Tolstoi Leon Résurrection

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Inhaltsangabe zu „Résurrection“ von Tolstoi Leon

Ein Reise in den Abgrund der russischen Arbeitslager am Ende des XIX. Jahrhundert

— Gin
Gin
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  • Weder das bekannteste noch der beliebteste Roman des Leo Tolstoj

    Résurrection
    Gin

    Gin

    02. April 2015 um 13:44

    Prinz Dimitri Nekhliudow ist der verwöhnte Sohn einer adligen Familie aus St. Petersburg. Als Student begann er sich für die sozialistischen Thesen zu interessieren und weil er ein Mensch voller Tatendrang ist, folgen Taten seinen Gedanken unmittelbar. Als sein Vater stirbt, weigert er sich, das Erbe, das größtenteils aus Ländereien besteht, anzutreten. Als aufgeklärter Sozialist ist er der Ansicht, dass die Erde den Bauern gehören soll und nicht Adligen wie ihm. Das hindert ihn aber nicht daran, das ohnehin vorhandene Geld mit beinen Händen auszugeben und in den teuersten Restaurants Moskaus oder St. Petersburg in galanter Begleitung zu dinieren. Bis zu dem Tag an dem Nekhliudov in einem Kriminalfall als Geschworener einberufen wird. Eine junge Frau, Katiouscha, die als Freudenmädchen in einem Bordell Moskaus ihren Lebensunterhalt verdiente, wird der Vergiftung eines ihren Kunden bezichtigt. Die Frau ist unschuldig, das empfindet auch jeder Geschworener, sogar Nekhliudov. Der ist umso mehr von Katiouschas Unschuld überzeugt, da er sie kennt, von früher. Er hat sie vor zehn Jahren gegen ihren Willen genommen, geschwängert, ihr hundert Rubeln für allfällige unerwünschte Folgen aus dem Geschlechtsverkehr "entschädigt" und sie sofort danach wieder vergessen, bis zu jenem Tag, wo er sie im Gerichtssaal als Beschuldigte wiedererkannte. Katiouchas Freilassung wäre auch objektiv gesehen eine reine Formsache gewesen. Doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Eine unglückliche Verkettung von Umständen führt dazu, dass Katiouscha von den Geschworenen doch für schuldig gesprochen wird und demzufolge eine Strafe von vier Jahren Zwangsarbeiten in einem sibirischen Lager absitzen muss. Nekhliudow, ist der einzige Anwesender, der den Fehler einsieht und er beginnt sofort nach der missratenen Verhandlung, Himmel und Erde zu bewegen, um Katioucha freizubekommen. Er sei es ihr schuldig, meint er. Nur, will sie das? Mit seinem Vorhaben durchschreitet Nekhliduow einen neuen Prozess in seinem Leben. Es scheint ihm, als würde er wiederauferstehen und seine Welt mit anderen Augen sehen. Er lernt den Armut der meisten seiner Landsleute kennen; er kommt in Berührung mit politischen Gefangenen und interessiert sich für ihre Bewegungsgründe; er steigt wortwörtlich in den Sumpf der russischen Arbeitslager hinab, gibt sich bei Katiouscha wiederzukennen und besucht sie, so oft er kann, legt Berufung in ihrem Fall ein und übernimmt die damit verbundenen Kosten. Das sei er ihr schuldig, meint er wieder. Doch Nekhliudow bemüht sich vergebens. Die russische Justiz und der Verwaltungsapparat sind stur. Katiouscha muss ihre Strafe absitzen, da gibt es nichts zu rütteln. Also entscheidet sich Nekhliudov zu einem mutigen Schritt: Er verkauft seine Ländereien, teils an seinen Bauern, teils anderen Interessenten, und begleitet Katiouscha auf ihrem Weg zum Arbeitslager in Ostsibirien, zwei Monate lang. Dort will er sie heiraten und in ihrer Nähe bleiben, um ihr die vier Jahre Haft erträglicher zu machen. Das sei er ihr schuldig, meint er erneut. Ein fesselnder Roman, den selbst Tolstoj nicht so sehr gemocht haben soll. Ich frage mich wieso. Ich fand ihn ergreifend, gespickt mit existentiellen Fragen, die nach wie vor ihre Berechtigung haben. Zum Beispiel: Wer gibt uns Menschen das Recht, über andere Menschen zu urteilen und sie ins Gefängnis zu stecken? Die Frage ist umso mehr berechtigt, da zu jenen Zeiten unzählige Gefangene in Russland aufgrund schlechter Behandlung starben. Doch die Frage stellt sich auch, selbst wenn die Wohnverhältnisse diejenigen eines vier-Stern-Hotel ähneln würden. Daher nochmals Nekhliudovs Frage: Wer ist gibt uns Menschen das Recht, über andere Menschen zu urteilen? Wir sind doch alle fehlbar, selbst die Geschworenen und die Richter. Außerdem haben die Strafen im Allgemeinen nicht den gewünschten Effet, die fehlbaren Menschen zur Vernunft zu bringen. Also, was soll das Ganze? Nekhliudov hat eine Antwort auf diese Frage gefunden. Das Buch ist übrigens auch auf Deutsch erhältlich: Die Auferstehung.

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