. Zugegebenermaßen nicht immer ein Kriterium für gute Qualität, zumal der gebürtige Marseiller hier in Deutschland natürlich zwangsläufig mit Größen wie Jean-Claude Izzo verglichen wird. Beide beackern jedoch zwei verschiedene Bereiche des Genres und haben auch sonst nicht allzu viel gemeinsam. Bonnots Debütroman um den Commandant Michel de Palma, der von allem nur Baron genannt wird, vollzieht gewissermaßen den Spagat zwischen dem klassischen Kriminalroman und dem Thriller alla Grangé und Chattam. Der Hauptprotagonist ähnelt wohl nicht ganz unabsichtlich Adamsberg von der Kollegin Vargas und schwimmt mit seiner brüchigen Vita, der gescheiterten Ehe und dem übermäßigen Alkoholkonsum auf der derzeitigen Erfolgswelle vergleichbarer Ermittler des Genres. Trotzdem besitzen "Der große Jäger" und sein Held de Palma mehr als genug Eigenständigkeit, um zu funktionieren, was nicht zuletzt auch an dem einfach spannenden Plot liegt. Der ist schnell erzählt: Bei Calanques, einer Küstenregion Marseilles, wird die Leiche der bekannten Dozentin für Ur- und Frühgeschichte, Christine Autran, aus dem Wasser gefischt. Ihr Spezialgebiet war die Le Guen Höhle, welche unterhalb der Wasseroberfläche des Mittelmeeres liegt und erst einige Zeit zuvor entdeckt worden war. Sie enthält einige Höhlenmalereien, welche die bisherigen Theorien zu den frühesten Menschen in den Grundfesten erschüttert haben. De Palma, der auf einen Serienmordfall angesetzt wird, in dem der Mörder seine Opfer, jedes Mal Frauen, zerstückelt und im Beisein einer Negativhand hinterlässt, entdeckt schon bald einen Zusammenhang mit dem mysteriösen Tod von Autran. Gemeinsam mit seinen Kollegen Maxime Vidal und der schönen Anne geht er den Verbindungen nach und beginnt die Jagd auf einen Mörder, der ihm stets einen Schritt voraus zu sein scheint. Bonnot schreibt präzise, knapp und trifft das Flair des südlichen Frankreichs auf den Punkt genau. Obwohl der Leser streckenweise von französischen Ortsangaben erschlagen wird (eine Karte wäre hier mehr als nützlich gewesen), scheint man stets mitten im Geschehen zu sein, die Marseiller Vororte und Küstenstreifen vor Augen zu sehen. Das Tempo des Romans ist konstant hoch, wenngleich sich Bonnot mit der letztendlichen Auflösung eine Menge Zeit lässt. Dies ist auch sein einziger Fehler, denn selbst das ungeübte Auge wird ab der Mitte des Buches die Identität des Mörders entschlüsselt haben. Einen Spannungsabfall erfährt "Der große Jäger" deshalb aber nicht. Im Gegenteil: Die sich zuspitzenden Ereignisse fesseln bis zur letzten Seite, die mich, trotz des amerikanisch angehauchten Endes, völlig zufrieden zurückgelassen hat. Insgesamt ist "Der große Jäger" ein absolut gelungenes, packendes Debüt mit wenigen Schwächen, das ich besonders Liebhabern der Provence ans Herz legen kann.

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