Es ist die Biografie einer Jugend, eigentlich die Biografie eines verkorksten Familienlebens, wie es ungünstiger von der Konstellation nicht sein könnte. Toby geht durch die Beziehungshölle seiner Mutter, die mit Pech als Führungswort am besten zu beschreiben ist. Sein Gang durch die Instanzen der Gefühle, die durch den Stiefvater, durch Ortswechsel und Schwierigkeiten in der Schule geprägt sind, ist das berühmte Spießrutenlaufen, aus dem er sich nach einigen Wirrungen aber selbst kennenlernt. Seine Auffassungsgabe sich selbst gegenüber wird durch die Widrigkeiten geschärft.
Egal, wieviel Autobiografisches der Autor hier verarbeitet hat, es ist eine etwas andere Biografie. Auf der einen Seite haftet ihr etwas Komisches an, in weiten Teilen bis zum Slapstick getrieben, auf der anderen Seite gibt es auch das Melancholische, das Tragische. Die ganze Entwicklung des Jungen orientiert sich auch an einigen wenigen moralischen Eckpunkten, die dann aber so eine Bedeutung erlangen, dass sie sehr wichtig werden. Ein interessantes Buch, von Wolff in der gewohnten Qualität geschreiben.
Tobias Wolff
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Tobias Wolff
Alte Schule
Die Entscheidende Nacht
This Boy's Life
Der Kasernendieb
Unsere Geschichte beginnt
Old School
In der Armee des Pharaos
Neue Rezensionen zu Tobias Wolff
Eine Kompanie Fallschirmjäger wartet auf ihren Einsatzbefehl nach Vietnam. Darunter auch drei Neue, deren Motivation, in die Armee eingetreten zu sein, wohl eher als Flucht aus der Provinz zu bezeichnen ist. Trotz gemeinsamer Erlebnisse, die eigentlich verbindende Momente haben sollten, wird ihre Situation, nachdem es in der Kompanie einen Dieb gibt, durch ganz andere Kriterien geprägt.
Tobias Wolff ist ein großartiger Erzähler. Mit seinem unaufgeregten Schreibstil kann er eine Intensität erzeugen, die seinesgleichen sucht. Nicht umsonst gehört er in den USA zu einem der wichtigsten Gegenwartslteraten. Für den "Kasernendieb" wurde der Autor mit dem PEN/Faulkner Award ausgezeichnet. Bei uns in Deutschland scheint es jetzt auch mehr öffentliches Interesse an diesem Ausnahmeschriftsteller zu geben. Verdient.
Zeit: Die 60er. Schauplatz: Eins der besten Internate an der Ostküste der USA. Es ist Sitte, dass namhafte Schriftsteller das Institut besuchen. Als sich Ernest Hemingway ankündigt, verfällt die halbe Schule in einen Schreibrausch. Es ist nämlich so, dass derjenige, der vom Gastautoren ausgewählt wird, mit diesem eine persönliche Begegnung haben wird. Dafür muss allerdings eine Geschichte geschrieben werden, die dem Gastautor auch gefällt. Die Hauptperson dieses Buches kupfert ab und gewinnt (welch eine Aktualität). Die daraus entstehenden Konflikte und Komplikationen machen klar, was Wolff mit seinem Werk versucht, nämlich einen Einblick zu geben, wie es ist, wenn individuelle Handlungen einen lange aufgebauten Ehren- und Verhaltenskodex, in diesem Fall den der Schule, gefährden kann.
Tobias Wolff schreibt wunderbar über das Schreiben. Er schreibt aber auch über das Lesen. Er schreibt auch über die Schreiber und bringt das alles so mühelos und unaufgeregt auf den Punkt, dass man sich wie auf einer Bahnfahrt fühlt, auf der die Landschaft schnell, aber dennoch eindrucksvoll an einem vorbeizieht. Ruhe und unangestrengtes Nachvollziehen der hier enthaltenen Gedanken - das ist Beherrschung des Handwerks.
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Zusätzliche Informationen
Tobias Wolff wurde am 19. Juni 1945 in Birmingham, Alabama (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.
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