Tobie Nathan

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Verliebt machen

Verliebt machen

 (1)
Erschienen am 01.09.2014
Ethno-Roman

Ethno-Roman

 (0)
Erschienen am 30.11.2012

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Rezension zu "Verliebt machen" von Tobie Nathan

Strategien zur Erweckung von „Verliebt-Sein“
michael_lehmann-papevor 4 Jahren

Strategien zur Erweckung von „Verliebt-Sein“

Ein ziemlich hoher Anspruch ist es, den Nathan schon im Titel des Buches und weiterhin im Inhalt formuliert. Die Möglichkeit, in jemand anderem das Gefühl von Verliebtheit auszulösen, sogar jemanden „verrückt vor Liebe“ zu „machen“.

Das erinnert an mittelalterliche Erzählungen von Liebenstränken (Tristan und Isolde) oder abergläubischen Vodoo Beschwörungen. Wie ein Programm, das nun eben dazu führt, dass mit gezielten Strategien so gut wie „jedes Objekt der Begierde“ erobert werden könnte.

Und ja, im Buch finden sich Einlassungen und Beschreibungen zur „Liebesmagie“, zu „Liebesdüften“, zum „Zauber“, wenn „die Chemie wieder zur Alchemie“ wird.

Doch anders als die Stichwörter es vermuten lassen, findet sich im Buch nicht das Ziel, bei Vollmond an blubbernden Kesseln zu stehen und Alraune unter magischen Beschwörungen auszukochen (zumindest nicht grundlegend, auch wenn es hier und da anscheinend helfen könnte).

Tobie Nathan nimmt einfach zunächst einen breitest denkbaren Bestand an „Dingen des Verliebt-Seins“ auf. Erkundet die Leidenschaft, die Besessenheit auf der emotionalen Ebene, die Göttervorstellungen, die Intentionen und Gefahren der Liebesmagie, wie sie in Legenden überliefert ist, verweilt bei „Seelenverwandtschaften“, bei Menschen, denen in Sekundenbruchteilen das „Zueinander-Sein“ deutlich wurde und die dann jedes Hindernis aus dem Weg fast räumen mussten (die alte Legende von David und Bathseba u.a.).

Das liest sich, auch im Stil, flüssig und durchaus interessant, auch wenn bei manchen der Schilderungen sich ein breites Schmunzeln ausbreitet, was Menschen alles in die Wege geleitet haben, um jemand anderen zu „erobern“.

Gut, dass Nathan selbst zugesteht: „Ich habe den absurden Charakter mancher Schlussfolgerungen, zu denen mich meine Überlegungen manchmal geführt haben, nicht geleugnet“. Absurd zumindest in den Augen jedes einigermaßen nüchternen Lesers, der nicht gerade aktuell nach jedem Strohhalm greift, weil ihn eine unstillbare Begierde zu jemand anderem hin gerade umtreibt.

Dennoch, Nathan kommt zu dem Schluss: „Ich glaube, das es bestimmte Kräfte gibt, die durch ein bestimmtes Vorgehen ausgelöst werden können“.
Und so legt er im letzten Kapitel des Buches eine Essenz all seiner Beobachtungen vor, allgemeine Prinzipien der mythischen Beobachtungen und Prinzipien, die sich zu jeder Zeit an (fast) allen Orten zur Erprobung eignen.

„Die Liebe zu entfachen ist möglich, sie zu kontrollieren aber nicht“.
Zumindest beim zweiten Teil des Satzes kann jeder Leser sicherlich zustimmen.

Was aber an Quintessenz vor Augen geführt wird (Anrufung, Wirksame Orte auswählen, den richtigen Augenblick finden (wenn der oder die andere „angreifbar“ ist), einen „Verkünder“ finden, auf eine „Gottheit“ vertrauen, „Maskiert“ bleiben, sprich, sich der erwählten Person zunächst nicht zu offenbaren), das ist entweder ganz allgemein bereits bekannt oder greift in solch esoterische Richtungen (der Psychoanalytiker als „Liebeszauberer“), das es schon einiges an auch diffusem Glauben braucht, um sich darauf einzulassen.

Alles in allem bietet das Buch eine interessante Lektüre in seiner Darstellung dessen, was im Lauf der Jahrhunderte bis heute alles unternommen wird, um „Liebe“ herzustellen und geht dabei ganz andere, mythische und psychoanalytische Wege als „normale“ Flirtratgeber.

Wege, die tief in esoterische Gefilde führen, auch wenn Nathan nicht müde wird, die (teils schamanisch anmutende) „innere Logik“ seiner historischen und aktuellen Befunde zu betonen.

Teils so „andere Wege“ das am Ende der reine Glaube gefragt ist. Auch der Glaube daran, dass Nathan selbst „sie zurückholen kann“. Die andere Person, die aktuell „nicht verliebt“ ist.

Magische Objekte, Dschinns, Liebeszauber, Liebesmagie, Bindung zwischen Gott und dem Menschen, all das aber muss jedem einzelnen überlassen bleiben, inwieweit er sich auf ein solches „Glaubenssystem“ einlässt.

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